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Samstag, 5. September 2020

Bildungsgerechtigkeit

 " "Für die Bildungsgerechtigkeit ist Corona eine Katastrophe: Am meisten leiden die, die ohnehin schon gegen Widerstände an die Unis gekommen sind", sagt Amanda Steinmaus vom Dachverband der Studierendenvertretungen. Seit Jahren bemühen sich die Unis, auch jene für ein Studium zu gewinnen, deren Eltern keine Akademiker sind. Aber wie gut es diese Gruppe durch die Corona-Krise schaffen wird – mit weniger Geld, weniger Support, vereinzelt vor ihren Bildschirmen –, das wissen die Hochschulen noch nicht.

Dieser Ausnahmezustand muss ein Ende finden, wenn nicht erodieren soll, was zum Wesen jeder Universität gehört: dass sie auch ein Sozialgefüge ist. Gute Forschung und Lehre braucht Kreativität, und Kreativität braucht Austausch." 

https://www.zeit.de/2020/37/hochschulen-corona-krise-deutschland-forschung/komplettansicht

Entsprechendes gilt für die Schule. Gefördert werden müssen besonders die, die aufgrund fehlender technischer Ausstattung und Übung sowie wegen anderer ungünstiger Voraussetzungen im Elternhaus auch schon im Präsenzunterricht benachteiligt sind, im Fernunterricht sogar in Gefahr sind, völlig den Anschluss zu verlieren. 

Dienstag, 5. Februar 2019

Rechtsgleichheit und erworbene Ungleichheit

Die folgenden Rechnungen habe nicht ich aufgestellt. Sie lassen sich gewiss anfechten.
Aber der Eindruck, den sie vermitteln, dürfte kaum zu widerlegen sein:

Oxfam:
8 Menschen haben so viel Besitz wie die ärmeren 50% der Menschheit

jinfo.org:
0,2 Prozent der Weltbevölkerung sind Juden.
22 Prozent der Nobelpreisträger sind Juden.
http://www.jinfo.org/Nobel_Prizes.html
Die Nobelpreisträger versuchen meist, so viel von ihren Erkenntnissen weiterzugeben wie möglich.  (Alfred Nobel hat versucht, das zu unterstützen.)
Die meisten der 8 Reichen (oder sind es alle?) haben versprochen, - nach ihrem Tode - mindestens 50% ihres Reichtums nicht an ihre leiblichen Erben weiterzugeben, sondern für gute Zwecke zur Verfügung zu stellen. 

Meine persönliche Meinung
Es würde wohl nichts schaden, wenn sie damit ein wenig früher anfingen und wenn sie ihren Erben pro Person nicht wesentlich mehr als 1 Million US-Dollar vererben würden.

Muhammad Yunus hat einen guten Vorschlag dazu gemacht, wie das dann gespendete Geld verwendet werden könnte. 
"Wenn diese hyperreichen Zeitgenossen bereit wären, die Hälfte ihres Reichtums zum Nutzen der Welt abzugeben, würde der Geldfluss sofort seine Richtung ändern. [...] Überraschenderweise ist das kein Problem. Wir brauchen sie nicht zu überreden. Sie haben schon beschlossen, es zu tun! Alle acht haben Givingg Pledge unterschrieben und sich so verpflichtet, nach ihrem Tod die Hälfte ihres Reichtums für wohltätige Zwecke zu geben. [...]
Die Existenz von Givingg Pledge und seine Beliebtheit unter den Reichsten dieser Welt ist ein gutes Zeichen. Jetzt müssen wir sie nur noch davon überzeugen, dass zumindest ein Teil dieses Geldes für das Social Business genutzt werden sollte." (S.257-59)
Zum Kontext seines Vorschlags.

Außerdem könnten die Superreichen versuchen, ihren Nachkommen statt über Vererbung mit optimaler Förderung überdurchschnittliche Lebenschancen zu eröffnen.

Zum Versuch, Bildungsungleichheit statt durch Menschen durch Verwendung digitaler Medien ("digitale Bildung") auszugleichen. (mehr dazu: Internetlernen und Schnipsel)

Ein bekannter anderer Versuch war zwar folgenreich, aber nicht erfolgreich.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Zeitungsüberschriften und das Problem sachgerechter Verkürzung

Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit lautet die Überschrift eines Artikels der FAZ vom 30.5.18

Gespannt lese ich nach, ob die Behauptung, sozialer Status werde in Europa weiterhin über mehrere Generationen vererbt, nicht mehr gelte.
Dann erfahre ich, es geht um Bildungsgerechtigkeit. Und was ist dazu herausgefunden worden?
Lesen Sie mal nach.

Die Überschrift Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit erweist sich als Fake News. Denn es geht nur darum, ob Details einer speziellen Auswertung einer PISA-Studie korrekt vorgenommen wurden.

War es Ungeschick bei der Verkürzung? Sollte auf Kosten von Missverständlichkeit Interesse geweckt werden? Oder soll absichtlich der Eindruck erweckt werden, so weit sei es es mit sozialer Ungerechtigkeit in Deutschland gar nicht her?

Zugegeben: Die Überschrift "Auslegung der PISA-Studie ist strittig" hätte mich nicht zum Nachlesen angeregt.

Mit fällt bei Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit  H. M. Enzensbergers Aufsatz von 1962 über die FAZ ein: "Journalismus als Eiertanz"
Meine verkürzte Wiedergabe des Inhalts: Die FAZ bezieht alles auf Deutschland und lässt Deutschland immer möglichst gut aussehen.

Ich bin erstaunt, wie gut Enzensbergers Aufsatz (natürlich abgesehen vom konkreten Anlass) noch nach gut 55 Jahren auf die Methode der FAZ passt. Dort heißt es unter anderem:

"[...] Die Formulierung ist so unsachlich, daß sie auf eine Irreführung hinausläuft. (S.33) [...] "NATO-Kommando Ostsee vom Parlament gebilligt." Das ist die Nachricht, um die es geht, und in dieser oder ähnlicher Form hat die ganze Weltpresse darüber berichtet. Für die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen ist sie nichts weiter als ein Vorwand dafür, dem eigenen Land und letzten Endes sich selber, auf die Schulter zu klopfen. [...] Ein Blatt, das derart die Sache selbst in den Hintergrund schiebt, um aus ihren Begleitumständen politisches Kapital zu schlagen, muß mit solchen Kapital nicht eben reichlich versehen sein." (S.34) (H. M. Enzensberger: "Journalismus als Eiertanz. Beschreibung einer Allgemeinen Zeitung für Deutschland, zitiert nach Einzelheiten I, edition suhrkamp 63, Frankfurt 1973, Hervorhebungen von Fontanefan)

Wenn man es ins Positive wenden will, darf man sagen:
Diese traditionsreiche Zeitung ist sich selbst treu geblieben.
Freilich nicht der kritischen Haltung ihrer Vorgängerin, der Frankfurter Zeitung, die diese von der Weimarer Republik bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinüber gerettet hat. Wohl aber der Selbstzufriedenheit der Adenauerära, die noch von keinerlei Selbstkritik angekränkelt war.

Freitag, 9. März 2018

Chancengleichheit?

"Der gesamte afrikanische Kontinent nutzt in einer Woche so viel Datenvolumen wie Netflix-Abonnenten an nur einem Tag. Dort haben 45 Prozent weniger Frauen Zugang zum Internet als Männer. Zum Vergleich: In Industrieländern liegt die Differenz zwischen den Geschlechtern bei etwa zwei Prozent." (SZ 8.3.2018)