Samstag, 5. September 2026

Guinea, Guinea-Bissau und Äquatorialguinea

Bata ist die Hauptstadt der zu Äquatorialguinea gehörenden Festlandsregion Mbini, die nach dem Küstenfluss Mbini benannt ist.

Bezeichnend ist, dass für Europäer von Guinea,  Guinea-Bissau und Äquatorialguinea vor allem der Golf von Guinea und Fernando Po (heute Bioko), bekannt ist, weil es von den Briten genutzt wurde, um den Sklavenhandel einzudämmen. Während die befreiten Sklaven zunächst in Bioko angesiedelt wurden, bis Sierra Leone als Kolonie für befreite Sklaven gegründet wurde und diese Funktion übernahm. 

Heute sind die Amtssprachen in diesem Bereich Spanisch und Portugiesisch (Verkehrssprachen sind weitgehend Kreolsprachen), die Herrschaftsform sind Militärdiktaturen. Begreiflich dadurch, dass der auf Erdöl, Erdgas und Kakaoanbau basierende Wohlstand der Länder extrem ungleich verteilt ist und dieser Zustand am leichtesten durch Diktaturen aufrecht erhalten werden kann. 

Dienstag, 1. September 2026

Was wollen wir unseren Enkelkindern weitergeben?

 Aleida Assmann:

"Im Umgang mit Menschen sollten Anerkennung und Interesse, Freundlichkeit, Zuhören und Zuspruch eine Hauptrolle spielen, denn: Güte ist wichtiger als Radikalität. (Rainald Goetz).

Verwechselt nicht den Grad technologischer Expertise eines Landes mit dessen Zivilität.
Setzt euch für Menschenrechte ein und vergesst dabei auch nicht die Menschenpflichten.
Sucht euch eure Vorbilder sorgfältig aus und behaltet sie im Blick.

Entwickelt ein bewusstes Gefühl der Dankbarkeit für das Leben und die Errungenschaften, die ihr genießt.
Lasst euch nicht beirren in der Leidenschaft für die eigene Arbeit.
Lasst euch auch nicht einschüchtern und einschränken durch Vorschriften, die ihr als ungerecht und unfair erkannt habt.

 Und vor allem: lasst euch nicht verführen, von vollmundigen Parolen, die nur an euren Stolz appellieren und euch eine heile Welt versprechen. Die gibt es nämlich nicht.

Was KI und Co. angeht: Nutzt sie als ein hilfreiches Werkzeug, wo immer dies möglich ist, aber unterwerft euch ihr nicht. Die KI arbeitet nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip und kann immer nur das nächste Wort, die nächsten Gedanken vorhersehen. Sie kann also nur anschließen und weitermachen, aber nichts anfangen, erfinden und in die Welt setzen. Das könnte nur ihr!"

Sonntag, 30. August 2026

Zur Kontrolle von Beiträgen in sozialen Medien

 In einem sozialen Medium wurde die Frage gestellt: Wie findet ihr ein Schild an einem Café: „Kein Zutritt für Schwuchte1“?

Der folgende Beitrag wurde von der Kontrolle abgelehnt:

Es hat sich herausgestellt, dass Rauchen in Gaststätten auf andere Besucher gesundheitsschädlich wirken kann, dass man während ansteckender Krankheiten möglichst vermeiden sollte, andere einer Ansteckungsgefahr auszusetzen usw.

Dass jemand von dem Kontakt mit einer Person, die irgend jemand "Schwuchtel" nennt, geschädigt wird, ist nicht anzunehmen.

Insofern wäre ein willkürlicher Ausschluss aus öffentlichen Räumen abzulehnen. Nicht zuletzt hat sich gezeigt, dass jede Art von Ausgrenzung, sei es aufgrund von äußeren Merkmalen, sei es aufgrund von rassistischen Vorurteilen wie bei der Apartheid, den Kern schwerer gesellschaftlicher Störungen bilden kann.

Ich finde es wünschenswert, wenn Soziale Medien auf Beleidigungen hin geprüft werden. Wenn das durch eine KI geschieht, kann es manchmal schief laufen.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, auf solche Fälle hinzuweisen

Freitag, 28. August 2026

Michelle Obama über den Abschied von ihren Töchtern

"[...] Während Barack Obama geweint haben soll, als seine Töchter aufs College gingen, dachte sich Michelle nur: „Tschüss, meine Kleinen …“ Die ehemalige First Lady spricht in ihrem Podcast überraschend offen darüber, wie erleichtert sie über den Auszug von Malia und Sasha war.

Sie liebe ihre heute 28- und 25-jährigen Töchter zwar, aber dass sie nicht mehr zu Hause leben würden, nehme ihr auch Sorgen. „Ich vermisse sie nicht“ – aber sie treffe die beiden „heute zum Abendessen“, sagte die 62-Jährige in der am Mittwoch erschienenen Folge.

Malia und Sasha waren zehn und sieben Jahre alt, als ihr Vater als erster Schwarzer US-Präsident 2009 ins Weiße Haus einzog. Sie verbrachten während seiner zwei Amtszeiten einen Großteil ihrer Kindheit in Washington. Bei ihrem Auszug 2017 waren sie bereits junge Erwachsene. Seither halten sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.

Noch im selben Jahr begann die ältere Schwester, Malia, ihr Studium an der Harvard-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts. Sasha begann ihr Studium zwei Jahre später an der University of Michigan – und wechselte später zur University of Southern California. „Barack hat geweint, als sie aufs College gegangen sind. Ich dachte mir nur: ‚Tschüss, ihr Kleinen …‘“, sagte Michelle nun.

Seitdem ihre Töchter auf die Uni gehen, seien „Freitagabende nicht mehr von Schrecken und Angst darüber überschattet“, wo sich die beiden aufhalten, sagte Obama in ihrem wöchentlichen Podcast „IMO with Michelle Obama & Craig Robinson“, den sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder moderiert. Sie liebe die Unabhängigkeit und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Töchter.

Podcastgast Jon Stewart, Komiker und Moderator, kann das nicht ganz nachvollziehen. Seine Kinder sind seinen Ausführungen zufolge erst kürzlich zu Hause ausgezogen. Der 63-Jährige hält sein Familienleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Als seine Kinder noch zur Schule gingen, hätte ihm das „einen Sinn und eine Struktur gegeben“. Doch Michelle Obama zeigt sich davon unbeeindruckt: „Mir geht es gut“, quittiert sie den Versuch, ihr doch noch sentimentale Worte über ihre Töchter zu entlocken.

Auch als ihr Bruder, dessen Kinder auf eine weiterführende Schule gehen, Jon Stewart zur Hilfe kommt, wiegelt die ehemalige First Lady ab: „Ich liebe meinen Zeitplan. Ich habe einen tollen Zeitplan, und er gehört ganz mir.“ Sie könne es aber verstehen, dass Väter, die oft nicht zu Hause waren, das anders sehen. Sie andererseits habe „so viel schöne Zeit mit meinen Kindern verbracht. So viel. Ich kenne sie in- und auswendig.“ "

(Tagesspiegel 28.8.26)

Obdachlosigkeit in Berlin

 Die gestiegene Zahl von Obdachlosen in Berlin wirft viele Fragen auf.

Da liegt ein Mann auf der Straße. Seitlich, mit dem Rücken Richtung Hauswand, die Hände unter den Kopf gelegt wie ein Kind, seine schmutzverkrusteten Füße in zerrissenen Gummilatschen zucken. Er lebt. Und die, die an ihm vorbeieilen, leben auch. Frauen mit Einkaufstrolleys, eine Kindergartengruppe mit Warnwesten, eine Mädchenclique in Shorts und Cowboystiefeln, ein Mann mit einem Baby im Tragetuch und zwei Rollstuhlfahrende – um nur einige zu nennen, die in der gleichen Minute wie ich an dieser Stelle in Berlin-Kreuzberg den Kottbusser Damm entlangströmen. 

Der Mann an der Hauswand ist nicht der einzige Gestrandete auf der kurzen Strecke zwischen der U-Bahn-Station Schönleinstraße und der Kottbusser Brücke. Auch auf der anderen Straßenseite, vor dem Eingang einer Drogerie-Filiale, liegt jemand, allerdings mitten auf dem Gehweg, wo er die Geschäftigen stört. Zwei Polizeibeamte beugen sich über ihn, als ich vorbeigehe. Noch ein Stück weiter, an der Brücke, lagert ebenfalls eine Person auf dem Boden und wiegt sich in einem unhörbaren Lied. Es muss Krieg sein, würde man wohl denken, wenn man aus einer anderen Sphäre hier landete. Die Menschen fliehen, wer nicht Schritt hält, bleibt zurück.  […]

Was tut man? Ich tue, wie die anderen, die hier arbeiten oder in einem der Restaurants vor einem Aperol Spritz sitzen, nichts. Neulich stand eine abgefackelte Vespa zwischen den Bänken am Ufer. Botschaften sind an den Mülleimern oder den Zäunen der Häuser: Suche Zimmer. Mein Freund wurde hier lebensgefährlich verletzt – wer hat etwas gesehen? 

Die Wohnungen sind teuer. Eine Dachgeschoss-Maisonette wird für 4.000 Euro Miete angeboten. Von dort aus blickt man auf die nächtlichen Feuerstellen am Ufer herab. Nach Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leben in Berlin bis zu 7.000 Menschen auf der Straße und 57.000 in Unterbringungen – zehnmal so viele wie 2012. […]

Sind es nur die anderen, die schuldhaft Gescheiterten, aus eigentlich zu gewinnenden Kämpfen des Daseins ins Aus Geschwemmten? Oder jene, die vielen von uns nur ein kleines Stück voraus sind? Eine Freundin, Künstlerin, Ende 50, muss seit der Mieterhöhung ein Zimmer ihrer Zwei-Raum-Wohnung untervermieten, um dort bleiben zu können. Ein Paar mit zwei Kindern, das ich kenne, wohnt, obwohl getrennt, weiter zusammen, weil eine zweite Wohnung nicht drin ist.

Das Eis ist dünn geworden, die Angst, dass es bricht, wenn man sich nach vorn beugt, um einem anderen die Hand zu reichen, groß.

Petra Kohse, Frankfurter Rundschau 28.8.2026

Rückblick auf 2020, als vom Staat gefordert wurde, Infizierte sollten in der Wohnung bleiben: Wohnungslosigkeit ist vermeidbar


Dienstag, 18. August 2026

Untersetzer zum Umdenken

 Umdrehen ⇒ Umdenken!

Die Idee ist so einfach wie wirksam: Auf der einen Seite steht ein Satz, der Veränderung eher verhindert. Auf der anderen Seite steht eine Wendung, die neue Möglichkeiten öffnet.

„Ja, aber …“ dreht sich zu „Ja und gleichzeitig …“. Aus „Erstmal abwarten!“ wird der kleine Schubs: „Erstmal anfangen!“ Und wenn der Satz „Dafür bräuchten wir andere Rahmenbedingungen“ auf dem Tisch liegt, lädt die Rückseite zur Frage ein: „Was ist das Stärkste, was wir uns unter den bestehenden Rahmenbedingungen vorstellen können?“

Hier gibt's die Grafikdateien und die zugrundeliegende Sprüche-Sammlung mit vielen weiteren Aussagen zum Download bereit. Lehrende, Teams und Veranstalter*innen können die Untersetzer nutzen, verändern, ergänzen und für eigene Veranstaltungen, Workshops oder Materialien weiterentwickeln.

Für die Texte und die Gestaltung der „OERcamp Untersetzer zum Umdenken“ wird kein urheberrechtlicher Schutz beansprucht. Die Materialien können im Sinne von CC0 frei genutzt, verändert und weitergegeben werden.

Sonntag, 16. August 2026

Grundwasser

 https://www.bergstraesser-anzeiger.de/region-bergstrasse_artikel,-bergstrasse-grundwasserstaende-an-der-bergstrasse-und-im-ried-auf-normalniveau-_arid,2393242.html

Chad und Stacy

 Chad: Wird im deutschen Netz-Slang (z. B. auf Reddit oder Social Media) Eins-zu-Eins als Lehnwort übernommen. Es bezeichnet einen selbstbewussten, attraktiven und erfolgreichen Mann ("Alpha-Mann").  "Er ist ein absoluter Chad."

Der Name Stacy (auch Stacey) hat zwei Hauptbedeutungen und Ursprünge:

  • „Die Wiederauferstandene“ / „Die Auferstandene“: Als weiblicher Name ist Stacy eine englische Kurzform des altgriechischen Namens Anastasia (von anástasis = Wiederauferstehung).

  • „Die Standhafte“: In manchen Herleitungen wird der Name auch mit dem altgriechischen Wort eustachys („fruchtbringend“, „reich an Ähren“) oder dem lateinischen Namen Eustachius („der Standhafte“) in Verbindung gebracht.

Bedeutung im modernen Slang

Im modernen Internet-Slang (besonders in Memes) bezeichnet eine „Stacy“ das Klischee einer sehr attraktiven, populären, aber oft als oberflächlich wahrgenommenen Frau — als weibliches Gegenstück zum Begriff „Chad“.

Incel

 "Der Begriff Incel (Kurzform für „Involuntary Celibate“, auf Deutsch: „unfreiwillig zölibatär“) beschreibt Personen – überwiegend junge Männer –, die sich unfreiwillig ohne sexuelle oder romantische Beziehung befinden. Im Kontext der Manosphere bildet die Incel-Subkultur eine der extremsten und strittigsten Strömungen.

Einordnung in die Manosphere

Die Manosphere bezeichnet ein lose zusammenhängendes Netzwerk von Webseiten, Foren und Social-Media-Kanälen, die sich mit Männer- und Männlichkeitsthemen befassen. Innerhalb dieses Spektrums lassen sich verschiedene Subkulturen unterscheiden:

SubkulturKernthema / PhilosophieVerhältnis zur Incel-KulturPick-Up Artists (PUA)Verführungstechniken und Beziehungsstrategien.Incels lehnen PUAs ab, da sie deren Techniken für wirkungslos halten.MGTOW (Men Going Their Own Way)Bewusste Abkehr von Beziehungen zu Frauen.Incels teilen oft die Frauenfeindlichkeit, wählen den Rückzug aber meist unfreiwillig.

Incels Fatalistische Weltsicht, Verzweiflung und teils extremer Frauenhass. Bilden den radikalsten und oft am stärksten isolierten Pol der Manosphere.

Zentrale Konzepte der Incel-Ideologie

  • „Blackpill“-Philosophie: Im Gegensatz zur „Redpill“ (die besagt, dass man durch Verständnis der Geschlechterdynamik Erfolg haben kann) besagt die „Blackpill“, dass der Erfolg bei Frauen rein von unbeeinflussbaren Faktoren abhängt (Genetik, Aussehen, Gesichtsstruktur, Körpergröße).
  • Determinismus und Fatalismus: Incels glauben, dass sie aufgrund biologischer Gegebenheiten niemals eine Partnerin finden werden. Dies führt oft zu Nihilismus, Depressionen und tief sitzendem Groll.
  • Misogynie und Feindbilder: Frauen werden häufig auf vereinfachte Klischees reduziert und für die eigene soziale Isolation verantwortlich gemacht.

Bedeutung im deutschsprachigen Raum

Obwohl die Sprache und Fachbegriffe (wie Chad, Stacy, Looksmaxxing) primär aus dem englischsprachigen Raum stammen, ist das Phänomen auch im deutschsprachigen Internet präsent. Sicherheitsbehörden und Soziologen beobachten die Szene aufmerksam, da die Kombination aus Ideologie, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Radikalisierung in Einzelfällen zu Gewalttaten geführt hat."

Samstag, 15. August 2026

The Abbey, Sutton Courtenay

 https://en.wikipedia.org/wiki/The_Abbey,_Sutton_Courtenay


Georg Cornelissen: Sprachgeschichte von NRW

  Georg Cornelissen (Wikipedia)

"Der historische Teil behandelt teilweise die Entwicklung der gesamten deutschen Sprache. Im systematischen Teil werden Dialekte und Regiolekte in NRW mit vielen Beispielen vorgestellt, dann aber auch der Schwund des Plattdeutschen und die Bedingungen des Sprachwandels erörtert."

 https://norberto42.wordpress.com/2026/08/14/g-cornelissen-kleine-sprachgeschichte-von-nordrhein-westfalen-2015-gelesen/

https://de.wikipedia.org/wiki/Dialekte_und_Sprachen_in_Nordrhein-Westfalen

Kleverländisch auch als Nordniederfränkisch bezeichnet, ist eine Dialektgruppe innerhalb des Niederfränkischen, die zum kontinentalen westgermanischen Dialektkontinuum gehört. Es befindet sich nördlich der Uerdinger Linie und ist innerhalb Deutschlands und der Niederlande mit dem Südniederfränkischen verbunden. Mitunter wird ihm auch Ostbergisch zugerechnet, was aus aktueller germanistischer Sicht nicht mehr als zutreffend angesehen wird. Dieses bildet vielmehr von Norden nach Süden eine Interferenzzone des Ripuarischen zu den benachbarten westfälischen Dialekten.

Seit 1997 sind die in der niederländischen Provinz Limburg gesprochenen nordniederfränkischen Dialekte nach der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen in den Niederlanden als Regionalsprache anerkannt.[1][2]

Donnerstag, 6. August 2026

Frühe Zivilisation in Amazonien entdeckt

[...] Im äußersten Westen des Amazonasbeckens haben Forschende Hunderte Überreste einer versunkenen Kultur entdeckt: Mit dem Laser-gestützten sogenannten Lidar-Verfahren stieß das internationale Forschungsteam bei mehreren Flügen über den brasilianischen Bundesstaat Acre auf mehr als 400 Strukturen – darunter Erdhügel sowie Gräben und Dämme in auffälligen geometrischen Mustern. Diese Geoglyphen sind meist zwischen 0,35 und 14 Hektar groß, eine misst fast 50 Hektar – also nahezu 500.000 Quadratmeter.

Errichtet wurden die Bauten demnach zwischen 600 vor und 850 nach Christus – also über einen Zeitraum von fast 1.500 Jahren. Aquiry nennt das Team diese verschwundene Zivilisation – nach dem indigenen Namen für den Rio Acre, einen Nebenfluss des Rio Purus, welcher wiederum in den Amazonas mündet. [...]

Sollten im Aquiry-Gebiet, das lediglich 3 Prozent des Amazonasregion stellt, vor grob 2.000 Jahren schon 1,25 bis 3 Millionen Menschen gelebt haben, könnte die damalige Bevölkerung Amazoniens Dutzende Millionen Menschen umfasst haben. "Unsere Resultate stürzen unser Verständnis zur Vergangenheit der Amazonasregion um", sagt Pärssinen. Warum die Aquiry-Kultur um das Jahr 850 zusammenbrach, ist nicht bekannt. " (dpa/bearbeitet von tar)

https://web.de/magazine/wissen/geschichte/fruehe-zivilisation-amazonien-entdeckt-42559470

sieh auch: FR 6.8.2026

Montag, 3. August 2026

Leihmutterschaft - ein schwieriges Kapitel

 Leihmutterschaft - deutsche Doppelmoral


Daraus: 

1) "Und hat jemals eine deutsche feministische Bewegung dagegen protestiert, oder haben etwa andere Verteidigerinnen der sexuellen Freiheit und Selbstbestimmung dieses Thema mal aufgegriffen? Wer ist denn da sonst noch so doppelmoralisch?"

2) "Weil es immer weniger ukrainische Soldaten gibt – Hunderttausende wurden getötet, Hunderttausende Wehrpflichtige sind ins Ausland geflüchtet –, müssen die verbleibenden Soldaten immer länger dienen, jahrelang. Deshalb nehmen auch allein lebende Soldatenfrauen diese Leihmutter-Dienste an. Auch der wirtschaftliche Niedergang wegen des Krieges, wegen Arbeitslosigkeit und Inflation zwingt Frauen, irgendeine (Neben)Beschäftigung zu finden. Das müssen sogar auch Frauen aus akademischen Berufen annehmen, etwa die schlecht bezahlten Lehrerinnen. Nicht wenige sind verheiratet.

Dazu gibt es in der Ukraine Kritik und Proteste. So erklärt eine Frauenrechtlerin nach Berichten der BBC: „Wegen des Krieges nimmt die Zahl der verzweifelten Frauen zu – und die Surrogat-Kliniken werben um sie, denn Paare aus dem Westen wollen billige Babys kaufen!“[7]"

3) "[...] dann muss auch in Deutschland gegen die exzessive, menschenrechtswidrige Leih„Mutter“-Praxis gerade in der Ukraine vorgegangen werden!"

zu 1): Die Parole der Feministinnen war "Mein Bauch gehört mir." Dieser Parole widerspricht Leihmutterschaft eben nicht. 

Die Mutter verkauft - entgegen dem der verzweifelten Elenden im Globalen Süden - nicht ihr Kind als zu adoptierendes oder zu prostituierendes, sondern sie "verpachtet" ihre inneren Geschlechtsorgane, ohne sie - wie Organspender - sie zu verkaufen.

zu 2): Sie nimmt freilich für diese Zeit ihrem Ehemann die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen und ihrem Staat die Möglichkeit, biologischen Nachwuchs für den Wiederaufbau - oder doch nur für die Selbstverteidigung? - zu bekommen.

Ist die Möglichkeit, ihre ehelichen Kinder besser versorgen zu können, eine Rechtfertigung für Leihmutterschaft?

Bisher stellt das deutsche Recht einen Versuch dar, dieses Dilemma einer Mutter zu ersparen. Ist es damit gerechtfertigt?

zu 3): Gibt es eine Verpflichtung, in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzugreifen, weil man seine Verteidigung und das finanzielle Überleben des Staates zu finanzieren hilft?


Fluchtvereitelung

 Fluchtvereitelung wird seit Jahrzehnten betrieben. Dafür stehen die Stichworte Berliner Mauer, Grenzbefestigung, Liste befestigter Grenzen.

Diesmal war sie offenbar in mehreren zehntausend Fällen erfolgreich.

Ausführlicher berichtet darüber Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise.

Ein Zitat daraus: "Der Zustrom Tausender unregistrierter Menschen aus Griechenland erzeugt aus nachvollziehbaren Gründen ernstzunehmende Sicherheitsbedenken. [...] wenn man legale Einreisemöglichkeiten für den Großteil dieser Menschen geschaffen hätte [...] dadurch auch erleichtert, zu überwachen und zu kontrollieren, wer nach Europa einreiste." (S.17)

Ich möchte daran erinnern: Nicht nur die Einreise aus Griechenland scheitert immer wieder. Mehr über den Zusammenhang des Protestes gegen die Tragödie der Juden im Niemandsland 1938 mit den darauf folgenden Novemberpogromen 1938 findet man hier.

Das Problem ist alt.

Sonntag, 2. August 2026

Wenn heute Ihr letzter Tag wäre ...

 "Stellen Sie sich vor, heute ist Ihr letzter Tag. Nein, niemand hat Ihnen das vorher gesagt. Und jetzt ist es auch zu spät, den lange geplanten Jahrhundertroman anzufangen oder sich noch flott einen Flug in die Karibik zu buchen. Sie sind zu Hause und haben noch knappe 18 Stunden Zeit. Was machen Sie? [...]  Zerkratzen nochmal das Auto ihrer verhassten Nachbarn und zertrampeln deren Rosen? Oder versöhnen Sie sich auf den letzten Metern lieber mit allen, mit denen noch was querliegt? Was haben Sie sich Ihr Leben lang verkniffen und würden sich heute dafür gerne mal gönnen? Noch flott den Lieblingsfilm gucken, ins Theater oder in die Oper? Welche Gerüche, Geschmäcker und Gefühle wollen Sie nochmal erleben? Den Strand, die Berge, das Meer? Mit wem wollen Sie diesen Tag verbringen, wen sprechen, wen umarmen? [...]

Bleiben Sie nüchtern? Oder lassen Sie’s richtig krachen und ballern sich die Sinne weg? Verschenken Sie Ihr Hab und Gut? [...] Spenden Sie für Amnesty oder für den Obdachlosen in der Bahn? Sind Sie gereizt, wenn irgendwas nicht klappt? Sie gar zwei kostbare Lebensstunden lang im Stau stehen? Oder bleiben Sie ungewohnt entspannt? Vielleicht gibt’s ja noch ein Fußballspiel. Ein normalerweise unbezahlbares Konzert. Oder gar einen Bungeesprung? Schnell noch heiraten, wenigstens symbolisch? Und wie steht’s um letzte Worte? Wollen Sie noch was aufschreiben, für die Nachwelt hinterlegen? Haben Sie gar Handlungsanweisungen für die Hinterbliebenen parat? Wollen Sie heute jemand ganz anderes sein – und wer eigentlich? [...]

Und jetzt: Machen Sie all das. Jawohl, auch wenn es Sie gerade ängstigt. Naja, am besten vielleicht doch nur den legalen Part. Und das, was finanziell halbwegs verkraftbar scheint. Vielleicht tun Sie auch nichts davon. Aber bitte freuen Sie sich wenigstens für ein Momentchen wie verrückt, dass Sie das alles auch noch übermorgen und überübermorgen tun könnten." Frankfurter Rundschau, Post Mortem: Was, wenn heute Ihr letzter Tag wäre?, 31.7.2026

Samstag, 1. August 2026

Propheten und Wahrheiten

„Da es schwierig ist, echte Propheten von falschen zu unterscheiden, ist es das beste, allen Propheten zu mißtrauen, es ist besser, auf offenbarte Wahrheiten zu verzichten, auch wenn sie uns wegen ihrer Schlichtheit und ihres strahlenden Glanzes begeistern, auch wenn sie uns bequem erscheinen, weil sie gratis zu haben sind. Es ist besser, sich mit anderen, bescheideneren und weniger beschwingenden Wahrheiten zu begnügen, jenen, die man mühsam erwirbt, allmählich und nicht auf Abkürzungswegen, durch Studium, Diskussion und Überlegung, Wahrheiten, die sich überprüfen und nachweisen lassen.“ (Primo Levi)

Dienstag, 28. Juli 2026

Precht und Zeh über Intellektuelle

 https://www.youtube.com/watch?v=ETaG8e_6R1M

Handlungsfähigkeit einer Gemeinschaft in Notsituationen

 https://jeanpol.wordpress.com/2026/07/28/die-neuen-menschenrechte-auf-einem-verlorenen-schiff/

Was ist zu beachten?

Information:
Alle Menschen auf dem Schiff müssen Zugang zu den wichtigen Informationen erhalten. Wie viel Wasser und Nahrung ist vorhanden? Welche Schäden gibt es? Was ist über Wetter, Strömung und Navigation bekannt? Unterschiedliche Beobachtungen und Lösungsvorschläge müssen gesammelt und ausgewertet werden.

Gesundheit:
Trinkwasser, Nahrung, Hygiene und medizinische Versorgung müssen organisiert werden. Niemand darf lebensnotwendige Vorräte horten. Kranke und verletzte Menschen müssen versorgt werden.

Sicherheit:
Gewalt und willkürliche Machtausübung gefährden die Gemeinschaft. Deshalb braucht es Regeln für Konflikte, Wachen und Notfälle. In akuten Gefahrensituationen müssen Entscheidungen schnell getroffen werden können.

Soziale Einbindung:
Niemand darf aus der Gruppe ausgeschlossen werden. Alle erhalten, soweit möglich, eine Aufgabe: bei der Navigation, der Reinigung, der Betreuung anderer Personen, der Reparatur des Schiffes oder der Verteilung der Vorräte. Auch schwächere Mitglieder bleiben Teil der Gemeinschaft.

Selbstverwirklichung und Partizipation:
Die Menschen sollen ihre Fähigkeiten einbringen und Verantwortung übernehmen können. Fachwissen muss berücksichtigt werden. Eine Ärztin verfügt bei medizinischen Fragen über besondere Kompetenz, ein erfahrener Seemann bei der Navigation. Kompetenz darf jedoch nicht automatisch zu dauerhafter Herrschaft führen.

Sinn:
Die Gemeinschaft braucht ein gemeinsames Ziel: das Überleben und die Rettung aller. Hoffnung, Gespräche, gemeinsame Rituale und das Bewusstsein, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, stärken den Zusammenhalt.

Regeln müssen begründet werden

Aus den Grundbedürfnissen entstehen konkrete Regeln. Das Wasser wird kontrolliert und gerecht verteilt. Informationen über die Vorräte werden offengelegt. Aufgaben werden nach Fähigkeiten vergeben. Konflikte werden nicht durch Gewalt entschieden. Entscheidend ist jedoch: Die Regeln gelten nicht um ihrer selbst willen. Sie müssen sich daran messen lassen, ob sie der Lebenserhaltung und der Befriedigung der Grundbedürfnisse dienen. Das zeigt sich besonders bei der Frage nach der Entscheidungsgewalt. Während eines Sturms kann es notwendig sein, die Leitung vorübergehend einer erfahrenen Person zu übertragen. In diesem Moment steht das Bedürfnis nach Sicherheit im Vordergrund. Eine solche Zentralisierung ist jedoch nur legitim, solange die Gefahr besteht. Nach dem Sturm muss die Macht wieder an die Gemeinschaft zurückgegeben werden. Sonst würde aus einer funktionalen Notfallmaßnahme dauerhafte Herrschaft. Das Beispiel macht damit eine zentrale Spannung sichtbar: Demokratie bedeutet nicht, jederzeit alles durch Abstimmung zu entscheiden. Sie verlangt vielmehr, Wissen transparent zu machen, Kompetenzen sinnvoll zu nutzen, Macht zu begrenzen und Beteiligung zu ermöglichen.

Sonntag, 26. Juli 2026

Verkaufstrichter

Verkaufstrichter nennt man ein Verfahren, bei dem dem Angesprochenen am Schluss keine Wahl mehr bleibt, als dem Angebot zuzustimmen.

Das  Verfahren läuft so: Zunächst wird Aufmerksamkeit erzeugt, dann Interesse geweckt und schrittweise eine Bindung aufgebaut. Erst am Ende erscheint das eigentliche Produkt.

Dienstag, 21. Juli 2026

Aktuelle Rüstungsentwicklungen

 Im Prinzip interessiert mich an Rüstungsentwicklungen nur die Fehlleitung von Ressourcen, weil es dabei stets um Vernichtung von Kapital geht, das für produktive Zwecke wie die Herstellung von erneuerbarer Energie oder Lebensmittel geht. Aber die Sicht auf Krieg und die Erfahrung des Krieges durch die Akteure hat sich durch den Einsatz von Drohnen sich so verändert, dass das unbedingt auch mitverfolgt werden sollte.

Veränderung der Erlebniswelt des Krieges

Sie nennen es "Kriegsporno"


Ein Detail zu militärischen Drohnen, dem ich soeben begegnet bin, halte ich fest, damit ich mich evtl. daran erinnern kann:

https://defence-network.com/neue-fpv-drohnen-stimmen-israel-nachdenklich/ (15.10.25)

FPV-Drohnen – Einsatz von Mutterschiffen

"Laut israelischen Experten werden einige russische FPV-Drohnen von großen „Mutterschiffen“ wie Drohnen vom Typ Molniya aus eingesetzt. Die russische Molniya-Kamikaze-Drohne („Blitz“ auf Russisch) wurde zu einem Drohnenträger umgebaut, der FPV-UAVs transportieren kann. Dadurch wird ihre Reichweite erheblich vergrößert – manchmal bis zu 30-40 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Diese Methoden ermöglichen es russischen Operatoren, Ziele zu erreichen, die weit hinter denen von Standard-FPV-Drohnen liegen, darunter ukrainische Versorgungslinien in umkämpften Gebieten. Fortschrittliche Varianten wie die V2U verfügen über modulare Nutzlasten, wodurch sie für Anti-Fahrzeug- oder Anti-Personen-Einsätze angepasst werden können.

Diese Innovationen bedeuten, dass russische Angriffe immer schwieriger abzuwehren sind, insbesondere da der Umfang und die Automatisierung der russischen Drohnenoperationen zunehmen.

Profitiert der Iran?

Elektronik und Kernkomponenten werden oft aus China importiert, aber Russland scheint die heimische Innovation und Anpassung zu beschleunigen, um die ukrainischen Gegenmaßnahmen zu überwinden. In den ersten Phasen des Krieges in der Ukraine hat der Iran Russland mit einer großen Anzahl von Drohnen beliefert. Später wurde in Russland eine Montageanlage für iranische Drohnen gebaut, die jedoch sehr schnell mit der Herstellung moderner Drohnen begann."

Sonntag, 19. Juli 2026

KI: Hier bin ich und höre auf deine Befehle

 Die alten Ägypter legten ihren Verstorbenen kleine Figuren ins Grab - Uschebtis, die Antwortgebenden–, die für sie anfallende Arbeiten im Jenseits erledigen sollten. Zum ersten Mal in der Geschichte erscheint hier die die Idee des Computers: des antwortgebenden, jeden Befehl,ausführenden Repräsentanten. Die Instruktionen, mit denen die kleinen Figuren beschriftet sind, ähneln frappierend der algorithmischen Abfolge eines modernen Computerprogramms:

 'Magische Puppe, hör mich an! / Wenn ich gerufen werde / die Arbeit auszuführen…/ wisse, Du bist an meiner statt / von den Hütern des Jenseits dazu bestimmt / die Felder zu besäen / die Kanäle mit Wasser zu füllen / den Sand herüberzuschaffen…' Am Ende heißt es: 'Hier bin ich und höre auf Deine Befehle.'
Wir würden das heute dialogorientierte Benutzerführung nennen – und den Glauben daran, dass ein Zauberspruch ein Tonfigürchen zum Leben erweckt, einen Aberglauben. [...] Jedes einzelne System mag beherrschbar sein; die Schwierigkeit entsteht durch die Verbindungen und Wechselwirkungen.
 Der Soziologe Charles Perrow prägte dafür den Begriff der normal accidents: in hochkomplexen eng gekoppelten Systemen sind schwere Fehler nicht die Ausnahme, sondern irgendwann unvermeidlich, weil die Gesamtkomplexität die Übersicht übersteigt. [...] 
Auch gegen die KI-Dystopie hilft am Ende nur der Anspruch des Menschen und sein Beharren auf Eigensinn: auf der eigenen Beobachtung, auf dem unberechenbaren Wort und der unverfügbar Tat. Der Mensch ist mehr als eine Spiegelung im Glas des Neuen." (DIE ZEIT 16.7.2026, S.34)

Dienstag, 14. Juli 2026

Ein Ergebnis des Angriffs der USA auf den Iran

 

Salzburger Nachrichten (AT)

So finanziert die Welt die Mullahs

Die Salzburger Nachrichten ärgern sich über Trump:

„Denn die Straße von Hormus, durch die bisher rund ein Viertel des Rohöls bzw. ein Fünftel des Flüssiggases, die weltweit gehandelt werden, ging, wird wohl auf längere Zeit nicht mehr gratis passierbar sein. Diese Maut zahlen indirekt wieder wir alle über höhere Preise. Damit finanzieren wir unfreiwillig das Mullah-Regime mit. Donald Trump hat mit dem Start des Kriegs gegen den Iran also uns allen einen Bärendienst erwiesen und den Mullahs ohne Not einen neuen Hebel in die Hand gegeben. ... Es braucht daher jetzt Druck von vernünftigen Kräften ... . Denn von einer Waffenruhe, die tatsächlich hält, würden sie alle profitieren: die gemäßigten Politiker in den USA und im Iran, die Weltwirtschaft, die Zivilbevölkerung in Nahost – und wir alle als Konsumentinnen und Konsumenten.“

Stefan Veigl

Sonntag, 12. Juli 2026

Über den Zusammenhang von Straftaten und Nationalität

 Das Problem ist nicht ein Zusammenhang zwischen Nationalität und Kriminalität, das Problem sind die absolut verkürzten Interpretationen, die insbesondere im rechten Lager auftreten. Da wird das völlig unterkomplex behandelt, denn es gibt ganz viele Faktoren, die man bei Kriminalität beachten muss. Ich nenne hier mal einige:

Die polizeiliche Kriminalstatistik ist KEINE Statistik, die darüber Auskunft gibt, welche Personengruppen wie stark straffällig werden. Die Statistik behandelt erfasste Straftaten. Dabei spielt schon eine erhebliche Rolle, dass migrantisch gelesene Menschen von der Polizei massiv häufiger kontrolliert werden. Sagt die Statistik also beispielsweise aus, dass Migranten häufiger Drogen verkaufen? Nein. Sie sagt, dass diese Straftat bei Migranten häufiger erfasst wird. Ich möchte keinesfalls anekdotische Evidenz bemühen, aber das Phänomen, welches mir in meinem eigenen Leben schon oft aufgefallen ist, lässt sich auch wissenschaftlich belegen: ich, als weißer, "einheimisch" gelesener Mensch werde wann immer es Kontrollen gibt weitaus weniger streng kontrolliert als migrantisch gelesene Menschen und in meinem ganzen bisherigen Leben wurde ich nicht ein einziges Mal von der Polizei ohne Grund kontrolliert. Freunde, die einen Migrationshintergrund haben, können ganze Lieder davon singen, wie häufig sie schon grundlos (bzw. ohne ersichtlichen Grund) von der Polizei kontrolliert wurden.

Vermeintliche kausale Zusammenhänge nach dem Motto "Menschen aus diesem Land sind aufgrund ihrer Herkunft krimineller" sind nicht nur rassistisch, sondern auch einfach falsch und verkürzt. Es gibt keine Nationalität der Welt, selbst wenn sie eine nahezu 100% "einheimische" Bevölkerung hat, wo es keine Kriminalität gibt. Das bloße "xy sein", also einer Nationalität anzugehören, kann also nicht der Auslöser für Kriminalität sein. Da muss man doch zwangsläufig fragen, was dann der Auslöser ist, oder? Und die Forschung hat da sehr eindeutige Ergebnisse: Armut. Armut ist der größte Treiber von Kriminalität. Und wenn man sich dann entsprechende Statistiken anschaut, sieht man recht schnell, welche Gruppen in DE stärker armutsgefährdet sind als andere. Richtig: Migranten sind stärker armutsgefährdet. Und nicht nur das - die genaue Herkunft bzw. Nationalität macht einen Unterschied. Menschen mit arabisch klingendem Namen beispielsweise haben sehr viel schlechtere Chancen, Jobs oder Wohnungen zu bekommen als Menschen mit asiatisch klingendem Namen. "Migranten" sind also auch keine homogene Masse, auch hier gilt es zu differenzieren, da die Forschung eindeutig belegt, dass Menschen je nach Herkunft, Religion, Nationalität unterschiedlich starke Diskriminierungserfahrungen machen.

Eine richtige Schlussfolgerung wäre also, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger kriminell in Erscheinung treten, weil sie öfter kontrolliert werden, entsprechend mehr Straftaten erfasst werden und sie stärker armutsgefährdet sind. Aber das Thema mit der nötigen Komplexität zu behandeln bedeutet natürlich, dass man es sich nicht so einfach machen kann und populistische Phrasen im Stil von "Ausländer raus" dreschen kann - was einfach nur rassistischer Müll ist. Sondern man sich stattdessen unbequemen Fragen stellen muss, nämlich was für einen Anteil an der Statistik haben WIR? Wir als Gesellschaft und wir als Staat.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Frage der psychischen Stabilität. Armut macht krank. Körperlich wie psychisch, das ist erwiesen. Und psychische Erkrankungen können die Bereitschaft zur Kriminalität fördern - je nach Erkrankung natürlich. Was in den letzten Jahren politisch festzustellen ist, ist dass die Hilfe und Unterstützung, die Menschen, die eingewandert sind, bekommen, immer weiter reduziert wurde. Jetzt darf man einfach mal vermuten, was passiert, wenn man bestimmten Personengruppen, die aufgrund ihrer Herkunft häufig traumatisiert sind (Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen sind sehr häufig traumatisiert und wenn sie es nicht schon aus der Heimat sind bringen sie häufig durch die Fluchterfahrung traumatische Erlebnisse mit, da die Reise nach Europa alles andere als menschenfreundlich ist) die bisschen Hilfe, die sie bisher erhalten haben, noch wegnimmt. Man muss nicht Raketenwissenschaft studiert haben um zu merken, dass das keine gute Idee ist.

Ein vernünftiger Staat, der auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt, würde als effektivste Waffe gegen Kriminalität versuchen, Armut zu bekämpfen. Und tatsächlich ist das auch gar nicht so schwer - wenn man Forschungserkenntnissen folgt. Zusätzlich würde eine entsprechende Regierung gerade beim Thema Integration NICHT sparen, denn jeder Cent, den man da "spart" kann man quasi mit einem Euro an Folgekosten berechnen, während jeder Euro, den man hier investiert sich selbst locker wieder reinwirtschaftet, da gut integrierte Menschen hier arbeiten und konsumieren und damit die heimische Wirtschaft voranbringen. Ich weiß nicht, wie gut du im Bilde bist, wie die Einwanderungspolitik in DE aktuell aussieht, aber es ist der Normalfall, dass Menschen, die hier einwandern, häufig 3-8 Jahre nicht arbeiten dürfen. Ein großer Grund hierfür ist der Bürokratie-Dschungel. Auch das ist übrigens ein weiterer Faktor für Kriminalität: wer will denn 5 Jahre lang hier leben und keinerlei Kontrolle über das eigene Leben haben können? Nicht arbeiten dürfen? Die Familie nicht mal mit was Schönem überraschen können, weil man kein eigenes Geld verdienen darf? Diejenigen, die hier betroffen sind, sind häufig eben genau aus der Gruppe, die in der Kriminalstatistik besonders auffällig sind. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht sind auch häufig erfasste Straftaten.
Ich bin ganz ehrlich: keine Ahnung wie du das siehst, aber wäre ich in so einer Situation, würde ich definitiv schwarz arbeiten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig näher bringen, weshalb diese populistische Vereinfachung, die heutzutage häufig vorgenommen wird, nicht funktioniert, und weshalb man eben nicht so einfach jene Schlüsse ziehen kann, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Man muss komplexe Themen komplex behandeln, anders funktioniert es nicht. Und dass Armut der größte Treiber für Kriminalität ist, ist übrigens seit weit mehr als 100 Jahren bekannt...

guitarbassman bei gutefrage.net

Samstag, 11. Juli 2026

Die KI säuft unser Trinkwasser

 


https://www.infosperber.ch/9.07.2026:   Ein Dorf, ein Rechenzentrum, ein geräumtes Protestcamp und eine Verwandlung des Landes, die nie beschlossen wurde, nur bewilligt.

Ein paar Zelte in Benken im Zürcher Weinland, aufgeschlagen, um gegen ein KI-Rechenzentrum zu protestieren, das im nahen Beringen entsteht, vergangenen Freitag von der Kantonspolizei Zürich geräumt, einen Tag später wieder aufgebaut, in Tengen, auf deutschem Boden, wenige Kilometer hinter der Grenze, wie die Gruppierung «Aufstände der Allmende» am Samstag mitteilte: Der Protest findet im Ausland statt, der Bau geht weiter. Auf einem Kartonschild, das eine Demonstrantin in die Kameras hielt, stand: «Kein Trinkwasser für Techoligarchen». [...]"

https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/die-ki-saeuft-unser-trinkwasser/

Dave Eggers zu KI

https://www.zeit.de/2026/30/dave-eggers-contrapposto-roman-kunst-kuenstliche-intelligenz-schulen

"[...] Eggers: Der Roman ist wahrscheinlich die klassischste aller Kunstformen. Und er hat sich nicht groß verändert, wurde eher konservativer in den vergangenen 30 Jahren. Aktuell sind wir wieder beim traditionellen Geschichtenerzählen angekommen, was interessant ist, wenn man an den Postmodernismus der Siebziger und Achtziger denkt.

ZEIT: Was hat Sie denn am klassischen Erzählen gereizt?

Eggers: Die Leser wollen sich von der Geschichte und den Figuren verzaubern lassen. Ich kam erst spät zu der harten Einsicht: Das ist der Grund, warum die meisten Menschen lesen. Dieses besondere Erlebnis, in die Welt der Figuren einzutauchen. In Contrapposto ist das größte Experiment, im Buch einige Zeichnungen aus Aktklassen abzubilden. Ich musste meinem Verlag ein Jahr vorher Bescheid geben. Sie haben mir sogar mein Wunschcover zensiert, weil es eine nackte Figur zeigte.

ZEIT: Aber gerade Bildbände sind doch voller nackter Menschen!

Eggers: Wichtig ist, wo und seit wann sie nackt sind. Tote Nackte aus dem alten Griechenland sind uns lieber als jemand, der gestern nackt war. Und trotzdem: Es war von hinten! Haben Sie jemals Aktmalerei probiert?

ZEIT: Ja, aber ich bin wirklich keine gute Zeichnerin.

Eggers: Jeder Mensch sollte bis zu einem gewissen Grad klassisches Zeichnen lernen. Es lehrt einen, richtig zu sehen. Zeichnen inspiriert dazu, jenseits der eigenen Annahmen zu denken. Ich sage das sowohl zu meinen Kunst- wie Schreibschülern: Geht raus, beobachtet, macht euch Notizen! Wie reden Leute wirklich? Nicht: Wie denkt man, dass Leute reden. Früher war es viel gängiger, klassische Malerei und Zeichnen zu lernen. Charles Darwins Notizblock ist voller wunderschöner Zeichnungen! Es ist eine Schande, wir sollten alle diese Fähigkeit erlernen.

ZEIT: Also man muss vor die Tür gehen, um die Welt besser zu sehen?

Eggers: Wenn man sein Zimmer verlässt und die Welt betritt, versteht man die überraschende und doch nicht überraschende Komplexität der Menschen und des Lebens. Es ist wie mit San Francisco: Die Leute kommen hierher und glauben, sie wüssten, wie diese Stadt ist. Aber wenn man durch die Straßen läuft, mit Leuten spricht, erkennt man Nuancen. Als ich in den letzten Jahren über Trump-Rallys berichtete, war ich schockiert, wie nuanciert seine Wähler waren.

ZEIT: Das erinnert mich an die Stelle Ihres Buches, als der Protagonist Cricket darüber erschrickt, dass man Blau braucht, um eine Banane realistisch zu malen. Wir nehmen an, man brauche nur Gelb bei Bananen.

Eggers: Man muss mit einer blauen Grundierung beginnen, weil das unter der Schale schimmert. Dann Grün, Gelb und Weiß darüber. Das zeigt, wie kompliziert jedes Obst ist. Und genau deswegen malen die Menschen seit Jahrhunderten Obst. Es braucht Beobachtungsgabe und Mut, etwas so darzustellen, wie es ist.

ZEIT: Haben wir gerade wirklich eine Verbindung zwischen Trump-Wählern und Bananen gefunden?

Eggers: Oh Gott, klinge ich wie ein Verrückter?

ZEIT: Im Gegenteil, es ergibt Sinn: Beides muss man wirklich sehen.

Eggers: Wissen Sie, echte Menschen sind großartig. Die Touristen, die jetzt für die WM in die USA kommen, treffen auf echte Menschen, nicht auf Irre. Wir Amerikaner haben eine Tradition der Gastfreundschaft. Jemand wie Stephen Miller repräsentiert mitnichten den Großteil dieses Landes. [...]       

Eggers: Ich arbeite seit 25 Jahren als Schreibdozent, und das ist der schlimmste Moment, den ich je erlebt habe. Weil es keine Vorgaben aus Washington sind, es ist nicht der Staat. Die Schüler selbst bringen sich, einer nach dem anderen, zum Schweigen. Das ist das Ende der menschlichen Spezies. Punkt. Wenn wir unsere Fähigkeit aufgeben, zu sprechen, ist das das Ende.

ZEIT: Aber wenn eine fehlerfreie KI nun mal besser ist als ich? Mal unsentimental gefragt: Worin liegt der Wert der menschlichen Autorschaft?

Eggers: Wir haben mehr als 2.000 Bücher veröffentlicht von Kindern, die meisten kamen aus marginalisierten Gruppen. Und wir sehen Schüler, die schüchtern und unsicher mit der englischen Sprache in die Klasse kommen. Die ihre Texte fünfmal, zehnmal überarbeiten, aber dann veröffentlichen. Sie machen die Erfahrung, dass sie ihre Gedanken nicht nur äußern, sondern publizieren können, dass sie gehört werden. Das macht den Unterschied zwischen verängstigten, gestressten Schülern und jemandem, der sich aufgehoben in der Gemeinschaft fühlt. Wir beobachten, dass all diese Schüler, die immer und immer wieder veröffentlichen, sich extrem gut entwickeln. Alles fängt damit an, gehört zu werden.

ZEIT: Was beobachten Sie in dieser Generation – wie sehen diese schreibenden Kinder ihre Zukunft?

Eggers: Den Kids geht es gut. Aber sie brauchen Klarheit. Ich saß neulich in einer Klasse am Tisch mit einem brasilianischen, einem kolumbianischen und einem Schüler aus El Salvador. Ihre Lehrer haben ihnen Computer und Handys verboten, weil sie wissen, dass sie sonst ChatGPT öffnen. Wir redeten über das Essen, die Geräusche, die Landschaft ihrer Heimatländer. Dann schrieben sie mit Stift und Papier. Die ersten Entwürfe waren nichts, sie mussten sie überarbeiten, aber man erkannte authentische Gedanken und eine Stimme. Aber es ist hart, wissen Sie? Zehn Erwachsene und 24 Kinder, um an die eigentliche Wahrheit zu kommen. Zu Hause hätten sie es schnell die KI machen lassen. Es braucht viele Menschen, damit diese Generation nicht in den Abgrund stürzt.

ZEIT: Aber von der Kasse bis zum Online-Check-in – die Menschen verschwinden aus dem Alltag. Und im Silicon Valley arbeitet man daran, unsere Gehirne mit künstlicher Intelligenz zu verschmelzen.

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.            

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.

ZEIT: Glauben Sie, Sam Altman liest gerne?

Eggers: Ich glaube, dass Sam Altman kein einziges Buch als Erwachsener gelesen hat. Was ja das Problem ist: Diese Leute schätzen Kunst nicht. Sie verstehen nicht, warum es sie gibt, wer sie macht, wozu sie da ist. Und genau deswegen sollten Techfirmen keine Rolle in den Geisteswissenschaften spielen. Sie haben keinen Respekt davor.

ZEIT: Es geht am Ende darum, was die Literatur und die Kunst uns bedeuten?

Eggers: Es ist ein Moment, in dem die menschliche Spezies wählt. Und ich glaube, wir werden die richtige Entscheidung treffen. Es wird okay werden.

Sieh auch: Dave EggersThe Circle 2013