Posts mit dem Label Goethe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Goethe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 29. November 2024

Natur und Kunst

 Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,

Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst in abgemeßnen Stunden
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.

Wer Großes will, muß sich zusammen raffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Sonett des ehemaligen Stürmer und Drängers Goethe

Sturm und Drang war eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der  Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde. Wegen der „Verherrlichung des ‚Originalgenies‘ als Urbild des höheren Menschen und Künstlers“ (Gero von Wilpert)[1] wird diese Strömung auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet.

Die Bezeichnung Sturm und Drang kam in den 1820er Jahren auf. [...] In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das philosophische und literarische Leben im deutschen Sprachraum weitestgehend von der Aufklärung bestimmt. Der Verstand war die bestimmende Größe der Zeit, durch dessen freien Einsatz, wie Kant 1784 formulierte, der „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ erreicht werden soll. Literatur sollte den Leser moralisch bilden, ihn erhellen und seine Vernunft wecken.

Die von der Aufklärung angestrebte Freiheit begünstigte Literaturformen, die der vernünftig argumentierenden und gebändigten Sprache verpflichtet waren. Die Forderung nach einer „regelmäßigen“ Dichtkunst wurde von Theoretikern wie Gottsched auch während der Aufklärung mit Nachdruck vorgebracht. Die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, eine gehobene Sprache und die Trennung der Besetzung von Tragödie und Komödie mit Adel und Bürgertum waren Postulate, die man in zahlreichen Dichterakademien die angehenden Literaten lehrte.

Doch bereits in Friedrich Gottlieb Klopstocks Oden von 1750 zeigte sich, dass dieses Reglement zu eng gefasst war. Mit dieser Demonstration gegen die rein verstandesmäßige Haltung der Aufklärung war der Grundstein für die Überwindung der Vernunftherrschaft und eine Entfesslung des Gefühlsüberschwangs, der Fantasie und der Gemütskräfte als neuer dichterischer Grundhaltung gelegt (emotio statt ratio).

Diese erneuernde Bewegung, die wie ein Ruck durch die deutschsprachige Literatur ging, verbindet in ihrem jugendlichen Charakter den „gemütvoll-bürgerlichen Realismus mit dem Idealisch-Politischen und Menschenrechtlichen“:[2] die Fülle des Herzens mit der Freiheit des Gefühls, mit Ahnung und Trieb. Sie zeigt in Einzelschicksalen die politisch-moralische Situation der Zeit auf.

Das Aufbegehren der Jugend hatte so sein literarisches Äquivalent gefunden, eine neue Generation deutschsprachiger Schriftsteller fand in den Thesen Johann Gottfried Herders den Widerhall ihrer Erfahrungen und Gefühlswelt. Herder, der zu einem Wegbereiter des Sturm und Drang wurde, kritisierte die Arroganz der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk und forderte dazu auf, auch die „Ächtheit“ und Tiefe des Volkslieds und der Volksdichtung als Kunst anzuerkennen; er erkannte, dass Aufklärung in ihr Gegenteil umschlagen kann, und forderte, dass sie nur Mittel, nicht Ziel sein dürfe. Auch Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs Ugolino (1768) kann man in die Frühphase des Sturm und Drang einordnen, die Schweizer Johann Heinrich Füssli und Johann Caspar Lavater als ihre Vorgänger ansehen.[3]" (Wikipedia)

Montag, 11. März 2019

was ein wunsch wäre, schlaf ...

Der Klang von Muschelkalk Von Moritz Aisslinger
"Nico Bleutge schreibt Gedichte. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker in Deutschland – trotzdem kennt ihn kaum einer. Oft sucht er tagelang nach dem richtigen Wort. Leben kann er davon nicht. Porträt eines Menschen, der sich für den Untergrund entschieden hat  [...]

... zu übertragen, wärme

[...] Deutschland, das Land der Dichter und Denker? Das war einmal, jedenfalls was die Dichter betrifft. Schüler interpretieren zwar noch immer Goethe und Schiller, Studenten schreiben Seminararbeiten über Brecht und Trakl, und in der Hausbibliothek des Bildungsbürgertums finden sich Rilke und Benn. Den Namen eines zeitgenössischen Lyrikers kennen eher nicht so viele. [...] 


sich in die luftwege schleichen
innen im kopf. die bahnen
und bläschen. tiefer
gerutscht
Die Luftwege, sagt er, seien ein Fachterminus für die Atemwege, Nase, Mund, 
Kehle. Deshalb habe er dieses Wort gewählt und die Bläschen nach unten 
verschoben, dorthin, wo sie, die Lungenbläschen, anatomisch auch hingehörten, 
ans Ende der Lungen. Er wolle mit dem medizinischen Vokabular arbeiten, das die 
Ärzte im Herbst 2017 ihm gegenüber verwendeten, ebenso wie mit der floskelhaften
Sprache, mit den Trostformeln, [...]"
Ich habe die Technik des Autors des ZEIT-Artikels, den ich hier zitiere, verwendet, 
um Neugier auf ein Gedicht von Bleutge zu erwecken. 
Wer das vollständige Gedicht kennen lernen will, hat die Möglichkeit, den 
vollständigen ZEIT-Artikel vom 7.3.2019 zu lesen. Da wird sie/er in den Text 
eingeführt und kennt ihn am Schluss ganz. 
Werden Lyriker heute zu wenig beachtet? Wie ging es Hölderlin? Wer weiß heute 
noch Gedichte von Brecht auswendig, die nicht aus der Dreigroschenoper 
stammen? 
Die Positionen, die auf dem Lyrikkongress in Frankfurt, der vom 7.3. an lief, 
vertreten wurden, kann ich verstehen. Aber Paul Heyse und Bob Dylan erhielten 
den Literaturnobelpreis, Paul Celan nicht. Franz Kafka aber auch nicht. 
Wer das Publikum seiner Zeit überfordert, hat nicht selten den längeren
Nachruhm. Deutschlehrer dazu zu verdonnern, Schülern den Bedeutungsgehalt
von "Muschelkalk" bei Bleutge beizubringen, wäre kontraproduktiv. 
Goethe hat trotz heftiger Kritik von Literaturkennern mit seinem Werther einen
Bestseller geschrieben. Sein Faust wurde weltberühmt, aber Schillers Wilhelm 
Tell fleißiger gelesen. Faust II wird immer wieder aufgeführt, aber ihn Wort für 
Wort im Unterricht zu lesen und zu besprechen, wird man keinem Deutschlehrer
empfehlen können. Meiner tat's und ich fand es nicht nur im Nachhinein gut. 
Aber mehr habe ich von diesem Lehrer in der Deutsch AG gelernt, wo er uns an
einfachere Texte von Brecht, Kafka und Benn heranführte. 

Übrigens, Jan Wagners Regentonnenvariationen sind leichter zugänglich als 
Bleutges Muschelkalk. Und deshalb vermutlich die geeignetere Schullektüre
auch für zukünftige Lyriker.
Mehr zu Fokus Lyrik im Tagesspiegel

Donnerstag, 7. Februar 2019

West-östliche Begegnung

Beispiele:
Merkel trifft auf Reem Sawhil
Reem Sahwil, „Merkels Flüchtlingsmädchen“ erzählt von ihrem spektakulären vergangenen Jahr, focus.de, 17.7. 2016
Sie war Merkels Mädchen ZEIT 7.2.2019*

[Deutsche Teilung]                                       [Atlantischer Dreieckshandel]
Fall der Mauer                                             Obama
Deutsche Einigung                                      Trump
Globalisierung                                              Versuch eines Mauerbaus
AfD


Goethe liest persische Dichtung   
Goethe und Hafis
Der Übersetzer, dem Goethe die Kenntnis von Hafis verdankt: Joseph von Hammer-Purgstall 
West-östlicher Divan
Rückert übersetzt FirdausiSchāhnāme*

Rückert und Hafis
Das West-Eastern Divan Orchestra

*Deutsche Gelehrte übersetzen persische Dichtung, Goethe liest die und dann wird Rückert angeregt, Firdausi zu übersetzen.

Paulus bringt christliche Botschaft aus Palästina heraus und nach Europa
Christentum
Kreuzzüge
Juden in Deutschland
Holocaust

Es sind Begegnungen mit schier unglaublichen Folgen. Sehr fruchtbar und sehr furchtbar. 
Immer wieder geht es um Begegnungen, die zum Versuch führen etwas von anderen zu lernen, es sich anzuverwandeln und dann darum, das Fremde zurückzuweisen.

Projekt: 
Einzelne dieser Begegnungen in groben Strichen nachzuzeichnen

Z.B. im Fontanejahr (Fontane *1819):
Fontane wird als preußischer Korrespondent nach England geschickt, soll englische Zeitungen bestechen, damit die preußenfreundlich schreiben, warnt davor, weil das kontraproduktiv sein könnte. Zeitungen, die sich haben bestechen lassen sind in Ruin gegangen. (sieh: Ein freier Autor war Fontane nie)
Er selbst lernt in seiner Englandzeit englische und schottische Geschichte und Literatur kennen und wird angeregt, eine Zusammenstellung märkischer Geschichte als Reiseliteratur zu verfassen. Über viele Jahre hin schreibt er das märkische "Nationalepos": Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Eine von vielen Folgen: Günter Grass flieht vor Anfeindungen in Deutschland nach Indien, lernt dort über seine Frau Fontanes Werke intensiver kennen und schreibt unter diesem Einfluss "Weites Feld".
Das ist die Geschichte eines fiktiven Wiedergängers Fontanes, der, wie dieser (ein klein wenig) ein brandenburgischer Patriot war, seinerseits ein Verteidiger mancher Errungenschaften der DDR ist und in der Treuhand arbeitet, die die DDR-Wirtschaft abwickeln soll. 

* Sie haben sich 2016 (nach der Silvesternacht in Köln) getroffen und - zu recht - Schweigen über den Inhalt dieses Gesprächs vereinbart. Ich nehme an, es kam das Stichwort "Männer" vor und ich gebe ihnen recht, trotz Marie le Pen und mancher Frauengestalt in der AfD. - Inzwischen ist Reem Sawhil wohl alt genug, dass sie Ende 2018 an dies Gespräch zurückgedacht hat und sich gedacht hat, Seehofer ist bescheuert. 
Ich gebe ihr auch darin recht. Aber das hat recht wenig mit west-östlichen Begegnungen zu tun.

Beispiel Nord-Süd
Nachbarschaft


Mittwoch, 6. Februar 2019

Diner zu Koblenz

Diner zu Koblenz


im Sommer 1774

Zwischen Lavater und Basedow
Saß ich bei Tisch des Lebens froh.
Herr Helfer*, der war gar nicht faul,
Setzt' sich auf einen schwarzen Gaul,
Nahm einen Pfarrer hinter sich
Und auf die Offenbarung strich,
Die uns Johannes, der Prophet,
Mit Rätseln wohl versiegeln tät;
Eröffnet' die Siegel kurz und gut,
Wie man Theriaksbüchsen öffnen tut,
Und maß mit einem heiligen Rohr
Die Kubusstadt und das Perlentor
Dem hocherstaunten Jünger vor.
Ich war indes nicht weit gereis't,
Hatte ein Stück Salmen aufgespeis't.

Vater Basedow, unter dieser Zeit,
Packt' einen Tanzmeister an seiner Seit',
Und zeigt' ihm, was die Taufe klar
Bei Christ und seinen Jüngern war;
Und daß sich's gar nicht ziemet jetzt,
Daß man den Kindern die Köpfe netzt.
Drob ärgert' sich der andre sehr,
Und wollte gar nichts hören mehr,
Und sagt': es wüßte ein jedes Kind,
Daß es in der Bibel anders stünd'.
Und ich behaglich unterdessen
Hätt einen Hahnen aufgefressen.

Und, wie nach Emmaus, weiter ging's
Mit Geist- und Feuerschritten,
Prophete rechts, Prophete links,
Das Weltkind in der Mitten.

* Lavater war zweiter Geistlicher an der Waisenhauskirche in Zürich

Sonntag, 14. Oktober 2018

Germanisten beider Arbeit zusehen: Beispiel Goethes Faust

Eine faszinierende Vorstellung, wie Handschriften und Drucke in allen Variationen digital zugänglich gemacht werden können und wie eine kritische Edition zustande kommt:

Andererseits wird deutlich: Für eine konzentrierte und dennoch unangestrengte Lektüre ist das gedruckte Buch noch unübertroffen.
Aber welch eindrucksvolle Ergebnisse und Erkenntnisse liefert darüber hinaus diese Art der Edition!

Samstag, 11. März 2017

Das schöne Wetter

"Das schöne Wetter hat mich einigemal hinaus in das Freie gelockt, wo es auch noch sehr feucht ist." (Goethe an Schiller, 9.3.1802)

Freitag, 24. Februar 2017

Wie kam Goethe zu seinem Adelsdiplom?

Sein Herzog verlieh ihm den. Da er ihn seinerseits beim Kaiser Joseph II. beantragen musste, zahlte Goethe die dafür erforderlichen Gebühren. (Gero von Wilpert:  Goethe: die 101 wichtigsten Fragen)

Samstag, 21. Januar 2017

Thomas Mann: Lotte in Weimar

Ich lese mal wieder in Lotte in Weimar (dazu durchaus Interessantes in der Wikipedia, besonders zu Zitaten daraus, die im Nürnberger Hauptprozess verwendet wurden).

Bemerkenswert, die Selbstcharakteristik, die Mann August von Goethe in den Mund legt:
"Ich bin nur ein beiläufiger mit wenig Nachdruck begabter Abdruck seiner Natur [...]" (Fischer TB, S.190)

Dienstag, 3. Januar 2017

Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

Ich bin zu alt, um nur zu spielen,
Zu jung, um ohne Wunsch zu sein.


Goethe Faust I (1808) Studierzimmer II, Vers 1546/47

Zu jung, um ohne Wunsch zu sein. (Google)

Freitag, 30. Dezember 2016

Goetheatlas

Einen Goethe-Atlas kann man als Faltblatt oder als Poster bestellen. Es gibt aber auch schon 6 interaktive Karten im Internet zu sehen:
Überblick
Frankfurt

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Weshalb findet man so manches, was Goethe geschrieben hat, auch in umfassenden Ausgaben seiner Werke nicht?

1. Goethe hat so vieles geschrieben, dass nur die wenigsten Leute daran interessiert sein können, alles, was man inzwischen irgendwo dokumentiert hat, finden zu können.
2. Es gibt sehr vollständige Ausgaben wie die Sophienausgabe, die aber auch nicht alles, was sich in Handschriften gefunden hat, dokumentieren.
3. Was damals als zu drastisch empfunden wurde, hat man im 19. Jahrhundert nicht aufgenommen. 
4. Goethe hat sich "selbst zensiert". So dauerte es bis 1994, bis alle "Schweinereien", die Goethe sich für den Faust ausgedacht hatte, aber keinesfalls zu Lebzeiten gedruckt sehen wollte, in eine Ausgabe aufgenommen wurden. - Ästhetisch ist das kein großer Gewinn, aber literaturhistorisch sehr interessant unter dem Gesichtspunkt: Weshalb hat Goethe es nicht vernichtet, wenn er doch verhindern wollte, dass es (zu seinen Lebzeiten) bekannt wurde? Welche Vermutungen hat er darüber gehabt, wie sich Moralvorstellungen ändern würden und wie wichtig er nach 100 oder nach 200 Jahren noch genommen würde?

Dienstag, 9. Dezember 2014

Goethe, Kindersoldaten und Afghanistan

Sigrid Damm: Goethes Freunde in Gotha und WeimarFR

Indien: Kindersoldaten in ethnischen Konflikten, FR 9.12.14

vgl. auch Menschenrechtsverletzungen in Manipur
Autonomie und Sezessionsbestrebungen (pdf)

Thmas Ruttig: Afghanistan: Ein Patt auf hohem Gewaltniveau, FR 9.12.14
"Im ersten Halbjahr 2014 starben 1564 Zivilisten, 17 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres." Die Verluste des Militärs ANSF seit Anfang 2013 betragen 9800 Tote

vgl. auch Ruttig zur Präsidentenwahl

Dienstag, 25. Dezember 2012

Goethe über die moderne Vermischung der Kunstgattungen

"Sie werden hundertmal gehört haben, daß man nach Lesung eines guten Romans gewünscht hat, den Gegenstand auf dem Theater zu sehen, und wie viel schlechte Dramen sind daher entstanden! Eben so wollen die Menschen jede interessante Situation gleich in Kupfer gestochen sehen; damit nur ja ihrer Imagination keine Thätigkeit übrig bleibe, so soll alles sinnlich wahr, vollkommen gegenwärtig, dramatisch seyn und das Dramatische selbst soll sich dem wirklich Wahren völlig an die Seite stellen. Diesen eigentlich kindischen, barbarischen, abgeschmackten Tendenzen sollte nun der Künstler aus allen Kräften widerstehen, Kunstwerk von Kunstwerk durch undurchdringliche Zauberkreise sondern, jedes bei seiner Eigenschaft und seinen Eigenheiten erhalten, so wie es die Alten gethan haben und dadurch eben solche Künstler wurden und waren."

Goethe an Schiller; Weimar, den 23. Dezember 1797 (Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe)