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Donnerstag, 4. November 2021

Was war der schlimmste Satz, den euch ein Elternteil jemals gesagt hat?

Thread (enthält Sätze, die ein lebenslanges Trauma bewirken können)

 https://twitter.com/martingommel/status/1456252189484072966

Ich selbst bin gewiss ausgeschimpft worden, habe aber keine Chance, mich an irgend etwas Negatives zu erinnern. 

Mein Vater hat uns Kindern, in seinem Abschiedsbrief 1945 (er starb wenige Tage darauf) geschrieben:

"So schön wie früher zuhaus im Frieden wird es nie wieder werden. Deshalb müßt Ihr alle umso tapferer sein, “damit Vater und Mutter sich freuen können”, wie Gerhard immer sagt. Wenn Ihr immer denkt: “Würde sich Mutter jetzt über mich freuen? Würde sich Vater über mich freuen?” dann werdet Ihr schon alles recht machen und werdet tüchtige deutsche Menschen, die durch kein Unglück und keine Not sich unterkriegen lassen. Lebt wohl"

"So schön wie früher zuhaus im Frieden wird es nie wieder werden." (Er meinte die NS-Zeit! Und er war von den Nazis entlassen worden.)

In Coronazeiten ist es gut, sich zu erinnern, dass von 1945 aus gesehen die NS-Zeit vor dem Krieg für fast alle in Deutschland eine Sehnsuchtszeit war. Wie unglaublich war die Wendung zum Besseren, die seitdem auf den verschiedensten Bereichen in Europa stattfand. 

Dass heute ein öffentlicher Austausch über solche persönlichen Traumata, wie sie in dem oben verlinkten Thread angesprochen werden, stattfinden kann. ist einer von den vielen Bereichen, wo sich etwas verbessert hat. - Nicht, dass es jetzt überall zufriedenstellend wäre.

Dienstag, 11. Mai 2021

Schwierige Kinder - Sytemsprenger

 Filmempfehlung:

"Sie hält sich ein Küchenmesser an den Hals, so eins mit schwarzem Griff, groß, scharf, gefährlich. Sie droht damit, sich umzubringen, denn sie will nicht in die Schule. In der Küche des Pflegeheims reden Erzieher und Kinder auf sie ein, rufen den Krankenwagen. Kurze Zeit später liegt sie in einem Krankenbett unter grellem Licht, gefesselt, damit sie weder sich noch jemand anderem etwas antun kann.

„Systemsprenger“ nennt man Kinder, die im deutschen Hilfesystem eine Station nach der anderen hinter sich lassen. Hilfesystem – das bedeutet: Schulen, Jugendämter, Heime, Wohngruppen, Erzieher:innen und Schulbegleiter:innen. Eben alle, die versuchen, verhaltensauffälligen Kindern zu helfen. „Systemsprenger“ heißt auch der deutsche Vorschlag für die Kategorie „Bester internationaler Film“ bei der Oscarverleihung 2020. Meine Einstiegsszene mit dem Messer stammt aus diesem Film. Er zeigt einem eine Welt, die es so in Deutschland gibt, von der die meisten Erwachsenen aber nichts mitbekommen.

Die neunjährige Hauptperson Benni durchläuft in dem Drama einen Kreislauf, den nicht viele Kinder in Deutschland durchlaufen. Benni fliegt aus Heimen, Schulen suspendieren sie dauerhaft, Pflegefamilien geben sie wieder ab. Sie weiß nicht, wohin mit ihrer Wut, aber die Wut findet ihren Weg: Benni schreit, prügelt und schlägt.

Kurz vor der Szene mit dem Messer wird sie von ihrer Mutter versetzt, sie sollte Benni eigentlich abholen und übers Wochenende mit nach Hause nehmen. Bennis Teufels-Kreislauf: Sie ist einsam und sucht eine Familie. Durch ihre Aggressivität können andere Kinder und Erzieher:innen aber nicht mit ihr umgehen. Dadurch bleibt sie allein, was sie noch aggressiver macht.

Laut Studien gelten etwa fünf bis sieben Prozent aller Heimkinder in Deutschland als Systemsprenger. Menno Baumann, Professor für Intensivpädagogik, hat den Film wissenschaftlich begleitet und dafür gesorgt, dass der Film – obwohl keine Doku – realistisch ist. Er sagt in einem Vortrag (zu sehen auf Youtube): „Das Thema dieser Kinder ist das Thema Brüche.“ Damit meint er vor allem Beziehungen, die zerbrechen. Oftmals zu allererst: die Beziehung zu den Eltern. In Bennis Fall, die Beziehung zur Mutter, die überfordert ist.

In einer Szene sagt die Mutter: „Wenn nicht einmal die Profis mit ihr klarkommen, wie soll ich das dann schaffen? Ich habe manchmal richtig Angst vor ihr.“

In einer anderen Szene sagt Benni: „Mama hasst mich.“ [...]" (Der Film „Systemsprenger“ tut weh – aber das muss er auch)

Freitag, 2. Oktober 2015

Smartphones in Kinderhand

Wie die Erziehung beim Smartphone-Konsum versagt 

"Die Auswirkungen von Smartphones sind vor allem bei Kindern verheerend. Eine Studie zeigt: Eltern sind oft machtlos. Mannheimer Forscher haben vier verschiedene Erziehungsstrategien ausgemacht. [...]
Fast die Hälfte gibt zu, durch das Handy abgelenkt zu werden, etwa von den Hausaufgaben (48 Prozent), oder unüberlegt persönliche Daten preiszugeben (43 Prozent).
Mehr als jeder vierte junge Befragte gab an, schon einmal Nachrichten von Fremden erhalten zu haben.
Jeder Vierte fühlt sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gestresst (24 Prozent).
 Jeder Fünfte (21 Prozent) ist schon auf nicht jugendfreien Seiten gelandet, gibt schulische Probleme durch seine starke Handynutzung zu (20 Prozent) und hat via Smartphone schon Gewaltvideos mit entwürdigenden Darstellungen bekommen (19 Prozent).
Jeder Siebte (15 Prozent) bemängelt, dass die echten Kontakte zu Freunden zu kurz kommen.
Jeder Zehnte (11 Prozent) ist bereits Opfer digitalen Mobbings oder von Ausgrenzung aus WhatsApp-Gruppen geworden.
Am geringsten scheint bei den Acht- bis Vierzehnjährigen noch das Problem des sogenannten Sextings: Nur knapp jeder zwanzigste Befragte (4 Prozent) gab an, bereits intime Fotos verschickt zu haben. [...]
Die Forscher fanden vier verschiedene Typen von Eltern:
Ein Siebtel (15 Prozent) kapituliert vor den mobilen Multifunktionsapparaten und verzichtet auf erzieherische Vorgaben.
Im Gegensatz zu dieser "Laissez-faire"-Gruppe stehen die "ängstlich-konservativen Reglementierer". Sie schränken den Umgang mit dem Smartphone ein und ignorieren die Nachteile, die ihren Kindern dadurch entstehen.
 Die "freundschaftlichen Liberalen" setzen auf ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kindern, können deren Handybegeisterung nachvollziehen und machen sich wenig Sorgen.
Die "kindzentrierten Aktiven" setzen sich mit dem Handykonsum ihrer Kinder stark auseinander, sprechen viel darüber und bemühen sich um nachvollziehbare Vorgaben für einen altersgerechten Umgang.
Technische Nutzungseinschränkungen sind den meisten Eltern unbekannt. Medienpädagogischen Rat aus dem Internet holen sich ebenfalls die wenigsten, fanden die Forscher heraus.

Dienstag, 4. Februar 2014

Ist es sinnvoll, die Erziehung in der DDR, in der NS-Zeit und in Sparta miteinander zu vergleichen?

Eine ausführliche Diskussion dazu findet man hier.

Meine Position:
Gemeinsam ist den drei recht unterschiedlichen Methoden aus sehr unterschiedlichen Gesellschaften die "Erziehung zum Kollektiv". Ganz falsch ist der Vergleichsansatz nicht. Dass er problematisch ist, wird hier ausführlich diskutiert.
Interessant wäre es, zu betrachten, wie die Entwicklung in der Bundesrepublik gelaufen ist. Obwohl es seit Jahren einen Trend zu mehr und immer früherer Erziehung in Kindergarten und Kindertagesstätte und weniger häuslicher Erziehung gibt, ist andererseits eine Überbehütung (Overprotection) der Kinder durch sogenannte "Helikoptereltern", die ständig ihr Kind überwachen, festzustellen.