Posts mit dem Label Arabisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Arabisch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 3. August 2019

Zum Verhältnis der arabischen Sprachen untereinander

Auf gutefrage.net finden sich dazu zwei sich leicht widersprechende, aber sich auch ergänzende Antworten:

Hocharabisch "ist die Schriftsprache, die Sprachwurzel. Alles Geschriebene ist in Hocharabisch, auch Zeitungen.
Dann gibt es das Gesprochene. Es unterscheidet sich drastisch. Ein Arabisch-Prof meinte mal, es wäre so verschieden wie Latein zu deutsch, englisch, französisch. In den Ländern werden diese Sprachen gesprochen.
Natürlich können viele Araber nur die gesprochene Sprache. Was zu dem Ergebnis führt, dass sie teilweise ihre eigenen Zeitungen nicht lesen können.
Tunesier und Marokkaner sprechen daher verschiedene Sprachen.
Allerdings besteht eine Tendenz, dass "alle" den Dialekt aus Ägypten können / lernen (wie wir englisch). Er heisst "Kairinisch"." (Antwort von Mauritan auf diese Frage: https://www.gutefrage.net/frage/welche-unterschiede-gibt-es-zwischen-den-verschiedenen-arabischen-sprachen-in-afrika? )

"Manche Dialekte sind sich so unterschiedlich, dass sie sich nicht gut verständigen können. Aber z. B. versteht der Marokkaner den Ägypter besser als andersherum. Und marokkanisch und saudi-arabisch sind auch sehr unterschiedlich. Es kommt oft auf die jeweilige Gegend an, also untereinander können sich z. B. Syrer, Ägypter, Libanesen und Palestinenser sehr gut verständigen." (Antwort von Somayyah1 auf diese Frage: https://www.gutefrage.net/frage/welche-arten-von-arabischen-sprachen-gibt-es )

In der Praxis bedeutet das:  Ob man von Sprachen oder Dialekten sprechen will, macht in der Sache keinen großen Unterschied. Wer Hocharabisch beherrscht und sprachbegabt ist, wird sich in die verschiedenen arabischen Sprachen/Dialekte relativ gut einhören und sich irgendwie verständigen können. Aber wer weniger sprachbegabt ist, steht als Sprecher des Hocharabischen (genauso wie ein Sprecher des Hochdeutschen auf dem Land in Bayern oder Schleswig-Holstein) vor unüberwindlichen Hindernissen, sobald er auf Menschen trifft, die nicht ebenfalls Hocharabisch können. 
Dialektsprecher diesseits und jenseits der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland verstehen sich gut. Wer aber nur Hochdeutsch kann, wird beide nicht verstehen, wenn sie miteinander sprechen, sie aber werden ihn relativ gut verstehen, weil sie daran gewöhnt sind,  dass andere nur Hochsprache können. 

Wer viele europäische Sprachen beherrscht, kann es sich leisten, von den "indogermanischen Dialekten" zu sprechen. Wer nur eine Hochsprache kann und außerdem noch schwerhörig ist, kommt mit "Dialekten" nicht zurecht, egal, ob sie indogermanisch, germanisch, romanisch, slawisch oder deutsch sind. 
Aber wer die kroatische Hochsprache nicht sehr gut beherrscht, wird nicht unterscheiden können, ob jemand auf Serbisch oder auf Kroatisch zu ihm spricht.

Freitag, 29. Juni 2018

Über den arabischen Buchmarkt

Interview mit Yasmina Jraissati, Agentin für arabische Literatur:
 "[...] Welche Trends gibt es in der arabischen Literatur?
Vor ein paar Jahren ging es viel um Soziales, um die Nachkriegsjahre etwa im Libanon. Oder um die Absurdität von autoritären Regimen, darüber wie sie die Leute auf den unteren Stufen der sozialen Leiter niederdrücken. Youssef Fadel, ein marokkanischer Autor, schreibt beispielsweise viel darüber, seine Bücher haben immer diese dunkle Atmosphäre. Im Moment sind auch Dystopien sehr gefragt, aus politischen Gründen, denke ich. Die Absurdität von Gewalt kommt in Dystopien zum Ausdruck. Ibrahim Nasrallah, der Gewinner des diesjährigen Arab Booker Prize, hat so ein Buch geschrieben, an der Grenze zur Science Fiction. Der Ägypter Youssef Rakha ist in diesem Sinn auch interessant, er experimentiert viel, seine Literatur ist schwierig. Aber er ist ein Trendsetter, jedenfalls ein potentieller. Er gehört zur Beat Generation in ihrer Kairo-Version.
In Deutschland sind dem Buchmarkt in den vergangenen Jahren Millionen Leser verloren gegangen. Man mutmaßt, es habe etwas mit der Digitalisierung zu tun, die die Aufmerksamkeit von dem weglockt, was man in Amerika als „deep reading“ bezeichnet, dem selbstvergessenen Lesen längerer Texte. Bemerken Sie ähnliches in der arabischen Welt?
Natürlich fragt man sich auch hier, ob die Leute lesen oder nicht. Und meine Antwort war immer: Sie lesen, aber man sieht es nicht. Hier war die Herausforderung immer, die Bücher physisch verfügbar zu machen. Es gibt ja gar kein Marketing, aber dass wir trotzdem Bücher verkaufen, zeigt doch, dass die Leute nach ihnen suchen. Wenn die Verleger anders arbeiten würden, könnten sie vielleicht noch mehr verkaufen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Die Herausforderungen sind andere: Kriege, Währungsschwankungen, Probleme bei der Vergabe von Visa, Zensur natürlich. Es gibt große Kaufkraftunterschiede zwischen den arabischen Ländern.
Wie wirkt sich das aus?
Im Libanon kann man Bücher für zwölf Dollar verkaufen, das ist in Ägypten unmöglich. Viel zu teuer. Es gibt schon Leute, die sich das leisten können, aber sie sind eine kleine Minderheit. Deswegen gibt es viele Raubkopien in Ägypten, die Bücher kosten dann ein oder zwei Dollar. Das Thema sorgt für viel Ärger, zu Recht. Aber für mich ist das auch ein gutes Zeichen. Es heißt, dass es Leser und Potential gibt. Und dass wir versuchen müssen, diesen Markt zu erreichen." (FAZ 28.6.18)