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Mittwoch, 11. Juni 2025

Leonie Schöler: Beklaute Frauen

 Leonie Schöler: Beklaute Frauen

Rezensionen:

NDR; Sachbuch-CouchBooknerds; HeymannBuchserien


EINLEITUNG 11

"[...] Als vor circa 2,2 Millio­nen Jahren die ersten Menschen auf Erden wandelten, waren sie in ihrer Entwicklung aus heutiger Sicht vielleicht primi­tiv – aber das mit der natürlichen Ordnung von Mann und Frau hatten sie bereits verstanden. Mann und Frau, Yin und Yang, Gegensätze ziehen sich an!

So oder so ähnlich lautet die Erzählung der ersten Menschen, wie ich sie in der Schule gelernt habe. Den meisten, die jetzt diese Sätze lesen, wurde es vermutlich nicht anders beige­bracht! Ob in Büchern, Filmen oder auch im Museum: Die Ge­schichte der Jäger und Sammler wird bis heute stark über das Geschlecht erzählt. [...]

Lehrt uns die Geschichte denn nicht alles, was wir über das Zusammenleben von Mann und Frau wissen müssen?

Nun, in der Theorie tut sie das. In der Praxis ist es allerdings etwas komplizierter – denn natürlich können wir unsere erlernten Vorbehalte und Denkmuster auch dann nur schwer ablegen, wenn wir in die Vergangenheit blicken. Bezogen auf das Geschlecht nennt sich das in der Wissenschaft Gender Bias, oder auch: geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt. Der beschreibt, dass sich sexistische Vorurteile und Stereotype so sehr auf unser Denken auswirken, dass sie unsere Wahrnehmung der Welt verzerren. Als beispielsweise die Evolutionstheoretiker des 19. Jahrhunderts die biologischen Ursprünge des menschlichen Lebens erforschten, hatten sie ganz klare Vorstellungen von den Geschlechtern. So schrieb Charles Darwin 1871 in seinem Werk Die Abstammung des Menschen:

»Der hauptsächlichste Unterschied in den intellektuellen Kräften der beiden Geschlechter zeigt sich darin, dass der Mann zu einer größeren Höhe in Allem, was er nur immer anfängt, gelangt, als zu welcher sich die Frau erheben kann, mag es nun tiefes Nachdenken, Vernunft oder Einbildungskraft, oder bloß den Gebrauch der Sinne und der Hände erfordern.«1

[...] Die anderen Wissenschaftler hatten nämlich größtenteils exakt die gleichen Vorurteile wie Darwin und suchten in der Geschichte und Biologie des Menschen unermüd­lich nach Beweisen für die Überlegenheit des Mannes. Als Ausgangspunkt für diese Annahme funktionierten die Jäger und Sammler ganz fantastisch: Die scheinbar klare Rollen­verteilung diente als Argument, dass dies die natürliche Ord­nung zwischen Mann und Frau sein müsse, die bereits in ihrer Biologie begründet sei.

Erste archäologische Untersuchungen bestätigten diese Auffassung. In den Gräbern von Männern waren Jagdwaffen und Werkzeuge beigelegt, wäh­rend Frauen Schmuck als Grabbeigabe erhielten. So grub man in den folgenden Jahrzehnten die Geschichte immer weiter um und buddelte ganz viele kleine und große Beweise aus für die eigene Vorstellung von der menschlichen Exis­tenz. [...] 

Seit wenigen Jahren gibt es tatsächlich eine neue Perspektive auf unsere Vergangenheit. 2018 wurde in den peruanischen Anden das mit Waffen reich bestückte Grab eines Kriegers ge­funden. Mithilfe modernster Technik wurden die circa 9000 Jahre alten Gebeine genealogisch analysiert, es wurde also ein DNA-Test gemacht – und etwas schier Unglaubliches be­wiesen: Das Skelett war das einer Frau!2 [...] 30 bis 50 Prozent der untersuchten Skelette, die man bisher auf Grundlage der Waffen und Werkzeuge im Grab als männlich identifiziert hatte, waren biologische Frauen.

Zuletzt haben Archäo­log*innen einen Sensationsfund aus dem Jahr 2008 korri­giert: Damals war in der Nähe des südspanischen Valencia das Grab eines mächtigen Herrschers aus der Kupferzeit ent­deckt worden. Er bekam den Namen »Ivory Man«, in Anleh­nung an die prächtigen Grabbeigaben und Waffen aus El­fenbein, die sich deutlich von anderen Gräbern aus der Zeit unterschieden. Doch 2023 durchgeführte DNA-Tests ergaben, dass der Ivory Man eigentlich eine Ivory Lady war. Nicht nur das: Die Forschenden kamen in ihrer Studie auch zu dem Er­gebnis, dass

»sie zu einer Zeit, in der kein Mann eine auch nur annä­hernd vergleichbare soziale Stellung einnahm, eine führende gesellschaftliche Persönlichkeit war. Nur andere Frauen, die kurze Zeit später in […] einem Teil desselben Gräberfeldes bestattet wurden, scheinen eine ähnlich hohe soziale Stel­lung gehabt zu haben.«5

Offenbar waren in dieser Region vor 5000 Jahren nur Frauen die Anführerinnen gewesen. Gab es etwa doch gar keine strenge Mann-Frau-Aufteilung unter unseren Vorfahren? [...]"

Fontanefan: Anregend ist Schölers Perspektive unbedingt und sie fußt auf aktueller Forschung. Unklar bleibt mir dabei, weshalb sie zumindest in der Einleitung nicht auf die Geschichte der Matriarchatstheorien eingeht.

Zur Unterstützung ihrer These, dass das Denken der Zeit Einfluss auf das Geschichtsverständnis gehabt haben wird, verweise ich aber auf ein Beispiel vom Ende des 19. Jahrhunderts.


Kapitel eins (K)EINE BÜRGERIN

Der Fisch stinkt vom Kopfe her23

Auf den Barrikaden: Frauen in den Revolutionen von 1848/4929

Wer hat Angst vorm weißen Mann? »Rasse«, Klasse und Geschlecht im nationalen

 Selbstverständnis41

Frauen als Nicht-Bürgerinnen49

Kapitel zwei ENDSTATION: EHE

Der Matilda-Effekt 59

Ungleiche Bündnisse zwischen Zusammenarbeit und Ausbeutung62

Bis dass der Tod euch scheidet oder: Wo blieb der Widerstand? 74

Die Lücke im System: Warum zu heiraten sich für Frauen nicht lohnt84

Kapitel drei KÜNSTLER WIRD MIT ER GESCHRIEBEN

Im Namen des Vaters und des Sohnes: Frauen als Familienangestellte 97

Eleanor Marx, Jenny MarxJenny Caroline Longuet,

Berühmte Genies und ihre heimlichen Mitarbeiterinnen 118

Lucia Mohol; Marieluise Fleißer, Elisabeth Hauptmann, Margarete Steffin*, Ruth

 Berlau*

*""Als Brecht sich 1940 um ein USA-Visum für sie bemühte, beschrieb er sie als seine engste

 Mitarbeiterin: „Tatsächlich überblickt nur sie meine Tausende von Manuskriptblättern.“ Das

 war mit Sicherheit nicht übertrieben, Steffin führte fast die gesamte Korrespondenz mit

 Verlagen und Freunden, schrieb Brechts Texte ins Reine, war hier auch kritische Gutachterin,

 lernte Sprachen, dort wo es notwendig war, und ordnete Brechts Gedichte. Als Steffin starb,

 war Brecht über ein Jahr lang unfähig zu arbeiten.[2] Brechts Gedicht Nach dem Tod meiner

 Mitarbeiterin M.S. bezieht sich auf Margarete Steffin und hebt ihre Bedeutung für das

 brechtsche Werk hervor.

"In Dänemark, außerhalb seines Sprachraums und ohne Mitarbeiter, war Brecht zum ersten

 Mal auf sich allein gestellt. Ohne die bewährte Kollektivarbeit mit Ruth Berlau konnte er Die

 Gewehre der Frau Carrar nicht zu Ende schreiben. Der Mangel an Mitarbeitern war nach

 Ansicht Berlaus der wahre Grund, warum Brecht sie so sehr vermisst hatte. Berlau inszenierte

 (unter Mitarbeit Brechts) Die Gewehre der Frau Carrar. Die erste Aufführung mit Mitgliedern

 ihres Kopenhagener Arbejdernes Teater fand am 19. Dezember 1937 vor Emigranten statt.

 Das Aftenbladet schrieb in einer Rezension vom 20. Dezember 1937: „Das stark dramatische

 Stück wurde ausgezeichnet dargeboten, geprägt sowohl von der Begeisterung dieser

 Laienschauspieler als auch von der gekonnten Regie Ruth Berlaus. Namentlich Dagmar

 Andreasen als Mutter spielte fein und empfindsam.“ Eine zweite Aufführung fand am 14.

 Februar 1938 als Wohltätigkeitsveranstaltung für die Deutsch-Schüler in der Borups Höjskole

 Kopenhagen statt. Die Zeitungen waren erneut voller Lob und berichteten über eine gelungene Aufführung.[5]

Im August 1938 arbeitete Brecht mit Ruth Berlau an ihrer Novellensammlung Jedes Tier kann es, die 1940 mit dem dänischen Titel Ethvert dyr kan det unter dem Pseudonym Maria Sten herauskam. Für den von Ruth Berlau bearbeiteten englischen Schwank Alle wissen alles schrieb Brecht ein Vorwort, in dem er seiner „Sympathie zu dieser Art Gattung der Dramatik“ Ausdruck verlieh.[6]

Brecht war inzwischen nach Schweden übergesiedelt, und seine Mitarbeiterin Margarete Steffin unterstützte Berlau bei den Korrekturen der Svendborger Gedichte. Sie schickte die Zweitkorrektur an die Setzerei nach Kopenhagen, danach gab Berlau den Band mit eigenen Geldmitteln heraus.[7] Aus Bescheidenheit und anstatt sich selbst als Herausgeberin zu benennen, ließ Berlau Wieland Herzfelde mit seinem Malik-Verlag in London hineindrucken. Brecht schrieb darauf an sie: „Von allen Menschen, die ich kenne, bist Du der großzügigste.“ Von Herzfelde wurde sie später wegen der „hässlichen“ Form der Ausgabe, die nicht der der Gesammelten Werke entsprach, kritisiert."

Von der Muse geküsst oder: Können Frauen Kunst?137

Kapitel vier OHNE AUSZEICHNUNG

Prestige und Macht: Wieso Rosalind Franklin keinen Nobelpreis hat 155

Unsichtbar gemacht: Wieso Lise Meitner keinen Nobelpreis hat 177

Machtgefälle: Wieso Jocelyn Bell Burnell keinen Nobelpreis hat 194

Eine Frage der Geschlechtertrennung 211

"Neuerdings dürfen trans Frauen nicht mal mehr im Damenschach antreten. Personen, die in einem männlichen Körper geboren wurden, sind also im logischen Denken besser als biologische Frauen – oder was soll uns das sagen? Nun ja, diese Auffassung spiegelt sich zwar kaum die tatsächlichen Ergebnisse wider, denn mitnichten gewinnen trans Athletinnen haushoch überlegen in allen Sportarten. Es zeigt aber auf, wie nicht-binäre Identitäten zum Spielball werden, um die binäre Geschlechtsordnung aufrecht zu erhalten. Dazu passt auch, dass mit trans und inter Personen im Sport aktuell genauso umgegangen wird, wie man lange Zeit mit Frauen umgehen. Erst ignorieren, dann hitzig, polemisch und über die Köpfe der betreffenden Personen hinweg diskutieren, um sie dann zu sperren und ihnen die Teilnahme an Wettkämpfen zu verbieten. [...] Es ist ja nicht so, als gäbe es im Sport nicht auch unabhängig vom Geschlecht körperliche Vorteile oder Einschränkungen, für die man bereits Lösung gefunden hat, so wie Alters- und Gewichtsklassen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Oder man nimmt sich die Paralympics zum Vorbild: Dort spielen die körperlichen Voraussetzungen der jeweiligen Leistungssportler*innen eine selbstverständliche Rolle dabei, in welcher Gruppe sie antreten. Niemand spricht von Vor- oder Nachteilen; es geht einfach darum, dass Menschen sich miteinander messen können, deren Grundvoraussetzungen ähnlich sind. Dass man über breiter gefächerte Startgruppen nicht auch bei nicht-behinderten Athlet*innen diskutiert, ist für mich ein Hinweis auf / ein fehlendes Interesse bei vielen Verbänden und Sportfunktionär*innen, wirklich faire Startbedingungen für alle zu schaffen." (S. 220/221).

Es geht einfach darum, dass Menschen sich miteinander messen können, deren Grundvoraussetzungen ähnlich sind.

Diesen Grundsatz will Schöler bei den Unterschieden zwischen Geschlechtern nicht gelten lassen. Dankenswerterweise führt sich aber auch gleich die Beispiele an, die deutlich machen, dass das, was bei Alters- und Gewichtsklassen ohne weiteres möglich ist bei der Trennung nach Geschlechtern problematisch wird: Beim Boxen unterscheidet man nach Gewichtsklassen, weil ein Boxer mit Fliegengewicht gegen einen Boxer im Schwergewicht (allgemein anerkannt) keine Chancen hat und weil es leicht ist, nach objektiven Kriterien (Gewicht) zu trennen. Freilich ist die Anerkennung, um die es Schöler geht, in den niedrigeren Gewichtsklassen weit geringer. Schwergewichtsweltmeister sind nicht selten weltbekannt, Fliegengewichtsmeister nicht. Fast noch deutlicher ist es bei den Behindertenwettkämpfen. Bis die Paralympics Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zugänglich wurden, dauerte es lange. Ihre Wettkämpfe werden aber weiterhin nicht zugleich mit den allgemeinen Olympischen Spielen ausgetragen. Wenn die Olympischen Siele für Männer und Frauen getrennt ausgetragen würden, wäre das in Schölers Sinne? 

Aber nicht nur das: Bei den ersten olympischen Behindertenwettkämpfen galt nur eine einzige Hilfe als erlaubt: der Rollstuhl. Wenn aber Laufwettbewerb mit Hilfen erlaubt sind, wird sofort die Bedingung, dass die Grundvoraussetzungen ähnlich sind, fragwürdig. Zu groß sind die Unterschiede von technischen Hilfsmitteln. 

Schölers Vorstellung, dass man nach Altersklassen trennen könne, hat den Charme, dass das (bei Mannschaftssportarten, z.B. beim Fußball) schon lange geschieht. Aber kein U21-Fußballer wird die Chance, dass er in der Klasse ohne Altersbeschränkung mitspielen darf, verpassen wollen; denn erst da gilt die Auszeichnung richtig. 

Doch grotesk wird es erst, wenn Schöler sich beklagt über "ein fehlendes Interesse bei vielen Verbänden und Sportfunktionär*innen, wirklich faire Startbedingungen für alle zu schaffen". Wie sollte man erreichen, dass für alle Sportarten, alle Arten von Behinderung, alle Gewichts- und Altersklassen "wirklich faire Startbedingungen für alle" geschafft werden? Wäre damit nicht sofort die Anerkennung aufs Spiel gesetzt, wenn man nicht die Chance hat, sich auch bei höheren Ansprüchen zu beweisen?

Wenn alle Wettbewerbe in getrennten Leistungsgruppen stattfinden müssten, wäre die Organisation unsinnig erschwert und die öffentliche Sichtbarkeit von Leistungen nahezu beseitigt. (Kommentar Fontanefan)


Kapitel fünf WIDERSTAND

Blutrünstige Amazonen oder: Die Furcht vor der kämpfenden Frau 225

Rote Huren, Soldatenflittchen und Frontschlampen: Frauen im Krieg 233

Erinnerungskultur ist Identitätspolitik 249

Wem nützt weißer Feminismus? 260

Kapitel sechs VERGESSEN UND AUSGELÖSCHT

Noch nie gehört: Frauen hinter männlichen Pseudonymen 271

Goethe, Lessing, Brecht und Co.: Bildung ist weiß und männlich 280

Noch nie gesehen: Das Phänomen der »Wiederentdeckten Frau« 290

Google mal CEO: Warum Algorithmen männlich denken 301

SCHLUSSWORT 315

ANHANG 323

Samstag, 9. Dezember 2023

Voxeurop: Über die Rolle der Frauen in der Ukraine

 "Voxeurop ist die erste europäische Pressegenossenschaft und befindet sich im Besitz ihrer Leser*innen, Journalist*innen, Übersetzer*innen, Partner*innen und Gründer*innen. Dieses offene Projekt richtet sich an alle, die sich für eine unabhängige Presse einsetzen und sich für einen Journalismus engagieren möchten, der sich an ein europäisches Publikum richtet"

mehr dazu

Ukraine: Feminismus im Angesicht des Krieges

"Seit dem 1. Oktober 2023 sind ukrainische Frauen zwischen 18 und 60 Jahren, die im medizinischen Bereich arbeiten, verpflichtet, vor einer Militärkommission zu erscheinen, um sich für einen möglichen Dienst in der Armee zu registrieren. Die Einberufung betrifft Ärztinnen, Krankenschwestern, Hebammen, Zahnärztinnen und Apothekerinnen. Auch wenn nicht alle von ihnen zu den Streitkräften einberufen werden, müssen sie diese Möglichkeit nun in Betracht ziehen. Nur schwangere Frauen, Frauen im Mutterschaftsurlaub, alleinstehende Mütter oder Mütter kinderreicher Familien, Mütter, die behinderte Kinder betreuen und Ehefrauen von Soldaten der ukrainischen Streitkräfte können von einer Befreiung profitieren.

Militärische Pflicht für Frauen: Einige ukrainische Feministinnen sind der Meinung, dass die Gleichheit bei der Mobilisierung noch weiter gehen sollte und Frauen genauso wie Männer in die Armee eingezogen werden sollten, wie es in Israel der Fall ist. [...]" (voxeurop 6.12.2023)


Samstag, 17. Juni 2023

Kein Mensch ist nur eines und gar nichts anderes

 Eine abstruse Form, darauf zu reagieren, dass Menschen nicht einseitigen Vorurteilen entsprechen, sondern differenzierte zu sehen sind, ist ihnen "Energien" nachzusagen die solchen Vorurteilen entsprechen:

"Vier Arten, wie mein Verlobter mir erlaubt, in meiner femininen Energie zu bleiben", beginnt eine junge Frau ein TikTok. Darunter der Hashtag divinefeminine. Weil ihr Verlobter ein natürlicher Anführer sei, erklärt die junge Frau, verwalte er die Finanzen, treffe Entscheidungen und sei selbstverständlich der Autofahrer. Sie übernimmt die Hausarbeit. 

"Wir haben ein System gewählt, das zu unseren Stärken passt, sodass wir beide die besten Versionen von uns selbst sein können", antwortet sie auf einen Kommentar, der um ihre Unabhängigkeit besorgt ist. Die Creatorin ist eine von vielen Frauen, die auf TikTok und Instagram über "divine feminine energy" oder "goddess energy" sprechen. Es handelt sich dabei um eine Art spirituelle Onlinebewegung. Sie verspricht Frauen mehr Selbstbewusstsein, romantische Aufmerksamkeit und Zufriedenheit. Die Theorie: Jeder Mensch hat feminine und maskuline Energie in sich. Wenn es einem nicht gut geht, liegt das daran, dass die beiden nicht in Balance sind. [...]" ZEIT 16.6.23

Eine andere Form ist es, zu unterstellen, jeder habe genau eine Art, auf die Umwelt zu reagieren, und die ändere sich nie. Man müsse nur seine einzigartige Weise, früh genug entdecken, dann würde man nicht unglücklich, weil man keinen Widerstreit von Selbstgefühl und Rollenerwartung erlebe. LGBTQ ist freilich erst auf dem Weg dorthin, am Ziel wäre die Bewegung erst  wenn die Gesellschaft Rollenerwartungen vollständig abbaut. Ein weiter und vermutlich ziemlich dorniger Weg für Individuen und Gesellschaften, die ihn beschreiten wollen.

Da hatte es Goethes Faust noch relativ einfach, der nur zwei Seelen miteinander in Einklang zu bringen hatte.

Dienstag, 28. September 2021

Wählen Frauen anders als Männer?

 Wählen Frauen anders als Männer? Von: Gesine Fuchs 12.10.2018  bpb

"[...] Schließlich fällt auf, dass die Alternative für Deutschland deutlich weniger von Frauen gewählt wird: 2017 stimmten 9,2 Prozent der Frauen und 12,6 Prozent der Männer für diese Partei. Das ist insofern erstaunlich, als Frauen gleich häufig wie Männer rechtspopulistisch eingestellt sind.[21] In der internationalen Forschung wird vermutet,[22] dass eine weiterhin engere Kirchenbindung von Frauen die Wahl von Rechtspopulisten weniger wahrscheinlich macht und Frauen eher eine soziale Stigmatisierung bei entsprechender Wahlentscheidung fürchten als Männer. Auch könnten ein gewalttätiges und aggressives Image die Wahlbereitschaft für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien schwächen. Frauen an der Spitze rechter Parteien könnten sie hingegen auch attraktiv für Wählerinnen machen. Dazu passt die Instrumentalisierung und Verschmelzung von feministischen Forderungen mit rassistischer Programmatik, wenn etwa Migranten für allen Sexismus im Land verantwortlich gemacht werden und dieser auf ihre Religion beziehungsweise Kultur zurückgeführt wird. Dazu wird die deutsche Mehrheitsgesellschaft als gleichberechtigt und freiheitlich kontrastiert (sogenannter Femonationalimus).[23] Zusammengefasst: Überzeugende Erklärungen für die relative AfD-Unattraktivität bei Frauen müssten noch gefunden werden.


Eine aktuelle Studie auf Grundlage einer selbstselektiven Online-Befragung zeigt, welche politischen Einstellungen, parteipolitischen Präferenzen und Partizipationsverhalten LGBTIQ*-Personen in Deutschland und Österreich haben. In Deutschland zeigte sich eine große Präferenz für linke Parteien (29 Prozent Grüne, 23 Prozent Linke, 21 Prozent SPD); bei Trans- und Queer-Personen präferierten gar über 40 Prozent die Linke – eine Partei, die eine ausdifferenzierte Agenda in Bezug auf Trans*personen hat;[24] spezifische, kleinere programmatische Unterschiede können also unter bestimmten Umständen zu unterschiedlichen Parteipräferenzen führen. [...]"

Samstag, 14. August 2021

Aus der Geschicht der Emanzipation

 

Hedwig Richter
1959. Umfrage Bundesrepublik "Kürzlich ist vorgeschlagen worden, allen Müttern, die Kinder unter 10 Jahren haben, die Berufsarbeit zu verbieten. Wären Sie für ein solches Gesetz oder dagegen?" Dafür: 59% (M: 55%, F: 61%) Quelle: Jahrbuch der öffentl Meinung 1958-64, S. 383.

Freitag, 16. April 2021

Caroline Fourest: "Generation Beleidigt"

Fourest: "Heute treibt mich eine große Angst um"  (Interview) ZEIT 31.3.21

Die französische Feministin Caroline Fourest kritisiert in ihrem Buch "Generation Beleidigt" die radikalisierten Studenten in den westlichen Ländern. Sie sieht ihren eigenen Kampf für die Frauen und gegen den Rechtsextremismus gefährdet [...]


ZEIT: Ist die Jugend nicht einfach nur viel wachsamer als ältere Generationen?#

 Fourest: Im Gegenteil. Sie lebt in einer privilegierten, elitären Blase, losgelöst von den wahren politischen Kräfteverhältnissen auf dieser Welt. Sie ereifert sich über Lehrerinnen und Professoren, die ihr widersprechen. Aber es interessiert sie nicht, wenn der Staat in Ungarn, Polen oder Russland wieder gegen Homosexuelle vorgeht. Sie begreift nicht, dass wir in einer Zeit leben, in der das Identitäre der Rechtsextremisten auf dem Vormarsch ist, immer stärker wird und sie selbst diesen Trend verschärft.

 ZEIT: Passiert das momentan überall auf der Welt? 

 Fourest: Es betrifft unsere privilegierten Jugendlichen in den USA und Europa. Die Jugend in Algerien, die gegen einen autoritären Staat kämpft, oder die aufständische Jugend im Senegal, die es mit riesigen Problemen zu tun hat, kümmert sich nicht um Mikroaggressionen.

 ZEIT: Zweifeln Sie am Engagement einer ganzen Generation?

 Fourest: Natürlich engagiert sich die Jugend für ein Mainstream-Thema wie die Rettung der Natur. Aber dieses Anliegen ist auch unangreifbar: Wenige sind gegen die Rettung der Natur. Viele Jugendliche wählen dieses Anliegen nicht zuletzt aufgrund ihrer Sozialisation mit den sozialen Medien. Sie sind mit der Angst aufgewachsen, in den sozialen Medien bloßgestellt zu werden und das eigene Ansehen zu verlieren. [...]

Donnerstag, 21. Mai 2020

Lufthansa-Rettung kostet Milliarden

Lufthansa-Rettung kostet Milliarden 21.5.20

"Je mehr Frauen in einem Netzwerk sind, umso schlechter" Die ZEIT 4.5.20
"Wir haben nachgewiesen, dass die Anzahl von Frauen in Netzwerken negativ mit dem Karriereerfolg korreliert."

Mittwoch, 29. April 2020

Wieder so eine Influencerin? - Ja

In ihrem Blog Lass mal lesen! wirbt diese Influencerin - wie so viele - für ihr Hobby.
Freilich eins, das so ganz typisch ist für Influencerinnen.
Da sie erst 13 Jahre ist, wird man es ihr nachsehen, auch dass sie sich politisch engagiert - in ihrem Fall gegen das Gender-Marketing.
U.a. mit dem mutigen (?) Argument, Pippi Langstrumpf sei ja kein reines Mädchenbuch und Karlsson vom Dach eine reines Jungenbuch.

Wehe, wenn sie mit 16 oder 17 sich noch anderen politischen Gebieten zuwenden sollte!
Da würde dann mehr gefordert als Intelligenz, große Aufgeschlossenheit und viel Engagement.
Warum braucht es so besonders viel Resilienz, wenn man als Frau politische Ziele erreichen will und warum versuchen es neuerdings schon so viele so sehr junge?

Xifan Yang, eine Frau, die sich in der Krise einen Namen gemacht hat

Der Bericht, den sie über ihre Erfahrungen in China und Deutschland geschrieben hat, zeigt in bewunderswerter Weise die Ambivalenz der Art, wie die beiden Staaten bisher durch die Krise gekommen sind, auf.
Diesen Bericht ergänzt sie heute in der ZEIT durch den Bericht über einen Mann, der unbekannt bleiben möchte, weil die Partei in China nicht will, dass bekannt wird, wie viel privates Engagement dazu geholfen hat, dass die Schäden in der Krise nicht noch größer wurden.
Julia Jäkel ("Zurück in der Männerwelt") weist überzeugend darauf hin, wie in der Krise deutlich wird, dass die Männer wieder das Wort führen, weil die Frauen Beruf, Homeschooling und Hausarbeit miteinander zu verbinden versuchen.
Und das, obwohl die "Christliche Damen Union" (CDU), ein Hort des Patriarchats trotz allem, dazu beigetragen hat, dass drei Posten, die ganz eindeutig Männerdomäne waren, inzwischen mit Frauen besetzt sind: Verteidigungsminister, Bundeskanzler und EU-Kommissionspräsident. - Und, obwohl die Kanzlerin neuerdings ihre Politik erklärt. (Natürlich hat sie das auch schon früher getan, aber noch nie mit der Häufigkeit und Intensität wie gegenwärtig.)

So kommt Ash zu dem von Jäkel stark abweichendem Fazit:
Timothy Garton AshWikipedia-logo.png im Interview: „Es ist die Stunde der Frauen in Führung“ FR 26.4.20
Immerhin weiß auch die Führungskraft Julia Jäkel auf sich aufmerksam zu machen. Freilich, es fällt schwer, ihr nicht Recht zu geben, auch wenn Adenauers Zeiten längst vorbei sind. 

Sonntag, 16. Juni 2019

Wenn in den Sommerferien die Zwangshochzeit droht…

"[...] Seit 2017 gilt in Deutschland das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen. «Es ist unserer Einschätzung nach in der Praxis noch nicht angekommen», urteilt Böhmecke. Es fehle an Leitfäden und Schulungen für Behörden und auch Präventionsmaßnahmen und Aufklärung in Schulen. «Bisher sind auch nur sehr wenige Fälle bekannt geworden, in denen die Ehe wegen der Minderjährigkeit des Mädchens aufgehoben wurde», ergänzt sie." (Zwangsverheiratung newsforteacher 15.6.19)

Mittwoch, 15. Mai 2019

Doppelnamen und Doppeldeutschland

"Männernamen sind immer toll. Und Frauennamen sind immer scheiße. Und Doppelnamen sind doppelt scheiße?"
Sie haben sicher davon gelesen: Mit dieser Frage hatte sich Gabriele Möller-Hasenbeck in der vergangenen Woche im Kölner Gürzenich überraschend auf die Bühne begeben, um den dort auftretenden Comedian Bernd Stelter auf ihren Unmut über seine Scherze hinzuweisen. Stelter hatte sich zuvor im Zusammenhang mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer über Doppelnamen lustig gemacht.
Es ist keineswegs übertrieben, wenn ich sage, dass dieser in der Weltpolitik vergleichsweise harmlos erscheinende Vorfall und all seine bisherigen Begleiterscheinungen großes Interesse bei mir hervorgerufen haben. Das "Steltergate", wie es in den sozialen Netzwerken schnell genannt werden sollte, fördert nämlich Probleme verschiedenster gesellschaftlicher Ebenen zutage und nicht zuletzt auch einen bedauerlichen, noch immer bestehenden Graben zwischen Ost und West.[...]
Worin besteht nun der Unterschied zur ostdeutschen Frau?
Es ist im Osten ja nicht so, dass wir keine Frauen mit Doppelnamen gekannt haben. Schon der Name Irma Gabel-Thälmanns, die bereits jedem Jungpionier bekannte Tochter des kommunistischen, in der DDR-Erinnerungskultur gehypten Widerstandskämpfers Ernst Thälmann, spricht für sich. Und mit der populären Langläuferin und Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm schoss die zielsichere DDR-Sportlerin mit einem Dreifach-Namen einmal über selbiges hinaus.
Ja. Doppel- und sogar Mehrfachnamen gab es in der DDR, aber besonders häufig waren sie nicht. Vielleicht weil sich die Emanzipation der ostdeutschen Frauen bis heute eher wenig über Sprache definiert. In diesem Zusammenhang wage ich zu behaupten, dass die Generationen der bis etwa 1980 geborenen ostdeutschen Frauen mit Gender-Sternchen und Innen-Endungen eher wenig am Hut hat. Meiner Mutter zum Beispiel war es völlig gleich, ob sie Zahnarzt oder Zahnärztin genannt wurde. Sie hatte Zahnmedizin studiert und diesen Beruf ausgeübt. Fertig. Einem Mann gegenüber habe sie sich noch nie unterlegen gefühlt, sagt sie. Und dieses Gefühl teile ich mit ihr uneingeschränkt. Es sind aber Wahrnehmungen. Es ist unsere Wirklichkeit. Es liegt mir fern, diese als einzig geltende darzustellen." (Doppeldeutschland. Was die Diskussion über Witze auf Kosten von Frauen mit Doppelnamen über Ost und West verrät von Ulrike Gastmann, ZEIT 6.3.19)

Freitag, 13. April 2018

Sandra Konrad: „DAS BEHERRSCHTE GESCHLECHT“

Wem gehört die Sexualität der Frau? von Julia Bähr FAZ 8.4.18

"Und sie liefert eine gute Erklärung, warum manche Männer so empfindlich reagieren, wenn sie auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen aufmerksam gemacht werden: „Wer die Macht hat, ohne sie an sich gerissen zu haben, möchte nicht dafür kritisiert werden.“ Das macht die Lektüre tatsächlich sehr angenehm: Konrad kritisiert weder Männer noch Frauen, sie konstatiert nur – wenn auch manchmal zu schnell."

sieh auch:
Erstes Mal: Wie es wirklich ist ... mit 32 Jahren noch Jungfrau zu sein. ZEIT 5.2.2020

BUCH „SEXKULTUR“: Lust ist halt kein Spaß FAZ 5.12.2020 (Rezension von Bettina Stangneth: Sexkultur)

Montag, 27. April 2015

Piëch, Winterkorn, ihre Einkommen - VW und der Klimawandel

Tweets vom Tage:
  1. Unsere 2 Zahlen des Tages: 43,456 und 34,560. Die erste Gehalt pro Tag von #Winterkorn#VW die zweite das Jahresgehalt einer .
  2. Fragt sich: Was sind die Tageseinnahmen von ? Nicht nur höher als die von W, sondern auch viel schwerer festzustellen.
  3. Ich denke, bekommt am Tag so viel wie im Jahr. Verdienen tun es wohl beide nicht.

Kommentar:
Piëch vereinsamt       ??


Ferdinand Piëch (Wikipedia)

Martin Winterkorn (Wikipedia)

Erzieherin leitet die Wikipedia zu Erzieher weiter und teilt mit: 96% der Erzieher sind Erzieherinnen. - Wie viel Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden von DAX-Unternehmen sind weiblich?

Frage:
Wie viel trägt das Unternehmen VW zur menschengemachten Klimakatastrophe bei, wie viel alle Erzieherinnen gemeinsam?

Naomi Klein