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Dienstag, 14. Oktober 2025

Mangel an Demokratie

 "[...] Der offene Diskurs über die absurd ungerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen ist noch immer weitgehend blockiert.

Unter den meisten Politiker:innen jenseits der Linken ist die offene Benennung der sozialen Spaltung in unserer Gesellschaft sogar ein regelrechtes Tabu. Denn sie wissen genau: Wenn sie daran ernsthaft rühren, dann müssen sie mit einem organisierten medialen Sperrfeuer rechnen, das ihre Wahlchancen drastisch mindert.

Dahinter stehen die Superreichen, oder genauer gesagt deren Interessenverwalter in der Finanzindustrie und den Konzernen sowie deren Verbände und ihre Armee von Anwälten. Gemeinsam stellen sie eine ideologische Mauer gegen den offenen Diskurs zur Verteilungsfrage.

Nichts dokumentiert das besser, als das einst im Jahr 2009 vom Sozialdemokraten Peer Steinbrück wieder eingeführte Adelsprivileg, also Reichtum und Macht als Geburtsrecht. Denn seitdem müssen die Erben von Unternehmen keine Steuern mehr auf ihr Erbe zahlen.

Darum werden selbst Milliardenkonzerne steuerfrei vererbt, und im Ergebnis entgehen dem Fiskus jährlich bis zu zehn Milliarden Euro. Schon 2014 hat das Bundesverfassungsgericht diese Praxis als verfassungswidrig gebrandmarkt. Aber die Folge war nur eine Pseudoreform, die an dem Privileg nichts geändert hat. Das nenne ich Macht!

Und das ist ja nur eine der vielen strukturellen Ursachen der Ungleichheit. In die gleiche Kategorie gehört die absurde Nichtverfolgung der Steuerkriminalität mit Kosten für den Fiskus im mindestens zweistelligen Milliardenbereich, wie der Bundesrechnungshof vorsichtig schätzte.

Und politisch geradezu kriminell ist die Steuerfreiheit für Immobiliengewinne: Allein deswegen kaufen die Reichen aus aller Welt jedes Jahr für mehr als 100 Milliarden Euro deutsche Immobilien und treiben damit Normalverdiener in die Verzweiflung, weil das die Wohnkosten zusehends unbezahlbar macht.

Würde nur dieses Staatsversagen korrigiert, gäbe es allein damit genug Geld, um ganz ohne Schulden endlich für sozialen Ausgleich zu sorgen.

Und das ist unbedingt notwendig! Denn die exzessive Ungleichheit hat dramatische politische Folgen: Während die Minderheit der Vermögenden immer mehr Kapital und damit Macht auf sich konzentriert, breitet sich in der übrigen Gesellschaft die Angst vor dem Abstieg aus. Und das ist das gefährliche soziale Gift für die Demokratie. Denn diese Statusängste verunsichern die Menschen in ihrer Identität, in ihrer Vorstellung über ihren Platz in der Gesellschaft. [...]"

Mittwoch, 12. Januar 2022

Eine Information von LobbyControl e.V. : Unser Rechtsgutachten: Lobbyverband im CDU-Parteivorstand ist rechtswidrig!

 Heute haben wir Rechtsgutachten veröffentlicht, das belegt: der Parteivorstand der CDU ist rechts- und satzungswidrig zusammengesetzt. Bereits mehrfach haben wir kritisiert, dass der Lobbyverband „Wirtschaftsrat der CDU“ als Dauergast im Parteivorstand privilegierte Zugänge ins Machtzentrum der Partei genießt. Nun ist klar: Diese Praxis widerspricht den demokratischen Grundsätzen des Parteiengesetzes. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die CDU handelt und dem Wirtschaftsrat seine Sonderrechte in der Partei entzieht.


Lesen Sie hier mehr zu unserem Rechtsgutachten

Eine besondere Verantwortung trägt der designierte Parteivorsitzende Friedrich Merz. Der Wirtschaftsrat diente Merz jahrelang als Machtbasis, der CDU-Politiker wiederum galt als politisches Aushängeschild des Verbands. Erst kurz vor Beginn des Mitgliederentscheids zum Parteivorsitz gab Merz seine Funktion als Vizepräsidents des Lobbyverbands ab. Wir fordern von Friedrich Merz: Kappen Sie endlich die gesetzeswidrigen Zugänge des Wirtschaftsrat in die CDU! Ein Lobbyverband hat als Dauergast in einer Partei nichts zu suchen – und widerspricht demokratischen Grundsätzen.

Die CDU reagierte bislang ausweichend und beruft sich darauf, dass keine „institutionalisierte Verbindung“ zwischen Wirtschaftsrat und Partei bestehe. Doch das stimmt nicht: Bislang hatten die Präsidentinnen und Präsidenten des Wirtschaftsrats den Status eines beratenden Dauergastes im Parteivorstand, zwar ohne Stimmrecht, aber mit Rederecht. In dieser Funktion waren sie auch jahrelang auf der CDU-Webseite als Vorstandsmitglieder zu sehen. Noch im Frühjahr letzten Jahres hat uns ein Parteisprecher diesen Status bestätigt. Die CDU verrennt sich in Widersprüchen, wenn sie weiterhin abstreitet, dass der Wirtschaftsrat im Parteivorstand sitzt.

Lesen Sie hier mehr über die rechtswidrige Zusammensetzung des CDU-Vorstands

Wir werden nicht locker lassen. Am 21. Januar wird der neue Parteivorstand gewählt. Spätestens bis dahin muss die Partei eine klare Aussage treffen, wie sie die Rechtmäßigkeit ihres Vorstands wiederherstellt. Wir fordern auch engagierte CDU-Mitglieder auf: Nehmen Sie Ihre Mitgliedsrechte wahr, um sich für die Wahrung der innerparteilichen demokratischen Ordnung der Partei einzusetzen! Ein rechtswidriger Parteivorstand mit Sonderrechten für einen Lobbyverband schadet dem Ansehen der Partei und damit auch der Demokratie.

Einen wichtigen Schritt in Richtung mehr Lobbytransparenz gab es in diesem Jahr bereits: Zum Jahresbeginn startete das Lobbyregister. Auch wenn noch viel Nachbesserungsbedarf besteht, ist das ein wichtiger Schritt. 

Ich persönlich kann die Rechtslage selbstverständlich nicht beurteilen. Fontanefan