Posts mit dem Label Tagebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tagebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 23. August 2019

Donnerstag, 10. Januar 2019

Rezeption von Anne Franks Tagebuch in den USA

Anne Franks Tagebuch ist in den USA eine verbreitete Schullektüre, die oft in den 8. Klassen, manchmal auch bereits in den 7. Klassen gelesen wird.
Allerdings gibt es bei manchen Eltern und entsprechend bei Schulen auch Bedenken, gegen die seit 1986 öffentlich zugängliche Originalversion, in der Anne Beobachtungen über ihren Körper festhält.
Diese Passagen hatte Otto Frank in der von ihm autorisierten Ausgabe weggelassen, um keinen Anstoß zu erregen. Da inzwischen einige Eltern Bedenken geäußert haben, ist man zumindest an einer Schule für die Klassenlektüre zu der von Otto Frank autorisierten Version zurückgekehrt.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Lieblingsbuch: Anne Frank: Tagebuch


 "weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube" (15.7.1944)
Fischer TB 11377 (1992), S.309

Donnerstag, 17. November 2016

Tagebücher des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész

"Meine geheimen Morgenstunden, geheimen Spaziergänge, meine einsame, intime Selbstzerfleischung, das Schreiben als Geheimnis: all das ist vorbei, kann es vorbei sein? Die träumerischen Zusammenhänge meines Lebens, der Augenblick vor – annähernd genau – zwanzig Jahren, da ich, in hoffnungsloser Lage, mitten in ein für Liebe gehaltenes hoffnungsloses Gefühlsknäuel verwickelt, sagte (im Flur des Verlags für Schöne Literatur auf einer plüschbezogenen Bank am Eingang zur Kantine sitzend), da ich also zu M.Á. sagte, dass ich Weltruhm brauchte, dass nur Weltruhm mich retten könnte. Voilà: hier steht er am Tor. Ich bin sogar schon eingetreten durch das Tor – ist es nicht so? Der Wächter in seinem buschigen Pelz ist mit einer hereinbittenden Geste beiseite getreten, nachdem er zuvor so gnadenlos schien, als wolle er mich glauben lassen, dass er nicht mein Tor, mein einziges, für mich allein bestimmtes Tor bewache. Mein Bündel aber, in dem mein ganzer ärmlicher Schatz steckt, nehme ich, über die Schulter geworfen, mit mir, über die Tore hinaus, ich gebe es nicht her, gebe es nicht an der Garderobe für verführerische Verheißungen ab, tausche es nicht für irgendeinen eleganten Reisekoffer ein. Lerne die Freiheit so zu genießen, wie du die Tafel beim festlichen Dinner genießt: Werde nie satt, nimm von den feinen Bissen und habe die Kraft liegenzulassen, was bereits nicht mehr nötig ist. (1994) [...]
Mit zitternder Demut warte ich, ob mir noch ein mir wichtiger Text "in die Feder" kommt, den ich noch ausführen kann, und ich weiß, dass auf mich nichts anderes wartet; dies jedoch und die Seelen- und Körperwärme, die ich von M. erfahre, sind genug, mehr als genug zur Seligkeit und um am Ende sagen zu können: "Ich hatte ein wunderbares Leben ..." (1995)"
(Tagebücher des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész)

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Neue Sicht auf die sowjetische Außenpolitik in den 1930er und 1940er Jahren (Maiskis Tagebücher)

Gabriel Gorodetsky hat in einem Moskauer Archiv die Tagbücher des sowjetischen Botschafters in London I. M. Maiski gefunden, die deutlich mehr Aufschluss über die russische Außenpolitik geben als Maiskis Memoiren.
Dazu die taz:

Gorodetsky kann nachweisen, wie Maiski eigene Ideen in den Mund prominenter britischer Gesprächspartner legt, um sie dann in einem Kabel nach Moskau als wichtigen Vorschlag der Gastgeber zu präsentieren; wie er seinen Dienstherren schlechte Nachrichten vorenthält, um Zeit zu gewinnen und die Briten vielleicht doch für seine – das heißt der Zentrale – Ideen zu gewinnen. Dass er damit mehr riskiert als Diplomaten, die dasselbe tun – nur eben keinem Stalin unterstehen und die Erfahrung der Großen Säuberung nicht kennen – stimmt durchaus, nur ändert es nichts an der Tatsache, dass Maiskis Niederschrift alles andere als „spontan“ zu nennen ist.
Authentisch ist sie hingegen in einem anderen Sinne. Wenn Maiski kein Wort der Kritik zum Hitler-Stalin-Pakt einfällt, er den sowjetischen Überfall auf Finnland 1939 als gerechte Antwort auf finnische Provokationen abhandelt oder Katyn als Lüge der NS-Propaganda, ist er – wohl ohne an den künftigen ersten Leser seines Tagebuchs denken zu müssen – ganz der treue Diener sowohl des Landes als auch des Systems. [...] Eigentlich lernt man aus dieser ausufernden Kontextualisierung [Gorodetskys Kommentaren] mehr als aus der Quelle selbst. Kein Kompliment für die Tagebücher, durchaus eines für den Herausgeber. [...]" (taz 18.9.16)

Die Welt bringt Auszüge aus den Tagebüchern. Daraus zum 23.3.1938:


"Randolph Churchill rief mich an und sagte, sein Vater würde sich sehr über eine Begegnung mit mir freuen. Wir kamen überein, uns zum Lunch in Randolph Churchills Wohnung zu treffen. Ich fand dort einen sehr erregten Winston Churchill vor. Er kam unmittelbar zur Sache und hielt mir den folgenden Vortrag: „Könnten Sie mir bitte offen sagen, was in Ihrem Land vor sich geht? ... Sie kennen meinen allgemeinen Standpunkt. Ich verabscheue Nazideutschland zutiefst. Ich halte es für einen Feind nicht nur des Friedens und der Demokratie, sondern auch des britischen Empire. ...
Churchill empfindet die allgemeine Lage als bedrohlich. Wohin steuert Hitler? Churchill zweifelt nicht daran, dass Hitler von einem „Mitteleuropa“ träumt, das sich von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer und zum Mittelmeer erstreckt, möglicherweise bis Bagdad. Seine Chancen seien ausgezeichnet, es sei denn, er stoße auf wirksame Gegenwehr seitens der anderen Großmächte." (Welt 15.9.16)

"Vor allem in der Zeit, als Churchill in der 30er Jahren eher bedeutungslos war, wurde er von Maiskis gepflegt [...] in Maiskis Tagebüchern über 400-mal erwähnt. [...]
In der Mitte der 30er Jahre war es sehr gefährlich, Jude zu sein. In den Tagebüchern gibt es daher keinen Hinweis darauf." (FR 5.10.16, S.30/31)

Maiski kam kurz vor Stalins Tod ins Gefängnis, wurde danach aber freigelassen und einer von vielen stellvertretenden Außenministern. Er starb im Alter von 91 Jahren. 

Montag, 17. August 2015

Erich Mühsams Tagebücher von 1910-1924 und Links zu Tagebüchern von Dürer bis Harry Graf Kessler

Erich Mühsam:

1910

Château d'Oex la Soldanelle, 22. August 1910, Montag.

Bei strömendem Regen war ich eben unten im Dorf, um mir dies Heft zu kaufen. Es soll mein Tagebuch sein. Ich glaube kaum, daß ich es in der Art führen werde wie damals im Gefängnis. [Fußnote] Dazu gibt's hier bei aller Beschäftigungslosigkeit und bei aller Langeweile zuviel zu tun; dazu habe ich auch hier bei aller Zeitbindung und bei aller Willensbeschränkung noch immer zuviel Freiheit. Ich werde schwerlich jeden Tag zu Eintragungen kommen – und jedenfalls kaum je zu ausführlichen. So werde ich mich also einrichten müssen.
Daß ich hier bin, ist merkwürdig genug. Eine Sanatoriumskur hielt ich schon während des Prozesses (22. bis 25. Juni) und vorher für nötig. Im Juli mußte ich noch erst für die zweite Monatshälfte nach Frankfurt ans Cabaret; nach acht Tagen mit Krach fort. Dann Berlin, wo ich sämtliche Geschwister traf. Unterzeichnung eines ärgerlichen Familienkontraktes in der großväterlichen Erbschaftsangelegenheit. (Ich sage zu allem »Ja«, bis sich eines Tages die Achse dreht.) Papa, [Fußnote] der im April einen schweren Herzschwächeanfall hatte und zur Rekonvaleszenz nach Kudowa Kurort in Niederschlesien. geschickt war, kam über Berlin zurück. Mehrere Tage dort mit ihm zusammen. Für beide Teile gleich qualvoll. Immer wieder die gleiche Taktik: Wir vermeiden Anstößiges, wir vermeiden, miteinander allein zu sein, wir gehen vorsichtig umeinander herum. Er sucht manchmal Gelegenheit zu spitzen Anzüglichkeiten. Ich halte das Maul.