Posts mit dem Label Frankreich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Frankreich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. April 2023

Christoph Bautz von Campact zur Abschaltung der deutschen AKWs

 

"[...] ich möchte den Tag vor der letzten Abschaltung nutzen, um
"[...]

 die Argumente der Atomfans zu hinterfragen:

  • „Atomkraft hilft doch dem Klima!”
    Gerade einmal 4 Gigawatt beträgt die Nettoleistung der letzten Atomkraftwerke, die morgen vom Netz gehen.[4] Angesichts einer gesamten installierten Kraftwerksleistung von 223 Gigawatt [5] im Land wird schnell klar: Das Klima wird so nicht gerettet. Dafür brauchen wir mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren. Nur ist es für FDP und CDU/CSU leichter, längere Atomlaufzeiten zu fordern, als sich mit ihren Fehlern zu beschäftigen. Denn sie selbst haben durch fatale Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Ausbau von Sonnen- und Windenergie ausgebremst. Das ändert die Ampel jetzt immerhin.


    Ein Blick in unser Nachbarland zeigt zudem: Atomkraft wird selbst zum Opfer der Klimakrise. Denn die Flüsse können in Frankreich das nicht mehr tun, was für die Kraftwerke das Wichtigste ist: sie kühlen. Selbst im Winter führen die Flüsse kaum noch Wasser, weil es wegen der Klimakrise immer weniger regnet.[6] Im letzten Sommer musste das Land die Leistung seiner Meiler deshalb massiv drosseln [7] und 20 Prozent seines Stroms importieren [8] – zu großen Teilen aus dreckigen Kohlekraftwerken bei uns.
  • „Die Stromversorgung ist nur mit Atomkraft sicher!”
    Atomkraft ist ungeeignet, eine Energieversorgung abzusichern, die immer mehr auf erneuerbaren Quellen beruht. Denn sie kann nur eines: die ganze Zeit Strom unter Volllast erzeugen. Was es hingegen braucht, sind flexible Kraftwerke, die schnell hoch und runter regelbar sind. Sie müssen einspringen, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne hinter Wolken verschwindet. Das können aktuell vor allem Kraftwerke, in denen Gas verfeuert wird – und möglichst bald Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen. Atomkraft verstopft mit ihrer Grundlast Leitungen und drängt die Erneuerbaren aus dem Netz.[9]
  • „Alle anderen steigen doch in die Atomkraft ein!”
    Sind wir auf einem Sonderweg, während weltweit die Atomkraft eine Renaissance erlebt? Die Zahlen sagen etwas anderes. Nachdem der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung weltweit 1996 noch bei 17,5 Prozent lag, ist er mittlerweile mit 9,8 Prozent nur noch einstellig.[10] Aus gutem Grund: Atomkraft ist viel zu teuer. 34 Cent kostet Atomstrom pro Kilowattstunde (KWh). Ökostrom ist hingegen mit 6 bis 11 Cent pro KWh bei der Windenergie und 9 Cent pro KWh bei der Solarenergie deutlich günstiger.[11]

    Der Bau von Meilern entwickelt sich immer wieder zum Desaster: So ging der als neue Kraftwerksgeneration gepriesene EPR-Reaktor Olkiluoto in Finnland 13 Jahre verspätet ans Netz und kostete mehr als dreimal so viel wie geplant.[12] In Frankreich kostet der EPR-Reaktor Flamanville statt geplanter 3,4 voraussichtlich 12,7 Milliarden Euro – und ist auch nach zehn Jahren Bauverzögerung noch nicht fertig.[13]
  • „Unsere Reaktoren sind sicher!”
    Seit 13 Jahren gab es keine umfassende Sicherheitsprüfung der Reaktoren, die morgen vom Netz gehen – und das, obwohl mit jedem Betriebsjahr das Risiko für einen Reaktorunfall steigt.[14] Das Atomgesetz schreibt eigentlich eine Sicherheitsüberprüfung alle zehn Jahre vor.[15] Nur mit Hinweis auf die baldige Stilllegung verzichteten die Behörden auf die letzte Prüfung.[16]

    Alternde Reaktoren sind gefährlich. Von 56 Reaktoren in Frankreich produzierte letztes Jahr weniger als die Hälfte mit voller Leistung Strom.[17] Der Hauptgrund: Risse, die sich durch Korrosion an wichtigen Rohren gebildet haben. Ähnliche Risse treten an deutschen Reaktoren auf – ein erhebliches Sicherheitsrisiko, besonders beim AKW Neckarwestheim.[18]

All das sind gute Gründe für den Ausstieg morgen. Wir können stolz darauf sein, was wir geschafft haben. Um es mit den Worten der Süddeutschen Zeitung von dieser Woche zu sagen: „Das, was die Anti-Atomkraft-Bewegung erstritten hat, ist beachtlich. Sie hat Europas größter Wirtschaftsmacht den Abschied von der Kernkraft abgerungen.” Dank einer Durchsetzungskraft, von der viele Bewegungen bis heute lernen können. Mit breiten Allianzen und immer wieder neuen Aktionsformen."


Vgl. dazu auch den Newsletter der Frankfurter Rundschau zur Situation der französischen Atomindustrie:

"Allerdings hat die Abhängigkeit von der Atomkraft Frankreich auch in große Probleme gestürzt. Die alternde AKW-Flotte erweist sich zunehmend als störanfällig. Im vorigen Jahr musste zeitweise mehr als die Hälfte der Reaktoren abgeschaltet werden, wegen Revisionen, festgestellter Korrosionsrisse und Kühlwasser-Mangel (ein Problem, das im Zuge des Klimawandels noch mehr zunehmen wird).


Die Folge: Erstmals seit 1980 importierte Frankreich netto Elektrizität, unter anderem aus Deutschland. Der Strommangel trieb die Preise, auch in den umliegenden Ländern.

Die ungeplanten Stillstände sowie die Reparaturen und Wartungen haben den staatlich dominierten Konzern EDF, der die AKW betreibt, weiter in Schieflage gebracht. Er ist inzwischen mit 64,5 Milliarden Euro verschuldet, obwohl die Regierung in Paris die Atomkraft kräftig subventioniert, laut einem EU-Bericht zwischen 2017 und 2020 mit bis zu zwei Milliarden Euro. Andere Schätzungen liegen noch deutlich höher."

Freitag, 28. Januar 2022

Neufrankreich

 


Karte übernommen von Wikimedia Commonns

"Neufrankreich (franz. la Nouvelle-France) bezeichnete ursprünglich allgemein das in Nordamerika durch Frankreich zwischen 1534 und 1763 in Besitz genommene und teilweise kolonialisierte Territorium. 1608 wurde der Name Neufrankreich auch zur offiziell gewählten Bezeichnung der nun zu einer französischen Kolonie zusammengefassten französischen Gebiete.

Die Kernlande umfassten neben dem Gebiet um den Sankt-Lorenz-Strom und dem daran anschließenden Akadien im heutigen Ostkanada auch das Mississippi-Tal (Louisiana) in den heutigen USA. Auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung im Jahre 1712 und vor dem Vertrag von Utrecht erstreckte sich das Territorium Neufrankreichs von Neufundland zu den Großen Seen und von der Hudson-Bucht bis zum Golf von Mexiko. Das Gesamtgebiet gliederte sich verwaltungstechnisch in die fünf Kolonien Kanada, Akadien, Hudson-Bucht, Neufundland und Louisiana. Mit dem Pariser Frieden von 1763 verlor Frankreich fast seine gesamten nordamerikanischen Gebiete an den kolonialen Rivalen Großbritannien." (Wikipedia: Neufrankreich)


Sonntag, 25. Juli 2021

1968 in Frankreich und anderswo

Richard Vinen:1968. Der lange Protest (Original: "The Long '68: Radical Protest and its Enemies") 

Ich muss feststellen, dass ich zuvor nur sehr vage Vorstellungen von den Vorgängen hatte. Die Flucht de Gaulles hatte ich mit viel länger vorgestellt. Zwei Aussagen scheinen mir bemerkenswert:

"Kurioserweise verstärkten die wenigen Stunden körperlicher Abwesenheit de Gaulles Präsenz. Zum ersten Mal seit Anfang Mai stand er im Zentrum der Aufmerksamkeit. [...] Dieses Mal sprach er im Radio, nicht im Fernsehen, was sich als kluge Entscheidung erwies. Auf dem Bildschirm war de Gaulle unattraktiv [...] Die körperlose Stimme aus dem Radio hatte kein Alter. Sie erinnerte an die berühmte Ansprache vom 18. Juni 1940, als de Gaulle die Franzosen zum erst/en Mal aufgerufen hatte, Widerstand gegen die Deutschen zu leisten." (S.189/90)
Verstärkte Wirkung durch Weglassen/Aussparen.

Eine Parallele von Mendès France und de Gaulle: Mendès France beendete den Indochinakrieg (1954) (und trug bei zur Dekolonisation Marokkos und Tunesiens, ebenfalls 1954), de Gaulle den Algerienkrieg (1958).

Christina von Hodenberg: Das andere Achtundsechzig

"[...] Zuletzt befasst sich Christina von Hodenberg mit "Varianten sexueller Befreiung" (151) und hält fest, dass es "alles andere als klar" (156) sei, wie sich die propagierte sexuelle Revolution auf das reale Sexualverhalten der breiten Bevölkerung auswirkte. Die Verfasserin weist zu Recht darauf hin, dass der "Kampf um die moralische Sauberkeit" (161) in der kirchlichen und konservativen Presse zwar schon lange vor 1968 verloren worden sei, dass aber die linke Politisierung der sexuellen Revolution ebenso wenig "repräsentativ für das Denken und die Praxis der Masse" (168) gewesen sei. Die allmähliche Veränderung sexueller Normen und Praktiken sei als "ein langfristiger Prozess der Liberalisierung" (183) zu verstehen, der sich - mit gelegentlichen Schüben der Beschleunigung - durch das gesamte 20. Jahrhundert zog. Aus diesem Grund - das wird durch die Interviews belegt - stießen die Töchter bei ihren Müttern 1968 auf viel Verständnis, während für die "Generation der über 60jährigen" "vorehelicher Sex noch immer prinzipiell verwerflich" (180) war.

Das Buch von Christina von Hodenberg ist als interessanter Vorschlag zu begrüßen, sich dem magischen Jahr 1968 als einer Chiffre für markante politische, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen zu nähern. Die Heranziehung neuer Quellen mit bisher wenig beachteten Stimmen außerhalb des männlichen akademischen Nachwuchses bietet wichtige ergänzende Perspektiven auf das Geschehen fernab medial etablierter Narrative, ohne dass allerdings die Geschichte der Jugendrevolte völlig umgeschrieben werden muss." (Axel Schildt)

"[...] Hodenbergs Befunde: Frauen haben 68 wesentlich getragen, einen Generationenkonflikt gab es nicht, die Elterngeneration trug viele Anliegen der Kinder mit, die sexuelle Liberalisierung begann schon Anfang der 60er! [...]"

Montag, 25. Juni 2018

Bismarck 1877 - Gespräch in der Eisenbahn

Bismarck im Gespräch mit dem Abgeordneten Lucius am 30. Juni 1807 70 in der Eisenbahn zwischen Eisenach und Erfurt. Bericht des Abgeordneten:
 Ich traf Bismarck im Salonwagen. "Bismarck sah etwas erhitzt aus – es waren vierundzwanzig Grad Reaumur im Wagen – aber magerer, recht wohl. Er sprach lebhaft über alle ihn jetzt bewegenden Schwierigkeiten, die Orientfrage nur streifend.

"Wir tun alles mögliche um den Frieden zu erhalten. Gontaut ist nur in Ems, um Seine Majestät zu unvorsichtigen Bemerkungen zu provozieren, wie in Metz auch. Wenn der Kaiser nur das ihm gesagt hat, was er mir selbst schrieb, so kommt das schon einer Konspiration gleich zugunsten MacMahons, zum Nachteil der Republik. Er hat ihm gesagt: 'Comme viex monarque'  sympathisieren er nicht mit der Republik. Die Verschwörung der Weiber an der Spitze ist wieder auf einem Höhepunkt; [...]
Dem König von Bayern habe ich einen dankbaren Brief geschrieben, für die Abberufung Perglas'. Der betrachtete sich nicht als Bundesratsbevollmächtigter, sondern als Diplomat einer ausländischen Großmacht. Er wohnte in einem Haus mit dem italienischen Botschafter und war der Mittelpunkt des Klatsches für die Botschafter. Er lief schon morgens um acht Uhr auf der Straße herum und schnüffelte nach Neuigkeiten, welche er dann anderen weiter mitteilte. Ich habe dem König von Bayern gedankt, daß er Perglas durch einen Gesandten ersetzte, mit welchen zu verkehren ebensosehr im Interesse der Förderung der Geschäfte liegen, wie seinem Herzensbedürfnis befriedigend sein würde. [...]"

Sonntag, 6. Mai 2018

Der "Vorwärts" am 28.8.1914

"[...] Die sozialdemokratischen Führer, die in das neue Ministerium eingetreten sind, sind nicht etwa rechtsstehende, dem Ministerialismus zuneigende Genossen. Es sind die bedeutendsten Männer der französischen Bruderpartei, der geistreiche, von revolutionärem Temperament sprühende Marcel Sembat, sie stärkste Stütze von Jaurés in dem Kampf für die Verständigung mit Deutschland, und Jules Guesde – Guesde, der alte Kampfgefährte von Marx und Engels, der Begründer und Organisator der marxistischen Richtung in Frankreich, der schärfste und rücksichtsloseste Verfechter des Klassenkampfes, der unermüdlichste Bekämpfer jeder Kompromisspolitik, der ebenso wie Sembat die Spaltung der Billigung des ministerialistischen Experiments vorzog, der unversöhnlichste Feind kapitalistischer, ministerialistischer, imperialistischer Politik. Wie weit Guesde wie auch Sembat entfernt sind und stets entfernt waren von chauvinistischer Kriegsbegeisterung Deutschland gegenüber, das zeigte noch wieder die Rede, die Sembat am Tage der Kriegserklärung in einer großen Pariser Versammlung hielt. Er wandte sich dagegen, dass der Krieg irgend welchen Rachegelüsten dienen dürfe; auch nicht die Zerstörung deutscher Kultur dürfe sein Ziel sein, und wenn ein siegreiches Russland Deutschland zerstückeln und die Kosaken seine berühmten Hochschulen zerstören wollten, so werde das Frankreich nicht zugeben. Dass diese Männer, an deren Gesinnung internationaler Solidarität und Freundschaft für die deutsche Arbeiterklasse ein Zweifel nicht erlaubt ist, in das Ministerium eingetreten sind, das den Krieg führt, beweist, dass die Ereignisse Wirkungen zeitigen, die bei Ausbruch des Krieges nicht gewollt und von manchen nicht geahnt waren. [...]" Sozialdemokratische Minister in FrankreichDie Auswirkungen des Krieges in der französischen Regierung. Der Vorwärts  28.8.1914

Donnerstag, 22. Juni 2017

Macron spaltet

Darin gleicht er Trump.
Im Unterschied zu diesem macht er keinen Hehl daraus. Das überlässt er dem Wahlsystem und den Kommentatoren.

Er spaltet Frankreich und versucht, Europa zu einigen. Auch dort, indem er eine Koalition der Eliten zu schmieden versucht.

Die Frage ist: Kann haltbar sein, was auf einem gespaltenen Fundament ruht?
Nur: Wem nutzt es, wenn auch Europa gespalten ist?
Wo ist der europäische Obama?
Obama hat ein gespaltenes Land übernommen und versucht, es wieder zusammenzuführen.
Das ist ihm nicht gelungen.
Dann also doch spalten wie Trump?

Donnerstag, 11. Mai 2017

Front National: Le Pens Rivalin steigt aus




Wenige Tage nach der Niederlage Marine Le Pens in der französischen Präsidentenwahl hat deren Nichte Marion Maréchal-Le Pen ihren vorübergehenden Rückzug aus der Politik angekündigt. Die 27-Jährige gilt als Radikale im rechtsextremen Front National und hatte sich in der Vergangenheit immer wieder mit ihrer Tante öffentlich überworfen. Was bedeutet der Rückzug für die Partei?

SLATE (FR)

Junges Talent wird fehlen

Für den Front National wird es nun schwierig, die in Südfrankreich beliebte Marion Maréchal-Le Pen zu ersetzen, analysiert der Historiker Nicolas Lebourg in Slate:
„Dass der Kurs von Marion Maréchal-Le Pen erfolgreich ist, liegt vor allem an seiner rechtsliberalen, identitätsbezogenen, populistischen und konservativen Ausrichtung. Der Verweis auf das Christentum dient dabei zur Identitätsbestätigung. Ihn in den Vordergrund zu stellen, würde jedoch [auf den Front National] destabilisierend wirken. Zumal dieser Kurs - auch wenn politisches Charisma vor allem etwas Konstruiertes ist und kein Persönlichkeitsmerkmal - insbesondere auf das außergewöhnliche Talent der jungen Abgeordneten zurückzuführen ist. Sollte der künftige FN versuchen, eine Politik nach Art von Marion Maréchal-Le Pen zu betreiben, würde er sich in eine weitere strategische Sackgasse befördern.“
Nicolas Lebourg
Teilen auf

Zum Originalartikel
 
LE FIGARO (FR)

Inkompetenz verschreckt Wähler

Durch ihren verpatzten Wahlkampf hat Marine Le Pen Wähler vergrault und ihre Partei um kompetente Köpfe gebracht, analysiert Le Figaro:
„Der katastrophale Auftritt Marine Le Pens in der TV-Debatte hat die Stimmübertragung der Fillon-Wähler reduziert, Unentschlossene entmutigt und sogar einige FN-Wähler verunsichert. … Ein Anhänger - egal welcher Partei - ist immer bereit, eine Niederlage zu verzeihen, wenn sein Parteichef sich der uneigennützigen Bemühungen würdig gezeigt hat, die er selbst als Ideal betrachtet. Trifft das derzeit auf den FN zu? Der Mangel an qualifizierten Führungspersönlichkeiten, an dem die Partei seit jeher leidet, kann sich nach dem Trauma der Debatte nur verschlimmern. Sie werden sich fragen: Wozu sollte ich Freundschaften, Zuneigungen oder sogar meine Karriere aufs Spiel setzen, wenn ich in entscheidenden Momenten des Wahlkampfs von einer Kandidatin vertreten werde, die keine Manieren hat und ihren Ambitionen nicht gewachsen ist?“
Guillaume Perrault
Teilen auf

Zum Originalartikel

Dienstag, 1. September 2015

Ist Europa mit Flüchtlingen überfordert?

Merkel macht Flüchtlinge zur Chefsache 
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag in Berlin größere Anstrengungen Deutschlands im Umgang mit der Flüchtlingskrise angekündigt. Zudem forderte sie mehr Zusammenarbeit innerhalb der EU. Endlich übernimmt Merkel die Führungsrolle in Europa, jubeln einige Kommentatoren. Andere halten ihre Einstellung zu Flüchtlingen für naiv. 


Corriere del Ticino - Schweiz
Endlich übernimmt Deutschland Führungsrolle 
Europa kann sich glücklich schätzen, dass jemand in der Flüchtlingskrise vorangeht, urteilt die liberale Tageszeitung Corriere del Ticino: "In Kriegen und Notständen zeigt sich, wer Führungskraft besitzt. Eine Mangelware in Europa. Mit einer Ausnahme: Angela Merkel. Ihre Stellungnahme in der Flüchtlingsfrage ist dazu bestimmt, die kontinentale Machtgeografie nachhaltig zu verändern. ... [...]  Wenn Deutschland eine höhere Verantwortung und die Führung nicht nur in der Wirtschaft sondern auch in strategischen Fragen übernimmt, sollte dies kein Grund zur Sorge für die europäischen Partner sein. Die Gespenster der Vergangenheit sollten ruhen." (01.09.2015) 

» zur Homepage (Corriere del Ticino)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » EU-Politik» Migration

Contributors.ro - Rumänien
Rumänien könnte Einwanderer gut gebrauchen 
In Rumänien haben bis Ende Juni dieses Jahres lediglich rund 700 Menschen Asyl beantragt. Das ist zu wenig, meint die Migrationsforscherin Andreia Ghimis im Blogportal Contributors: "Nach Angaben des Nationalen Statistikamts nimmt die demographische Alterung bei uns stetig zu. Zusammen mit dem Fakt, dass Rumänien weiterhin ein Auswanderungsland ist, könnte dieses Phänomen sehr negative Folgen für das rumänische Renten- und Sozialsystem haben. Wir brauchen also ausländische Arbeitskräfte (die aufgrund der niedrigen Gehälter nur schwer zu finden sind)." (31.08.2015) 

» zum ganzen Artikel (externer Link, rumänisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » EU-Politik Osteuropa» Rumänien



Magyar Nemzet - Ungarn | Montag, 31. August 2015

Huntingtons Kampf der Kulturen wird Realität, meint Károly Loránt

Europa stehen große Konflikte der aufnehmenden Gesellschaften mit den Migranten bevor, glaubt der Journalist Károly Loránt in der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet und fordert die Politik auf, das Buch Kampf der Kulturen des US-Politologen Samuel P. Huntington neu zu lesen: "Die Konflikte sind nicht darauf zurückzuführen, dass die Menschen der einen oder anderen Zivilisation gut oder schlecht sind oder zu der einen oder anderen Rasse gehören. Und auch nicht darauf, dass die wirtschaftlichen Interessen einander zuwiderlaufen, sondern darauf, dass die unterschiedlichen Kulturen die Welt anders wahrnehmen, was sich in absehbarer Zukunft auch nicht ändern wird. [...] Es wäre angebracht, Huntington neu zu lesen, vielleicht ist es noch nicht zu spät." (31.08.2015)

Warum die Tschechen Flüchtlinge fürchten, erklärt Petr Honzejk

Während die Flüchtlinge in Westeuropa als Menschen mit einem persönlichen Schicksal wahrgenommen werden, sind sie für die Tschechen eine graue, gesichtslose und bedrohliche Masse, konstatiert der Journalist Petr Honzejk in der wirtschaftsliberalen Hospodářské noviny: "Der Respekt gegenüber dem Einzelnen, der sich im Westen über lange Jahrzehnte herausbildete, wurde bei uns in 40 Jahren Kommunismus unterdrückt. Kein Wunder, dass wir jetzt ein Problem damit haben, den einzelnen Migranten respektvoll zu begegnen. ... Wir haben zudem die Erfahrung dunkler Mächte, gegen die jede Verteidigung zwecklos war. Die Nazis kamen aus dem Westen, die Bolschewisten aus dem Osten. Menschen im Westen haben keine solch komplexbeladene Erfahrung der Machtlosigkeit. ...." (01.09.2015)

Le Figaro - Frankreich
Merkel blauäugig gegenüber Flüchtlingen 
Die Aussage Merkels, dass Deutschland noch mehrere hunderttausend Flüchtlinge aufnehmen kann, findet die konservative Tageszeitung Le Figaro naiv: "Es mag sein, dass es in Deutschland für hunderttausende Migranten im Erwachsenenalter Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie und im Dienstleistungsbereich gibt, doch in Italien, Spanien und Frankreich ist das nicht der Fall. Diese Länder sind nicht einmal dazu in der Lage, ihrer eigenen Jugend Jobs anzubieten. … Merkel scheint den Menschen ausschließlich als wirtschaftendes Wesen anzusehen. In Wahrheit ist er jedoch vor allem ein kulturelles Wesen. Warum sonst hat es in schwedischen Vorstädten [2013] Krawalle gegeben, wobei doch in diesem Land kaum Arbeitslosigkeit herrscht? Offenbar ist Europa die soziale und kulturelle Integration der muslimischen Arbeitsmigranten der sechziger Jahre und ihrer Nachkommen noch nicht vollständig gelungen. Seltsam, dass Angela Merkel sich weigert, dies festzustellen." (01.09.2015) 

» zur Homepage (Le Figaro)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Migration» Integration


Montag, 3. August 2015

Phileleftheros: "London und Paris unfähig in Flüchtlingskrise"

Phileleftheros - Zypern
London und Paris unfähig in Flüchtlingskrise 
Die restriktiven Maßnahmen gegen Flüchtlinge am Eurotunnel zeigen nur, wie sehr die EU im Umgang mit der Flüchtlingskrise versagt hat, kritisiert die liberale Tageszeitung Phileleftheros: "Die Stadt Calais hat sich in eine Festung verwandelt: Die Sicherheitsmaßnahmen im Hafen sind strenger geworden und die Kontrollen zur Identifizierung von Einwanderern sind scharf. Die bittere Wahrheit ist, dass London und Paris für die Flüchtlingsproblematik selbst verantwortlich sind. Beide Länder sind nicht in der Lage, mit Einwanderung vernünftig umzugehen, genauso wenig wie die gesamte Europäische Union. Sicher, einfache Lösungen gibt es nicht. Solange sich jedoch die 28 EU-Länder gegenseitig die Verantwortung zuschieben, ihre Hausaufgaben nicht machen und sich weigern, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird sich das Problem vergrößern. Egal, wie sehr die Polizeipräsenz verstärkt wird, die Menschen werden auch weiterhin auf der Suche nach einem besseren Leben sterben." (01.08.2015) 

Sonntag, 5. April 2015

"Ehe light": Ein Mustervertrag fürs Leben

SARAH JÄGGI: "Ehe light": Ein Mustervertrag fürs Leben, ZEIT online 5.4.14
"In Frankreich boomt die "Ehe light". Nun will sie der Bundesrat auch in der Schweiz einführen. Warum eigentlich?
[...]
Als Frankreichs Premierminister Lionel Jospin den zivilen Vertrag 1999 schuf, schuf er ihn vor allem für Homosexuelle. Sie durften damals – anders als heute – in Frankreich noch nicht heiraten. Seinen beispiellosen Erfolg verdankt der Pacs aber den heterosexuellen Paaren. Sie schließen inzwischen 96 von 100 dieser Verbindungen. Das Verb pacser ist den Französinnen und Franzosen so geläufig wie marier (heiraten)."


Mittwoch, 21. Mai 2014

Was ist zu breit: Bahnsteige oder Züge?

Neue Züge sollten gebaut werden mit mehr Platz für Passagiere.
Die SNCF erkundigte sich bei der RFF nach den Maßen für die Bahnhöfe. Die Gleisgesellschaft lieferte daraufhin Daten, die sich auf dreißig Jahre alte Informationen bezogen. Viele Bahnhöfe sind aber älter, haben also breitere Bahnsteige und damit weniger Platz für die Züge. Die Rechnung der SNCF, die um 20 Zentimeter verbreiterte Züge bestellt hatte, ging nicht mehr auf. Dabei versäumte es die SNCF aber auch, die RFF-Angaben vor Ort zu überprüfen – als ob sie nur ein seltener Gast der französischen Bahnhöfe wäre. (faz.net, 21.5.14)
vgl. SPON