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Samstag, 4. April 2020

Masken

Pauline Helfer besucht den Harem des Imams von Maskat und trägt dort eine - reich verzierte - Gesichtsmaske, um das Schamgefühl der Frauen nicht zu verletzen, denn selbst die Mutter darf ihre Tochter von derem 12. Lebensjahr an nicht mehr ohne Gesichtsmaske sehen.
(Johann Helfer's Reisen in Vorderasien und Indien) 

Freitag, 24. August 2018

Gudrun Krämer: Geschichte des Islam

Gudrun KrämerGeschichte des Islam

Einen Hinweis, dass es ein völliges Missverständnis ist, wenn man von einem islamischen Mittelalter spricht, "weil sich die Transformationsprozesse in der Spätantike in Europa und in Vorderasien auf ganz unterschiedliche und häufig gegensätzliche Weise vollzogen" und weil er "den Blick auf die wirklichen Epochengrenzen" verstelle, gibt Thomas Bauer hier. Man versteht nicht die Epochengrenzen, wenn man sich nicht klar macht, dass während des Aufstiegs des Islam zur Weltreligion für diesen Raum das römische Reich und damit die Verbindung zur Antike fortbestand und dass der Mittlere Osten (Middle East) eben nicht am östlichen Rand (Orient) des damals wichtigen Kulturraums war, sondern eher im Zentrum, wo die Seidenstraße "den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband" (Seidenstraße) und der kulturelle Austausch am intensivsten war. (Man bedenke, dass das mongolische Reich, das sich zu seinem Höhepunkt von Europa bis Ostasien erstreckte, rund 150 Jahre das größte Weltreich war und erst nach rund 500 Jahren ganz unterging. In den 150 Jahren lag Europa "am westlichen Rand".

Mehr zum Buch selbst soll noch folgen.

Über das islamische Opferfest, faz.net 24.8.18

Sonntag, 19. August 2018

Kermani: Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime

"Wir haben nichts gegen Muslime" – immer wieder habe ich das in Indien gehört. Aber plötzlich ist da ein indisches "Wir", das nichtmuslimisch ist, und ein muslimisches "Sie", gegen das wir nichts haben. Diese Muslime fühlten sich bis gestern genauso als Inder wie die Hindus. Und wie oft höre ich in Deutschland das "wir" nichts gegen Muslime haben.
 Oder alle möglichen Talksendungen zum Islam: Wie können "wir" mit dem Islam umgehen, müssen wir Angst haben vor den Muslimen? Daß zu diesen "Wir" auch Muslime gehören könnten, scheint den Talkgästen beinah undenkbar zu sein. [...]
"Wir" Deutsche müssen Dialog führen mit den Muslimen, sagen die Gutwilligen. Das ist löblich, nur bedeutet es für etwa 3 Millionen Menschen in diesem Land, daß sie den Dialog mit sich selbst führen müßten.(S.27 -Hervorhebungen von Fontanefan)

"Im Habsburger oder im Osmanischen Reich, bis vor kurzem in Städten wie Sarmakand oder Sarajewo, heute noch in Isfahan oder Los Angeles  waren oder sind Parallelgesellschaften kein Schreckgespenst [...]. Ohne sie gäbe es vermutlich keine Christen mehr im Nahen Osten, und ihr heutiger Exodus hat viel mit dem verhängnisvollen Drang mal der Mehrheitsgesellschaft, mal der Staatsführer, mal von ein paar hundert Terroristen zu tun, Einheitlichkeit herzustellen und kulturelle Nischen auszumerzen." (S.12/13)
"Identität per se ist etwas Vereinfachendes, etwas Einschränkendes, wie jede Art von Definition." (S.17)
"Das bedeutet, daß just mit der Auflösung festgefügter Identitätsmuster, wie sie die Globalisierung mit sich bringt, offenbar der Drang entsteht, sich an etwas festzuhalten, was als eigenes, als Merkmal, das einen von anderen unterscheidet, zu reklamieren wäre. Man kehrt zurück zu dem, was man früher zu sein glaubte, aber im eigenen Leben nie war." (S. 31)
"Niemand bricht radikaler mit der Vergangenheit als jene Gruppierungen, die in die Vergangenheit zurückkehren wollen." (S.32)
"Die Säkularität, wie wir sie kennen und die weit über die Trennung von Staat und Religion hinausgeht [...], Ist eine singuläre Erscheinung in Europa. [...] Wenn wir von säkularen Westen sprechen, meinen wir Westeuropa." (S.33)
"Will man in Westeuropa ein Wir schaffen, reicht das Christentum als Identitätskitt nicht aus." S.35) 
[...] Meine Heimat ist nicht Deutschland. Sie ist mehr als Deutschland: Meine Heimat ist Köln geworden. Meine Heimat ist das gesprochene Persisch und das geschriebene Deutsch: Wenn ich im Ausland bin, fühle ich mich sofort unter Landsleuten, wenn ich Persisch höre – nicht wenn ich deutsch höre. Aber das erste, was ich tue, ist zu schauen, wo es eine deutsche Zeitung gibt. Ich vermeide, soweit es geht, jede fremdsprachige Lektüre, weil ich für mein Leben gern gutes Deutsch lese. Etwas auf Englisch oder Persisch zu lesen, ist mir niemals Vergnügen, auch wenn ich es verstehe. [...]
Mit der gesprochenen deutschen Sprache verbinde ich nicht Gefühle der Vertrautheit, Wärme, Geborgenheit, ich spreche Deutsch auch viel zu schnell. [...] (S.136)
"In der Poesie ist es wieder ganz anders. Wenn ich ein Gedicht auf Spanisch höre, dann ist es mir intuitiv näher, als wenn ich ein deutsches oder persisches Gedicht höre – und/ das, obwohl ich kaum Spanisch spreche.[...]
Das hat gewiss damit zu tun, dass die ersten Gedichte, die ich mit Begeisterung vortrug, von Pablo Neruda waren. [...] Meine Heimat ist nicht nur Deutschland oder Iran, sondern auch die Poesie von Pablo Neruda, die mich in die Liebe begleitet hat." (S.136/137)
Ja, Hölderlin ist Heimat, eindeutig – oder der erste FC Köln, ebenfalls Heimat, seit ich vier Jahre alt bin, ein Verein übrigens in dessen inoffizieller Hymne es heißt: Wir sind multikulturell. (S.138)
"Im Ernst: nicht ganz dazu zu gehören, sich wenigstens einige Züge von Fremdheit zu bewahren, ist ein Zustand, den ich nicht aufgeben möchte." (S.139)

Zur Leitkultur:
"[...] anders als bei dem genaueren Begriff des Grundgesetzes, vor dem alle gleich sind, gehört der ethnisch Deutsche ungeachtet seiner eigenen Ansichten und Werte zu dem Volk, das leitet. [...].
Wenn ein politisches Gebilde religiösen und ethnischen Minderheiten eine gleichberechtigte Teilhabe in Aussicht stellt, dann ein vereinigtes Europa." (S.141) 

Zu europäischen Werten:
Kermani meint, der christliche Ursprung viele europäische Werte sei nicht zu leugnen. "Aber es sind Werte, die säkularisiert, also im Laufe der Zeit innerweltlich begründet worden sind." (S.142)

"Nicht umsonst tut es Immanuel Kant nicht unter dem ewigen Frieden, einer Weltföderation republika/nisch verfasster Länder. Natürlich ist das eine Utopie, und keiner wußte das besser als Kant, dieser nüchternste unter allen europäischen Philosophen. Aber in dem Augenblick, indem Europa aufhört, diese Utopie vor Augen zu haben, sich auf diese Utopie hinzubewegen, hört es als Idee auf zu existieren. [...]
Man stelle sich vor, die EU würde den Betrieb als Reformmotor nicht nur drosseln (was wegen Überhitzung gelegentlich sinnvoll sein mag), sondern ein für allemal einstellen: Die Entwicklung ,die daraufhin in Osteuropa oder in der Türkei einträte, wäre für die alten Europäer erst recht nicht bequem. Sie wäre dramatisch." (S.142/43)

"Europa mit seinem Homogenisierungswahn, von dem es sich auch sechzig Jahre nach seinen großen Kollektivierungskriegen nur mühsam befreit, wird noch lange Zeit benötigen, um solche Lebensläufe hervor zu bringen. [wie die Obamas]. Aber vielleicht lernt es seit dem 4. November 2008 etwas schneller: Identifizierung gelingt dort, wo sie nicht auf Identität hinausläuft." (S.145)

"[...] diese Islamkonferenz ist großartig. Daß der deutsche Staat überhaupt offiziell mit dem Islam spricht, ihn also wahrnimmt, sich an einen Tisch mit 15 Muslimen setzt, daß der Innenminister, ein CDU-Innenminister sich danach vor die Presse stellt und sagt: Der Islam ist ein Teil Deutschlands, ein Teil der Zukunft Deutschlands ein Teil der Zukunft Europas, das sind Ereignisse von hohen symbolischen Wert, [...]
So sehr bemüht sich die CDU heute um ein migrationspolitisches Profil, daß man bei einer vergißt, mit wem in Deutschland die Integrationspolitik begonnen hat, nämlich mit dem Antritt der rot-grünen Koalition im Jahr 1998." (S.147/48)
"Vor allem aber hat rot grün einen Mentalitätswechsel in der Gesellschaft bewirkt, der nicht geringer zu bewerten ist als das gewachsene Bewusstsein für den Erhalt der Umwelt." (S.149)
(Navid Kermani: Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime, Cop. 2009, 9. Aufl. 2017)

Zum Vergleich:
Eine Amerikanerin über ihr Gefühl zwischen zwei Nationen, FAZ 19.8.18

sieh auch Heimat:
https://twitter.com/pallaske/status/1099778857597579266

Aladin El-Mafaalani: Das Integrationsparadox, 2018

Hier wird klar, weshalb Kermani so wichtig ist: Weil er Konflikte aufzeigt und zugleich Wege zu ihrer Lösung (nicht Patentrezepte).

Zur Fortsetzung

Freitag, 10. August 2018

Junge Juden und Muslime begegnen sich in Auschwitz-Birkenau

"Der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. und die Union progressiver Juden in Deutschland K.d.ö.R bringen vom 6. bis 9. August 25 jüdische und muslimische junge Erwachsene im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zusammen. Die Ministerpräsidenten Günther und Ramelow sind bei der Gedenkfeier für die Opfer der Schoa anwesend. Die Vorsitzenden der beiden Dachverbände, Aiman A. Mazyek und Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, formulieren als Hoffnung: „Das Miteinander von Juden und Muslimen in Deutschland muss gelingen.“ [...]" (Junge Juden und Muslime begegnen sich in Auschwitz-Birkenau 6.8.18)

Samstag, 13. Mai 2017

Ein Sieg des politischen Islam in Indonesien

"In Jakarta hat ein Gericht einen christlichen Gouverneur wegen „Blasphemie“ zu zwei Jahren Haft verurteilt. [...  Indonesische Islamisten] hatten Basuki Tjahaja Purnama vorgeworfen, er habe bei einer Wahlveranstaltung den Koran beleidigt. Mit einigen der größten Massendemonstrationen der indonesischen Geschichte hatten sie die Behörden gezwungen, ihn vor Gericht zu zerren. Die Kontroverse hat den einst höchst populären Gouverneur und effizienten Verwalter vermutlich schon seinen Job gekostet." (Ein Sieg des politischen Islam faz.net 9.5.17)

sieh auch: Muslime wählen keine Christen Publik Forum Nr.5 2017, S.29

Samstag, 30. April 2016

Lieber gegen Windmühlen kämpfen als für Flüchtlinge?

In letzter Zeit wird der ZUM-Wiki-Artikel zu Don Quijote häufiger angesehen als der über Flüchtlinge. Das hat gewiss nichts zu bedeuten.

Aber wenn man einen Sinn sucht, könnte man darauf kommen, dass mancher lieber gegen Windmühlen kämpft, als sich mit dem anstehenden Problem zu beschäftigen, den Flüchtlingen zu helfen, sich an ihrem Zufluchtsort zurechtzufinden und zu integrieren.

Manche setzen sich dafür ein, das Grundgesetz mit der Religionsfreiheit zu beseitigen, um dadurch Muslime loszuwerden. 
Mancher kämpft für das Recht, Muslime "Ziegenficker" nennen zu dürfen, damit sie die Grundrechte besser zu schätzen lernen. 

Montag, 28. September 2015

Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

Flüchtlinge erzählen (UNO-Flüchtlingshilfe)

Flüchtlinge integrieren: Muslime helfen Muslimen
"Täglich kommen in Deutschland neue Flüchtlinge an. Laut Schätzungen des Zentralrats der Muslime, sind acht von zehn Neuankömmlingen Muslime. Die islamischen Gemeinden und Verbände in München helfen, sie zu integrieren."

Türkei schlägt riesige Flüchtlingslager in Syrien vor  ZEIT online 28.9.15
"Drei Containerstädte mit jeweils 300.000 Einwohnern könnten in einer syrischen Schutzzone entstehen, sagte der türkische Premier Davutoğlu. Die EU müsse sich beteiligen. [...]

Die neuen Siedlungen sollen in einer Schutzzone im Norden Syriens entstehen, deren Einrichtung die Türkei schon seit Langem fordert.
Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) solle dazu aus einem etwa hundert Kilometer langen Streifen entlang der Grenze im Norden Syriens vertrieben werden. Anschließend sollten gemäßigte Rebellengruppen das Gebiet kontrollieren, um Vertriebenen die Rückkehr nach Syrien zu ermöglichen.
 Die Zone wäre allerdings auch ein Instrument, um einen von der Türkei befürchteten Kurdenstaat im Norden Syriens zu verhindern. Bisher ist kaum jemand bereit, das türkische Vorhaben zu unterstützen, weil es eine Verletzung der syrischen Souveränität mit sich bringen würde.

Davutoğlu kritisierte die Pläne der EU, sein Land mit bis zu einer Milliarde Euro in der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Brüssel wolle das Geld aus Mitteln nehmen, die für den Beitrittsprozess der Türkei vorgesehen waren. Das lehne er ab. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigte er sich darauf, eine bilaterale Arbeitsgruppe zum Thema Flüchtlinge einzurichten. Auch Griechenland könne daran teilnehmen."



Sonntag, 9. August 2015

Romeo und Julia unterm Halbmond

Seifenoper-Wunder von JOSEF JOFFE ZEIT online, 8.8.15
"Eine populäre ägyptische TV-Serie wider Juden- und Israelhass [...]
Es ist eine Seifenoper über Juden in Kairo. Sie beginnt 1948 während des ersten arabischen Krieges gegen Israel. Die Heldin ist Leila, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, die sich in Ali, einen muslimischen Offizier, verliebt hat. Das kann nicht gut gehen: Romeo und Julia unterm Halbmond.
Ali gerät in israelische Gefangenschaft, Leilas Bruder setzt sich nach Israel ab, wo er einen Kibbuz gründet. Ali kann ausbrechen – nur um die Angebetete unter dem Hochzeitsbaldachin zu erblicken, wo sie einem Gemeindemitglied angetraut werden soll. In letzter Minute flüchtet sie [...]  Bloß muss das Happy End noch warten, weil Ali die Treulose nun verschmäht. Und so weiter, 30 Folgen lang.