Posts mit dem Label politische Beteiligung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label politische Beteiligung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 4. August 2022

Flucht und Veränderung

 Wer hat etwas gegen #Flucht außer dem Kerkermeister? (Tolkien)

Warum haben so viele etwas gegen #Flüchtlinge, selbst wenn sie selbst geflohen sind? #Flucht

Es gibt Studien, die zeigen, dass #Leser von #Fantasy politisch aktiver sind. Denn sie können sich vorstellen, dass es andere #Wirklichkeit en gibt. (Cornelia Funke) #Realismus #Realos

Freitag, 1. Oktober 2021

Nina-Kathrin Wienkoop: Wer dazu gehört und gehört wird. Teilhabe im Jugendengagement

Es folgen meine Exzerpte aus dem mir wichtig erscheinenden Aufsatz mit eingestreuten Kommentaren:

"[...] Sich in einer Partei zu engagieren und wählen zu gehen, sind die Kernelemente demokratischer Teilhabe, beide Partizipationsformen sind jedoch voraussetzungsvoll: An Bundestagswahlen dürfen nur diejenigen teilnehmen, die aufgrund ihres Alters und ihrer Nationalität wahlberechtigt sind, also mindestens 18 Jahre alt und deutsche Staatsbürger*innen sind. (Allein in Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein können schon 16-Jährige an Landtags- beziehungsweise Bürgerschaftswahlen teilnehmen).[1] Etwa ein Drittel der unter 25-Jährigen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund;[2] diejenigen von ihnen, die keinen deutschen Pass haben, sind somit vom Wahlrecht ausgeschlossen.[3] [...]

In Jugendvereinen und (Protest-)Aktionsgruppen gibt es dagegen meist keine oder nur wenige formale Kriterien zur Auf- und Teilnahme. Diese Formen der politischen Beteiligung gelten gemeinhin als niedrigschwellige Formen der demokratischen Teilhabe, die für alle jungen Menschen leicht zugänglich sind. Um beispielweise bei FFF aktiv zu werden, reicht eine Nachricht über einen Messengerdienst aus, um mit der jeweiligen Ortsgruppe in Kontakt zu treten und kostenlos mitzuwirken.[7] [...] 

 Doch FFF ist nur das prominenteste Beispiel; junge Menschen sind vielfältig engagiert, mit einer Tendenz zur weiteren Ausdifferenzierung. Dies geschieht jedoch vor allem im informellen Bereich, weniger in bestehenden Institutionen.[...] Jede*r Dritte 16- bis 20-Jährige hat bereits an einer Demonstration teilgenommen, aber nur etwa jede*r Zehnte war schon mal in einer politischen Partei aktiv.[10]

Im Vergleich mit digitalen Aktionsformen zeigt sich der Unterschied noch deutlicher: Hier sind es mit 57 Prozent der 14- bis 22-Jährigen mehr als die Hälfte der Befragten, die schon mal an einer Onlineaktion oder Onlinepetition mitgewirkt haben, wie eine Studie des Bundesumweltministeriums zeigt.[11]  [...]  Eine Umfrage von 2018 ergab, dass rund 70 Prozent der Jugendlichen in Vereinen aktiv sind (Hierbei wurden jedoch alle Vereine, auch Sportvereine, mitgezählt und nicht nur solche, die explizit politisch sind).[12]

Der Vergleich der politischen Teilhabe über den Zeitverlauf zeigt die Veränderung des Protest- und Vereinsengagements selbst: Waren etablierte Jugendvereine früher die zentralen Akteure der Jugendverbandsarbeit, differenziert sich das Organisationsfeld seit mindestens einem Jahrzehnt stärker aus.[13] Wir erleben einen regelrechten Gründungsboom von Projekten, Initiativen und Kollektiven von Jugendlichen. Anders als eingetragene Vereine nach deutschem Vereinsrecht ähneln viele Zusammenschlüsse in ihrer Netzwerkform jedoch stärker sozialen Bewegungen, die sich heute vor allem über Social-Media-Kanäle und Messengerdienste koordinieren.[14] [...]

Zwei Vorfälle aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die Debatten um Diversität von aktuellen Jugendprotestbewegungen längst auch öffentlich geführt werden: So sorgte ein Pressefoto der Presseagentur Associated Press von Greta Thunberg und vier weiteren FFF-Aktivistinnen, die 2020 zum Weltwirtschaftsforum in Davos eingeladen worden waren, für eine leidenschaftliche Diskussion um Rassismus und Repräsentation, als herauskam, dass die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate, die einzige nicht-weiße Person auf dem Foto, "aus kompositorischen Gründen" aus dem Bild geschnitten worden war.[16] [...] Umfragen belegen, dass bestimmte Gruppen in sozialen Bewegungen wie FFF unterrepräsentiert sind: [...] 

Letztlich setzen auch ehrenamtliches Engagement und die Beteiligung an Protesten bestimmte Fähigkeiten und Ressourcen voraus, wodurch manchen Menschen der Zugang erschwert wird. [...] Sich zu organisieren und seine Positionen einzubringen, bedeutet darüber hinaus, das Knowhow zu haben und auch den Habitus zu kennen, wie ich mich als Protestierende oder im Verein verhalte. [...] 

Neben der direkten Kommunikation untereinander werden auch in der Kommunikation nach außen nicht selten – bewusst oder unbewusst – bestimmte Personen stärker als andere angesprochen. So kritisierten Menschen mit familiären Beziehungen in Länder des Globalen Südens die "5 vor 12"-Rhetorik führender FFF-Aktivist*innen als realitätsfern und eurozentrisch, da in vielen Staaten die Auswirkungen des Klimawandels schon heute verheerend und lebensverändernd seien.[21] Bei Protestaktionen kommt erschwerend hinzu, dass Menschen, die von außen als "anders" oder "fremd" gelesen werden, potenziell verstärkt Rassismus oder Repressionen ausgesetzt sind. Dieser Aspekt trifft umso mehr bei disruptiven Taktiken zu, wie sie beispielweise die Klimaaktivist*innen von Extinction Rebellion einsetzen. Straßenblockaden oder andere Formen gewaltlosen, aber störenden zivilen Ungehorsams führen deshalb nicht selten zu einer fehlenden Beteiligung bestimmter Gruppen.[22] [...]"

Fontanefan: Das erscheint mir eine durchaus sinnvolle Zurückhaltung. Es erscheint mir durchaus nicht notwendig, dass an jeder Art von Engagement alle Bevölkerungsgruppen gemäß ihrem Anteil an der Gesamtgesellschaft beteiligt sind.

"Bei der ersten Demonstrationsbefragung der FFF-Aktivist*innen in Deutschland zum Beispiel gaben rund 65 Prozent der Beteiligten an, dass Greta Thunberg einen maßgeblichen Einfluss auf ihre Teilnahmeentscheidung hatte.[28] Wenngleich ihre Bedeutung für die Mobilisierung im Zeitverlauf abnahm, spielen solche Symbolfiguren eine wichtige Rolle für die Ansprache von neuen Unterstützer*innen. Wenn sich (junge) Menschen mit den Personen, die für eine Bewegung oder einen Verein stehen, identifizieren, sind sie eher gewillt, sich selbst zu engagieren.

Mit Blick auf den Status quo der Jugendverbandsarbeit in Deutschland ist es umso überraschender, dass die Bedeutung der ersten Engagementerfahrungen für spätere politische Beteiligung und demokratische Teilhabe von Forschung und Politik kaum beachtet wird. Dabei belegen Studien aus anderen Ländern eindrücklich, wie prägend erste Beteiligungserfahrungen sind. Am Beispiel ehrenamtlicher schulischer Aktivitäten wurde etwa aufgezeigt, dass sie eine wichtige Rolle für den eigenen Sozialisationsprozess und die spätere Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme spielen.[29] [...] Auch das Gefühl der eigenen Zugehörigkeit wird entscheidend und positiv geprägt, wie Studien aus Australien zu Ehrenamtserfahrungen von Jugendlichen mit Migrationsbezügen zeigen.[32] [...]"

(https://www.bpb.de/apuz/jugend-und-protest-2021/340345/wer-dazu-gehoert-und-gehoert-wird)


Donnerstag, 1. März 2018

Wie organisiert man politische Beteiligung bei Tendenzen zur Erstarrung?

Dazu lässt sich eine kleine Geschichte der heutigen Bundesrepublik Deutschland erzählen, die z.B. zu erklären hätte, wie Gustav Heinemann und Joachim Gauck Bundespräsidenten, der Verteidiger der  RAF Otto Schily ein scharfer Innenminister und der Steinewerfer Joschka Fischer ein sehr beliebter Außenminister wurde. (Das habe ich in Stichpunkten auf Wikiversity versucht.)

Immer wieder geht es da um:  Wir sind eine kleine (radikale ?) Minderheit.

Ähnliches geschieht gegenwärtig bei der Vorbereitung der 4. Großen Koalition:
Innerparteiliche Opposition (Jusos, aber nicht nur); aber auch massenhafter Eintritt in die SPD (wie nach der Wahl von Martin Schulz zum Parteivorsitzenden) in der Hoffnung auf eine Erneuerung der SPD.

Das Beispiel SED gibt in doppelter Weise zu denken:

Einerseits könnte die Trias Gabriel, Schulz, Nahles die SPD (wie Grotewohl 1946/47) in eine Einheitspartei führen (ganz anders als die Trias Wehner, Brandt, Schmidt, die über die 1. Große Koalition 1966 die Erneuerung der BRD ab 1969 herbeiführte).
Dann käme es wohl zu einer neuen Einheitspartei: einer Sozialdemokratisch-Christlichen Union, die SU abzukürzen sich aus historischen Gründen verbietet.

Andererseits könnte die Erneuerung total scheitern, weil der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert weder ein Gorbatschow noch eine Merkel ist.

Die Gefahr ist offensichtlich; aber der Klimawandel erlaubt nicht weitere vier Jahre Erstarrung.
(Das hat Die Anstalt am 27.2. anschaulich dargestellt.)

Wir dürfen uns nicht wieder einmal mit "Brot und Spiele" (diesmal: Exportweltmeister und Internet) abspeisen lassen. Wir brauchen politische Beteiligung, die schon so oft in der Geschichte der BRD Erstarrung gelockert hat.



So wichtig Skepsis gegenüber Nachrichten, Koalitionsverträgen und Parteien ist, ohne Handeln bleibt es auch beim Weiter so.
Daher plädiert Jürgen Habermas für einen starken Mann, der zusammen mit Macron für Gerechtigkeit sorgen könnte. Aus meiner Sicht hat Gabriel freilich zum einen mit der Entscheidung für die Große Koalition 2013 und zum anderen mit der Fehl-Organisation und Behinderung des Wahlkampfs entscheidend zum Absturz der SPD beigetragen. Die Qualität eines Gorbatschow fehlt ihm nicht minder als die einer Merkel. Was nutzt es da, wenn er gelegentlich begriffen haben sollte, worauf es ankommt? Er handelt nicht danach, ähnlich wie Merkel beim Klimaschutz.
Abschied vom Weiter-so (Kongress des Archivs der Zukunft in Lüneburg)

Sonntag, 22. Oktober 2017

Du hast die Wahl - jeden Tag

Wer seine Wahlentscheidung von der großen Koalition verfälscht sah, braucht mit der Jamaika-Koalition um keinen Deut glücklicher zu sein.
Und wer nur aus Protest gewählt hat, der fühlt sich gewiss weder von AfD noch von der Linken richtig repräsentiert.
Da erinnern Maria und Rebecca Stremmel aus Köln mit ihrem Spruch daran, dass wir versuchen können, uns selbst an die Grundsätze zu halten, die wir für richtig halten.
Anregungen bietet z.B. Utopia.de . Rasch wird klar, dass das auch nicht einfach ist und dass man selbst Kompromisse schließen muss zwischen dem, was man anstrebt und was man zu tun bereit ist.

Freilich gibt es auch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten politischer Beteiligung außerhalb der Parteien und zwischen den Wahlterminen. (Was es bedeutet, wenn man die Wahltermine gar nicht nutzt, wird hier erklärt.*)

Informationen als Ausgangspunkt und Anregungen für politische Beteiligung findet man bei der Bundeszentrale für politische Bildung und insbesondere im neusten Magazin der bpb, in dem ich auf S.9 auf einem Poster den Spruch von Maria und Rebecca gefunden habe.
Das Magazin und manches andere kann man bei der bpb kostenlos bestellen, anderes kostet auch was.
Ich habe z.B. über http://www.eurotopics.net/de/ einen kostenlosen E-Mailservice mit Zeitungskommentaren aus vielen europäischen Ländern abonniert.

Und jeden Tag kann man sich neu entscheiden für soziales oder eher politisches Engagement oder für keins von beiden oder beides. Das ist Teil unserer Freiheit und Teil unserer Verantwortung.

Wogegen habe ich mich wohl entschieden, als ich beschlossen habe, diese Zeilen zu schreiben?
Das kann diesem Blogartikel kein Geheimdienst eindeutig entnehmen.
Aber vermutlich gegen etwas, was mir mehr Mühe machen würde und was gefährlicher für mich wäre.
Wofür entscheide ich mich jetzt?

*Verantwortung

Sonntag, 10. Mai 2015

Obama: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange ...

"Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (Barack Obama laut  SZ, 5.10.13)

"... jede echte Hoffnung in dieser Krise wird von unten kommen müssen." (Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima)

Kleins Statement im Kontext:
 In meinem letzten Buch Die Schock-Strategie habe ich dargelegt, dass im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte Kon­zerninteressen systematisch die unterschiedlichsten Krisen ausgenutzt haben, um eine Politik durchzusetzen, die eine kleine Elite reicher macht - durch Deregulierungen, die Kürzung der Sozialausgaben und mittels groß­flächiger Privatisierungen im öffentlichen Sektor. Krisen dienten auch als Vorwand für radikale Beschneidungen der Bürgerrechte und alarmierende Menschenrechtsverletzungen.
Vieles deutet darauf hin, dass der Klimawandel in dieser Hinsicht keine Ausnahme darstellen wird, dass auch diese Krise dazu benutzt wird, dem einen Prozent noch mehr Ressourcen zuzuschieben, anstatt Lösungen in Gang zu bringen, die eine echte Chance darauf bieten, eine Erderwärmung von desaströsem Ausmaß zu verhindern [...] Damit Oppositionsbewegungen nicht nur ein Strohfeuer bleiben, brauchen sie eine umfassende Vision dessen, was an die Stelle unseres scheiternden Sys­tems treten soll, und tragfähige politische Strategien für die Durchsetzung dieser Ziele." (S.19) [...]
Tatsächlich hat die internationale Organisation, die mit der Aufgabe be­traut wurde, ein 'gefährliches' Ausmaß des Klimawandels zu verhindern, in ihrem über zwanzigjährigen Bestehen (und in über neunzig offiziellen Verhandlungssitzungen seit Verabschiedung der Klimakonvention von 1992) nicht nur keine Fortschritte erzielt, sondern einen quasi ununter­brochenen Prozess von Rückschritten zu verzeichnen. Unsere Regierungen haben Jahre damit verschwendet, Zahlen zu frisieren und über Starttermi­ne zu zanken, und ständig versucht, sie hinauszuzögern wie Studenten ihre Studienarbeiten." (S.21)
"Das ist die Stimmungslage seit dem Scheitern des im Vorfeld hochge­lobten UN-Klimagipfels 2009 in Kopenhagen. Am letzten Abend dieser riesigen Veranstaltung befand ich mich bei einer Gruppe von Klimage­rechtigkeitsaktivisten, darunter einer der prominentesten Campaigner in Großbritannien. Während des gesamten Gipfels strotzte der junge Mann vor Zuversicht und Gelassenheit, informierte jeden Tag Dutzende Jour­nalisten darüber, was in den jeweiligen Verhandlungsrunden herausge­kommen war und was die verschiedenen Emissionsziele in der Realität bedeuteten. Trotz der Herausforderungen war sein Optimismus über die Aussichten des Gipfels ungebrochen. Als dann alles vorbei war und das jämmerliche Ergebnis feststand, fiel er vor unseren Augen in sich zusam­men. In einem grell beleuchteten italienischen Lokal brach er in hem­mungsloses Schluchzen aus. »Ich hatte wirklich gedacht, Obama hat es kapiert«, sagte er wieder und wieder.
Diesen Abend habe ich als den Moment in Erinnerung, als die Klima­bewegung erwachsen wurde: Es war der Moment, als uns allen wirklich bewusst wurde, dass niemand zu unserer Rettung kommen würde. [...] Es ist tatsächlich so, dass wir ganz auf uns allein gestellt sind, und jede echte Hoffnung in dieser Krise wird von unten kommen müssen." (S.22)