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Sonntag, 9. September 2018

Mit wem reden wir?

"Wie aber entwickelt sich unsere Gesellschaft weiter, wenn wir nicht miteinander reden? Die gesellschaftliche Spaltung wird deutlich, wenn mir eine Frau in einer linksalternativen Kneipe erzählt, sie besuche ihre Mutter nicht mehr so häufig, seit diese und ihr Lebensgefährte die AfD wählen und gegen Flüchtlinge wettern. Die Fronten verhärten sich. Eine andere Frau sagt mir, sie träume davon, Kuschelkurse für Nazis anzubieten. Ganz so weit bin ich dann doch noch nicht. Doch diese Tage in Chemnitz sind entscheidend, da bin ich mir sicher."
(faz.net 9.9.18)
Soll ich einen entfernten Bekannten darauf ansprechen, weshalb er für die AfD Reklame macht? 
Ich denke, es wäre nicht unwichtig, wenn mehr Parteimitglieder noch zu dem stehen könnten, was für eine Politik ihre Partei  betreibt. Ganz zu schweigen davon, dass vielleicht neue Wähler von dem angesprochen werden könnten, wofür eine Partei sich einsetzt, statt nur davon, wogegen sie ist. 
Dass eine Partei gegen die AfD ist, reicht mir nicht aus, sie zu wählen. 

1966 reichten zwei Jahre Große Koalition, um eine Bewegung auszulösen, die die Bundesrepublik veränderte. 
Wie viele Jahre Alternativlosigkeit kann man sich heute noch leisten? 
Am Ende wählen alle nur noch, um zu verhindern. Das wäre das Ende der Demokratie und eindeutig die falsche Alternative. Dabei brauchte sie nicht einmal AfD zu heißen. 

Das schließt Reden nicht aus, aber ohne Handeln lösen wir die anstehenden Probleme mit Sicherheit nicht. 

Mittwoch, 19. Oktober 2016

"Habituelle Herablassung"

So nennt ein Leserbriefautor heute in der Frankfurter Rundschau das bei Politikern und Journalisten beliebte Verfahren, bei Kritik an politischen Plänen grundsätzlich nicht auf die Argumente einzugehen, sondern nur nach Befindlichkeiten, Ängsten und Missverständnissen zu fragen, die erklären sollen, wieso eine (angeblich) völlig "alternativlose" Maßnahme kritisiert wird.

"Habituelle Herablassung" ist eine sehr dezente Formulierung. Deutlicher wäre "Verarschung der Staatsbürger". Diese Wortwahl versuche ich zu vermeiden. Wenn freilich selbst ein oberster Bundesrichter nicht ohne dies Vokabular auszukommen scheint, ist wohl die Zeit für eine dezentere Ausdrucksweise in manchen Bereichen abgelaufen.