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Freitag, 27. Juni 2025

Warum ist der NATO-Russlandrat gescheitert?

Man könnte behaupten: Mit der NATO-Russland-Grundakte von 1997 wurde versucht, eine Zusammenarbeit mit Russland zu begründen. Allerdings war mit der Partnerschaft für den Frieden schon 1994 eine Einladung an alle an einer Zusammenarbeit mit der NATO interessierten Staaten erfolgt. Somit war ein Weg zu einer privilegierten Partnerschaft zwischen Russland und der NATO erschwert.  Doch erst die Nato-Osterweiterung von 1999 um die ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten Polen, Tschechien und Ungarn hat dann den Weg zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von  Russland mit der NATO versperrt.

Eine KI sieht es merklich anders:

"Der NATO-Russland-Rat (NRR), der 2002 als Forum für Konsultation, Konsensbildung, Kooperation und gemeinsame Entscheidungen zwischen den NATO-Staaten und Russland gegründet wurde, ist de facto gescheitert. Sein Scheitern ist auf eine Reihe grundlegender und zunehmend unüberbrückbarer Differenzen zurückzuführen, die sich über die Jahre verschärft haben und letztlich im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 kulminierten.

Die Hauptgründe für das Scheitern sind:

  1. Fundamentale Meinungsverschiedenheiten über die europäische Sicherheitsordnung:

    • NATO-Erweiterung: Russland sah die NATO-Osterweiterung (Aufnahme ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten und ehemaliger Sowjetrepubliken) als Bedrohung und Bruch westlicher Zusagen (auch wenn es keine rechtsverbindlichen Zusagen gab). Die NATO hingegen verteidigte das Recht souveräner Staaten, ihre Bündnisse frei zu wählen. Diese Frage war ein permanenter Streitpunkt.

    • Russlands Anspruch auf Einflusssphären: Russland forderte die Anerkennung einer exklusiven Einflusssphäre in seinem "nahen Ausland" (ehemalige Sowjetrepubliken) und den ehemaligen kommunistischen Ländern Mittel- und Osteuropas. Die NATO lehnte dies ab und betonte die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten.

    • Konflikt über das Prinzip der kollektiven Sicherheit: Russland argumentierte, dass seine Sicherheitsinteressen Vorrang vor der Sicherheit anderer europäischer Länder hätten, was dem NATO-Prinzip der gleichen Sicherheit für alle Mitgliedstaaten widersprach.

  2. Mangel an Vertrauen und unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen:

    • Kosovo-Krieg (1999): Die NATO-Intervention im Kosovo ohne UN-Mandat wurde von Russland scharf kritisiert und als Verstoß gegen das Völkerrecht und Einmischung in innere Angelegenheiten angesehen. Dies schadete dem Vertrauen erheblich.

    • Georgienkrieg (2008): Russlands militärisches Vorgehen in Georgien führte zu einer ersten größeren Aussetzung der NRR-Sitzungen und zeigte die Eskalationsbereitschaft Moskaus zur Durchsetzung seiner Interessen.

    • Annexion der Krim und Krieg im Donbas (2014): Dies war ein entscheidender Wendepunkt. Russlands Annexion der Krim und die Unterstützung von Separatisten in der Ostukraine führten zur Suspendierung der praktischen Zusammenarbeit der NATO mit Russland und zu einem faktischen Einfrieren des NRR, obwohl die politische Kommunikation punktuell auf Botschafterebene beibehalten wurde. Die NATO verurteilte diese Aktionen als klaren Bruch des Völkerrechts.

  3. Fehlende gemeinsame Interessen und Werte:

    • Obwohl es anfänglich Kooperationen in Bereichen wie Terrorismusbekämpfung (nach 9/11), Drogenhandel oder Rettungseinsätzen gab, fehlte eine gemeinsame Vision für die europäische und globale Sicherheitsarchitektur.

    • Die NATO basiert auf demokratischen Werten und dem Prinzip der kollektiven Verteidigung, während Russland zunehmend autoritäre Züge entwickelte und eine revisionistische Außenpolitik verfolgte, die die etablierte Nachkriegsordnung in Frage stellte.

  4. Russlands Ablehnung von Rüstungskontrollvereinbarungen und Raketenabwehr:

    • Diskussionen über Raketenabwehrsysteme im NRR scheiterten, da Russland die westlichen Systeme als Bedrohung seiner eigenen Sicherheitsinteressen sah und keine Einigung über Transparenz oder Einsatzmodalitäten erzielt werden konnte.

    • Russland zog sich aus wichtigen Rüstungskontrollverträgen zurück (z.B. INF-Vertrag), was das Misstrauen weiter verstärkte.

  5. Russlands Invasion der Ukraine (2022):

    • Der umfassende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 machte jede weitere sinnvolle Zusammenarbeit im NRR unmöglich. Die NATO verurteilte die Invasion scharf und erklärte, dass Russland die Beziehungen unwiderruflich zerstört habe. Der NRR wurde seither nicht mehr einberufen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der NATO-Russland-Rat nicht an einzelnen Meinungsverschiedenheiten scheiterte, sondern an einem grundlegenden und wachsenden Dissens über die Prinzipien der europäischen Sicherheitsordnung, an einem tiefen Vertrauensverlust und der zunehmenden Bereitschaft Russlands, seine außenpolitischen Ziele mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Die Invasion der Ukraine war der Endpunkt dieser Entwicklung.

War die "Partnerschaft für den Frieden" 1994 der Beginn des Weges zum Ukrainekrieg 2014 und 2022ff. ?

Bill Clinton nennt (wenn auch nicht ausdrücklich) sich selbst als Erfinder der "Partnerschaft für den Frieden":  "[...] ich hatte eine Partnerschaft für den Frieden gewählt – als Zwischenlösung, um eine sehr viel größere Zahl von Ländern in das neue Sicherheitssystem einzubinden. Ich unterzog die Aufnahme neue NATO-Mitglieder einer sorgfältigen Prüfung und tat alles, um eine Partnerschaft zwischen der NATO und Russland aufzubauen." (Bill Clinton: Mein Leben, S.966/67)

Auf der Seite der Nato zur PfP heißt es:

  • "The PfP was established in 1994 to enable participants to develop an individual relationship with NATO, choosing their own priorities for cooperation, and the level and pace of progress.
  • Activities on offer under the PfP programme touch on virtually every field of NATO activity.
  • Since April 2011, all PfP activities and exercises are in principle open to all NATO partners, be they from the Euro-Atlantic region, the Mediterranean Dialogue, the Istanbul Cooperation Initiative or global partners.
  • On a practical level, all aspects of NATO’s collaboration with an individual partner country are laid out in the Individually Tailored Partnership Programme (ITPP)."
Da die PfP 1994 geschaffen wurde und erst 1996 die ersten Ostblockländer in die Nato eintraten, war sie eine Einladung zum Nato-Beitritt.
Jelzin hatte also völlig Recht, wenn er empört war:
Clinton schreibt: "[...] die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern, hätte uns eigentlich positive Schlagzeilen bescheren sollen. Stattdessen sorgte nur Jelzins Rede für Aufsehen, der er mich dafür kritisierte, den Kalten Krieg durch einen "kalten Frieden" zu ersetzen, weil ich die NATO rasch nach Osten zu erweitern versuchte." (S.966)
1994 hatte er die Ukraine dazu gebracht, ihre Atomwaffen abgegeben: "Auf dem Weg nach Moskau legte ich einen kurzen Zwischenstopp in Kiew ein, um mich mit dem ukrainischen Präsidenten, Leonid Krawtschuk zu treffen und ihm dafür zu danken, dass er gemeinsam mit Jelzin und mir am folgenden Freitag eine Vereinbarung unterzeichnen würde, mit der sich die Ukraine verpflichtete, 176 auf die Vereinigten Staaten zielend ballistische Interkontinentalraketen und 1500 Atomsprengköpfe zu vernichten. Die Ukraine war ein großes Land mit 60 Millionen Einwohnern und enormen Potenzial, doch wie bei Russland wusste man noch nicht, welche Richtung es am Ende einschlagen würde. Krawtschuk  stieß mit dem Wunsch, sich der Atomwaffen zu entledigen, auf beträchtlichen Widerstand im Parlament, und ich wollte ihn unterstützen." (S. 867). Damit war langfristig die Ukraine Russland gegenüber hilflos, und im selben Jahr schuf Clinton mit der PfP die Voraussetzung für die Osterweiterung der Nato. - 
Die Kombination von beidem legte die Grundlage für Putins Angriff auf die Ukraine. 
1. Ukraine hilflos 2. Ehemalige Teile der SU Teil der Nato und das Angebot an die Ukraine, Teil von EU und Nato zu werden. 
Insofern kann man Clinton nachsagen, er sei falsch abgebogen: Von einer Partnerschaft für den Frieden mit Russland und der damit ermöglichten Friedensdividende zur Osterweiterung der Nato und Bedrohung Russlands zur "Zeitenwende" von Olaf Scholz und Boris Pistorius und dem größten Rüstungsprogramm seit Begründung der Bundeswehr.
Das Letztere beruht freilich auf Entscheidungen der Bundesregierungen von 2021 und 2025.

"[...] Die Beziehungen zwischen dem Militärbündnis NATO und der Ukraine gehen auf das Jahr 1992 zurück und zwei Jahre später begann die Ukraine an der Partnerschaft für den Frieden teilzunehmen. Ein vollständiger NATO-Beitritt der Ukraine wurde erstmals von Leonid Kutschma in Erwägung gezogen, war zu dieser Zeit allerdings innenpolitisch hochumstritten. 1997 wurde in seiner Amtszeit eine gemeinsame NATO-Ukraine-Kommission ins Leben gerufen und Kutschma entsandte auch ukrainische Truppen in den Irakkrieg. Eine deutliche Annäherung an die NATO erfolgte in der Amtszeit von Wiktor Juschtschenko als ukrainischem Präsidenten (2005–2010) und auf dem NATO-Gipfel in Bukarest 2008 wurde der Ukraine erstmals eine Mitgliedschaft in der NATO in Aussicht gestellt. (Beziehungen zwischen dem Militärbündnis NATO und der Ukraine)