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Samstag, 29. März 2025

Wie sind Suren im Koran zu verstehen, die zu Gewalt an Ungläubigen aufrufen?

 Wie komplex das Thema ist, ist vielleicht am besten anhand der Schrift "Ist der Islam noch zu retten? Eine Streitschrift in 95 Thesen" von Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide nachzuvollziehen.

Abdel-Samad kritisiert die aggressive Haltung, die aus vielen Versen spricht, Khorchide weist auf ihren historischen Kontext hin und zeigt auf, dass eine Kritik an solchen Positionen schon im Koran angelegt ist.

Sein Argument: Wenn man den Koran auf den Aufruf zu Gewalt reduziert, gibt man islamischen Hasspredigern recht.

Der Auftrag an den Propheten Mohamed war ein anderer: "Wir [Gott] haben dich ausschließlich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt." (Sure 21:107)

Wenn man aber - entgegen diesem Auftrag - den Hass zwischen den Religionen fördern will, dann muss man die aggressiven Botschaften als Kern des Auftrags verstehen. Das geschieht heute schon übergenug von Islamisten wie von Islamkritikern.

Freitag, 24. August 2018

Gudrun Krämer: Geschichte des Islam

Gudrun KrämerGeschichte des Islam

Einen Hinweis, dass es ein völliges Missverständnis ist, wenn man von einem islamischen Mittelalter spricht, "weil sich die Transformationsprozesse in der Spätantike in Europa und in Vorderasien auf ganz unterschiedliche und häufig gegensätzliche Weise vollzogen" und weil er "den Blick auf die wirklichen Epochengrenzen" verstelle, gibt Thomas Bauer hier. Man versteht nicht die Epochengrenzen, wenn man sich nicht klar macht, dass während des Aufstiegs des Islam zur Weltreligion für diesen Raum das römische Reich und damit die Verbindung zur Antike fortbestand und dass der Mittlere Osten (Middle East) eben nicht am östlichen Rand (Orient) des damals wichtigen Kulturraums war, sondern eher im Zentrum, wo die Seidenstraße "den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband" (Seidenstraße) und der kulturelle Austausch am intensivsten war. (Man bedenke, dass das mongolische Reich, das sich zu seinem Höhepunkt von Europa bis Ostasien erstreckte, rund 150 Jahre das größte Weltreich war und erst nach rund 500 Jahren ganz unterging. In den 150 Jahren lag Europa "am westlichen Rand".

Mehr zum Buch selbst soll noch folgen.

Über das islamische Opferfest, faz.net 24.8.18

Montag, 25. Juni 2018

Die Rolle der Bildung im Islam

"'Wer nach Wissen strebt, betet Gott an.' 'Die Tinte des Schülers ist heiliger als das Blut des Märtyrers.' Auf diesen beiden Sätzen Mohammeds ließ sich eine Kultur der Intellektualität, der Hohen schule des Buches aufbauen." (Friedrich Heer: Mittelalter Teil I, S.170 - Kindlers Kulturgeschichte Europas dtv Bd 9)

Die Zitate habe ich nicht nachgeprüft. Dass sie aber zu der islamisch-jüdischen Bildungslandschaft in Spanien im 10. Jahrhundert passen, kann wohl kaum überzeugend bestritten werden.
Wenn Hrotsvit von Gandersheim damals Cordoba, damals eine der größten Städte der Welt, als "die helle Zierde der Welt, die junge herrliche Stadt" bezeichnete (vgl. F. Heer, S.165), dann schwärmte sie als Christin von einer muslimisch geprägten Stadt. Und wenn Papst Silvester II. klagte "Es ist notorisch, daß es in Rom niemand gibt, der so viel Bildung besitzt, daß er sich zum Türsteher eignet." (F. Heer, S.166), dann liegt es daran, dass er in jungen Jahren zwei Jahre in diese islamisch-jüdische Bildungswelt eingetaucht war. 

Montag, 22. Januar 2018

Die islamische Wissenschaftskultur

"Die islamische Wissenschaftskultur entstammte dem Bemühen, die Kenntnisse etablierter Zivilisationen zu meistern, und dazu mussten die relevanten Dokumente zunächst mussten die relevanten Dokumente zunächst ins Arabische übersetzt werden.
In Anbetracht der früheren Eroberung von Gondischapur waren persische und indische Einflüsse im Frühstadium der islamischen Zivilisation wichtiger als griechische. [...]
Im folgenden Jahrhundert konzentrierten sich die Übersetzungsbemühungen jedoch auf griechische Arbeiten
. [...]
Aristoteles wurde zum geistigen Paten der theoretischen Naturwissenschaft des Islam und gab den Anstoß für das Wirken einer Reihe von Kommentatoren und kritischen Denkern. Als Gradmesser für die Übersetzung griechischer Texte aufgebrachten Energie mag gelten, dass noch heute im Arabischen mehr aristotelische Schriften – also Werke von Aristoteles und seinen griechischen Kommentatoren – verfügbar sein sollen als in jeder europäischen Sprache. [...]
Die Medizin war das Hauptgebiet, das durch die Arbeit der Übersetzer in die arabische Kultur überführt wurde; allein Hunain ibn Ishaq übertrug angeblich 150 Werke von Galen und Hyppocrates. Während Europa um 900 vielleicht drei von einzelnen Gelehrten übersetzte Arbeiten Galens besaß, waren es im Islam  unter staatlicher Schirmherrschaft 129. Damit bestand die Basis für eine große naturwissenschaftliche Zivilisation. [...] (S.126/27)
Die Medresen, weit verbreitet in der muslimischen Welt, dienten in erster Linie der juristischen Unterweisung in den 'islamischen Wissenschaften', denn nicht die Theologie, sondern die Rechtswissenschaft hatte im Islam Vorrang. (S.128/29)

 (J.E. McClellan u. Harold Dorn: Werkzeuge und Wissen, 1999)

Donnerstag, 5. Januar 2017

Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe

"Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe."  So heißt es im Koran Sure 29,47*

Und dann folgen die Aussagen: Tötet die Juden und Christen, wenn sie sich nicht zum Islam bekennen. Heute gibt es die unerbittlichen Glaubenskämpfe zwischen Sunniten und Schiiten.

Mehr zum Koran:
ZUM-Wiki
Wikipedia
Koran-Explorer

.* Hamed Abdel-SamadDer Koran, hat auf S.139 die fehlerhafte Angabe Sure 26, 46.


Dienstag, 12. April 2016

Wolffsohn zu den abrahamitischen Religionen

"Gerade die Schriften und ihre buchstäbliche Auslegung seien das Problem, konterte der Publizist und Historiker Michael Wolffsohn. Eine kritische Interpretation der Quellen, wie das Christentum sie mit der Reformation oder das Judentum durch rabbinische Texte erfahren hätten, habe der Islam in diesem Maße noch nicht erfahren. Deshalb sei es ein Unterschied, ob im Alten Testament das Niederbrennen irgendeines seit 2400 Jahren untergegangenen mesopotamischen Königreichs oder im Koran der Kampf gegen die - durchaus noch existierenden - Juden gefordert werde." ("Hart aber fair" zum Islamismus, SPON 12.4.16)

Bemerkenswert ist in diesem Kontext die energische Kritik, die Luthers antijudaistische Texte im Vorfeld des Reformationsjubiläums erfahren. Texte einer Vorbildfigur werden immer wieder von neuem einem kritischen Blick ausgesetzt. Zunächst durch Spener, was dazu führte, dass Luthers Polemiken gegen die Juden lange Zeit in den üblichen Werkausgaben nicht mehr zu finden waren, damit seine Autorität nicht für antisemitische Hetze in Anspruch genommen werden könne. Dann im 20. Jahrhundert durch Theologen, die daran erinnerten, dass Luthers Texte dann doch zur Rechtfertigung der nationalsozialistischen Hetze herangezogen werden konnten und dass das durchaus am Charakter dieser Texte lag.

Samstag, 12. Dezember 2015

Jesus und der Islam

In Arte gab es eine Sendefolge mit 7 jeweils knapp einstündigen Sendungen zu dem Thema. Außerdem liegt dazu ein Buch vor, bisher nur auf Französisch: Gérard Mordillat, Jérôme Prieur: Jésus selon Mahomet, 2015 E-Buch, über die Sicht auf Jesus im Koran[3]

Hier veröffentliche ich meine stark verkürzte Mitschrift der Sendefolge:

1. Sendung:
Die Hadithen erklären den Koran und heben manche Aussagen hervor. Sie sprechen sehr viel über seine Rolle als Weltenrichter (bereits im Koran) und beschäftigen sich mit der Frage, wieso die Juden glaubten, sie hätten Jesus getötet, obwohl sie es laut Koran nicht wirklich taten. Außerdem schreiben sie erstaunlich viel über sein Aussehen, obwohl dazu nichts im Koran steht. Insbesondere schreiben sie viel über die Schönheit seines Haares und sprechen fast immer davon, dass Wasser davon herunter tropft.
Jesus/Isa ist im Koran in mancher Hinsicht wichtiger als Mohammed. Er ist das Wort Gottes, er hat Wunder getan, er ist im Unterschied zu Mohammed nicht gestorben und nicht begraben, er wird als Weltenrichter kommen. Was Mohammed Jesus voraus hat, ist, dass dieser nur der vorletzte Gesandte Gottes war, und dass er die endgültige Offenbarung Gottes, den Koran, den Menschen gebracht hat.
Jesus ist derjenige, der dem Islam zum endgültigen Sieg verhelfen wird, indem er ihn gegen die "Leute des Buches", Juden und Christen, durchsetzt.

Die Juden behaupten zu Unrecht, sie hätten Jesus getötet/gekreuzigt. Die arabische Formulierung dazu lässt sich übersetzen mit "Es erschien ihnen so" oder mit "Bei ihnen wurde der Eindruck erweckt, dass es so sei." Viel spricht dafür, dass Gott selbst das Geschehen bewirkt hat, was die Juden für die Kreuzigung halten mussten.
Im Arabischen glaubt man dem Gehörten [durch die persönliche Autorität des Sprechers Verbürgten - Zusatz Fontanefan] mehr als dem Gesehenen (Möglichkeit der optischen Täuschung, Luftspiegelung, im konkreten Fall Jesus könnte ein Doppelgänger gekreuzigt worden sein.)
Nach einer Version im Barnabasevangelium wird Judas anstelle von Jesus hingerichtet und Jesus gibt ihm sein Aussehen, so dass die Umstehenden getäuscht werden. Im Christentum gab es schon im 2. Jahrhundert Spekulationen darüber, dass es nur so geschienen habe, als wäre Christus gekreuzigt worden. Aber die Version des Koran ist vermutlich unabhängig von diesen Spekulationen entstanden.

2. Sendung:
Jesus wird im Koran auf drei Weisen genannt: Isa, Ben Mariam und der Gesalbte (hebräisch: Messias, griechisch: Christos).
Dabei hat "der Gesalbte" im Koran natürlich eine ganz andere Bedeutung als der Messias, der Befreier Israels, bei den Juden und Christus bei den europäischen Christen, für die Christus nicht mehr der Gesalbte bedeutet, sondern wie der Teil eines Eigennamens Jesus Christus für den auferstandenen Herrn, den Sohn Gottes, steht.
Das arabische Massiach [meine sicher falsche Umschrift des arabischen Wortes im Unterschied zu "Messias" - Fontanefan] im arabischen Neuen Testament hat für die syrischen Christen freilich nicht die aufgeladene Bedeutung von Christos/Christus, sondern heißt für sie auch schlicht der Gesalbte wie im Koran.
Wenn in Sure 4, 157 über die Juden gesagt wird: "Ihre Aus­sage lautete: «Wir haben Isa, den Sohn Maryams, den Ge­sandten Gottes, getötet.»", dann ist das klar erkennbar kein historisches Zitat, denn sie hätten Jesus natürlich nie "den Gesandten Gottes" genannt. Das ist Sprache des Koran. Bezeichnend, dass der Koran ihnen diese Selbstbeschuldigung in den Mund legt, die historisch - zu Unrecht - bei den frühen Christen in der Auseinandersetzung mit den Juden aufkam. Denn wenn der Koran auch in diesem Kontext den Juden vorwirft, sie hätten immer wieder ihre Propheten getötet, bzgl. Jesus kann er es ihnen ja gerade nicht nachsagen, wo er doch Wert darauf legt, dass gilt: "Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, doch kam es ihnen so vor. Diejenigen, die über ihn uneins sind, zweifeln an ihm. Sie haben kein Wis­sen über ihn, sondern gehen Vermutungen nach. Sie haben ihn ganz sicher nicht getötet. Nicht doch, Gott hat ihn zu sich erhoben." (Zitate nach ZUM-Wiki
Die Kritik des Korans an den Juden ist, dass sie ihre Propheten getötet hätten (darin folgt der Koran frühen syrischen christlichen Quellen), und dass sie an den Gesetzen festhalten, die Jesus aufgehoben hat. Für die heutige Einschätzung des Judentums durch Muslime spielt diese alte Kritik freilich kaum noch eine Rolle. Insgesamt sei für den Islam kein Anti-Judaismus charakteristisch, wie er sich im Christentum schon früh herausgebildet hat.

Der Vorwurf an die Christen ist, dass sie an die Göttlichkeit Jesu glauben, obwohl dieser selbst nicht daran geglaubt hat. 

Fortsetzung der Mitschrift hier



Hans Küng erklärt von Enzylexikon

Hans Küng 

eins seiner Werke zum Gottesbegriff: Existiert Gott?

Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!
Eine Interpretation wäre, das man Gott und Welt nicht trennen kann, so wie man Geist und Körper nicht trennen kann. Es gibt keinen Widerspruch zwischen beidem. 
Immerhin soll die Welt Gottes Schöpfung und der Mensch sogar nach seinem Ebenbild geschaffen sein - wie könnte es also sein, dass die Schöpfung nicht selbst, das Göttliche inne hat?
Der Anblick einer grandiosen Landschaft beeindruckt uns - "wow, der Fluß muss Jahrmillionen gebraucht haben, sich so durch den Fels zu fressen...."
Aber ich denke, wir bewundern da nicht nur einfach die Leistung einer beeindruckenden Naturgewalt, sondern empfinden emotional, dass diese Welt viel größer und mächtiger ist, als wir als einzelnes Individuum jemals sein können.
Diese "Ehrfurcht" vor der Macht von Zeit und Natur ist vielleicht mit der Ursprung des religiösen Empfindens. 
Islam
Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“
Das klingt beeindruckend, groß, riesig.
Im Islam sagt man "Allahu akbar" - Gott ist größer. Aber da stellt sich natürlich die Frage - "größer als wer oder was?"
Größer als ein Mensch? 
Wäre der Schöpfer eines Universums ganz sicher. 
Größer als die eigene Schöpfung? 
Vermutlich, denn sonst hätte er sie nicht schaffen können.
Gleichzeitig heißt es im konservativen Islam aber auch, das man den Körper nicht durch Tätowierungen verändern soll - er ist Gottes Geschenk. Man soll sich auch kein Bildnis von Gott machen.
Allerdings muss auch die Schöpfung etwas besonderes sein, dann im konservativen Islam ist auch die Darstellung von Lebewesen verboten, was gedeutet werden kann, dass man der Schöpfung den gleichen Respekt entgegen bringen soll, wie dem Schöpfer.
Das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz.....
Hinduismus
Gott ist das Unendliche im Endlichen, die Transzendenz in der Immanenz und das Absolute im Relativen!“
Gott kann in diesem Zitat auch als Symbol für das Unergründliche gesehen werden, dass sich in der gesamten Schöpfung findet. 
In den hinduistischen Upanischaden gibt es die Erzählung von der Feige oder Mango die immer weiter geteilt wird, bis sie so klein ist, das man sie nicht mehr sehen kann.
Dieses nicht mehr Wahrnehmbare und daher Unteilbare, sei der Wesenskern des Menschen (Atman) und identisch mit dem Göttlichen (Brahman), ohne sich dessen bewusst zu sein.
Es wäre also das "Unendliche im Endlichen", wie Küng es nennt.
Enzylexikon Sein gesamter Text

Wenn ich - bis auf ein paar stillschweigende Änderungen der Rechtschreibung - den Text verbessern wollte, müsste er weit ausführlicher werden. Was mir an dem Text gefällt, ist, dass er immanent auf Küngs Konzept vom Weltethos hinweist. 

Freitag, 16. Oktober 2015

"Islam, bitte aufgeklärt!"

Der Religionspädagoge Ednan Aslan fürchtet eine Rückkehr der Fundamentalisten.
Aus dem Interview:
Aslan: Ich begrüße unsere europäische Säkularität. Denn sie gehört zur Freiheit. Ohne diese Freiheit gäbe es beispielsweise keine Gleichberechtigung der Frau. Viele Araber, auch arabische Frauen, betrachten die weibliche Selbstbestimmung als soziale Verwahrlosung. Wir müssen unsere freiheitlichen Positionen besser begründen und verteidigen. [...] Europa hat noch keine starken Strukturen, wo der Islam mit europäischer Prägung gepredigt wird. Moscheen, Imame, Verbände sind überwiegend konservativ. Die meisten Imame kommen aus der Türkei, aus Saudi-Arabien, aus Kuwait und Marokko, sie repräsentieren keine pluralitätsfähige, sondern eine überhebliche Theologie. Ich befürchte, dass der Islam durch den Zuzug der Flüchtlinge weiter arabisiert wird.
ZEIT: Was meinen Sie damit? Und was sagen Sie dazu, dass Saudi-Arabien in Deutschland 200 Moscheen für syrische Flüchtlinge bauen will?
Aslan: Auch der Glaube braucht eine Heimat, aber nicht diese. Die Saudis fördern mit viel Geld eine Arabisierung, eine Wahhabisierung des Islams. Er wird auf seine Entstehungsgeschichte im 7. Jahrhundert reduziert und eng ausgelegt. Dazu gehört, dass Andersgläubige als Ungläubige verachtet werden. Die ganze Glaubensidentität speist sich aus der Verachtung anderer. Ich nenne den Wahhabismus deshalb eine Verachtungstheologie. Und diese Verachtung produziert Gewalt. Das sehen Sie am "Islamischen Staat", der stolz darauf ist zu töten.
ZEIT: Viele muslimische Flüchtlinge sind selber Opfer dieses Fundamentalismus. Warum sollten sie ihm hierzulande anhängen?
Aslan: Weil noch nicht alle verstanden haben, dass Fundamentalismus an sich fatal ist. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Die meisten muslimischen Flüchtlinge gehen deshalb nicht nach Saudi-Arabien, weil sie sich vor den harten Scharia-Gesetzen fürchten. Aber für die Scharia sind sie trotzdem irgendwie. Wir müssen solche Widersprüche klären. Islam, bitte aufgeklärt! Es geht jetzt nicht darum, in der Religion auf eine eigene Wahrheit zu verzichten, sondern die Wahrheit der anderen für genauso legitim zu halten wie die eigene. Das ist die Grundlage der europäischen Pluralität. Wir brauchen immer mehr einen europäischen Islam, der die Muslime zur Pluralität befähigt. Sonst bleiben die Muslime immer auf der Flucht, ohne innere Heimat.

Donnerstag, 2. April 2015

"Im Moment gehört der Islam nicht zu Deutschland, ..."

"... er kommt aus der Türkei." Das sagt Eyüp Yildiz, der Bürgermeister von Lohberg, einem Stadtteil von Dinslaken. "Wir brauchen nicht mehr Islamunterricht, wir brauchen einen humanistischen Unterricht, mehr Philosophie, Ethik, Platons Höhlengleichnis."
So berichtet Moritz von Uslar im Zeitmagazin Nr.9 vom 26.2.15, der während seines Besuchs in Lohberg in 24 Stunden keine Frau ohne Kopftuch gesehen hat.

Welcher Bürgermeister wird sonst wohl für mehr Philosophie in der Schule eintreten? Wie viele deutsche Bürgermeister kennen das Höhlengleichnis? Wie viele Stadtteilbürgermeister?

Irgendwie scheint es doch Reibungen zwischen konservativen Türken und liberalem Gesellschaftsverständnis zu geben.
Freilich, zu Istanbul gehört der Islam ganz gewiss, und die Liberalen in Istanbul haben auch ihre Schwierigkeiten mit Konservativen. Ganz so heftig wie 2013 im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz ist es in Lohberg sicher nicht her gegangen.

Aber "mehr Plato und Höhlengleichnis", das ist mal ein Wort.

Twittergespräch vom 3. April mit jeanpol in Bezug auf diesen Artikel:
     @jeanpol Türkischer Bürgermeister wünscht sich mehr Plato und Höhlengleichnis. Was meinst du dazu? http://fontanefansschnipsel.blogspot.de/2015/04/im-moment-gehort-der-islam-nicht-zu.html …
    @Fontanefan Demokrit und Epikur, Voltaire und Popper wären besser. Sehr wichtig ist, dass die "Forderung" nicht von "Deutschen" kommt, 1/2 
    2/2 sondern unbedingt von Bürgern wie Herr Yildiz! Die Aufklärung muss aus der muslimischen Welt selbst kommen...
    @jeanpol "aus der muslimischen Welt" kommt nach der Aussage von Yildiz der Islam, den er als ausgesprochen unaufgeklärt erlebt. 
    @Fontanefan dennoch haben allein Muslims die Autorität, den Islam zu reformieren.
    @Fontanefan und der Bürgermeister ist nicht "türkisch" sondern türkischstämmig, glaube ich. Das ist ein großer Unterschied! LG
    @jeanpol Richtig: türkischstämmig. Die Zuspitzung,dass der zu einem Griechen als Kronzeugen greift, kam mit "türkisch" freilich besser heraus
    @jeanpol Überdies hätte ich dann präzis gesprochen von deutschstämmigen Bürgermeistern, die das Höhlengleichnis nicht kennen,sprechen müssen
    @Fontanefan meine muslimischen Freunde machen einen deutlichen Unterschied zwischen türkisch und türkischstämmig!
    @jeanpol Interessant, wie differenziert das alles ist und wie wenig es in Klischees passt.
    @jeanpol Darf ich unser Gespräch auf meinen Blog und evtl. ins Wiki stellen?
    @Fontanefan Klar!

Mittwoch, 14. Januar 2015

Der Islam und Deutschland

Kanzlerin Merkel: "Der Islam gehört zu Deutschland", Spiegel online 12.1.2015

CSU widerspricht Merkels Islamaussage. ZEIT online 14.1.2015
"Die deutsche Kultur beruhe vor allem auf christlichen Werten, sagt der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Konservative Kollegen in der CDU sehen das ähnlich."

MELY KIYAK: Die größtmögliche Provokation, ZEIT online 14.1.2015
"Angela Merkel hat wieder diesen Satz gesagt. Aber die Diskussion, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sagt mehr über "die Deutschen" aus als über "die Muslime"."

Offensichtlich liegen viele Empfindlichkeiten vor, auch unabhängig von terroristischen Anschlägen und Pegidademonstrationen.

Hier bin ich auf Gaucks Stellungnahme zu Wulffs "Der Islam gehört zu Deutschland." von 2010 eingegangen und auf die Hoffnung, die eine Muslima hinsichtlich eines christlich muslimischen Dialog in Papst Benedikt XVI. setzte.
Hier habe ich kurz eine Zeitungsmeldung kommentiert.

Die Wikipedia bemüht sich um Neutralität: Islam, Islamismus, Islamkritik

Samstag, 6. Dezember 2014

Arabisch-israelischer Konflikt

ZERUYA SHALEV: Das gebrochene Herz, ZEIT 24.7.14, S.42
"Solange die Palästinenser nicht bereit sind, die Juden in Israel zu akzeptieren, wird es keinen Frieden geben."

HISHAM MELHEM: Die Barbaren sind unter uns. Die arabische Zivilisation ist zusammengebrochen, ZEIT 6.12.14
"Es gibt nicht den geringsten Beleg dafür, dass sich der politische Islam mit moderner Demokratie versöhnen lässt. Von Afghanistan unter den Taliban bis nach Pakistan und Saudi-Arabien, vom Iran bis in den Sudan existiert keine einzige islamistische Ordnung, die man als demokratisch und gerecht oder einfach nur als Beispiel für ein gut regiertes Gemeinwesen anführen könnte."
Den Aufsatz von Melhem halte ich für sehr mutig. Sicher ist er überspitzt formuliert. Doch die Entwicklung der arabischen Revolutionsversuche sind in der Tat wenig hoffnungsreich.
Fehler sind aber gewiss nicht nur von arabischer Seite gemacht worden.

Mittwoch, 31. Oktober 2012