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Samstag, 24. August 2024

Rainer Zitelmann

 https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Zitelmann#Hitlers_Selbstverst%C3%A4ndnis_als_Revolution%C3%A4r

Dass Hitler sich nach Zitelmann als Revolutionär verstand, ist eine richtige Diagnose: Er hat binnen kürzester Zeit aus Deutschland einen Terrorstaat gemacht. Dafür brauchte er nicht einmal die "vier Jahre Zeit", die er für sich gefordert hatte. 

Das Experiment, was die AfD aus Deutschland machen will, möchte ich persönlich nicht gern mitmachen.

Sonntag, 8. September 2019

Volker Pilgrim: Hitler 1 und Hitler 2

Arno Widman interviewt Volker Pilgrim FR 7.9.19
"[...] Alle Hitlerbiografen sind sich darin nämlich einig: Es gibt einen jungen, kunstsinnigen, scheuen Hitler 1 und es gibt einen aggressiven, vernichtungswütigen Hitler 2. Die Frage, wie aus Hitler 1 Hitler 2 wurde, zieht sich durch alle Bände. [...]
Hitler war vom 21. Oktober bis zum 9. November 1918 in dem Lazarett. Er war in eines der Menschenversuchs-Labore der Militärpsychiater der Zeit geraten. Der Berliner Sanitätsoffizier Professor Dr. Edmund Forster zündete aus Unkenntnis die im jungen Hitler verdrängte angeborene Serienkiller-Anlage... [...]
Seine Nichte Angela Raubal hat er eigenhändig erschossen. Neunzig Jahre vermied Deutschland es, den Hitler-Nichten-Mordfall aufzurollen, als ob das geplagte Volk die Millionen befohlenen oder bewirkten Toten Hitlers aushalten kann, aber nicht den Fakt, dass einer seiner Staatslenker, Repräsentanten, eine junge Frau eigenhändig ermordet und mit diesem seinem Mord sich zum befehlend-delegierenden Millionen-Killer gemacht hat. Hitlers Nichte stand für ein Stück Rest-Humanität, das ihm nach der Verwandlung von Hitler 1 in Hitler 2 noch geblieben war. Die musste ausgelöscht werden, so dass er danach Orgasmen erzielen konnte, indem er Tötungsbefehle erteilte.[...]
Die Schauspielerin Marianne Hoppe schildert, wie sie zusammen mit Hitler, Goebbels und anderen Nazigrößen im Kinosaal der Reichskanzlei „Der Rebell“ mit Luis Trenker sah. Es gibt eine Szene darin, in der steinigen die Tiroler Rebellen die französischen Soldaten. „Da“, erklärt Marianne Hoppe, „kriegte Hitler eine Art Erregung und hat so die Knie gerieben bei diesem Ereignis, wie die Steine da runter rollten auf die Franzosen drauf, und hat gestöhnt. Ich weiß nicht, ob er verrückt war, aber da kriegte er so eine Art Orgasmus... .“ [...]


Volker Pilgrim: Hitler 1 und Hitler 2 (Perlentaucher)

"[...] Hin- und hergerissen zwischen Ekel- und Lachanfall lauscht Wackwitz dem Wilhelm-Reich-Anhänger Pilgrim dabei, wie der sich im kernigen Sexologenjargon an Hitlers Geschlechtsleben herantastet. Dass der Führer sich nur durch Schenkeldrücken Befriedigung verschaffen konnte - für Wackwitz geschenkt. Doch der laut Rezensent bezeugte Umstand, dass Hitler kaum je selber direkt Gewalt angewendet hat, also höchstens als platonischer Serienmörder durchgeht, wirkt für Wackwitz doch sehr "kontraintuitiv" und nimmt dem Buch sozusagen den Wind aus den Segeln."




Donnerstag, 10. Januar 2019

Versailler Vertrag 1919 und Flüchtlingsfrage 2015

So wenig, wie es Hitler allein um die Aufhebung des Versailler Vertrags ging, so wenig geht es der AfD allein um die Flüchtlingsfrage.
Hitler wollte an die Macht kommen und instrumentalisierte dafür den Versailler Vertrag, der aus guten Gründen von Anfang an nicht nur in Deutschland kritisch gesehen wurde.
Für den Kampf gegen die demokratische Ordnung wurde ausgenutzt, dass die deutsche Regierung an den Versailler Vertrag gebunden war, auch wenn die deutschen Regierungsvertreter den Vertrag widerwillig nur unter äußerstem Druck unterschrieben hatte.
Matthias Erzberger, der das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne unterzeichnet hatte, das die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs formell beendete, wurde 1921 ermordet, obwohl die kaiserliche Oberste Heeresleitung die Regierung zum Abschluss eines Waffenstillstands gedrängt hatte.
Die Möglichkeit, den demokratischen Kräften die Schuld am Ergebnis des Krieges zuzuschieben, der von der kaiserlichen Regierung gebilligt, wenn nicht sogar ausgelöst worden war, wurde voll ausgenutzt. 

Mehr dazu: Conze: Nahrung für den Hass, ZEIT 10.1.19

2015 ging kurzfristig eine Empörungswelle durch Deutschland, weil Angela Merkel einem Flüchtlingskind gegenüber vertreten hatte, dass seine Abschiebung rechtens sei. (Das Flüchtlingskind, das nach dieser Mitteilung geweint hatte, erklärte, sie sei wenigstens ehrlich gewesen.)
Langfristig nahm man Merkel übel, dass sie im August 2015 Flüchtlinge, die in Ungarn gestrandet waren, nach Deutschland einließ und verkündete "Wir schaffen das."
Dass ihre Entscheidung eine Welle von Hilfsbereitschaft auslöste und dass Merkel andererseits alle Hebel in Bewegung setzte, weitere Einwanderung zu beschränken und Abschiebungen zu fokussieren, half nichts dagegen, dass die AfD die Probleme, die der unvorbereitete kurzfristige Zuzug instrumentalisierte und Merkel unterstellte, sie strebe eine "Übervolkung" oder auch einen "Bevölkerungsaustausch" an. 
Mit dieser Instrumentalisierung stand die AfD freilich nicht allein. Auch der CSU-Innenminister versuchte aus den Vorgängen von 2015 wahlpolitisches Kapital für die Landtagswahl 2018 in Bayern zu schaffen, für die CSU freilich mit eher negativen Folgen.

In beiden Fällen gilt: Nicht die Tatsachen, die durch die Maßnahme (vertragliche Regelung bzw. kurzfristige Zulassung von Flüchtlingen), sondern die Instrumentalisierung der - sachlich durchaus nicht unproblematischen - Folgen  zum Kampf gegen Menschenrechte und die demokratische Ordnung hat dazu geführt, dass die NSDAP bzw. AfD Stimmen in großem Umfang gewonnen hat, dass in der Innenpolitik nicht die realen - durchaus schwer wiegenden - Probleme, sondern ein Nebenthema den politischen Diskurs beherrschte und die Gewaltbereitschaft von beiden Seiten erhöht hat. 

Das ließe sich für beide Fragen differenzierter ausführen; aber das ist schon hundertfach getan worden. Wichtig ist mir: Nicht die Veränderung die durch die Maßnahme hervorgerufen wurde, sondern die politische Instrumentalisierung stellt das Problem dar.

Dass diese Instrumentalisierung durch politische Fehler der Gegner der rechten Parteien begünstigt wurde, ist bereits ungezählte Male thematisiert worden und braucht ebenfalls nicht ausgeführt zu werden. 

Mittwoch, 7. März 2018

Stein des Anstoßes - gegen das Vergessen

In Herxheim am Berg wurde entdeckt, dass die Kirchenglocke eine Inschrift mit dem Namen Adolf Hitler trägt. Das führte zu Recht zu einer Diskussion, die weit über das Dorf hinaus Aufmerksamkeit erregte.  Darf die Glocke weiter verwendet werden oder sollte man sie einschmelzen?
Auch wenn ich an den guten Motiven beider Seiten nicht zweifle, scheint mir die richtige Lösung recht nahe liegend. 
Als nicht bekannt war, welche Inschrift die Glocke trug, hat sich niemand an ihr gestört. Jetzt, wo es bekannt geworden ist, wurde sie zum Stein des Anstoßes für eine Diskussion. 
Die Glocke hat also seit 1945 keinen Anlass mehr geboten,nazistische oder neonazistische Ideologie zu verbreiten. Auf dem Glockenstuhl hängend bietet sie auch wenig Gelegenheit dazu. Sie hat aber geholfen, der jetzigen Generation zu verdeutlichen, wie stark die NS-Herrschaft sich schon 1934  in Kirchen ausgewirkt hat. Sie ist zum Stein des Anstoßes geworden und hat dazu beigetragen, die Wirklichkeit von 1934 besser zu verstehen. 
Man sollte nicht ohne Not ein historisches Dokument zerstören und dafür CO2 produzieren, wenn es nicht der Förderung einer menschenverachtenden Ideologie dienen kann. Ihr Klang verändert sich nicht, er trägt jetzt aber dazu bei, Bewusstsein zu schärfen. Das wird nicht lange vorhalten, aber vielleicht wird man in 80 Jahren wieder auf die Inschrift aufmerksam. Dann wird noch mehr vergessen sein, was 1933 - 1945 in Deutschland geschah, und eine Anlass für eine Diskussion wird umso wichtiger geworden sein.
Seit 1992 erinnern die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an den Holocaust und seine Opfer an den Stellen, wo sie gelebt haben. Sie sind für rechte Ideologen der AfD zu Steinen des Anstoßes geworden. Wenn eine Kirchenglocke auch dazu beitragen kann, umso besser. 
Selbstverständlich war es richtig, nach 1945 die Symbole der NS-Herrschaft zu entfernen, um nicht der verbrecherischen Ideologie Anknüpfungspunkte zu bieten. 
Heute geht es darum, das Vergessen zu verhindern

Eine sehr begrüßenswerte Initiative ist Erinnerung sichtbar machen, die von Karl Fischbach initiiert und von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) propagiert "durch Wissenserwerb gegen rechte Propaganda immun" machen will. 

Gegen das Vergessen muss für den Holocaust und die Entwicklungen, die dazu geführt haben, die Devise bleiben.

"In der Nacht zum 7. Oktober 2024, dem Jahrestag des Massakers der Hamas in Israel, werden in Zeitz sämtliche Stolpersteine herausgebrochen und gestohlen. Spurensuche in einer geplagten Stadt" 

Freitag, 2. September 2016

Was geschah im Januar 1933?

War es eine "Machtergreifung"?

Es war der Versuch, dem Teufel nur einen Finger zu geben. Der ging schief.
Die Machteliten waren am Ende ihrer Optionen. Da hofften sie, einen Pakt mit Hitler schließen zu können, obwohl ihnen klar war, dass das ein Risiko war.
Wie das Pfeifen im Walde der Spruch: "Wir werden ihn an die Wand drücken, dass er quietscht."
"Machtergreifung" war die Bezeichnung, die von der NS-Seite verwendet wurde (war es Hitler selbst oder irgendeiner aus seiner Entourage, der immer unbekannt bleiben wird?), um sich als einzig Handelnde zu sehen.
Dass Hitler nach dem fehlgeschlagenen Putsch keinen Staatsstreich riskierte, sondern abwartete, bis man ihm den kleinen Finger reichte, dann aber entschlossen Hand und Arm ergriff, um die Eliten aus dem Weg zu räumen, zeugt davon, dass er gelernt hatte.
Hinterlistig ("Erschleichung") war es aus der Sicht der Eliten, eine kraftvolle Tat ("Ergreifung") war es aus Sicht Hitlers und seiner Anhänger. 
Den überzeugten Demokraten musste es wie ein "Pakt mit dem Teufel" erscheinen. 
Als objektive Beschreibung passen alle drei Bezeichnungen nicht. 
Die reaktionären Machteliten hatten alle Optionen verspielt, die sie einzusetzen bereit waren, und sich keine weitere offen gehalten. So versuchten sie etwas, was sie nicht wollten. ("So schlimm wird es schon nicht sein.") - Die Alternative wäre ein Bündnis mit allen demokratischen Kräften gewesen. Das lag ihnen aber so fern, dass ihnen nur Hitler blieb.
Freilich: Die Demokraten hatten schon verspielt, als sie Hindenburg als Bollwerk gegen Hitler nutzen wollten. Die Frage, ob es Möglichkeiten gab, Hitler zu verhindern, ist nicht eindeutig zu beantworten. Dass es nicht geschehen ist, ist klar. 
Dass es nicht so sehr die Fehler der anderen Seite waren, sondern die Kraft der "Bewegung" und die "Vorsehung", dafür sollte das Wort "Machtergreifung" stehen. Man braucht Hitlers Sichtweise nicht zu übernehmen, wenn man feststellt: Er hatte richtig taktiert und die anderen ausgespielt.

Wenn man unbedingt ein Wort für den Vorgang finden will, passt am ehesten das neutrale "Machtübertragung". 
Was Hitler danach aus der "Machtübertragung" gemacht hat: die konsequente Ausschaltung aller Kräfte, die seiner Diktatur im Wege standen, das war entschlossenes, geschicktes Handeln. Wenn man etwas "Machtergreifung" nennen will, dann war es dieser Vorgang, der mit dem "Ermächtigungsgesetz" zur de facto Abschaffung der Weimarer Verfassung führte.

Samstag, 5. Juli 2014

Hitler legte Wert auf die Geheimhaltung seines zweiten Buches

Außer "Mein Kampf" und seiner kurzen Werbeschrift für Industrielle hat Hitler noch ein ca. 200 Seiten starkes zweites Buch verfasst.
Zunächst riet Hitler von der Veröffentlichung ab, um den Verkauf von "Mein Kampf" nicht zu behindern.
Nach der Reichstagswahl von 1930 stieg das Interesse an "Mein Kampf" wieder stark. Jetzt entschied Hitler sich gegen die Veröffentlichung, weil er fand, "dass das Zweite Buch zu viele seiner außenpolitischen Absichten verrate. Auf Hitlers Befehl streng geheim gehalten, wurde das Manuskript ab 1935 in einem Luftschutzbunker aufbewahrt, wo es bis zu seiner Entdeckung 1945 durch einen amerikanischen Offizier verblieb." (Seite „Hitlers Zweites Buch“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. Juni 2014, 11:55 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hitlers_Zweites_Buch&oldid=131467171 (Abgerufen: 5. Juli 2014, 08:08 UTC))

Samstag, 5. Januar 2013

Hitlers "Mein Kampf" vom Vatikan für harmlos befunden

Nach gründlicher Prüfung kam die Index-Kommission des Vatikans dazu, "Mein Kampf" nicht auf den Index zu setzen.
Diese und andere interessante Aktenfunde (z.B. über erfolgreiche Prozesse von Mägden gegen ihre Herren im 17. Jh.) werden in diesem Video vorgestellt.