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Montag, 15. September 2025

Über sprachliche Feinheiten

 Heißt Bescheid sagen dasselbe wie benachrichtigen?

Beides sagt mitnichten (also: ganz gewiss nicht) das Gleiche.

Benachrichtigen heißt: eine Mitteilung zukommen lassen. Da sind wir uns einig.

Bescheid sagen bedeutet: jemanden, der Bescheid wissen sollte, auf den neuesten Stand bringen. Das kann dasselbe bedeuten wie benachrichtigen, hat aber einen wichtigen Spezialsinn. Wenn in einer Gruppe eine neue Absprache getroffen worden ist, den oder die, die darüber noch nicht informiert sind, zu informieren.

Insbesondere hat es auch den Sinn: Wenn jemand sich so verhält, als ob er die Regeln nicht kännte (kennen würde), die es einzuhalten gilt, gründlich/energisch zu ermahnen, dass er sich an die Regeln halten soll, weil ihm sonst Sanktionen drohen.

Das meint ziemlich dasselbe wie: Mit dem muss man mal deutsch reden. Das heißt: Man muss ihn unmissverständlich und mit Nachdruck ermahnen.

Dieser letzte Ausdruck bezieht sich auf einen Unterschied zwischen dem Deutschen und dem Französischen, den Goethe (der Baccalaureus in Faust II, 1. Akt, Vers 6771) einmal so formuliert hat: "Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist." (Man redet nicht drum herum, sondern man sagt, "was Sache ist", während man im Französischen selbst das einfache "bitte" noch höflicher macht, indem man einen ganzen Satz sagt: "sil vous plaît" (wenn es ihnen gefällt).

Donnerstag, 17. November 2022

Darf ein Weißer noch Reggae machen?

 "Gegenfrage: Darf ein jüdischer Musiker Beethoven spielen?

Die Frage stammt nicht von mir, sie wurde gestellt und zugleich negativ beantwortet vom Urvater der Cancel-Culture. Im Briefwechsel mit Wilhelm Furtwängler, der sich gegen völkische Kulturpolitik gewandt hatte, verkündet er das Dogma aller Identitären bis heute: 'Lediglich eine Kunst, die aus dem vollen Volkstum selbst schöpft, kann am Ende gut sein.' Sein Name: Joseph Goebbels."

Ich zitiere den Leserbrief von Paul Humann aus der ZEIT vom 17.11.22 hier - ohne Humann um Genehmigung gebeten zu haben - vollständig und nicht nur die erlaubten 7 - 10 Prozent (genau weiß ich die Zahl nicht), weil ich sicher bin, dass Humann seine Argumentation - zu recht - für so brillant hält, dass er sich freut, wenn sie weiter verbreitet wird.

Die Überschrift, die die Redaktion der ZEIT dem Leserbrief gab: "Blondieren verboten" ZEIT Nr. 47, S.20.

Die Zusammenstellung dieser Fragen und die Beteiligten sind auch deshalb so wichtig, weil Wilhelm Furtwängler immer wieder kritisiert worden ist, weil er in der Nazizeit den Nazis als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker als Aushängeschild für die deutsche Kultur gedient hat und deshalb angegriffen worden ist wie Gustav Gründgens als Aushängeschild der Nazis als "Intendant des Berliner Schauspielhauses, von 1937 bis 1945 Generalintendant der Preußischen Staatstheater" (Wikipedia), am prominentesten durch Klaus Mann in seinem Roman "Mephisto".

Gegenwärtig stellt sich die Frage: "Darf man in Israel Wagner spielen?" So weit ich weiß, darf man es, doch Daniel Barenboims Versuch, der in diesen Tagen 80 wurde, Wagner als bedeutenden Musiker durch eine Reihe von Aufführungen in Israel herauszustellen, ist immer wieder gescheitert. Dabei geht es Barenboim nicht darum, Wagners Antisemitismus herunterzuspielen, sondern darum, die Rolle von Musik als verbindende Kraft zu nutzen, so wie er das mit seinem West-Eastern Divan Orchestra seit Jahren tut.

Diese Zusammenstellung von in mancher Weise befremdlichen Sachverhalten habe ich vorgenommen, um vor einseitigen Urteilen zu warnen -

und dass, obwohl ich es für richtig halte, mit mit allen möglichen Mitteln - auch zivilem Ungehorsam wie durch die "letzte Generation" dafür zu kämpfen, dass der menschengemachte Klimawandel in Grenzen gehalten wird. Denn schon jetzt hat er schier unerträgliche Folgen. Die Überschwemmungen in Pakistan, von denen rund 30 Millionen betroffen waren, gehören zu den Extremwetterereignissen, deren Zunahme Klimawissenschaftler zu den naturgesetzmäßig aus der Zunahme der CO2-Emissionen  sich ergebenden Folgen.

mehr dazu: Greta Thunberg: Das Klima-Buch, 2022.

Artikel in der ZEIT zu Klimaaktivismus. Ssher kontrovers und in der Gesamtheit recht ausgewogen, so wie Greta Thunberg betont: "Demokratie ist das wertvollste Instrument, dass wir haben, und es steht außer Zweifel, dass wir ohne sie keine Chance haben, die vor uns liegenden Probleme zu bewältigen." (Klimabuch, S.196/197)

Donnerstag, 3. September 2020

Weshalb es gefährlich ist, auf Twitter für Differenzierung einzutreten

1. Gefahr: Man tritt für Differenzierung ein und wird dabei bestätigt
                gefährlich, weil man denkt, das könnte innerhalb der eigenen Timeline der                         Normalfall sein.
                In Wirklichkeit ist man auf den raren Ausnahmefall gestoßen, dass man selbst
               "unmissverständlich" formuliert hat und der andere verstanden hat
2. Gefahr Man tritt für Differenzierung ein und wird nicht verstanden.
               gefährlich weil eine Kette von Missverständnissen entsteht.

Innerhalb der eigenen Filterblase ist es eine Binsenweisheit, dass Formulierungen nur aus ihrem Kontext heraus verstanden werden können. (Einfachstes Beispiel: Ironie)
Weil das in der Filterblase theoretisch jeder weiß, versteht man sich scheinbar auch ohne Kontext, weil man nicht immer bedenkt, wie groß der Kontext ist: 1. Fähigkeit,  differenzierte Formulierungen zu verstehen und sich differenziert auszudrücken; 2. Fähigkeit, eigene Fehler einzusehen und (scheinbar) emotionslos darauf zu reagieren 3.-x. all die kulturellen Gemeinsamkeiten, die innerhalb einer deutschen Filterblase mehr oder minder gehobenen Bildungsniveaus bestehen.

Diese Binsenweisheit habe ich in letzter Zeit sträflich verleugnet. Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Zwar ging es noch relativ gut, solange ich in einem engen Kontext argumentiert habe.
Schief gelaufen ist es, als ich mich zu den Berliner Demonstrationen am 29.8. geäußert habe.
1. Weil die Demonstrationen verschiedenster Art waren und jede ihre eigenen Fallstricke bei der Kommunikation darüber enthielt.
2. Weil die Hauptdemonstration so viele unterschiedliche Gruppen enthielt, dass sie den  Zielen der Veranstalter nicht gerecht werden konnte, auch wenn vermutlich die überwältigende Mehrheit primär zwei Forderungen eintritt, die demokratische Selbstverständlichkeiten sein sollten (aber nicht selbstverständlich sind): parlamentarische Kontrolle weitreichender Entscheidungen und Minderheitenschutz.
3. Weil ich eine Position verteidigt habe, die nicht meine ist, aber jedes Recht hat, vertreten zu werden.

Was ich sonst noch alles nicht beachtet habe, aber hätte beachten sollen, steht hier nicht.
Vielleicht folgt es in einem späteren Blogbeitrag. 

Dass ich trotz der daraus entstehenden Missverständnisse nicht in einen Shitstorm geraten bin, verdanke ich der Tatsache, dass ich mich offenbar in einer recht kleinen Filterblase bewege.
Deshalb werde ich - wenn auch vorsichtiger - auch auf Twitter weiterhin für Differenzierungen eintreten. Aber ich werde das bevorzugt in Blogbeiträgen tun.
Meine Wertschätzung für Personen, die sowohl klare Positionen beziehen als auch differenziert zu reagieren verstehen, ist noch einmal gewachsen.

Ein Instrument für differenziertere Argumentationen, auf das ich erst heute gestoßen bin und das ich noch nicht erprobt habe: https://www.kialo.com/tour