Posts mit dem Label Natur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Natur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. Oktober 2025

Tilo Wesche: Die Rechte der Natur

. Tilo Wesche:  Die Rechte der Natur. Vom nachhaltigen Eigentum

Gegenwärtig  werden von verschiedenen Institutionen (Parlamenten, Regierungen und Gerichten) der Natur zunehmend eigene Rechte zugesprochen. Tilo Wesche geht der Frage nach, ob und wie sich solche Recht von Natur begründen lassen.  Dabei geht er von einem allgemeinen Eigentumsrecht aus und prüft, wie weit solche Rechte der Natur  reichen. Diesen Fragen geht  in seinem philosophischen Grundlagenwerk mit Blick auf das Eigentumsrecht nach. Beim Klima-, Arten- und Umweltschutz würden Eigentumsrechte häufig vernachlässigt, doch wohne ihnen selbst eine Vorstellung ökologischer Nachhaltigkeit inne, die zur Überwindung eines extraktiven Naturverhältnisses beitragen kann.

Kann diese Rechtspraxis zur Bewältigung des Klimawandels beitragen? 

Freitag, 29. November 2024

Natur und Kunst

 Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,

Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst in abgemeßnen Stunden
Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:
Vergebens werden ungebundne Geister
Nach der Vollendung reiner Höhe streben.

Wer Großes will, muß sich zusammen raffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Sonett des ehemaligen Stürmer und Drängers Goethe

Sturm und Drang war eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der  Aufklärung, die etwa von 1765 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde. Wegen der „Verherrlichung des ‚Originalgenies‘ als Urbild des höheren Menschen und Künstlers“ (Gero von Wilpert)[1] wird diese Strömung auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet.

Die Bezeichnung Sturm und Drang kam in den 1820er Jahren auf. [...] In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das philosophische und literarische Leben im deutschen Sprachraum weitestgehend von der Aufklärung bestimmt. Der Verstand war die bestimmende Größe der Zeit, durch dessen freien Einsatz, wie Kant 1784 formulierte, der „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ erreicht werden soll. Literatur sollte den Leser moralisch bilden, ihn erhellen und seine Vernunft wecken.

Die von der Aufklärung angestrebte Freiheit begünstigte Literaturformen, die der vernünftig argumentierenden und gebändigten Sprache verpflichtet waren. Die Forderung nach einer „regelmäßigen“ Dichtkunst wurde von Theoretikern wie Gottsched auch während der Aufklärung mit Nachdruck vorgebracht. Die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, eine gehobene Sprache und die Trennung der Besetzung von Tragödie und Komödie mit Adel und Bürgertum waren Postulate, die man in zahlreichen Dichterakademien die angehenden Literaten lehrte.

Doch bereits in Friedrich Gottlieb Klopstocks Oden von 1750 zeigte sich, dass dieses Reglement zu eng gefasst war. Mit dieser Demonstration gegen die rein verstandesmäßige Haltung der Aufklärung war der Grundstein für die Überwindung der Vernunftherrschaft und eine Entfesslung des Gefühlsüberschwangs, der Fantasie und der Gemütskräfte als neuer dichterischer Grundhaltung gelegt (emotio statt ratio).

Diese erneuernde Bewegung, die wie ein Ruck durch die deutschsprachige Literatur ging, verbindet in ihrem jugendlichen Charakter den „gemütvoll-bürgerlichen Realismus mit dem Idealisch-Politischen und Menschenrechtlichen“:[2] die Fülle des Herzens mit der Freiheit des Gefühls, mit Ahnung und Trieb. Sie zeigt in Einzelschicksalen die politisch-moralische Situation der Zeit auf.

Das Aufbegehren der Jugend hatte so sein literarisches Äquivalent gefunden, eine neue Generation deutschsprachiger Schriftsteller fand in den Thesen Johann Gottfried Herders den Widerhall ihrer Erfahrungen und Gefühlswelt. Herder, der zu einem Wegbereiter des Sturm und Drang wurde, kritisierte die Arroganz der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk und forderte dazu auf, auch die „Ächtheit“ und Tiefe des Volkslieds und der Volksdichtung als Kunst anzuerkennen; er erkannte, dass Aufklärung in ihr Gegenteil umschlagen kann, und forderte, dass sie nur Mittel, nicht Ziel sein dürfe. Auch Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs Ugolino (1768) kann man in die Frühphase des Sturm und Drang einordnen, die Schweizer Johann Heinrich Füssli und Johann Caspar Lavater als ihre Vorgänger ansehen.[3]" (Wikipedia)

Sonntag, 7. August 2016

Berge (Chrismon)

"Der erste europäische Bergsteiger, von dem wir wissen, war der italienische Dichter Francesco Petrarca (1304–1374). Lange hatte er den für seine Zeit ganz ungewöhnlichen Wunsch, den Mont Ventoux in der Provence zu besteigen.[...] 
Doch als er endlich den Gipfel erreicht hatte, lag ihm die Welt zu Füßen. Weit schaute er zu den Alpen, über den Golf von Marseille, ins Rhonetal. Dann setzte er sich und schlug ein Buch auf, das er mitgenommen hatte. Es waren die „Bekenntnisse“ des Kirchenvaters Augustin. Darin stieß er auf einen Satz, der ihn wie ein Schlag traf: „Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahin fließenden Ströme und den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne und haben nicht acht auf sich selbst.“ Plötzlich fühlte sich Petrarca beschämt: „Da entschied ich mich, genug von dem Berge gesehen zu haben, und wandte das innere Auge auf mich selbst, und von Stund an hat niemand mich reden hören, bis wir unten ankamen.“ [...]
Es war ein Gedicht, das den Europäern den Sinn für die einzigartige Schönheit der Alpen weckte. 1729 veröffentlichte der Schweizer Naturforscher und ­Literat Albrecht von Haller (1708–1777) nach einer ausgedehnten Reise durch die Berge seiner Heimat das Langgedicht „Die Alpen“.  [...] Dieser störte sich nicht mehr an ihrer jedes Maß sprengenden Großartigkeit, sondern sah in den Bergen etwas „Erhabenes“, das Ehrfurcht auslöst."
(Mensch, bist du klein von JOHANN HINRICH CLAUSSEN in Chrismos)

Montag, 26. August 2013

Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage

Es sind sympathische Gestalten, Évi, die in einem Garten mit ihrer Tochter Aya gestandet/gelandete Artistin, das Erzählermädchen, das seine Tage bei Aya und Évi verbringt, fasziniert vom Reiz des anderen, die Mutter der Erzählerin, die sich Évi annähert und der Junge Karl, der darunter leidet, dass sein Bruder Ben verschwunden ist. Nicht zuletzt Zigi, der Artist, der ständig dazu lernt.
Im Zirkusmilieu werden sie mir schablonenhafter. Auch das Wanderjahr erreicht mich nicht recht. Nicht weil es unglaubwürdig wäre, aber weil die Liebe des Erzählermädchens zu diesen Figuren fehlt. Sie erlebt sie nicht, sie hört nur von ihnen in Erzählungen. 

Klappentext:
"Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben."

Nichts gegen die Mütter, vor allem nichts gegen die zauberhafte Évi. Die Gestalten leben für mich bis zum Kapitel "Ein Jahr", so weit sie überhaupt leben, vom Erzählermädchen, das über sie staunt. 

Andreas Isenschmid nennt den Roman Zsuzsa Banks "glücksverzaubert". 

Ist es nicht eher die Sehweise der Erzählerin als das Glück?

Wilmes von der Frankfurter Rundschau findetdass die Schilderungen der mittlerweile erwachsenen Seri, die eifersüchtig und verletzt der Zweisamkeit ihrer Freunde zuschaut, seltsam "blass" und unanschaulich bleiben und beim Entzaubern der heilen Kindheitswelt mysteriöser herumgeraunt wird, als dem Roman gut tut.

Ich werde meinerseits eine Unterbrechung einlegen, bevor ich weiter lese.

Meike Fessmann von der Süddeutschen Zeitung "trauert ein bisschen dem selten gewordenen auktorialen Erzähler hinterher, besonders angesichts der in ihren Augen "eigenschaftslosen" Erzählerfigur von Zsuzsa Banks jüngstem Roman."

Ich vermisse nicht den auktorialen Erzähler, sondern, wie bereits erwähnt, im Zirkusteil mein Erzählermädchen. 

Zunächst sind es durchaus nicht die Mütter, die die Kinder lotsen (vgl. Klappentext), sondern die Erzählerin gibt die Richtung vor:
Ich hatte mich in Ajas Leben begeben, als sei ein fester Platz für mich immer schon darin vorgesehen gewesen. (S.179)
Lange duldet die Mutter der Erzählerin  nur, dass ihre Tochter zu Aja und deren Mutter Évi geht, doch als Aja in Lebensgefahr gerät, rettet sie diese und fühlt sich bald darauf auch für ihre Mutter Évi zuständig, bringt ihr das Lesen bei und besorgt ihr Arbeit für den Lebensunterhalt.
Meine Mutter fragte nicht mehr, warum ich mir ausgerechnet Aja hatte aussuchen müssen, und mit den Jahreszeiten, die über Kirchblüt kamen und es verkleideten, hatte sie es aufgegeben, Évis Leben an ihrem zu messen, an den vielen Dingen, aus denen es zusammengefügt war. (S. 180)
Évi lernt mit großem Enthusiasmus lesen und bäckt für den ganzen Ort für alle möglichen Gelegenheiten Kuchen. Doch legt sie großen Wert darauf, dass ihre Tochter nie außer Hause schläft. Doch dann ändert sich das.
Aja wurde krank, nachdem zum ersten Mal Schnee gefallen war [...] (S.  182)
Als Ajas Zustand sich in ihrer zugigen Baracke nicht ändert, entschließt sich Évi, sie doch zur Mutter der Erzählerin Seri zu bringen.
Aja wurde in unserem Wohnzimmer, auf unserem roten Sofa gesund. (S. 186)

Nachdem zunächst Seris Mutter Verantwortung für Aja und Évi übernommen hat, übernimmt Évi Verantwortung für Karls Eltern. Sie bringt Karls Mutter dazu, in ihr Haus zu kommen. Und Karls Vater dazu, zu reden und ihre Kuchen auszufahren. Karls Vater beginnt auch für Évi zu handwerken. 
Als Zigi zu seinem jährlichen Besuch eintrifft, hebt er die meisten Änderungen von Karls Vater wieder auf. Karl nimmt sich zurück und beginnt mit Zigi zu reden, was er anderen gegenüber immer vermieden hatte.

Die Mütter halten lange Zeit eine vorsichtige Distanz zueinander, doch dann bricht das Eis.
Unserer Mütter hatten darauf geachtet, sich nie nahe zu kommen, keine hatte ihre vorgezeichneten Wege aufgegeben, selbst wenn diese sich berührt hatten, wenn sie einmal wie auf Glatteis ins Leben der anderen gerutscht waren, hatte sie schnell wieder etwas getrennt. [...] seit Karls Mutter an den Sonntagen in Évis Küche versucht hatte, die Dunkelheit vor ihren Augen zu vertreiben, hatten unsere Mütter ihre Wege nicht länger versperrt und angefangen, die Schranken davor langsam hochgehen zu lassen. [...] Plötzlich hatten sie Vornamen, Karls Mutter war jetzt Ellen und meine Mutter Maria, und Karls Mutter sagte zu Évi nicht mehr Frau Kalócs, wie sie es über Jahre getan hatte, sondern Évi. (S.223-225) 
Aus den Kindern werden Jugendliche. Aja wird ihrer Mutter gegenüber recht aggressiv. Doch die schlägt nicht zurück. Wenn Zigi dabei ist, hält Aja sich zurück. 

Andres Kilb in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Ein Buch, dessen einziger Makel darin besteht, dass es irgendwann aufhört."

Als die Handlung in Rom spielt, wird mir deutlich, dass mein zentrales Interesse bei Évi liegt. Ihr Verhalten und ihr Verhältnis zu anderen sind ungewöhnlich und interpretationsbedürftig. Die anderen Personen bleiben blass.

Das Motiv der Leerstelle wird m.E. überreizt.* Nach den Vätern und Kind/Bruder tritt jetzt auch die Mutter in Gestalt einer Filmspule als Leerstelle auf. Dabei hat Aja mit Évi gerade die Frau als Mutter gehabt, die nicht nur an zwei zusätzlichen Kindern, sondern auch noch an zwei Erwachsenen Betreuungsaufgaben übernimmt. 

Die letzten 80 Seiten las ich nicht mehr mit Interesse für die Personen, sondern nur noch kursorisch unter der Fragestellung: Wie schließt die Autorin die zwei für die jüngere Generation ins Spiel gebrachten Probleme ab.

Leider fehlt eine Behandlung der Frage: Wie gehen Évi und ihre Bezugspersonen mit Évis Demenz um? - Dazu gibt es nur trockenen Bericht.

* Außer Aja empfindet sogar Libelle eine Leerstelle: "Libelle aber stieg aus ihrem Zirkuswagen, als sei auch ihr Leben um eine Lücke gebaut." (S.461)



Samstag, 10. August 2013

Festgehalten

Weggesperrt (2009) von Grit Poppe (Unterrichtsmaterial) spielt 1988/1989 in der damaligen DDR, Hauptperson eine in einen Jugendwerkhof wegegesperrte 14jährige, für die Rilkes "Panter" zum Schutz wird.

Whistleblower-Skandal 2003

Bei der Berliner Ärztin Jenny de la Torre bekommen Obdachlose nicht nur Pillen (Artikel in Publik-Forum)


Stefan Schulz:

Die Grenzenlosigkeit der Medien und die Grenzen des Journalismus

https://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2013/05/Mediengrenzen.pdf
„Wahrheit ist [dabei] das tragende Medium intersubjektiver Komplexitätsreduktion“, „Wahrheit
erleichtert die Verständigung und damit die Reduktion der Komplexität, durch die Unterstellung,
dass auch Dritte diese Auffassung für richtig halten würden.“ (Luhmann)
"Tageszeitungsleser wollen für jeden Tag einen Schmöker, der im Buchformat selten 200 Seiten unterschreitet und sie ständig überfordert."

Gerd Theißen: Psychologische Aspekte paulinischer Theologie, 2. Aufl. 1993 (Text bei Sribd.com)
(mehr dazu)

REICHHOLF, Josef: Stadtnatur.http://www.mainz-neustadt.de/lesetipps.pdf Eine neue Heimat für Tiere und Pflanzen, München 2007
Ortsgebundene Brüterkrähen; schweifende Nichtbrüter-Krähen, deshalb größere Gefahr für Kleinvögel.
Wenn man die "falsche" Krähensorte bekämpft, kann man das Gegenteil vom gewünschten Zweck erzielen.

Charlotte Riedel: Ausgetauscht; Rezension zusammen mit Russland Reisen im Norden
Interview; Googlesuche  zum Buch

Harsdörffer: Frauenzimmer Gesprächsspiele

Comburg

Friedlieb Ferdinand Runge (Chemiker)

Der Geschmack von Apfelkernen, Herzsprung

Waldnutzung:
Hutewald
Niederwald
Waldweide
Eichelmast


Folter in Belarus (2011)


 

Sonntag, 13. Januar 2013

Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern!

Das rät Jorgen Randers. Denn:
"Wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Einsamkeit der unberührten Wildnis zu lieben, so wird es etwas lieben das es immer seltener geben wird. Sie erhöhen da durch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird, weil es das, was es sich wünscht, nicht mehr finden wird in einer Welt mit acht Milliarden Einwohnern und einem im Vergleich zu heute doppelt so hohen Bruttoinlandsprodukt. Die neue Generation lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren." (Randers: 2052, S.383-84)
Jorgen Randers ist Norweger und wie viele seiner Landsleute Liebhaber unberührter Natur. Seinen Ratschlag gibt er wohlüberlegt. (mehr dazu)