Die Unterbringung in einer Wohngruppe sieht nicht vor, damit Geld zu machen, sondern dir zu helfen. Deshalb gibt es immer auch die rechtliche Möglichkeit, gegen eine Unterbringung, die man als schädlich ansiehst, zu protestieren.
Allerdings ist das nicht einfach: Günter Wallraff, der viele Missstände aufgedeckt hat, wollte das auch für eine psychiatrische Klinik und wies sich als angeblicher Alkoholiker selbst in eine ein (1969). Da hat er viel Interessantes erfahren. Aber als er dann aber berichtete, dass er gar nicht alkoholkrank sei, wollten die Ärzte es ihm nicht glauben. Deshalb musste seine Frau kommen und versichern, dass er kein Alkoholiker sei und dass sie keinerlei Angst davor habe, wenn er wieder nach Hause komme.
Eins ist also richtig: Es ist leichter in Verwahrung genommen zu werden, als wieder rauszukommen; denn - wie das Beispiel Wallraff zeigt - die Verantwortlichen wollen nicht nur dem Eingelieferten, sondern auch die Gesellschaft vor einem vermeintlich gefährlichen Menschen schützen.
Deshalb hat Wallraff 2019 ein Team von Leuten gebildet, die sich einweisen ließen (unter anderem auch in eine Einrichtung der Jugendhilfe) - er hatte seinerseits mit Einrichtungen Kontakt aufgenommen, die nachweisen konnten, dass die Eingewiesenen nicht wirklich hilfsbedürftig waren. www.bapk.de
Darüber wurde im Fernsehen berichtet , und es gab großes öffentliches Aufsehen, und die Missstände wurden breit diskutiert: plus.rtl.de angehoerige-frankfurt.org www.spiegel.de
Sicher ist es nötig, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, wenn Missstände bestehen. Aber - wie das Beispiel Wallraff zeigt: Besser ist es, wenn von Leuten darauf hingewiesen wird, die nicht in der Einrichtung sind, denn bei denen in der Einrichtung kann man ja glauben, sie müssten noch geschützt werden.
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