Samstag, 23. September 2017

Freiheit

Bei der Freiheit ist es umgekehrt wie in der Marktwirtschaft.
Wenn die Nachfrage nach Freiheit steigt, sinkt der Preis, den man dafür bezahlen muss.
(Wolf Biermann)


Zunächst stand der Satz hier unkommentiert. So hat er - was hier relativ selten vorkommt - einen Kommentar hervorgerufen. Das war gut.

Ich füge zu meinem Kommentar unten hier noch zwei Gedanken hinzu:
Biermann formulierte den Gedanken im Blick auf die gewaltlose Umwälzung in der DDR.
Solange die Mahner für die Freiheit wenige waren, wurden sie unterdrückt. Mit der Ausbürgerung Biermanns änderte sich schon etwas. Wichtige Intellektuelle protestierten dagegen und nicht nur die.

Gorbatschows Glasnost ermöglichte mehr. Die Leipziger Montagsdemonstrationen erreichten dann -aufgrund der fehlenden Unterstützung des alten Regimes durch Gorbatschow - die kritische Größe, wo das Politbüro keinen militärischen Einsatz mehr wagte. Die Freiheit war billiger als unter Lebensgefahr zu bekommen.

Ich habe für die Bundesrepublik zu ergänzen: 1967/68 führte die politische Erstarrung in der großen Koalition (neben vielen anderen Faktoren) zur Studentenbewegung. Es entstand keine Revolution, aber doch im Verein mit dem "mehr Demokratie wagen" zu vielerlei Veränderungen.

Die zwei großen Koalitionen unter Merkel und die schwarzgelbe Gurkentruppe mit dem Reformstau haben zwar mancherlei Kritik hervorgerufen. Zu einer politischen Wende (rotrotgrün) kam es aber nicht. Es fehlte die genügende Nachfrage nach Freiheit.

Nach dem Rechtsruck der Wahl vom 24.9.17 sollten mehr zur Besinnung kommen, was auf dem Spiel steht. Ob es passiert?

Immerhin kann die SPD heute davon berichten,  dass seit dem Wahlabend über 1 500 neue Mitglieder eingetreten seien. Offenbar gibt es eine ganze Anzahl von SPD-Anhängern, die darauf gewartet haben, dass die SPD endlich die große Koalition verlässt, so dass sie glaubhaft für soziale Gerechtigkeit (mehr dazu), Umweltschutz (mehr dazu) und eine ausgewogene Rentenreform eintreten kann. 

Kommentare:

  1. Dem stimmt Hauptschulblues nicht zu.
    Diejenigen, die für Freiheit kämpfen, bluten um so mehr. Siehe z. B. Türkei.

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    1. Da kann ich dir durchaus zustimmen.
      Es kommt freilich nicht nur darauf an, wie intensiv nach Freiheit gefragt wird, sondern auch darauf, wie viele (!) nach Freiheit fragen. Wenn es 99% sind hält der Terror nicht lange durch. Sind es 99,99% noch weniger.

      Freilich, wenn sich alle frei fühlen, fragt kaum einer mehr nach, und dann kann die Freiheit unmerklich verloren gehen.

      Bei solch kurzen Sätzen kommt es immer auf die Interpretation an und die Situation, auf die man sie bezieht.
      Nicht ohne Grund heißt es: Von jeder tiefen Wahrheit stimmt auch das Gegenteil.

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