Ja natürlich.
Fragt man einen Westdeutschen, was sich 1989/90 für ihn geändert hat, sagt er "nichts", fragt man einen Ostdeutsche das Selbe, sagt er "Alles!"
Das verstehen die Westdeutschen bis heute nicht.
Insbesondere die weitestgehende Deindustrialisierung durch die Treuhand hat tiefe Narben hinterlassen.
Viele Betriebe wurden an die Westdeutsche Konkurrenz verhökert, die dann einfach die Patente rausgenommen, die Maschine in die dritte Welt verkauft und die Leute entlassen haben. Nur um nicht mit dem Produkten konkurrieren zu müssen
Für die Belegschaft war das ein Schlag ins Gesicht. Zumal es für die ostdeutsche Belegschaft in der Regel unmöglich war, die vormals volkseigenen Betriebe, die sie ein Leben lang aufgebaut hatten, in Eigenregie zu übernehmen.
Die DDR Bürger wurden im 20. Jahrhundert zweimal enteignet. Erst nach dem zweiten Weltkrieg von den Kommunisten und dann nach der Wiedervereinigung von der Treuhand.
Auch ein Grund warum es im Osten bis heute kaum Vermögen gibt.
Man hat halt ohne Vorbereitung den Kapitalismus auf die Ostdeutschen los gelassen und eh die verstanden haben was da passiert, war das Kind auch schon in den Brunnen gefallen.
In anderen Ostblock-Ländern haben zumindest die einheimischen Eliten die Gunst der Stunde genutzt und sind durch die Wendewirren zu Oligarchen aufgestiegen. Im Ostdeutschland hat das das Geld der westdeutschen Eliten verhindert, die sich alles von Wert geschnappt haben eh die ostdeutschen auch nur begreifen konnten was da gerade passiert.
Als es die berühmten "Schlösser für eine Mark" gab, hatten die ostdeutschen auch keine Chance da ein Schloss zu bekommen. Sie konnten ja kein Kapital nachweisen um die Schlösser zu renovieren oder zu unterhalten.
Die Ostdeutschen wollen zu Beginn einfach nur Reformen. Dass dann von einem Tag auf den anderen der Kapitalismus eingeführt wurde, muss man eher als Unfall der Geschichte betrachten. Weil Kohl seine Chance für die Geschichtsbücher gesehen hat
Es hätte nicht so laufen müssen, dass dann bis heute 90% der Produktionsmittel in Ostdeutschland Westdeutschen gehören.
Meine Großeltern haben 10 Jahre in Angst gelebt, dass doch noch ein Alteigentürmer aus dem Westen auftaucht und ihnen das Häuschen weg nimmt, dass sie 10 Jahre nach dem Krieg als verlasse Ruine übernommen und wieder aufgebaut haben.
Meine anderen Großeltern mussten aus der Wohnung raus wo sie ihre Kinder großgezogen haben, weil der Alteigentümer eine Luxussanierung durchführen wollte. Und das sind keine Einzelschicksale, sowas kennt jeder im Osten.
Ja, es wurde nicht daran gedacht, das nach der Umstellung von Volkseigen auf Privatwirtschaft, es nicht ausreicht diese unrentablen VEB betriebe durch die Treuhand abzuwickeln, aber es dann den Zufall überlassen, das eventuell neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 30 % der Bürger und dazu überwiegend jungen Leute zogen der Arbeit nach, der Rest vergreiste mit der Zeit und die Stimmung drehte sich dadurch, die Wahlergebnisse sind der Beweis dafür.
Klar, die Fehler von damals führten zu einer Dynamik, die bis heute nachwirkt.
Den Menschen im Osten kann man nur eines vorwerfen: bodenlose Naivität in ihrer Hurra-Euphorie.
Im Westen standen schon die kapitalistischen Haie in den Startlöchern, bereit für die Immobilien-Schnäppchen Jagd.
Selbst der heutige Seniorchef meiner eher mittelständischen privaten sozialen Einrichtung kaufte sich damals ein rundes Dutzend Villen/Häuser auf dem Land oder in mittelgroßen Städten.
Betriebe wurden im großen Stil geschlossen. Selbst produktive Wirtschaftsteile wie z.B. die Werftindustrie, die keinen schlechten Ruf hatte, wurden ganz bewusst gegen die Wand gefahren.
Die Menschen hatten zwar zunächst ein paar DM in der Tasche aber oft keine Arbeit mehr, waren ausgesourced, abgemeldet. Ministerpräsidenten waren fast ausnahmslos zunächst Westimporte. DDR-Bürger hatten in der Politik zunächst kaum eine Stimme.
Man hat die Auswirkungen dieser defacto "feindlichen" Übernahme lange unterschätzt obwohl die Wut von damals schon in Rostock-Lichtenhagen spürbar war und die gleiche Wut heute die AFD-Erfolge befeuert. existieren alle miteinander in einer höchst globalisierten Welt. Wenn sich ringsum die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern, betrifft uns das auch hier. Egal ob Ost oder West, aber in strukturschwächeren Gegenden bekanntlich immer zeitiger, als in den etablierten.
Was den "Osten" womöglich vom "Westen" (noch immer) unterscheidet, ist die Interpretation der Lage, und die vermuteten Ursache
Die Ossis wurden durch Treuehändler beraubt. Wir Wessis zahlen immer noch.
Also alle beraubt und geschädigt.
Nicht alle: Vielmehr Absatzmarkt für westdeutsche Betriebe, billige Immobilien Karrieremöglichkeiten für Beamte ...
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