Ein attisches Trinklied:
Für den Menschen ist die Gesundheit der beste Besitz,
Am zweitbesten ist es, schön und wohlgestalt geboren zu sein,
Und das dritte ist ehrlich erworbener Reichtum,
Das vierte aber sind die Tage der Jugend im frohen Freundeskreis.
Kindler Kulturgeschichte, Bd. 2:
C. M. Bowra: Griechenland. Von Homer bis zum Fall Athens (S.172).
Zu den mythologischen Gottesvorstellungen der Griechen
"Xenophanes legte den Finger auf den wunden Punkt. 'Ja, wenn die Ochsen und die Pferde und die Löwen Hände hätten und genauso wie die Menschen Kunstwerke herstellten, würden die Pferde die Götter in Pferdegestalt malen, die Ochsen ihnen Ochsengestalt verleihen und alle die verschiedene Tiergattungen die Götterbilder nach ihrem Ebenbild formen.' Anstelle der üblichen Gottheiten schlug er vor: 'Einen Gott, den größten unter Göttern und Menschen, der weder an Gestalt noch am Denken den Sterblichen gleicht.' Ein so umfassender Vorschlag dürfte wohl für die meisten Menschen untragbar gewesen sein, weil er die gesamte religiöse Konzeption dem menschlichen Verständnis entzog und sie damit hinfällig machte. Wenn ein Gott nicht einmal in seiner Denkweise den Sterblichen gleicht, können diese kaum in Beziehung zu ihm treten und der religiöse Instinkt verkümmert, weil ihm der Umgang mit dem Göttlichen fehlt.
Nur einige wenige kühne Denker begriffen diese Kritik und die wirklichen Schwierigkeiten, die mit ihr verknüpft waren. Heraklit lehnte zwar den anthropomorphen Gottesbegriff ab, behauptete jedoch, dass die Gottheit auf eine überlegene Art, dennoch den Menschen ähnlich sei: / 'Der weisete Mann, ist im Vergleich zu Gott, ein Affe, so wie der schönste Affe im Vergleich zum Menschen hässlich ist.' Im vierten Jahrhundert wurde dieser Gedankengang von Platon und Aristoteles mit aller Kraft wieder aufgenommen. Beide waren der Meinung, Gott sei nicht wie der Mensch beschaffen, habe jedoch eine gewisse Verwandtschaft mit ihm, entweder, wie bei Platon, durch seine tiefe Anteilnahme an der Frage nach Recht und Unrecht oder, wie bei Aristoteles, als reiner Geist und Hauptursache alles Seins. Solche Gedanken können bei den Durchschnittsmenschen keinen großen Widerhall gefunden haben, aber sie bildeten die endgültige Kritik an gewissen Ungereimtheiten der traditionellen Theologie.
Während man sich von der Auffassung entfernte, die Götter glichen den Menschen, suchte man gleichzeitig nach einem einzelnen Prinzip hinter der Vielfalt der Götter und bemühte sich, sogar, um eine Definition des spezifisch Göttlichen. So wie die Griechen oft von Gott sprechen, ohne näher zu erläutern, welchen besonderen Gott sie meinten, und damit zu verstehen geben, dass sämtliche Götter etwas miteinander gemein hätten, so tasteten sie sich Schritt für Schritt an den Begriff einer unteilbaren Gottesmacht heran, die sich freilich in verschiedenen Einzelgöttern offenbaren kann, aber trotzdem real ist und im Mittelpunkt der Weltordnung steht. So scheint auch Pindar, der mit den unterschiedlichen Charakteren und Obliegenheiten der Olympier wohl vertraut war, hinter ihrer Fassade etwas zu suchen, das über sie hinausgeht.
Schnell wieder Gedanke erreicht Gott sein Ziel:
Gott, der den beschwingten Adler fängt.
Und den Delfin im Meer einholt. /
Sowie dieser allgemeine Gottheitsbegriff erst einmal zur Sprache gebracht worden war, führte er zu gewissen Spekulationen, die an sich noch nicht gotteslästerlich waren, aber einen leichte gnostischen Anstrich hatten. Als Simonides von Hieron nach dem Wesen und den Attributen der Götter befragt wurde, schob er die Antworten immer wieder hinaus, bis er schließlich, in die Enge getrieben, erklärte: Je länger eher über die Frage nachdenke, desto dunkler erscheine sie ihm. (S. 115-117).
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