Sonntag, 19. April 2026

Verbilligung der Satellitenstarts und Zunahme des Weltraumschrotts

Verbilligung der Satellitenstarts und Zunahme des Weltraumschrotts 

 ZEIT 15.4.2026

"[...] Transportpreise ins All sind im freien Fall. Ein Kilogramm Nutzlast in eine niedrige Umlaufbahn zu schießen, kostete während der Space-Shuttle-Ära von 1981 bis 2011 im Schnitt noch 54.500 Dollar. Heute verlangt SpaceX weniger als 3.000 Dollar. Falls es Elon Musk demnächst gelingt, seine Starship-Rakete vollständig wiederzuverwerten, rechnet das Unternehmen mit weniger als 50 Dollar – ein Preissturz um den Faktor 1.000. Starship, die größte je gebaute Rakete, soll 150 Tonnen auf einmal in den Orbit heben, das Gewicht eines Blauwals. Sie soll landen und sofort wieder starten, wie ein Flugzeug, mehrmals am Tag. [...]

Auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar im schweizerischen Davos diskutierte ein Panel über »das nächste Rennen im All«, die Esa richtete dort ein eignes Side-Event aus – aber den lautesten Auftritt hatte Elon Musk. Er erklärte per Videoschalte: »Es liegt auf der Hand, solarbetriebene Datenzentren im Weltraum zu bauen.« Die Sache werde »in zwei, spätestens drei Jahren Wirklichkeit«. Seine Logik: Künstliche Intelligenz braucht große Mengen Strom und Kühlung. Beides löst das All. Sonne scheint dort oben ohne Unterbrechung. Überschüssige Wärme lässt sich ins Vakuum abstrahlen, ohne Kühlturm, ohne Wasser, ohne Verlust.

Musk befeuert solche Visionen sicher auch, um den Wert von SpaceX vor dem geplanten Börsengang in die Höhe zu treiben. Allein steht er mit seinem Urteil aber nicht. Das vom US-Chipkonzern Nvidia gestützte Unternehmen Starcloud trainierte 2025 erstmals ein KI-Modell auf einem Chip direkt im Orbit und hat die Genehmigung für 88.000 Satelliten beantragt. Noch gilt die Sache als zu teuer – aber mit jeder Kostensenkung, die Raketenfirmen wie Astra und SpaceX gelingt, werden aus heutiger Sicht völlig verrückte Ideen realistischer. Ob Orbithotels, gigantische Solarsegel zur Energiegewinnung oder der Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden – was gestern noch als »crazy« abgetan wurde, rechnet man heute in Businessplänen durch. [...]

Jedes Start-up, das im All produziert, erhöht die Nachfrage. Was wiederum die Serienproduktion von Raketen treibt und dadurch die Startkosten senkt. Bisher mag Musks SpaceX dominieren, doch Hubbard glaubt, dass das bloß der Anfang eines ungezügelten Marktes ist. »Im All gibt es noch keinen Kontrolleur, da geht alles«, sagt der Nasa-Veteran.

Genau das wird für die Weltraumbranche gerade zum Problem. Das All wird zu voll, niemand holt den Schrott ab. Aber selbst die Müllabfuhr will nun ein Unternehmer übernehmen. [...]

Schon heute gibt es dem US-Weltraumüberwachungsnetzwerk zufolge alle zwei Minuten eine Kollisionswarnung im All; jedes Ausweichmanöver verbrennt Treibstoff. Und tatsächlich verlangen die USA und Europa von ihren Unternehmen schon erste Zusagen zur Trümmerbeseitigung nach Missionsende.

Wird Okada, dessen Land der Welt mit Marie Kondo das Aufräumen beibrachte, der Welt eines Tages einen sauberen Orbit schenken? »Dass diese Technik funktioniert, ist bewiesen«, antwortet der. »Die Preise werden jetzt kalkulierbar.« (ZEIT 15.4.26)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen