Donnerstag, 7. November 2013

Fluchtwege, Asyl, Korrespondenz - Büchner, Snowden, Assange, Harrison und Manning

Büchner:
Ist der Weg in Hessen noch einigermaßen unproblematisch, weil notfalls als Ausflug zu tarnen, wird es schon im deutschen Ausland gefährlich. In der Regel scharf bewacht sind die Grenzen von Rheinhessen nach Rheinbayern einschließlich der Grenzbrücken. Auch die Bundesfestung Landau ist ein unsicheres Pflaster und wird deshalb wohl westlich umgangen. Der Wechsel nach Frankreich erfolgt vermutlich nachts und über die grüne Grenze.(Hauschild: Georg Büchner ..., S.141)
1835 bekommt Büchner im Oktober ein französisches Ausweispapier, "das ihn aller Schikanen gegen die Flüchtlinge enthebt, die infolge auswärtiger Intervention im Schwange sind". (Hausschild, S.211)
Zur Verschlüsselung ihrer Korrespondenz mit den Verhafteten benutzen die Verschwörer u.a. eine Strophe Theodor Körners:
Ahnungsgrauend, todesmutig
bricht der große Morgen an
und die Sonne, kalt und blutig
leuchtet unsrer blutgen Bahn
In der nächsten Stunden Schoße
liegt das Schicksal einer Welt
und es zittern schon die Lose
und der ehrne Würfel fällt
Zur Verschlüsselung dienen die römischen Zählung der Verse und die arabischen Nummerierung der Buchstaben; die sechs fehlenden Buchstaben werden uncodiert ergänzt. (Hausschild, S.103/04)

"Harrison hatte also schon Erfahrung mit überstürzten Fluchten, Verhandlungen über Asyl [...]" (Süddeutsche Zeitung: "Die Frau, die sich traut", 7.11.13, S.3)
Harrison hält die Verbindung zwischen zwei Männern, "die auf frappierend ähnliche Weise total festsitzen: Edward Snowden irgenwo in Russland, Julian Assange in seinem Zimmerchen in der ecuardorianischen Botschaft in London. In ihrer virtuellen Rebellen-WG (sie haben Kontakt über verschüsselte Internetchats) fehlt nur die Whistleblowerin Chelsea Manning [...] Manning ist so etwas wie ein lebendes Mahnmal [...] die permanente Erinnerung daran, wie ernst es den USA ist." (SZ: "Die Frau, die sich traut", 7.11.13, S.3)

Ich würde sagen, Manning ist eine Mahnung daran, dass die USA vor folterähnlichen Haftbedingungen für ihre Untersuchungsgefangenen nicht zurückschreckt, ähnlich, wie es Weidig ging, Büchners Mitverschwörer, mit dem Büchner sich bald  über die Strategie recht uneinig geworden war. Weidig wird mit einer Kette krumm geschlossen und muss tagelang eine schwere Eisenstange mit Handschellen tragen. (Hauschild, S.164)

Mancher wird sagen: Was regt man sich über die Verfolgung von Rechtsbrechern auf?
Gar, wenn es Staatsfeinde sind!

Seit 1968 steht im deutschen Strafgesetzbuch § 93: 

Tatsachen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder unter Geheimhaltung gegenüber den Vertragspartnern der Bundesrepublik Deutschland gegen zwischenstaatlich vereinbarte Rüstungsbeschränkungen verstoßen, sind keine Staatsgeheimnisse.

Das danken wir dem Whistleblower Werner Pätsch.

Büchner wurde zum Staatsfeinde, weil er geschrieben hatte:
[...] die Regierung sagt, das sei nötig die Ordnung im Staat zu erhalten. was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muß, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind Alle; die Ordner im Staat sind die Gesetze, durch welche das Wohl Aller gesichert wird, und die aus dem Wohl Aller hervor gehen sollen. [...]
und weil er seine Zweifel daran ausgedrückt hatte, dass mit den staatlichen Maßnahmen wirklich  "dem Wohl Aller" gedient werde. 
Snowden hat auch seine Zweifel gehabt, und neuerdings hat sie auch Angela Merkel. Aber...
Anhörung im britischen Unterhaus: Geheimdienst beschuldigt Snowden der Hilfe für al-Qaida, Spiegel online, 7.11.13

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