Montag, 27. Oktober 2025

Vor- und Nachteile einer KI - Was meinen Sie? - Antwort der KI

  Frage: "Die Arbeit mit KI kann uns mehr Freiräume bieten, das ist theoretisch möglich. Genauso, wie es theoretisch möglich war, dass die Einführung der E-Mail uns im Vergleich zum Fax oder dem Brief mehr Freiräume bietet. Wenn wir nur so wenig E-Mails schreiben würden, wie wir früher Briefe geschrieben hätten. Leider ist die Geschichte etwas anders ausgegangen. Jetzt mehren sich tatsächlich doch die Signale, dass KI weniger Freiräume für Reflektionen bietet. Wer mit Texten arbeitet, erlebt zum Beispiel, dass die Kollegen sehr unsaubere KI-Texte schicken. Diese Texte müssen dann mit viel Aufwand korrigiert werden. D.h.: der eine macht es sich leicht, der andere muss es ausbaden."

Was sagt eine KI dazu?

Antwort: Das ist eine sehr treffende Beobachtung und ein wichtiger Punkt, der oft in der Euphorie um neue Technologien übersehen wird. Ihre Analogie zur E-Mail ist ausgezeichnet.

Zusammenfassend: Das Paradox des "gewonnenen" Freiraums

  • Theoretisches Potenzial: KI könnte Routineaufgaben automatisieren und uns Zeit für komplexere, kreative, strategische oder reflektive Arbeit verschaffen.

  • Praktische Realität (das "E-Mail-Dilemma"):

    • Senkung der Einstiegshürde: Technologien, die die Produktion erleichtern (wie E-Mail oder generative KI), führen oft zu einer exponentiellen Steigerung der Gesamtmenge des Outputs (Informationsflut).

    • Verschiebung des Aufwands: Anstatt das Gesamtvolumen der Arbeit zu reduzieren, wird die Arbeit verschoben – von der Produktion auf die Kuration, Korrektur und Verifizierung.

    • Der "Badewannen-Effekt": Wie Sie richtig beschreiben, macht es sich der Sender leicht (schnell einen unsauberen KI-Text generieren), und der Empfänger hat den Mehraufwand (Validierung, Korrektur, Säuberung).

Warum KI Reflexion erschweren kann:

  1. Geringere Hemmschwelle: Wenn ein Text in Sekunden generiert werden kann, fehlt der nötige innere Stopp, um zu fragen: Ist das wirklich notwendig? Ist es die beste Formulierung? Habe ich alle Fakten geprüft? (Die Reflexion wird ausgelagert oder ganz übersprungen.)

  2. Die Illusion der Fertigstellung: Ein generierter Text sieht "fertig" aus und gibt das Gefühl, eine Aufgabe erledigt zu haben, auch wenn er qualitativ mangelhaft ist.

  3. Qualität der Reflexion: Gute Reflexion erfordert Ruhe und Fokus. Wenn der Arbeitstag gefüllt ist mit dem Korrigieren und Bereinigen von "Müll" (egal ob E-Mail-Müll oder KI-Text-Müll), fehlt genau dieser Raum für die eigene tiefe, ungestörte Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ihre Erfahrung zeigt: Technologie allein schafft keinen Freiraum; es ist der bewusste Umgang mit der Technologie, der Freiraum schafft. Organisationen und Teams müssen klare   Qualitätsstandards  und Nutzungsregeln für KI-generierte Inhalte definieren, um diesen negativen Effekt abzuwenden.

Fontanefan dazu: Ich habe den Text für meine Frage aus Zitaten aus dem folgenden Artikel zusammengestellt: "Im Arbeitsalltag sind oft Verdummungspraktiken am Werk", einem Interview von Steffen Hermann mit Hans Rusinek in der FR vom 27.10.25, Seite 2. Das kann ich nämlich bisher nicht verlinken.[Hier ein Artikel von Steffen Hermann zur KI, der sich schon verlinken lässt: Künstliche Intelligenz ist die Dampfmaschine für Büroarbeit, FR 28.8.25]

So versuche ich, die Gedanken von Rusinek etwas zu ergänzen und gleichzeitig vorzuführen, wie ich mir die Arbeit eigener Reflexion durch Abgabe an die KI erspart habe. Ich selbst kann Rusinek nämlich in diesem Punkt nur zustimmen. Die Arbeit, das auszuformulieren, habe ich der KI überlassen.

Andererseits kann KI auch kreative Arbeit anstoßen und erleichtern. Das zeigt Jean-Pol Martin gegenwärtig mit einer Reihe von Artikeln in seinem Blog auf.



Freitag, 24. Oktober 2025

Tilo Wesche: Die Rechte der Natur

. Tilo Wesche:  Die Rechte der Natur. Vom nachhaltigen Eigentum

Gegenwärtig  werden von verschiedenen Institutionen (Parlamenten, Regierungen und Gerichten) der Natur zunehmend eigene Rechte zugesprochen. Tilo Wesche geht der Frage nach, ob und wie sich solche Recht von Natur begründen lassen.  Dabei geht er von einem allgemeinen Eigentumsrecht aus und prüft, wie weit solche Rechte der Natur  reichen. Diesen Fragen geht  in seinem philosophischen Grundlagenwerk mit Blick auf das Eigentumsrecht nach. Beim Klima-, Arten- und Umweltschutz würden Eigentumsrechte häufig vernachlässigt, doch wohne ihnen selbst eine Vorstellung ökologischer Nachhaltigkeit inne, die zur Überwindung eines extraktiven Naturverhältnisses beitragen kann.

Kann diese Rechtspraxis zur Bewältigung des Klimawandels beitragen? 

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Warum warne ich nicht vor "Umvolkung"?

  Ich habe seit den 70er Jahren das Problem angesprochen, dass Flucht so erschwert wird, dass immer wieder Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa umkommen, und auch darüber gesprochen, dass die Hilfen zur Integration von Flüchtlingen unzureichend waren. Seit Ende der 80er Jahre war ich in der Arbeit für Asylbewerber engagiert. Im ersten Jahrzehnt meiner Arbeit in der Wikipedia habe ich dort auf das Problem der Abwehr von Flüchtlingen und darauf hingewiesen, dass im Atlantik und im Mittelmeer weit mehr Menschen umkommen sind, als es Mauertote gab. 

Eine umfassendere Seite über die verschiedensten Probleme im Zusammenhang mit Flüchtlingen entstand gegen 2009, etwa 2015/16 habe ich ihn dann in die Wikiversity gestellt, weil das Wiki, in der er stand, abgeschaltet wurde.

Während ich mich seit Jahrzehnten mit diesen Problemen befasse, denen schon Zehntausende zum Opfer gefallen sind, wollen AfD-Anhänger die Probleme nicht wahrhaben. Da hilft es auch nicht, wenn der Papst vor einer Globalisierung der Gleichgültigkeit warnt. Genaue Zahlen der Opfer kennt man ja nicht. Denn während viele der Ertrunkenen irgendwann an einer Küste angespült werden (manche trieben freilich schon vor Jahrzehnten im Atlantik fern von jeder Küste), die, die in der Wüste verdurstet sind, bleiben liegen, wo sie starben ("Niemand weiß, wie viele Menschen schon auf diese Weise umgekommen sind. Auf jede Leiche, die in der Sahara entdeckt wird - im Jahre 2015 wurden mindestens 40 gezählt -, kommen weitere fünf bis fünfzig, die nie gefunden werden." "(S.36))

Aber natürlich wird vor Umvolkung gewarnt, wenn trotz all der Todesopfer dennoch von den über 100 Millionen Flüchtlingen eine kleine Prozentzahl nach Europa kommt und nicht wenige davon nach Deutschland, obwohl es nicht ans Mittelmeer grenzt, wo die Staaten direkt mit den Flüchtlingen zu tun haben. "Umvolkung" nennen sie es, wenn man die Mittelmeeranrainerstaaten nicht mit dem Problem allein lässt, sondern einen Teil der Flüchtlinge ins Land lässt.

Es werden weiterhin Flüchtlinge in Deutschland Asyl finden, so wie während der Schreckensherrschaft Hitlers viele Deutsche - vor allem in Europa und Nordamerika - Aufnahme gefunden haben. Ich habe jahrelang mit Flüchtlingen aus Nazideutschland zusammengelebt und kenne deren Schicksale. Nun, wenn die AfD ihr Ziel erreicht, dann werden es weniger sein. "Ich hatte an der Grenze das Zyankali dabei, wenn ich nicht aufgenommen worden wäre", sagte mir eine Frau aus der Deutschen Gemeinde in Oxford, die in der Hitlerzeit nach England kam.

Zyankali gegen Umvolkung? Was denken sich AfD-Anhänger dabei?

Ein späterer Richter am Bundesverfassungsgericht (Er arbeitete dort von 1951-1971) überlebte die Nazizeit in Großbritannien. Was wäre gewesen, wenn die Briten zu große Angst vor Umvolkung gehabt und ihn nicht ins Land gelassen hätten?

Vor 45 Jahren geflohen, jetzt europäischer Marktführer

 Girmau Teclai war in Lebensgefahr, zwei seiner Studienfreunde waren ermordet worden. 

In seiner Heimat Eritrea tobte der Krieg. Er wurde um die Unabhängigkeit Eritreas von Äthiopien geführt. Weil sein Vater ein Geschäft hatte und mit Kleinbussen den Verkehr auf dem Lande ermöglichte, hatte er auch genügend Geld, um seinen Sohn 1980 für die lebensgefährliche Flucht auszustatten. (" 'Erpressung ist Teil unserer Kultur geworden' erzählt mir ein eritreischer Flüchtlingsaktivist. 'Wir wissen, wo wir gefoltert werden und was wir zahlen müssen. Wir sind darauf vorbereitet. Für uns ist das normal.' [...] Die Familie muss also für die Reise durch die Wüste nachträglich 1600 US-Dollar zahlen. Wenn die Familie dieses Geld nicht aufbringen kann, foltert der Schleuser den Migranten und lässt dessen Angehörige am Telefon mithören." (S.46)

In Deutschland arbeitete er in einer Edeka Filiale und gleichzeitig bei einem Bäcker. Sein Aufstieg begann mit Haarausfall.

https://www.fr.de/wirtschaft/gt-world-of-beauty-wird-europaeischer-marktfuehrer-fuer-afroprodukte-93998196.html FR22.10.25

Sonntag, 19. Oktober 2025

Was bedeutet Familie?

 "[...] Wir haben gelernt, dass wir mit Familie die Befriedigung zentraler menschlicher Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Bindung verbinden. Laut einer Langzeitstudie der Universität Harvard ist das Gefühl von Verbundenheit der wichtigste Faktor für ein glückliches Leben. Wer also keine eigene Familie gründet oder keine große Herkunftsfamilie hat, muss diese Bedürfnisse anders befriedigen. Keine Überraschung also, dass für mich – kinderlos, Einzelkind, Scheidungskind, Single, kleine Herkunftsfamilie – alternative Familienmodelle alles andere als trivial, sondern eher existenziell sind. Dass immer mehr Freunde und Freundinnen zu Eltern werden, die über die Kinder zudem Zugang zu einer riesigen Peer-Group aus Gleichgesinnten erhalten, fühlt sich für mich bedrohlich an. Werden dadurch unsere Freundschaften in den Hintergrund treten? Müssen wir aufpassen, muss ich aufpassen, dass wir uns nicht komplett verlieren? Diese Gedanken machen mich traurig und unsicher.

Und es sind nicht nur Gedanken. Freundschaften brauchen, wie alle Beziehungen, Arbeit und Pflege. Laut der Soziologin Sabine Diabaté ist "Beziehungsarbeit neben Kompatibilität, die in selbstgewählten Bindungen in der Regel gegeben ist, einer der wichtigsten Faktoren für stabile und tragfähige Bindungen". Seit viele meiner Freundinnen Mütter sind, bleibt diese Arbeit aber auf der Strecke: Wir telefonieren kaum noch. Gemeinsam verbrachte Wochenenden sind selten und zusammen in den Urlaub zu fahren, ist kaum mehr denkbar.  [...]

Gleichzeitig möchte ich mich auf keinen Fall in das Kleinfamilien-Idyll drängen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich in einer Art vorauseilendem Gehorsam weniger Sprachnachrichten schicke, anrufe oder kaum mehr nach gemeinsamer Zeit frage. Es ist ein stiller – und, bei näherem Hinsehen, für alle Seiten kontraproduktiver – Rückzug.

Ein wenig aufgeregt wage ich einen Vorstoß bei drei meiner engsten Freundinnen. Ich frage sie, ob sie es sich vorstellen könnten, gemeinsam mit ihren Familien und mir einen Kurzurlaub zu machen. Zu meiner Überraschung sagen alle sofort ja. Was mich ehrlich freut – und gleichzeitig denke ich: Das ist doch Win-Win-Win-Win für alle. Für meine Freundinnen und ihre Partner, weil eine weitere erwachsene Betreuungsperson dabei ist, die sich mit um die Kinder kümmert. Für die Kinder, weil da noch jemand ist, der Energie zum Spielen hat. Für uns als Freundinnen, weil wir gemeinsam Zeit verbringen können. Für mich, weil ich in der für mich perfekt dosierten Form Kinder-, Freundinnen- und Me-Time in meinem Leben habe und das Gefühl bekomme, am Leben meiner wichtigsten Menschen teilzuhaben. [...] 

Ich habe außerdem gelernt, dass eine Kleinfamilie keine Garantie für lebenslange Verbundenheit ist. Ja, im Idealfall bietet sie einen Ort der Geborgenheit. Das ist aber zum einen längst nicht überall der Fall. Kurt Tucholsky bringt es in dem Gedicht Danach auf den Punkt: "Es wird nach einem happy end, im Film jewöhnlich abjeblendt." Die Scheidungsquote lag 2023 bei 35,7 Prozent. Zum anderen gibt es in vielen Familien generationenübergreifende und partnerschaftliche Konflikte und vor allem für Frauen im Alltags-Hamsterrad oft zu wenig Raum. Das bietet gerade bei Müttern ein großes Potenzial für eine schrittweise Vereinsamung. "Auch in funktionierenden Familien braucht es mehr als den Kosmos der Kleinfamilie", sagt die Soziologin Sabine Diabaté. Gerade tiefe und lange Freundschaften, in denen man den Kern der anderen Person kennt, sind dabei essenziell." (Wer ist Familie, wenn ich keine Kinder bekomme? von , ZEIT 11. Oktober 2025)

Nicht ganz zufällig, dass das eine Frau schreibt; aber für Männer gilt Entsprechendes. Ganz problematisch ist es, wenn man über der Familie die Pflege von Freundschaften vernachlässigt. Nicht, dass man alle seine Internetfreundschaften und Bekanntschaften dauerhaft aufrechterhalten müsste. Aber da, wo man eine gute Beziehung spürt, sollte man in die Freundschaft investieren. Ganz gewiss gilt das beim Älterwerden. 

Nach dem jewöhnlich abjeblendt des Happy Ends folgt nämlich die lange Phase des Abnehmens von Freundschafts- und Familienbeziehungen, mal sind es Berufswechsel, mal Umzüge und dann immer häufiger Sterbefälle. 

Deswegen: Kluge Alleinstehende haben oft mehr "Familie" als Familienväter, die das Pflegen anderer Verbindungen vernachlässigen.

"Im Alter sind die Freunde selten. Die, die du hast, die lasse gelten. Recht kannst du immer noch behalten, doch nicht den Freund, den guten alten."

Das gilt seit dem Auseinandertriften der Gesellschaft seit Corona, dem Ukrainekrieg, dem Krieg im Gaza und nach der Enttäuschung über Parteien (die von ihren ursprünglichen Zielen inzwischen abweichen) noch deutlich mehr. 

Es ist aber falsch, Verbindungen wegen Meinungsverschiedenheiten abzubrechen. Man verliert dadurch nicht nur "Familienkreis", sondern auch an geistigem Horizont, geistiger Beweglichkeit. Was sind die Gründe, dass jemand anders denkt, den ich früher sehr geschätzt habe? Sind sie wirklich so grundlos, haltlos, ohne Sinn? Oder lerne ich mehr über andere und mich selbst, wenn ich sie nachzuvollziehen versuche. Mag sein, ich scheitere. Aber es könnte auch sein, ich lerne dazu, werde weniger rechthaberisch und verstehe besser, wie ich mich seit dem Kennenlernen mit dem Freund verändert habe. 


  


Mittwoch, 15. Oktober 2025

Bundesverdienstkreuz für die Wikipedianerin Alice Wiegand

 https://blog.wikimedia.de/2025/10/01/bundesverdienstkreuz-fur-wiegand-und-wikipedia/

Für die Wikipedia ist die Präsidentin der deutschen Wikimedia offenbar nicht relevant genug. Jedenfalls gibt es noch keinen Wikipediaartikel zu ihr. Vielleicht kenne ich aber auch nur nicht ihren Benutzernamen, so dass ich sie in ihrer Autoreneigenschaft nicht erkenne.