Freitag, 9. Januar 2026

Frankfurter Rundschau zur deutschen Klimabilanz 2025

 

Deutschlands Klimabilanz profitierte zuletzt von Sondereffekten: Pandemie, Energiepreiskrise, schwache Konjunktur und milde Winter drückten die Emissionen. 2025 fielen diese Hilfen weg. Zwar schwächelte die Industrie weiter, besonders in energieintensiven Bereichen, doch kälteres Wetter ließ den Einsatz fossiler Brennstoffe steigen. In der Folge nahmen die Emissionen im Gebäudesektor deutlich zu.
Erneuerbare stoßen an Grenzen
Auch die Erneuerbaren konnten 2025 weniger ausrichten. Es war das windärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, Wasserkraft litt unter Trockenheit. Die Fotovoltaik legte dank Sonnenschein und kräftigem Ausbau zu und konnte die Ausfälle gerade so kompensieren. Netzengpässe führten jedoch dazu, dass Ökostrom abgeregelt und fossile Kraftwerke hochgefahren wurden. All dies bedeutet, dass die Emissionen der Energiewirtschaft nahezu stagnierten.
Bescheidene Zahlen
Insgesamt sanken die deutschen Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,5 Prozent auf rund 640 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Hauptgrund für die Stagnation sind laut Agora Energiewende strukturelle Defizite in Verkehr und Gebäuden. Beide Sektoren überziehen ihre Klimavorgaben immer rasanter. Der Verkehr überschritt sein CO₂-Budget erneut deutlich, trotz wachsendem E-Auto-Anteil. Im Gebäudebestand kommen Wärmepumpen kaum voran.
Teure Zielverfehlungen
Die anhaltenden Überschreitungen könnten Deutschland teuer zu stehen kommen. Agora rechnet mit bis zu 34 Milliarden Euro für den Kauf von Emissionsrechten. Gleichzeitig wächst die politische Unsicherheit in Europa und es ist fraglich, ob die EU-Verordnung in der jetzigen Form Bestand haben wird. Um das Klimaziel 2030 zu erreichen, wären aber jährliche Emissionsminderungen nötig, die weit über dem bisherigen Tempo liegen.
Ziel für 2030 bisher noch erreichbar
Trotzdem hält der Thinktank das 2030-Ziel noch für erreichbar und setzt dabei weniger auf den politischen Ehrgeiz der schwarz-roten Regierung als auf die Kostenvorteile der Erneuerbaren. Deren Dynamik dürfe nicht abgewürgt werden, auch aus geopolitischen Gründen.
Lesen Sie den ausführlichen Artikel von Jörg Staude und einen Kommentar zum Thema von Joachim Wille.
 

Unsere Meinung!

Was sich seit Jahren abzeichnete, wird nun unübersehbar: Klimaschutz lässt sich nicht länger durch günstige Umstände kaschieren. Weder milde Winter noch Konjunkturflauten ersetzen politische Entscheidungen.


Die jüngste Klimabilanz zeigt, wie schnell die vermeintlichen Fortschritte verpuffen, sobald Wetter und Wirtschaft nicht mehr mitspielen. Emissionszahlen auf dem Papier können verschoben, schön gerechnet oder zeitweise gedrückt werden – der reale Umbau von Verkehr, Gebäuden und Industrie jedoch nicht. Klimapolitik darf eben nicht bloß in Zahlen gedacht werden, sondern braucht pragmatische Visionen. Genau dort liegen die unbequemen Aufgaben, denen die Politik immer wieder ausweicht.


Effektiver Klimaschutz ist mehr, als Zielverfehlungen zu verwalten. Er bedeutet einen grünen Umbau, der Energie sicherer, Mobilität sauberer und das Land insgesamt lebenswerter macht. Wer diesen Wandel weiter vertagt, zahlt am Ende doppelt: ökologisch und ökonomisch.

 klima@mailing.fr.de 

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