Wo ist das Problem?
Es gibt mehr als ein Problem. Ich sehe vor allem vier:
Die Ziele des Unternehmens sind geradezu fantastisch.
Die Ballung von Macht und Vermögen in den Händen von Elon Musk ist für eine freiheitliche Gesellschaft schwer erträglich.
Sinnvolle Finanzmarktregeln wurden für den Börsengang aufgeweicht.
Die Risiken für die Finanzstabilität sind nicht zu unterschätzen.
Der Börsenprospekt von SpaceX liest sich in Teilen wie Science Fiction. Als Firmensitz wird angegeben: I Rocket Road, Starbase, Texas. Den Ort an der Golfküste hat Musk für sein Raketenprogramm geschaffen. Neben vielen farbigen Bildern von Raketenstarts und Weltraumpanoramen heißt es zum Geschäftszweck: „Unsere Mission ist es, Systeme und Technologien zu bauen, die nötig sind, um das Leben multiplanetar zu machen, um die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu tragen.“ So fängt der Text des mehr als 250-seitigen Dokuments an. Dann folgt eine kurze Erklärung dazu, wie das geschehen soll: „Um das zu erreichen, haben wir die ambitionierteste, vertikal integrierte Innovationsmaschine auf (und außerhalb) der Erde geschaffen mit unvergleichlichen Fähigkeiten…“ Und so weiter. Letztlich wolle man eine „Basis auf dem Mond und Städte auf anderen Planeten bauen“.
Der US-Version des Börsenprospekts ist ein Zitat von Elon Musk vorangestellt:
„Man will morgens aufwachen und denken, dass die Zukunft großartig sein wird – und darum geht es bei einer raumfahrenden Zivilisation. Es geht darum, daran zu glauben, dass die Zukunft besser sein wird als die Vergangenheit. Ich kann mir nichts Aufregenderes vorstellen, als nach da draußen vorzudringen und zwischen den Sternen zu sein.“
Damit ist der Ton gesetzt. Mit der vorsichtig abwägenden Sprache, die solche Dokumente üblicherweise auszeichnet, hat das wenig zu tun. Es geht um den Verkauf von Visionen und Träumen. (Die EU-Version des Börsenprospekts beginnt immerhin mit auf einem Dutzend Seiten, auf denen die größten Risiken für das Firmengeschäft ausbuchstabiert sind.) Selbst bei Veranstaltungen mit Top-Investoren unmittelbar vor dem Börsengang („Roadshow“) sei es um Fragen der Mars-Kolonisation und ähnlichem gegangen, berichteten Finanzmedien.
2002 hat Musk SpaceX als Raketenbaufirma gegründet. Das Ziel, den Mars zu besiedeln, verfolgt er dabei schon lange – die erste bemannte Mars-Mission hatte eigentlich schon 2024 starten sollen. Inzwischen hat Musk das Unternehmen zu einem weit verzweigten Tech-Konglomerat ausgebaut, zum dem auch die KI-Firma xAI und das Soziale Netzwerk x.com (früher Twitter) sowie die Immobilientochter CTC gehören (Abbildung 3 gibt einen vereinfachten Überblick).
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