Montag, 16. Februar 2026

Märchenschlüsse

 Die Phrase „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ stammt nicht von den Brüdern Grimm, sondern ist eine typische Märchenschlussformel in Süddeutschland, Österreich, Luxemburg, Ungarn und Tschechien.

Sie ist also vor allem in Ost- und Mitteleuropa verbreitet. In österreichischen Märchenbüchern des 19. Jh. taucht sie schon regelmäßig auf, später auch in tschechischen Kinderbüchern und Märchenfilmen.
Nach dem 2. Weltkrieg verbreitete sich die Phrase durch Märchenerzählungen im Rundfunk, in Schullesebüchern oder durch die DEFA-Märchenfilme im gesamten deutschen Sprachraum.

Richtig populär wurde sie dann durch die TV-Serie „SimsalaGrimm“ von 1999/2000. Dort endete jede Folge, die ein Märchen der Brüder Grimm erzählte, mit dieser Phrase. Daher nahmen viele Menschen sie als "die typische Märchen-Schlussformel" wahr – und schrieben sie fälschlicherweise den Grimms zu.

Lennis130 auf gutefrage.net

"und lebten vergnügt bis an ihr Ende" (Grimm: Sechse kommen durch die ganze Welt)

"Mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große Pelzkappe daraus machen." (Grimm: Hänsel und Gretel)

"Daus, daus - die Geschichte ist aus." (Enno Littmann: Arabische Märchen - regelmäßig, aber öfter auch ausführlicher gestaltet; z.B. mit dem Vorsatz "Gott gebe allen Zuhörern ein schöne Zeit.")

Die Formel „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ wird gern verwendet, um auszudrücken, das das, was der andere gesagt hat, nur erfunden sei.

Freitag, 13. Februar 2026

Die Welt

 "Die Welt, mit der wir zu tun haben, ist, wie auch immer, die Summe all dessen, was sich ereignet hat, obgleich wir häufig nicht wissen, was das ist, oder sich herausstellt, daß etwas, von dem wir glaubten, es habe sich so und so abgespielt, sich in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat" (Cees Nooteboom)

Mittwoch, 11. Februar 2026

Informationen, die wir bei der Informationsflut meist übergehen

 Z.B. dies zur Ukraine 

https://finanzmarktwelt.de/ukraine-drohender-staatsbankrott-241019/

https://www.dw.com/de/ukraine-vor-dem-staatsbankrott/a-17450801

https://www.stern.de/politik/ausland/ukrainekrieg--was-der-eu-kompromiss-zum-russischen-vermoegen-vorsieht-36977100.html


(angeboten von Gentleman711 auf gutefrage.net)

Bekanntlich können Menschen auch ihr eigenes Lebenswerk nicht übersehen. Und die KI kann uns nur das liefern, wonach wir fragen. Verstehen kann sie ohnehin nicht.

Das sind natürlich Binsenwahrheiten. Aber einem ganzen Leben in einer Autobiographie Sinn zu geben, erfordert Arbeit, die nicht unbedingt nötig ist, sofern man im Alltag genügend anderes Sinnvolle tun kann.

Zugegeben: Auch Goethe hat (z.B.) mit Dichtung und Wahrheit seinem Leben einen Sinn gegeben, aber er hat auch Faust II geschrieben und so vielen Interpreten und Biographen Stoff geliefert getreu dem Satz "Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu tun.“ aus den Xenien. Schiller hatte keinen Eckermann und weniger Kärrner-Interpreten.

Das heißt nicht, dass ich für deine Verstehenshilfen nicht dankbar wäre. Ich behaupte nur, dass die KI das nicht besser kann als wir.

Da die KI nicht selber sehen kann, arbeiten im Globalen Süden viele (mag sein, dass eine KI das beziffern kann) in Akkordarbeit, die mit Cent-Bruchteilen entlohnt wird, daran, Gegenstände und Vorgänge in Videos zu benennen. Das ermöglicht, dass sie so programmiert werden kann, dass sie in Alltagssituationen sinnvoll reagieren kann. Auch das ist inzwischen eine Binsenwahrheit, die aber Schüler auch erst einmal aufnehmen müssen, um die menschliche Arbeit, die hinter KI-Leistungen steht, würdigen zu können. 

(angeboten von apanat in einem Kommentar zu jeanpol)

Dazu die KI gemini:

Damit eine KI – etwa in einem autonomen Auto oder einem Roboter – Videobilder zur Selbststeuerung nutzen kann, muss sie den zweidimensionalen Pixelstrom in ein dreidimensionales Verständnis der Welt übersetzen. Dieser Prozess wird oft als Computer Vision bezeichnet.

Hier sind die entscheidenden Schritte, wie aus bunten Punkten auf einem Sensor eine Handlungsanweisung wird:

1. Objekterkennung und Klassifizierung

Zuerst muss die KI wissen, was sie sieht. Ein neuronales Netz analysiert jedes Einzelbild (Frame) des Videos.

  • Bounding Boxes: Die KI zieht Rahmen um erkannte Objekte (z. B. „Fußgänger“, „Stoppschild“, „Baustelle“).

  • Semantische Segmentierung: Hier geht die KI tiefer und ordnet jedem einzelnen Pixel eine Kategorie zu. So weiß sie genau, wo der „Asphalt“ aufhört und der „Bürgersteig“ beginnt.


2. Tiefenschätzung und 3D-Rekonstruktion

Ein Videobild ist flach, aber Steuerung findet im Raum statt. Die KI muss Distanzen berechnen:

  • Stereo-Vision: Wenn zwei Kameras vorhanden sind, nutzt die KI die Disparität (den leichten Versatz), ähnlich wie das menschliche Auge.

  • Structure from Motion (SfM): Bei nur einer Kamera nutzt die KI die Eigenbewegung. Da sich nähere Objekte im Video schneller bewegen als ferne, kann sie eine Tiefenkarte berechnen.

  • Monokulare Tiefenschätzung: Moderne KIs „raten“ die Tiefe basierend auf Erfahrungswerten (z. B. „Ein Auto dieser Größe muss etwa 20 Meter weit weg sein“).


3. Optischer Fluss (Bewegungsanalyse)

Für die Selbststeuerung ist nicht nur wichtig, wo etwas ist, sondern wohin es sich bewegt. Die KI vergleicht aufeinanderfolgende Bilder, um den optischen Fluss zu berechnen. Dadurch erkennt sie:

  • Vektoren: In welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit bewegen sich andere Verkehrsteilnehmer?

  • Time-to-Collision: Wie lange dauert es bei aktueller Geschwindigkeit, bis ein Objekt berührt wird?


4. Sensor-Fusion und Lokalisierung (SLAM)

Das Videobild allein reicht oft nicht aus. Die KI kombiniert die visuellen Daten mit anderen Quellen:

  • SLAM (Simultaneous Localization and Mapping): Die KI erstellt gleichzeitig eine Karte der Umgebung und verortet sich selbst darin.

  • Abgleich mit Sensoren: Die visuellen Daten werden mit Radar- oder LiDAR-Daten (Lichtimpulsen) abgeglichen, um Fehler der Kamera (z. B. Blendung durch Sonne) auszugleichen.

5. Die Logikschicht (Pfadplanung)

Am Ende steht die Entscheidung. Die interpretierten Daten fließen in ein Modell, das Wahrscheinlichkeiten berechnet:

„Das Objekt ist ein Kind am Straßenrand. Die Bewegungsvektoren zeigen Richtung Fahrbahn. Wahrscheinlichkeit für Betreten der Fahrbahn: 40 %. Aktion: Geschwindigkeit reduzieren.

Dienstag, 10. Februar 2026

20 Jahre Freiheitsstrafe für 78-Jährigen Jimmy Lai wegen Meinungsäußerungen

Mit aller Härte geht Peking gegen Kritiker aus Hongkong vor Jimmy Lai wurde am 9. 2.2026 zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zumindest politisch gleicht das einem Todesurteil. (FR 10.2.2026)

Der jetzt 36-jährige Andy Li, führend bei den Demonstrationen in Hongkong für die Freiheitsrechte der Bürger 2019 wurde wie Jimmy Lai am Jahrestag der ersten großen Demonstration zu über 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er war - vermutlich nach Folter - geständig und Hauptbelastungszeuge gegen Jimmy Lai, was ihm strafmildernd gewertet wurde. 

Montag, 9. Februar 2026

Welche Meinung gilt?

     1) siceripos (Beitrag bei gutefrage.net)   "Beliebte Märchengeschichte in der linksgrünen Blase....

An allem Elend in der dritten Welt ist grundsätzlich  der Westen " irgendwie schuld, niemals aber die Menschen in der Region.

Sprich....: wenn man massenweise Kinder in die Welt setzt obwohl man sie nicht ernähren kann ist der Westen schuld....

Wenn man sich gegenseitig abschlachtet weil man zu unterschiedlichen " Stämmen " gehört ist auch der Westen schuld.

Wenn man immer und immer wieder Mitglieder korrupter Clans in politische Führungspositionen wählt, wo sie sich die Taschen vollstopfen und ihr Volk hungern lassen ist ebenfalls der Westen schuld.

Und angeblich wesentlicher Grund für das Elend ist natürlich der Kolonialismus, der schon vor Jahrzehnten beendet wurde. Dass die meisten der Länder die heute in Elend leben zu ihren Zeiten als Kolonie ein besseres Bildungssystem hatten, eine besser funktionierende Infrastruktur und oft auch deutlich friedlichere und rechtsstaatliche Verhältnisse wird völlig ausgeblendet, genauso wie die Tatsache, dass die Kolonien in Asien nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit es meist in wenigen Jahrzehnten geschafft haben, zum Teil wirtschaftlich und gesellschaftlich zu westlichen Staaten aufzuschließen."

2) Nein, es ist kein Märchen: Die Hauptschuld liegt tatsächlich bei der misslungenen Transformation der vorkolonialen Gesellschaft in eine an die globalisierte Gesellschaft angepasste.

3) Die differenzierte Darstellung von Achebe stimmt: Von beiden Seiten wurden große Fehler gemacht. Und die Schuld liegt nicht allein an den Kolonialmächten.

Freitag, 6. Februar 2026

Naomi Klein

Naomi Klein

Des dizaines d’artistes et célébrités Juifs comme #JoaquinPhœnix et #NaomiKlein, ainsi que 300 rabbins, ont publié une page dans le New York Times pour dire NON AU NETTOYAGE ETHNIQUE proposé par Trump à #Gaza. Jews say NO to ethnic cleansing! We’re proud to see so many members of the JVP Rabbinical Council represented among the 350 rabbis who took out this full-page ad in the New York Times today, using their voices in this moment to oppose Trump’s plans for the ethnic cleansing of Palestinians in Gaza.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Was bedeutet sinophone Diaspora und seit wann gibt es sie in Deutschland?

 https://www.bpb.de/themen/asien/china/574511/die-sinophone-diaspora-in-deutschland/

    "[...] Der deutsche Sammelbegriff der sinophonen Diaspora

Zur Auflösung der Fußnote[1] bezeichnet eine heterogene Gruppe von Auswanderern/-innen, die vor allem aus der VR China, Hongkong, Macao und Taiwan aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland gekommen sind, sowie deren Nachkommen. „Sinophon“ wird hier als zugehörig zu sinitischen Sprach- und Kulturgemeinschaften verstanden.Zur Auflösung der Fußnote[2] In Deutschland gehören dazu auch Personen mit familiären Bezügen zu ethnisch-chinesischen Gemeinschaften etwa in Chile, Malaysia, Indonesien, Singapur,Zur Auflösung der Fußnote[3] Vietnam, auf den Philippinen, in den USA, Australien oder Kanada. [...]"

Montag, 2. Februar 2026

Regine Hildebrandt und ihre Arbeit für Familien in Not

Regine Hildebrandt im Interview mit Günter Gaus

 Es gibt mehrere Institutionen und Preise, die das Erbe und die Ziele von Regine Hildebrandt – insbesondere ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit, die Belange Ostdeutschlands und die Unterstützung Bedürftiger – am Leben erhalten.

Hier sind die wichtigsten Organisationen und Initiativen:

1. Stiftung „Hilfe für Familien in Not – Stiftung des Landes Brandenburg“

Diese Stiftung hat eine besonders enge Verbindung zu Regine Hildebrandt, da sie 1992 von ihr selbst (damals als Sozialministerin von Brandenburg) gegründet wurde.

  • Ziel: Die Stiftung leistet "Hilfe zur Selbsthilfe" für Familien, die unverschuldet in Not geraten sind.

  • Aktueller Bezug: Die Stiftungsarbeit wird explizit als Fortführung ihres Vermächtnisses verstanden.

2. Der Regine-Hildebrandt-Preis (SPD)

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) verleiht jährlich am 26. November (ihrem Todestag) den Regine-Hildebrandt-Preis.

  • Fokus: Ausgezeichnet werden Personen oder Projekte, die sich für die soziale Einheit Deutschlands, gegen Rechtsextremismus und für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

  • Preisträger: Zuletzt wurden unter anderem Projekte wie die „Omas gegen Rechts“ oder der VfL Eintracht Hannover für ihr Engagement für Vielfalt und Integration geehrt.

3. Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut (Bielefeld)

Diese Stiftung vergibt ebenfalls einen Preis, der ihren Namen trägt (oft auch als „Stern der Solidarität“ bezeichnet).

  • Zweck: Würdigung von Engagement gegen Arbeitslosigkeit und Armut.

  • Besonderheit: Regine Hildebrandt war selbst die erste Preisträgerin dieser Auszeichnung (1997). Heute wird der Preis an Personen wie Hubertus Heil oder Organisationen wie den Caritasverband verliehen.

4. Weitere Institutionen mit ihrem Namen

Ihr Name wird zudem von verschiedenen sozialen Einrichtungen genutzt, um eine Programmatik der Menschlichkeit und Fürsorge auszudrücken:

  • Regine-Hildebrandt-Programm: Ein Förderprogramm der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem zur Unterstützung promovierter Wissenschaftlerinnen.

  • Seniorenzentren und Hospize: In Städten wie Bernau gibt es das „Seniorenzentrum Regine Hildebrandt“, und in verschiedenen Regionen tragen Hospize oder Wohnhäuser (z.B. der AWO) ihren Namen, um ihren Einsatz für Würde in allen Lebensphasen zu ehren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vor allem die SPD und die von ihr gegründete Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ die zentralen Akteure sind, die ihre politischen und sozialen Ziele institutionell weiterverfolgen.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Notfallseinschätzung: Patientennavi Tel. 116117

 https://patientennavi.116117.de/askPlz.xhtml

Auf der Website des Patientenservices 116117 findet man nicht nur Unterstützung bei der Arztterminsuche, sondern auch ein Patienten-Navi, das am Ende eine passende Anlaufstelle im Gesundheitswesen empfiehlt. 

Wenn es dabei Schwierigkeiten gibt, direkt 116117 anrufen!

Montag, 26. Januar 2026

Darf Satire immer noch alles?

 Tucholsky hat es behauptet. Angesichts der Fake News und er KI, die sie mit als Trainingsmaterial verwendet, wird es problematisch:

Die Angst vor Satire ist gestiegen, seit KI alles registriert. Mittelfristig wird die Wikipedia gegen KI-Unsinn nicht ankommen.

Vorläufig scheint auch mir eine Löschung sinnwidrig. Aber wer weiß, wie es weitergeht. Schon jetzt dürften mehr Schülertexte von KIs stammen als von Menschen.

Wie man da Abhilfe schafft, "ist des Schweißes der Edlen wert". Ich bin nicht edel und überlasse diese Arbeit den Spezialisten.

Der Zürchersee


Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht

Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,

Das den großen Gedanken

Deiner Schöpfung noch einmal denkt.

 

Von des schimmernden Sees Traubengestaden her,

Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf,

Komm in rötendem Strahle

Auf dem Flügel der Abendluft,

 

Komm, und lehre mein Lied jugendlich heiter sein,

Süße Freude, wie du! gleich dem beseelteren

Schnellen Jauchzen des Jünglings,

Sanft, der fühlenden Fanny gleich.

 

Schon lag hinter uns weit Uto, an dessen Fuß

Zürch in ruhigem Tal freie Bewohner nährt;

Schon war manches Gebirge

Voll von Reben vorbeigeflohn.

 

Jetzt entwölkte sich fern silberner Alpen Höh,

Und der Jünglinge Herz schlug schon empfindender,

Schon verriet es beredter

Sich der schönen Begleiterin.

 

"Hallers Doris", die sang, selber des Liedes wert,

Hirzels Daphne, den Kleist innig wie Gleimen liebt;

Und wir Jünglinge sangen

Und empfanden wie Hagedorn.

 

Jetzo nahm uns die Au in die beschattenden

Kühlen Arme des Walds, welcher die Insel krönt;

Da, da kamest du, Freude!

Volles Maßes auf uns herab!

 

Göttin Freude, du selbst! dich, wir empfanden dich!

Ja, du warest es selbst, Schwester der Menschlichkeit,

Deiner Unschuld Gespielin,

Die sich über uns ganz ergoß!

 

Süß ist, fröhlicher Lenz, deiner Begeistrung Hauch,

Wenn die Flur dich gebiert, wenn sich dein Odem sanft

In der Jünglinge Herzen,

Und die Herzen der Mädchen gießt.

 

Ach du machst das Gefühl siegend, es steigt durch dich

Jede blühende Brust schöner, und bebender,

Lauter redet der Liebe

Nun entzauberter Mund durch dich!

 

Lieblich winket der Wein, wenn er Empfindungen,

Beßre sanftere Lust, wenn er Gedanken winkt,

Im sokratischen Becher

Von der tauenden Ros′ umkränzt;

 

Wenn er dringt bis ins Herz, und zu Entschließungen,

Die der Säufer verkennt, jeden Gedanken weckt,

Wenn er lehret verachten,

Was nicht würdig des Weisen ist.

 

Reizvoll klinget des Ruhms lockender Silberton

In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit

Ist ein großer Gedanke,

Ist des Schweißes der Edlen wert!

 

Durch der Lieder Gewalt, bei der Urenkelin

Sohn und Tochter noch sein; mit der Entzückung Ton

Oft beim Namen genennet,

Oft gerufen vom Grabe her,

 

Dann ihr sanfteres Herz bilden, und; Liebe, dich,

Fromme Tugend, dich auch gießen ins sanfte Herz,

Ist, beim Himmel! nicht wenig!

Ist des Schweißes der Edlen wert!

 

Aber süßer ist noch, schöner und reizender,

In dem Arme des Freunds wissen ein Freund zu sein!

So das Leben genießen,

Nicht unwürdig der Ewigkeit!

 

Treuer Zärtlichkeit voll, in den Umschattungen,

In den Lüften des Walds, und mit gesenktem Blick

Auf die silberne Welle,

Tat ich schweigend den frommen Wunsch:

 

Wäret ihr auch bei uns, die ihr mich ferne liebt,

In des Vaterlands Schoß einsam von mir verstreut,

Die in seligen Stunden

Meine suchende Seele fand;

 

O so bauten wir hier Hütten der Freundschaft uns!

Ewig wohnten wir hier, ewig! Der Schattenwald

Wandelt, uns sich in Tempe,

Jenes Tal in Elysium!



(* 1724-07-02, † 1803-03-14)