LGBT ist eine verkürzte Bezeichnung für die Tatsache, geschlechtliche Orientierung und geschlechtliche Identität nicht als einheitlicher Standard existieren. Und die gesellschaftlichen Rollen sollten auch nicht nach äußeren Geschlechtsmerkmalen festgelegt werden.
Auch wenn in der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung die körperlichen Organe und die Geschlechtsidentität zueinander passen und die Orientierung heterosexuell ist, ist in der Kombination eine vielfältige Variation möglich, die sich zum einen im Laufe des Lebens natürlich ändern kann, aber auch durch menschlichen Eingriff zu einer Anpassung von Selbstgefühl und organischer Ausbildung geführt werden kann.
Bis zur allgemeinen Anerkennung dieser Tatsache wird es noch eine Zeit brauchen. In dieser Zeit des Übergangs ist viel Toleranz gegenüber anderen Vorstellungen erforderlich.
Wenn man bedenkt, wie viel man einem Kind zumutet, wenn es eine andere Geschlechtsrolle einnehmen muss, als es seinem Identitätsgefühl widerspricht, sollten Gesellschaft und Eltern nicht an künstlicher Trennung festhalten. Warum sollten Menschen nicht geschlechtsneutral gekleidet sein dürfen, geschlechtsneutrale Toiletten benutzen und geschlechtsneutrale Berufswahlen treffen dürfen? Unsere Gesellschaft hat sich schon lange in diese Richtung entwickelt. Warum muss man es dann für Kinder und Jugendliche zum Problem machen, wenn ihre geschlechtliche Identität mit der organischen Ausstattung übereinstimmt. Warum sollte es nicht möglich sein, neben geschlechtsbezogenen Vornamen auch geschlechtsneutrale zu geben.
Unsere Tochter hat eine Zeit lang ihren üblichen Vornamen mit dem anderen getauscht. Das sollte doch auch mit geschlechtsneutralen funktionieren können, ohne dass dafür ein umfassendes coming out erforderlich ist. Bei gewissen Sportarten wird man wohl noch an Geschlechtertrennung festhalten wollen, auch wenn schon längst akzeptiert ist, dass je nach Sportart gewisse körperliche Merkmale Vorzüge bieten können, die allein durch verbesserte Training nicht ausgeglichen werden können.) Wo es extrem ist, kann man ja (wie jetzt z.B. beim Boxen und Gewichtheben) Gewichtsklassen und Geschlechtertrennung beibehalten.
Freilich, Toleranz ist in den letzten Jahren seltener geworden. Auch von Seiten derer, die von der Mehrheitsgesellschaft Toleranz für sich erwarten.
Weil gerade über die Transidentität besonders gestritten wird, möchte ich hier einen Erfahrungsbericht von Eltern mit einem sechsjährigen Kind vorstellen und schon jetzt ein Link anbieten, dass eine Menge von Informationen zu Transidentität bereithält.
Erfahrungsbericht einer Familie eines 7-jährigen trans*Mädchens aus
Österreich
Meine Tochter sagte mir, sobald sie ganze Sätze reden konnte: dass sie
kein Junge, sondern ein Mädchen sei!" Mit dreieinhalb Jahren bestand sie
darauf, nur im Kleidchen aus dem Haus zu gehen. Zur Tagesmutter wollte
sie nicht mehr, weil die nicht damit zurechtkam, dass „Linus“ in
Mädchenkleidung zu ihr kam. In den KiGa durfte sie zunächst ganz offiziell
als „Lina“. Dann erkundigte sich die Leitung nachträglich bei der
KiGaBehörde, und dann sollten wir doch plötzlich ein Gutachten bringen.
Wir wussten nicht wohin. Schließlich fanden wir über Empfehlungen einen
Psychologen, der uns mehrere hundert Euro abknöpfte dafür, dass er
befand, unser Kind sei ein normaler Junge(!).
Daraufhin weigerte sich der
KiGa, das Kind weiterhin als Mädchen zu nehmen. Wir versuchten, es in
der Jungenrolle hinzuschicken, doch innerhalb weniger Tage wurde unser
Kind dermaßen verhaltensauffällig, dass uns nichts anderes übrigblieb, als
es aus dem KiGa abzumelden.
Der KiGa machte daraufhin eine anonyme
Gefährdungsanzeige bei der Jugendwohlfahrt. In der Folgezeit hatten wir
dadurch eine Menge Termine und Gespräche. Fünf Monate später hatten
wir einen Termin bei einem Spezialisten in einer über 500km entfernten,
großen Stadt. Von ihm erhielten wir die Diagnose
Geschlechtsidentitätsstörung(GIS). Wir glaubten, unser Kind dürfe nun
wieder als Mädchen in den KiGa. Fehlanzeige. Das ärztliche Attest wurde
abgelehnt, da es aus dem benachbarten Deutschland stammte. Nach
weiteren drei Monaten drohte uns das Jugendamt mit der Wegnahme der
medizinischen Obsorge für unser Kind, wenn wir nicht einer stationären
Abklärung, ob wirklich GIS vorliege, zustimmten. Zu Diesem Zeitpunkt
hatte Lina noch nie woanders als zu Hause übernachtet und weinte auch
fast jede Nacht nach mir, der Mama. Wir konnten uns das deshalb nicht
vorstellen. Um die medizinische Obsorge für unser Kind nicht zu verlieren,
stimmten wir grundsätzlich zu, erbaten uns aber ein paar Wochen Bedenk- und Vorbereitungszeit. Glücklicherweise vermittelte uns in dieser Zeit die
Leiterin derjenigen Station, auf die unser Kind sonst gekommen wäre, den
Kontakt zu einer Spezialistin im Inland. Nach einem Monat reisten wir in
einer anderen Richtung wieder rund 500km zur erneuten Begutachtung,
und ein Vierteljahr später hielten wir endlich ein positives schriftliches
Gutachten von renommierter Stelle aus dem Inland in Händen, in dem die
Diagnose GIS bestätigt und außerdem ausdrücklich erwähnt wurde, dass wir Eltern unser Kind nicht in die Mädchenrolle drängten. Die
Jugendwohlfahrt bedauerte beim Abschiedsgespräch immer noch, dass
dieses letzte Gutachten so ausgefallen sei und dass sie dies nun leider so
akzeptieren müsse. Der örtliche KiGa wollte unser Kind immer noch nicht
wieder aufnehmen. Erst als wirklich alle für uns erreichbaren, öffentlichen
und privaten Kindergärten unserem Kind ebenfalls keinen Platz einräumen
wollten, ging die Frage zurück an den örtlichen KiGA. Im letzten Jahr vor
der Schule konnte unser Kind den KiGa wieder besuchen, als Mädchen.
Inzwischen geht Lina zur Schule. Dass ihre Anatomie von ihrer gefühlten
und gelebten Geschlechtsrolle abweicht, ist momentan kein Thema mehr
für uns. Aber wir wissen natürlich, dass mit der Pubertät noch einmal eine
Umbruchsphase auf uns zukommt, und dass es Lina ohne die Gabe von
Hormonen nicht möglich sein wird, weiterhin so unauffällig in der
weiblichen Rolle zu leben.
(Stand Mai 2016) Quelle: trans-kinder-netz.de/