Donnerstag, 15. Februar 2018

Theateraberglaube

http://soerenergang.de/Soeren_Ergang/Theaterglaube.html

Überall, wo Erfolg vom Zufall abhängt, legt sich Aberglaube nahe.
Das gilt beim Sport, wo zwei Hundertstelsekunden oder ein Windstoß über Goldmedaille oder dauerhafte Anonymität entscheiden können.
Vielleicht noch mehr bei Schauspielern, wo die Konkurrenz so groß ist, dass Protektion weit wichtiger als Können sein kann und Könnerinnen jahrzehntelang verschweigen, was sie hingenommen haben, nicht nur um ein Scheitern schon am Anfang der Karriere zu vermeiden, sondern auch nach Jahrzehnten noch ein einflussreicher Regisseur alle Engagements an bekannteren Bühnen verbauen kann.
Weshalb reichte der Hollywoodskandal nicht aus, dass deutsche Schauspielerinnen öffentlich zu machen wagten, was in Theater-, Film- und Fernsehkreisen längst bekannt war?
Es musste erst eine Schauspielerin gegen Ende ihrer höchst erfolgreichen Karriere davon berichten, was für - vergleichsweise harmlose - Strafen ein Regisseur gegen eine Schauspielerin, die nein sagt, verhängen kann, damit viel schlimmere Vorgänge zur Sprache kommen konnten.
Die Unschuldsvermutung gilt für beide Seiten: den angeblichen Täter und die Person, die trotz monatelanger Arbeitsunfähigkeit nicht wagte, vor Gericht zu gehen und selbst jetzt nicht klagt, sondern nur der Presse gestattet, über ihren Fall zu berichten.

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