Sonntag, 31. Mai 2020

Wer hat Recht? Der gesunde Menschenverstand oder die Wissenschaft?

Was schwerer ist, fällt schneller als das Leichtere, die Eisenkugel schneller als die Feder.
Die Zeit vergeht überall im gleichen Tempo, auch wenn sie einem mal lang wird oder mal wie im Flug vergeht. Das zeigt einem die Uhr.
Etwas kann nicht gleichzeitig da sein und nicht da sein.
Was auch geschieht, es hat eine Ursache.

Das sind Selbstverständlichkeiten für den gesunden Menschenverstand; aber die Wissenschaft hat sie als falsch erwiesen. Experimente im Vakuum, die Einsteinsche Relativitätstheorie und die Quantenmechanik haben aufgezeigt, dass normales Erfahrungswissen nicht ausreicht, um natürliche Vorgänge zu erklären.

Und dennoch ist auf wissenschaftliche Ergebnisse kein Verlass. Was jahrhundertelang gültige wissenschaftliche Erkenntnis war, kann sich in kurzer Zeit als falsch (genau genommen: als zu ungenau) erweisen. Newtons Erkenntnisse sind seit Einsteins Erkenntnissen überholt, weil zu ungenau. Alle naturwissenschaftliche Erkenntnis gelten nur so lange, bis sie widerlegt werden. So viel haben wir zum Teil in der Schule gelernt, zum Teil aus den Medien entnommen.

Warum haben sich die Politiker in der Coronakrise aber trotzdem ständig auf die Wissenschaft berufen? Weil Gefahr im Verzuge war und man nach bestem Wissen und Gewissen schnell entscheiden musste. Das war richtig, und Wissenschaftler haben darauf immer wieder hingewiesen.
Aber dieselben Wissenschaftler haben stets gewusst, dass alle wissenschaftliche Erkenntnis nur vorläufig ist. Deshalb haben sie ständig weiter geforscht, neue Experimente unternommen, damit die Unsicherheiten so bald wie möglich verringert werden und deshalb beherzte Schritte aus der Krise heraus gewagt werden können.

Dazu gehören vor allem eine offene Diskussion über die Lehren aus dieser Krise und darüber, was wir für künftige lernen können. Also auch Proteste, Demonstrationen und fundierte Kritik am Regierungshandeln aus den Reihen der Opposition. 
Was uns in die Krise geführt hat, kann uns nicht daraus herausführen.

Naturschutz? Artenvielfalt?

Umweltschutz: Ziel sucht Weg von Fritz Habekuß, ZEIT 28.5.2020
"Naturschutz? Artenvielfalt? Waren bislang Randthemen in Europa. Doch eine neue Strategie der EU-Kommission und ein Vorschlag von Forschern machen Hoffnung."

"[...] Ins selbe Horn stößt der Soziologe Jens Jetzkowitz, der am Berliner Naturkundemuseum das Biodiversity Policy Lab leitet. "Manchmal frage ich mich, woher ich die Hoffnung nehmen soll. Und dann kommt vonseiten der EU solch ein ambitionierter Vorschlag. Damit habe ich nicht gerechnet. Vielleicht kommt jetzt doch endlich Schwung in die Geschichte."
Um eine so gewaltige Transformation zu erreichen, braucht es Forschung: Sie muss etwa analysieren, welchen Bauern es gelingt, die Artenvielfalt auf ihren Feldern zu erhöhen; oder wie man Waldbesitzerinnen dazu bewegt, ihre Wälder naturnah umzubauen – solche Forschung findet in Deutschland bisher allerdings nur schwer Förderung. Das muss sich ändern.
Denn für große Veränderungen braucht es nicht nur große Ziele, sondern auch eine klare Idee vom Weg. Papier ist geduldig. Die Natur ist es nicht."
Quellen
Wichtigster Referenzpunkt zum Zustand der Biodiversität ist der "Global Assessment Report" des Weltbiodiversitätsrats aus dem Mai 2019.
https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Umweltver%C3%A4nderungen_und_Zukunftsszenarien

Das Nashorn aus der Petrischale

https://www.zeit.de/2018/28/artenschutz-nashorn-labor-aussterben-zuechtung ZEIT 5.7.18

Samstag, 30. Mai 2020

Hoffnung verdanken wir dem Einsatz von Jugendlichen, aber auch dem von manchen Großmüttern

Martha Hennessy, Enkelin von Dorothy Day ist eine von ihnen.
https://kingsbayplowshares7.org/

Martha Hennessy befragt, wie sie dazu stehe, dass sie ihre Enkel vielleicht "lange Zeit" nicht werde sehen können, sagte "Ich weiß, aber mir ist klar geworden, dass es das Beste war, was ich für sie tun konnte." und angesichts einer möglichen Strafe von 25 Jahren Gefängnis: "Ich bin 63, und vielleicht habe ich noch zwanzig Jahre vor mir. Mein eigenes Leben ist bedeutungslos im Angesicht der Zerstörung von Gottes Schöpfung." (Publik Forum 9.5.2020, S.37)

Am 4. April 2018 wurden sieben Antikriegsaktivisten verhaftet, nachdem sie in den Marinestützpunkt eingebrochen waren und Vandalismus begangen hatten, nachdem sie aufgezeichnet hatten, wie sie Kunstblut auf den Boden geworfen hatten, während sie Transparente hielten, Antikriegs- und Anti-Atom-Parolen auf Wände der Einrichtung sprühten und Ausrüstung des Stützpunktes zerstörten.* Die Aktivisten, die sich Kings Bay Ploughshares 7 nannten, wurden wegen dreier Verbrechen und eines Vergehens für schuldig befunden. Sie warten derzeit auf die Verurteilung, bei der sie mit bis zu 25 Jahren Gefängnis rechnen müssen*.
* "In einer Pressemitteilung auf der Facebook-Seite von Kings Bay Ploughshares heißt es, die sieben katholischen Aktivisten seien Mittwochabend mit Hämmern und "Babyflaschen ihres eigenen Blutes" auf die Basis von St. Marys gekommen." (news4jax. 5.4.2018)
*"[...]Während des Prozesses teilte Trotta der Jury mit, dass sie nach dem Betreten der Basis im Jahr 2018 die Bunker mit den Trident-Raketen überprüft hatten: "Jeder von ihnen entspricht einem Massengrab ... und das ist eine Untertreibung." Es war jedoch unklar, ob die Jury verstand, dass in Kings Bay tatsächlich Waffen untergebracht waren - insbesondere, weil Wood Zeugen der Staatsanwaltschaft, die an der Basis arbeiteten, erlaubte, unter Eid zu erklären, dass sie die Existenz von Atomsprengköpfen an der Basis „weder bestätigen noch leugnen“ konnten ." (the nation.com 31.10.2019)

Originaltext der Wikipedia mit Originallinks:
"On April 4, 2018, seven anti-war activists were arrested after breaking into the naval base and committing acts of vandalism after recording themselves dumping fake-blood on the ground while holding banners, spray painting anti-war and anti-nuclear slogans on facility walls and destroying equipment.[2] The activists, calling themselves the Kings Bay Plowshares 7, were found guilty of three felonies and one misdemeanor. They are currently awaiting sentencing, where they could face up to 25 years in prison.[3]"
https://en.wikipedia.org/wiki/Naval_Submarine_Base_Kings_Bay#Anti-War_Protest

Gegenwärtig geht - trotz Trump - die größere Bedrohung wohl von der Klimaerwärmung aus. Aber diese Einsatzbereitschaft haben Martha Hennessy und die Klimaaktivistinnen gemeinsam.



Montag, 25. Mai 2020

Wie die Öffnung von Schulen und Kitas unproblematisch gestaltet werden kann

https://www.n-tv.de/panorama/Drosten-fuer-Offnung-von-Schulen-und-Kitas-article21801686.html

Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen (Erinnerungen1914-33)

Nach einer Hitler Rede Seite 263

"Als er ausgeredet hatte, kam das Schlimmste. Die Musik signalisierte: Deutschland über alles, und alles hob die Arme. Ein paar mochten, gleich mir, zögern. Es hatte so etwas scheußlich Entwürdigendes. Aber wollten wir unser Examen machen oder nicht? Ich hatte, zum ersten Mal, plötzlich ein Gefühl so stark wie ein Geschmack im Munde – das Gefühl: "Es zählt ja nicht. Ich bin es ja gar nicht, es gilt nicht." Und mit diesem Gefühl hob auch ich den Arm und hielt ihn ausgestreckt in der Luft, ungefähr drei Minuten lang. So lange dauern das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied. Die meisten sangen mit, zackig und dröhnend. Ich bewegte ein wenig die Lippen und markierte Gesang, wie man es in der Kirche beim Choralsingen tut.
Aber die Arme hatten alle in der Luft, Und so standen wir vor dem augenlosen Radioapparat, der nur die Arme hochzug wie ein Puppenspieler die Arme seiner Marionetten, und sangen oder taten so, als ob wir sangen; jeder die Gestapo des andern. 

(Sebastian Haffner Geschichte eines Deutschen, Kapitel 36, Seite 263)

Samstag, 23. Mai 2020

Streit um den Wiederaufbau-Fonds

HENDRIK KAFSACK: Am Ende kommt alles auf Merkel an FAZ 23.5.20

Was die „sparsamen Vier“ – Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark "fordern, das ist eine Art Verfallsdatum für den Fonds von zwei Jahren. Das ist kürzer als von Merkel, Macron und von der Leyen ins Auge gefasst, vor allem aber auch konkreter. Insbesondere jedoch verlangen sie, dass die von der Kommission aufgenommenen Kredite auch als Kredit weitergegeben werden, die Empfänger sie also zurückzahlen müssen.
Das ist einerseits nicht überraschend, weil das der bisherigen Linie der vier EU-Staaten entspricht. Trivial ist es dennoch nicht: Schließlich braucht es – milde formuliert – zwar einige Kreativität, um wie Merkel, Macron und von der Leyen zu argumentieren, mit langlaufenden Krediten finanzierte Zuschüsse seien mit dem Verschuldungsverbot der EU vereinbar. Anderseits wissen natürlich auch die Österreicher oder Niederländer, dass Italien und Spanien kaum in der Lage sein dürften, die Kredite aus dem Fonds je voll zu bedienen. Wer ihnen also helfen will, kommt an Zuschüssen in einem gewissen Umfang letztlich kaum vorbei.
Genau darum dürfte sich nach der Präsentation des Kommissionsvorschlags am Mittwoch denn auch die Debatte drehen. Letztlich geht es von nun an nur noch darum, wie hoch der Anteil von Krediten und Zuschüssen ist. Dass die „vier Sparsamen“ das Verschuldungsverbot aufrechterhalten können, glauben sie trotz aller Bekenntnisse wohl selbst nicht mehr. [...]"

Trübe Gründungslöffel oder What3Words-App

Trübe Gründungslöffel von Barbara Barkhausen FR 23.5.20
"Ein Brite teilt die Welt in kleine Quadrate mit je drei Wörtern ein. Das rettet Leben - und hilft der Post auf Tonga."
What3Words-App
"what3words ist ein proprietäres System zur Georeferenzierung von Standorten mit einer Auflösung von drei Metern. what3words kodiert geographische Koordinaten in drei Wörter. Zum Beispiel befindet sich die Freiheitsstatue bei „///dankt.anlegen.kinosaal“[1] (in englischer Sprache bei „///planet.inches.most“). Dies unterscheidet sich von den meisten anderen Standortcodierungssystemen dadurch, dass es drei Wörter anstelle von langen Zeichenfolgen oder Buchstaben anzeigt. what3words hat eine Website [...]"

Sonntag, 17. Mai 2020

Virtuelle Flaschenpost für einen Dank

Es ist über 5 Jahre her. Es war in einem Krankenhaus in Heidelberg. Ich hatte zwei oder drei der Operationen hinter mir, die alle nicht verhindern konnten, dass mein Darminhalt in die Bauchhöhle geriet.
Alle ermahnten mich zu trinken, und ich konnte mich nicht dazu überwinden.

Da kam diese eine Schwester: "Hier ist eine Flasche mit Glas. Tranken Sie die Flasche in einer halben Stunde leer." Ob und was sie sonst gesagt hat, weiß ich nicht.
Ich weiß nur so viel. Ich trank die Flasche aus. Ich konnte auch lange danach kein Wasser lassen.
Dann kam ein Arzt mit einem Ultraschallgerät, stellte fest, dass meine Blase zum Platzen voll war, es wurde wieder ein Katheter angelegt. Und ich konnte wieder trinken.

Nach der dritten Operation. Ich soll in die Universitätsklinik gebracht werden, ob man da etwas herausfinden kann. Plötzlich ist diese Schwester wieder da. Erklärt genau, was zu tun ist und wie es weitergehen wird. Und drückt meiner Frau eine Flasche Wasser in die Hand. "Sie werden sie brauchen."
In der Universitätsklinik warten wir lange, dann werde ich untersucht, meine Frau wartet weiter. Wie geht es weiter? Da war die Flasche Wasser.
Nachher ging es dann um Leben und Tod und gut aus.

Was weiter war, habe ich in den 5 Jahren vergessen. Aber nicht, dass in der Phase der Hilflosigkeit diese Schwester mir einen Halt gegeben hat.
Solche Schwestern gibt es gewiss Tausende. Und wie oft hat jede von ihnen immer wieder Halt gegeben. Wie viele sind das in einem Arbeitsleben.

Dem Arzt, der mein Leben gerettet hat, konnte ich danken. Es war eine schwierige lange Operation in der Nacht, So etwas muss man können. Jetzt ist er Professor und rettet immer wieder Leben.

Den Namen dieser einen Schwester weiß ich nicht.

Armin Nassehi im politischen Fragebogen der ZEIT

Die Demokratie ist das Prinzip einer Legitimation durch Mehrheit und Abgabe der Entscheidung an ein transparentes Verfahren. [Natürlich meint er repräsentative Demokratie.]
"Fast alles, was wir in dieser Gesellschaft gut finden, hat vorher niemand so entworfen, wie es dann gekommen ist. "
(Armin Nassehi )

Samstag, 16. Mai 2020

Antisemitismus ein komplexes Phänomen

Zu dem sehr komplexen Thema Antisemitismus gibt es drei neuere Publikationen, die am 16.5. in der Frankfurter Rundschau besprochen wurden: 
Christian Thomas: ANTISEMITISMUS. Jude in Deutschland 16.5.20 FR
Es wird deutlich, dass das Thema Antisemitismus sehr komplex ist und dass es äußerst schwierig ist, ihn zu bekämpfen, ohne das Missfallen derer zu erregen, die eine andere Art der Bekämpfung für sinnvoller halten.
Daniel Barenboim hat mit dem West-Eastern-Divan-Orchestra viel dazu beigetragen, dass Juden und Araber, Israelis und Palästinenser bei der gemeinsamen Arbeit an Musik, die ihnen gefällt, zueinander finden und  sich besser verstehen.
Dennoch sieht er besonders genau, weshalb das so schwer ist: Unter Arabern ist Antisemitismus und ein Hass auf Israelis sehr stark verbreitet und Israelis können das verständlicherweise nicht akzeptieren. Das liegt an schwerwiegenden Gründen. Barenboim hat das Problem so beschrieben:
"Wenn es wahr ist, dass die Palästinenser nicht in der Lage sein werden, Israel zu akzeptieren, ohne auch seine Geschichte einschließlich des Holocaust zu akzeptieren, dann ist ebenso wahr, dass Israel nicht in der Lage sein wird, die Palästinenser zu akzeptieren, solange der Holocaust sein einziges moralisches Kriterium für seine Existenz ist."
So werden vermutlich die Bewohner ehemaliger Kolonien nicht akzeptieren, wenn ihnen gesagt wird, das damalige Unrecht sei nicht so schlimm wie der Holocaust. Ein Völkermord wird nicht dadurch "nicht so schlimm", wenn ein sehr viel schlimmerer stattgefunden hat. Gerade Deutsche sollten sich hüten, so zu argumentieren, weil Deutsche sowohl den Völkermord an den Herero und Nama als auch den Holocaust verursacht haben. 

Freitag, 15. Mai 2020

Abiturtermine in den einzelnen Bundesländeern

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/3201196?cce=em5e0cbb4d.%3A-tfzc4gk5WJSr51jHRA8AJ&link_position=digest&newsletter_id=61308&toolbar=true&xng_share_origin=email

Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch. (Hölderlin zur Coronazeit)

Patmos


Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
Im Finstern wohnen
Die Adler und furchtlos gehn
Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
Auf leichtgebaueten Brücken.
Drum, da gehäuft sind rings
Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten
Nah wohnen, ermattend auf
Getrenntesten Bergen,
So gib unschuldig Wasser,
O Fittige gib uns, treuesten Sinns
Hinüberzugehn und wiederzukehren.



So sprach ich, da entführte
Mich schneller, denn ich vermutet,
Und weit, wohin ich nimmer
Zu kommen gedacht, ein Genius mich
Vom eigenen Haus. Es dämmerten
Im Zwielicht, da ich ging,
Der schattige Wald
Und die sehnsüchtigen Bäche
Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder;
Doch bald, in frischem Glanze,[173]
Geheimnisvoll
Im goldenen Rauche, blühte
Schnellaufgewachsen,
Mit Schritten der Sonne,
Mit tausend Gipfeln duftend,



Mir Asia auf, und geblendet sucht
Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt
War ich der breiten Gassen, wo herab
Vom Tmolus fährt
Der goldgeschmückte Paktol
Und Taurus stehet und Messogis,
Und voll von Blumen der Garten,
Ein stilles Feuer, aber im Lichte
Blüht hoch der silberne Schnee,
Und Zeug unsterblichen Lebens
An unzugangbaren Wänden
Uralt der Efeu wächst und getragen sind
Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern,
Die feierlichen,
Die göttlichgebauten Paläste.



Es rauschen aber um Asias Tore
Hinziehend da und dort
In ungewisser Meeresebene
Der schattenlosen Straßen genug,
Doch kennt die Inseln der Schiffer.
Und da ich hörte,
Der nahegelegenen eine
Sei Patmos,
Verlangte mich sehr,
Dort einzukehren und dort[174]
Der dunkeln Grotte zu nahn.
Denn nicht, wie Cypros,
Die quellenreiche, oder
Der anderen eine
Wohnt herrlich Patmos,



Gastfreundlich aber ist
Im ärmeren Hause
Sie dennoch
Und wenn vom Schiffbruch oder klagend
Um die Heimat oder
Den abgeschiedenen Freund
Ihr nahet einer
Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder,
Die Stimmen des heißen Hains,
Und wo der Sand fällt, und sich spaltet
Des Feldes Fläche, die Laute,
Sie hören ihn und liebend tönt
Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte
Sie einst des gottgeliebten,
Des Sehers, der in seliger Jugend war



Gegangen mit
Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn
Es liebte der Gewittertragende die Einfalt
Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann
Das Angesicht des Gottes genau,
Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie
Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls,
Und in der großen Seele, ruhigahnend, den Tod
Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug
Hatt er von Güte zu sagen
Der Worte, damals, und zu erheitern, da
Ers sahe, das Zürnen der Welt.
Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre
Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte,
Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,



Doch trauerten sie, da nun
Es Abend worden, erstaunt,
Denn Großentschiedenes hatten in der Seele
Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne
Das Leben und lassen wollten sie nicht
Vom Angesichte des Herrn
Und der Heimat. Eingetrieben war,
Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging
Zur Seite der Schatte des Lieben.
Drum sandt er ihnen
Den Geist, und freilich bebte
Das Haus und die Wetter Gottes rollten
Ferndonnernd über
Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend,
Versammelt waren die Todeshelden,



Itzt, da er scheidend
Noch einmal ihnen erschien.
Denn itzt erlosch der Sonne Tag,
Der Königliche, und zerbrach
Den geradestrahlenden,
Den Zepter, göttlichleidend, von selbst,
Denn wiederkommen sollt es,
Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut
Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu,
Der Menschen Werk, und Freude war es[176]
Von nun an,
Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren
In einfältigen Augen, unverwandt
Abgründe der Weisheit. Und es grünen
Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,



Doch furchtbar ist, wie da und dort
Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott.
Denn schon das Angesicht
Der teuern Freunde zu lassen
Und fernhin über die Berge zu gehn
Allein, wo zweifach
Erkannt, einstimmig
War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern
Die Locken ergriff es, gegenwärtig,
Wenn ihnen plötzlich
Ferneilend zurück blickte
Der Gott und schwörend,
Damit er halte, wie an Seilen golden
Gebunden hinfort
Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten –



Wenn aber stirbt alsdenn,
An dem am meisten
Die Schönheit hing, daß an der Gestalt
Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet
Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander,
Sie sich nicht fassen können
Einander, die zusammenlebten
Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder
Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel
Ergreift, wenn die Ehre
Des Halbgotts und der Seinen
Verweht und selber sein Angesicht
Der Höchste wendet
Darob, daß nirgend ein
Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder
Auf grüner Erde, was ist dies?



Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt
Mit der Schaufel den Weizen,
Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne.
Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber
Ans Ende kommet das Korn,
Und nicht ein Übel ists, wenn einiges
Verloren gehet und von der Rede
Verhallet der lebendige Laut,
Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern,
Nicht alles will der Höchste zumal.
Zwar Eisen träget der Schacht,
Und glühende Harze der Aetna,
So hätt ich Reichtum,
Ein Bild zu bilden, und ähnlich
Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,



Wenn aber einer spornte sich selbst,
Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre,
Mich überfiele, daß ich staunt und von dem Gotte
Das Bild nachahmen möcht ein Knecht –
Im Zorne sichtbar sah ich einmal
Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern
Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist,
Solange sie herrschen, das Falsche, und es gilt
Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr.[178]
Denn sie nicht walten, es waltet aber
Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk
Von selbst, und eilend geht es zu Ende.
Wenn nämlich höher gehet himmlischer
Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich,
Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,



Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab
Des Gesanges, niederwinkend,
Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket
Er auf, die noch gefangen nicht
Vom Rohen sind. Es warten aber
Der scheuen Augen viele,
Zu schauen das Licht. Nicht wollen
Am scharfen Strahle sie blühn,
Wiewohl den Mut der goldene Zaum hält.
Wenn aber, als
Von schwellenden Augenbraunen,
Der Welt vergessen
Stilleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen,
Der Gnade sich freuend, sie
Am stillen Blicke sich üben.



Und wenn die Himmlischen jetzt
So, wie ich glaube, mich lieben,
Wie viel mehr Dich,
Denn Eines weiß ich,
Daß nämlich der Wille
Des ewigen Vaters viel
Dir gilt. Still ist sein Zeichen
Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter
Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus.
Es sind aber die Helden, seine Söhne,
Gekommen all und heilige Schriften
Von ihm und den Blitz erklären
Die Taten der Erde bis itzt,
Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind

Ihm alle bewußt von jeher.
Zu lang, zu lang schon ist
Die Ehre der Himmlischen unsichtbar.
Denn fast die Finger müssen sie
Uns führen und schmählich
Entreißt das Herz uns eine Gewalt.
Denn Opfer will der Himmlischen jedes,
Wenn aber eines versäumt ward,
Nie hat es Gutes gebracht.
Wir haben gedienet der Mutter Erd
Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient,
Unwissend, der Vater aber liebt,
Der über allen waltet,
Am meisten, daß gepfleget werde
Der feste Buchstab, und Bestehendes gut
Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.

(Friedrich Hölderlin)

zur Interpretation

China

Karte, Tweets und Videos auf Twitter von einem Halbaustralier/Halbchinesen

Mittwoch, 13. Mai 2020

Soziale Medien und COVID-19

Martin schreibt in am 6.5.20 im Socoial Media Watchblog: Warum so viele Menschen an Corona-Verschwörungstheorien glauben
  • Seit dem Zweiten Weltkrieg hat keine Bundesregierung auch nur annähernd so tief in die Grundrechte eingegriffen, wie es derzeit der Fall ist. Für die aktuellen Maßnahmen gibt es gute Gründe – aber es gibt eben auch gute Gründe, die Beschränkung der Freiheitsrechte kritisch zu hinterfragen.
  • Fast alle sind sich einig, dass aus dem Ausnahmezustand kein Dauerzustand werden darf. Doch auf beiden Seiten des politischen Spektrums suggerieren Extremistïnnen, dass die Pandemie der Politik doch durchaus gelegen käme – endlich könne sie schalten und walten, wie sie es sich schon immer gewünscht habe.
  • Daraus basteln sich die Verschwörungstheoretiker eine wirre Manipulationserzählung, die sie damit rechtfertigen, dass sie doch nur "kritische" Fragen stellen. Diese Taktik findet bei vielen Menschen Anklang, die dem Staat tendenziell ablehnenden gegenüber stehen.
Ich beobachte eher echte Verwirrung angesichts der realen Unsicherheiten. 
Da ist es nicht immer gut, wenn "die Regeln" oder "die Grundgebote" als quasi "alternativlos" daher kommen. 
Natürlich müssen Diskussionsfreiheit und  Demonstrationsrecht auch in Krisenzeiten gewahrt bleiben (wenn auch mit Einschränkungen, solange die aufgrund der Risiken verhältnismäßig sind); aber in der Tat werden Grenzen überschritten.
Martins oben zitierten Aussagen kann ich zustimmen. Insgesamt stört mich die Tendenz: Weg mit den Falschaussagen! - Demokratie lebt davon, dass jeder das Recht hat, auch Falsches zu sagen.
Freilich gibt es Tendenzen und perfide Techniken denen man entgegentreten und die man entlarven muss.