Samstag, 13. Januar 2018

Weshalb SPD-Parteitag und SPD-Mitglieder jetzt eine große Koalition ablehnen müssen

Ich nehme den Vertretern der SPD bei den Sondierungen nicht übel, dass sie in vielen sozialen Fragen nur bescheidene Kompromisse erreicht hat.
Übel nehme ich ihnen auch nicht, dass sie schon in den Sondierungsgesprächen gemeinsam mit den Vertretern der Union erklärt haben, dass die für 2020 fest zugesagte CO2-Reduzierung nicht erreicht werden wird.
Kompromisse gehören zum Politikgeschäft und ihr eigenes Scheitern gibt eine Partei ungern vor den Wahlen zu. (Denn dass die Union so unverantwortlich an der Braunkohleverstromung festhalten konnte, die das Erreichen der offiziell verkündeten Ziele verhindert hat, ist auch darauf zurückzuführen, dass die SPD nicht schon bei den Koalitionsverhandlungen 2013 energischer gegengesteuert hat.)

Das Fatale ist, dass die SPD keinen Kurs durchsetzen konnte, der es möglich gemacht hätte, die für 2020 gesteckten Klimaziele wenigstens 2022 oder spätestens 2025 zu erreichen.
Dasselbe gilt für das Einschwenken auf den Unionskurs bei der Besteuerung und beim Familiennachzug für Flüchtlinge.
Kompromisse müssen sein, aber schon in den Sondierungsgesprächen hätte die SPD keine unverantwortliche Weichenstellungen in entscheidenden Fragen akzeptieren dürfen.
(Sieh dazu mehr!)

Eine energische Opposition oder eine an Bedingungen geknüpfte Duldung einer Minderheitsregierung wären Alternativen, die der Verantwortung für unser Gemeinwesen gerecht geworden wären. Eine Kapitulation vor ultimativen Forderungen von Seiten der Union aber nicht.

Angesichts der Kritik in der Öffentlichkeit ist jetzt eine Formulierung gefunden worden, die den Verzicht auf das Klimaziel nicht mehr ausdrücklich ausspricht, aber keine Festlegung auf ein klares Ziel enthält. In der Zusammenfassung der SZ heißt es dazu:

Klima und Energie

Die umstrittenste Formulierung haben Union und SPD hier umschifft - das Klimaziel für 2020. In der Fassung der Arbeitsgruppe hatte es noch geheißen, dieses werde "aus heutiger Sicht nicht mehr erreicht werden". Davon ist nicht mehr die Rede. Stattdessen will eine neue Koalition nun "die Handlungslücke" zur Erreichung des Ziels "so schnell wie möglich schließen". Die Lücke ist nicht klein: Ursprünglich sollte Deutschland bis zum Jahr 2020 "mindestens" 40Prozent weniger Treibhausgase verursachen als 1990. Erreicht sind aber gerade einmal gut 27 Prozent. Nun soll eine Kommission sich der Frage annehmen, wie sich noch rasch Kohlendioxid einsparen lässt. Sie soll auch "einen Plan zur schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung einschließlich eines Abschlussdatums" erarbeiten - all das bis Ende dieses Jahres. Ähnliche Kommissionen sollen rund um Gebäude und Verkehr ihre Arbeit aufnehmen. Am Ende soll ein Klimaschutzgesetz stehen, mit dessen Hilfe sich dann das nächste Klimaziel erreichen lässt: minus 55 Prozent Kohlendioxid bis 2030.
Dem soll auch der weitere Ausbau erneuerbarer Energien dienen. Bis 2030 soll ihr Anteil am Strommix auf "etwa" 65 Prozent anwachsen. Das geht weit über das Ziel der bisherigen Koalition hinaus - sie hatte 55 bis 60 Prozent angepeilt, und das erst bis 2035. Dazu sollen schon im kommenden und darauffolgenden Jahr weitere Ausschreibungsrunden stattfinden, in denen Investoren um Zuschläge für Wind- und Solarparks buhlen können."(SZ 12.1.18)

Donnerstag, 11. Januar 2018

Hatespeech und was man dagegen tun kann

Als normaler Internetbenutzer begegnet man nur Pöbeleien und vereinzelten scharfen Angriffen und selbst diesen meist nur indirekt über Presseberichte.
Der Journalist Richard Gutjahr stellt dar, was eine Hasslawine für einen selbst und für die Familie bedeuten kann: http://www.gutjahr.biz/2018/01/hatespeech

Seine Hinweise, wie man sich wehren kann:
  1. Hass-Urheber anzeigen! Strafanzeigen kann man über Online-Wachen bequem von zuhause aus erstatten. Das ist mit ein paar Klicks erledigt – der ganze Vorgang dauert keine 10 Minuten.
  1. Screenshots machen – aber richtig: Um Polizei und Staatsanwaltschaft die Arbeit zu erleichtern, unbedingt die folgenden Punkte beachten:
    Bild von  http://www.gutjahr.biz/2018/01/hatespeech

Backwards Books : Die "umgekehrten" Bibliotheken

Bücher mit Rücken zur Wand, zu sehen nur der Schnitt der Bücher, damit man Autor und Titel nicht erkennt:
"Wer seine Bibliothek "umdreht", signalisiert, dass er das Bücherlesen einst selbst betrieben hat und auf einen Notspeicher zurückgreifen könnte, falls die papierlose Technik zusammenbrechen sollte. Aber eigentlich will er das nicht. Um es in vollem Alarmton zu sagen: Die umgedrehte Bibliothek ist der Gnadenhof des Gutenberg-Zeitalters."
( Die "umgekehrten" Bibliotheken ZEIT 11.1.18)

Kommunikationsmodell

https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Ossipowitsch_Jakobson#Das_Kommunikationsmodell

Mittwoch, 10. Januar 2018

Dienstag, 9. Januar 2018

Theodor Körners Leben

  "Die bisherigen Biographen Körner's waren – mit Ausnahme des Vaters – darauf angewiesen, aus fremden Quellen ihre Nachrichten und Schilderungen zu schöpfen; ich darf es als einen Vorzug geltend machen, daß die Quelle, aus der ich schöpfe, meine eigenen Erlebnisse sind. Die von dem Vater geschriebene Biographie ist nur genügend für die Jahre der Kindheit, des Knabenalters und der ersten Jugend bis dahin, wo er siebenzehn Jahre alt das älterliche Haus verließ und die Bergakademie in Freiberg bezog. – An einen Vater von so anspruchslosem, edlem Charakter wie Körner dürfen wir nicht den Anspruch machen, daß er die Vorzüge und trefflichen Eigenschaften des Sohnes nach ihrem vollen Werthe hervorhebe, da er sich hierdurch den Vorwurf eitler Vorliebe zuzuziehen fürchten würde; ebensowenig aber ist ihm zuzumuthen, über die Fehler und Verirrungen des Sohnes ausführlichen Bericht zu erstatten. Der Briefwechsel Theodor's mit den Aeltern und Freunden liefert allerdings für die Biographie »ein schätzbares Material«; wer aber nicht »zwischen den Zeilen« zu lesen versteht, mit den Briefstellern und mit den in den Briefen erwähnten Personen nicht persönlich befreundet oder mindestens bekannt war, wird über Vieles nur unwahr oder ungenügend berichten können. Der Verfasser gegenwärtiger Biographie stand – mit wenigen Ausnahmen – zu allen in den Briefen erwähnten Personen in näherem Verhältniß, mit einigen in vertrauterem Umgange und freundschaftlichem Verkehr. Aus einem früher veröffentlichten Aufsatze: »Meine Begegnungen mit Theodor Körner« möge Nachstehendes hier eine schickliche Stelle finden. Meine erste Bekanntschaft mit Theodor Körner machte ich in Freiberg im August 1808, wohin ich als Primaner des Gymnasiums zu Altenburg einer Einladung meines früheren Schul-Pensionskameraden, des Bergstudenten Eduard v. Gottschalk, gefolgt war. Noch bewahre ich ein Stammbuchblatt, auf welchem Theodor in Bergmannstracht, sich mit der Guitarre begleitend, abgebildet ist, und die Freunde daneben mit Gläserklang in den Rundreim einstimmend. Mit Aufträgen und Empfehlungen an seine Aeltern ging ich nach Dresden und wurde freundlich auf dem Weinberge in Loschwitz aufgenommen. – Die Universität Leipzig feierte 1810 im Spätherbste ihr vierhundertjähriges Jubiläum; ich befand mich als Jenaischer Student bei der Deputation, welche die Universität zur Beglückwünschung abgeordnet hatte. Ich wohnte wieder bei meinem Freunde Gottschalk, welcher zugleich mit Körner die Freiberger Akademie verlassen hatte und in Leipzig Cameralia studirte, was wegen einer Anstellung in der Bergbauverwaltung erforderlich war. Mein erster Gang war zu Theodor, von dem ich mit herzlicher Brüderlichkeit – wir hatten schon m Freiberg » smollis« getrunken, – empfangen wurde. Durch eine Recension in der Jenaer Literaturzeitung war ich auf die von ihm unter dem Titel » Knospen« erschienene Gedichtsammlung aufmerksam gemacht worden und fand mich dadurch veranlaßt, ihm einige meiner Gedichte mitzutheilen.[...] 
In der Nachbarschaft von Gernrode, in einem hochgelegenen Wirthshause auf dem Stuben- oder Stufenberge, zeigte man vor Jahren einen von Körner in eine Fensterscheibe mit einem Diamant eingekritzelten Vers. Dort wurde erzählt: Körner sei in der Walpurgisnacht 1813 als schwarzer Jäger auf dem Blocksberge gewesen und habe in einem verfallenen Kloster nahe bei der Teufelskanzel einen daselbst verborgenen Schatz gehoben, worauf er sich, als Freiberger Bergstudent und mit einer Wünschelruthe versehen, ganz ausbündig verstanden habe. Eine Tonne Goldes mindestens sei die Ausbeute gewesen, und mit diesem Gelde habe dann Lützow eine Schwadron schwarzer Husaren, »lauter stich-, hieb- und kugelfeste Mordkerle«, angeworben und ausgerüstet. – Diese romantisch schauerliche Sage ist – wir sagen: leider! – durch die historischen Forschungen unseres gelehrten Freundes H. Pröhle also aufgeklärt worden: »Auf einem Streifzuge der Lützower durch den Harz kam Theodor Körner nach Halberstadt; hier begab er sich in die am Domplatz gelegene Wohnung des Kreissekretairs Klewitz. Er war sehr galant gegen die Damen und forderte den Herrn des Hauses auf, ihn nach seinem Keller zu begleiten. Dieser hatte dort eine ihm anvertraute westphälische Kasse vergraben. Ein patriotischer Kassenbeamter, der nachmalige preußische Steuerrath Stävie, hatte dies verrathen. Körner – ein studirter Bergmann – erkannte sofort die Stelle in der Mitte des Kellers und ließ von einigen mitgebrachten schwarzen Jägern den vergrabenen Schatz, eine Kiste mit mehreren hundert Thalern, heben.« [Fußnote]"
(Friedrich Förster: Theodor Körner's Leben, in: Theodor Körners Werke Gustav Hempel, Berlin)

Samstag, 6. Januar 2018

Was es vor 10 Jahren noch nicht gab

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https://twitter.com/AndrewBloch/status/939806353068982272