Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kinder forschen ohne Druck?

"An der Junior Uni Wuppertal forschen Kinder und Jugendliche ohne Druck, sondern mit Spaß." (Wie eine Uni in Wuppertal Kinder und Jugendliche zu Wissenschaftlern macht, Handelsblatt 11.12.18)

Das ist "bundesweit einzigartig".
Merkwürdig. Ich dachte, Nobelpreisträger entstünden nur durch Druck, und Kinder motivierte man zu Forschung nur, wenn man sie ihnen als anstrengend und uninteressant präsentierte.
Dann folgt die Erklärung: das Ganze passiert an einer Uni "privat finanziert".
An einer öffentlich finanzierten Uni käme man natürlich nicht auf so einzigartige Motivationsideen.

Freitag, 7. Dezember 2018

Innsbrucker Hofkapelle

Der wohl bekannteste Komponist der Hofkapelle war Heinrich Isaac.
"Wo Isaac vor 1484 wirkte, ist nicht überliefert. Der früheste sichere Beleg ist der Beleg einer Zahlung vom 15. September 1484 an einen „Hainrichen ysaac Componisten“ am Innsbrucker Hof von Herzog Sigismund dem Münzreichen von Tirol, wo auch Paul Hofhaimer wirkte. [...]  Am 3. April 1497 unterschrieb Isaac in Innsbruck sein Dienstgelöbnis und war damit als „Componist und diener“ beim habsburgischen Hof angestellt. [...] Im September 1503 kam es zu dem bemerkenswerten Besuch der „Konkurrenz-Hofkapelle“ Philipps des Schönenaus Burgund in Innsbruck; zu diesem repräsentativen Anlass schrieb Isaac die sechsstimmige Messe „Virgo prudentissima“." (Wikipedia: Heinrich Isaac)

Die bekannteste Komposition Isaacs ist "Innsbruck, ich muss dich lassen". Ein zeitlich festzulegender biographischer Bezug ist freilich nicht herstellbar. 

Einer der großzügigsten Förderer war Erzherzog Ferdinand Karl von Tirol, der freilich damit sein Land ruinierte. Der bedeutendste Komponist, den er für seine Hofkapelle gewinnen konnte, war der Franziskanermönch Antonio Cesti, der trotz seines Standes schon früh im Theater auftrat.

Literatur:
W. Senn: Musik und Theater am Hofe zu Innsbruck: Geschichte der Hofkapelle vom 15. Jahrhundert bis zu deren Auflösung im Jahre 1748, Innsbruck 1954

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine Chance?

Ich will immer noch daran glauben, dass Rationalität sich in der Politik durchsetzt :

1. Dass CO2-Einsparung Priorität bekommt und CO2-Ausstoß nicht mehr subventioniert wird
2. Dass Milliardäre höher besteuert werden als Krankenschwestern, Altenpfleger ...
3. Dass die vorhandenen Instrumente zur nationalen und internationalen friedlichen Konfliktlösung gestärkt und nicht abgebaut werden.

Dass Macron in Frankreich ein Reformprogramm für Europa (sieh 3) mit Maßnahmen zur Verstärkung sozialer Ungleichheit (sieh 2) verband, fand ich daher erschreckend.

Die Entstehung der Gelbwestenbewegung in Frankreich weckt daher meine Hoffnung.
Nicht, dass ich daran glaube, dass, was im Arabischen Frühling zu Millionen von Toten und noch mehr Flüchtlingen geführt hat, das angemessene Instrument wäre, demokratisch legitimierte Regierungen einzusetzen.
Aber es könnte dazu beitragen, dass die politische Klasse sich bewusst macht, dass es nicht sinnvoll ist, dauerhaft die Bedürfnisse von 75% der Bevölkerung zu ignorieren und statt dessen  den Wünschen von Rechtsradikalen nachzugeben, die weniger als 20% der Bevölkerung ausmachen.

In diesem Sinne schreibt Georg Blume in der ZEIT vom 5.12.18:

Das "Urbild der Marianne [...] wurde zur Nationalfigur der Französischen Republik und schmückt heute jedes französische Rathaus.
Ganz ähnlich sind die Bilder, die der Fernsehsender TF1 am vergangenen Samstag von der 31-jährigen Krankenpflegerin Ingrid Levavasseur aus der Normandie zeigt: In gelber Weste steht sie auf dem Podest eines Elektrizitätsmastes nahe einer blockierten Autobahn. Neben ihr weht die Trikolore, ganz wie bei Delacroix, um sie herum das aufbegehrende, revoltierende Volk. In diesem Fall die Gelbwesten."

Diese Krankenpflegerin wird in Talkshows eingeladen, weil erkennbar ist, dass sie für die unzufriedene Mehrheit der Gesellschaft spricht:

"[...] mit langen roten Haaren und einem geflochtenen Zopf, mit viel Geduld und dem gütigen Lächeln einer Krankenpflegerin, argumentiert sie alle in Grund und Boden. Sie spricht für eine Massenbewegung auf den Barrikaden, die an diesem Sonntagabend erstmals eine Stimme vor der ganzen Nation hat.
[...] Levavasseur spricht anschaulich, sachlich und zugleich gefühlvoll vom "Leiden der Menschen um mich herum". Von den Geringverdienern, deren Geld am Monatsende nicht mehr für Benzin und Kinderkleidung reicht. Denen es Jahr um Jahr nicht besser geht. Von denen der Staat höhere Abgaben verlangt – der dann auch noch ankündigte, vom 1. Januar an eine neue Benzinsteuer zu erheben. "Das war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", sagt Levavasseur."


Forderung der Gelbwesten an die Nationalversammlung (pdf  - auf deutsch)

Da geht es nicht um Sozialneid gegenüber Milliardären oder um Neo-Faschismus, sondern um die zynische Missachtung der Bedürfnisse der Mehrheit.
Wenn das begriffen würde, dann wäre da eine Chance für eine demokratische Erneuerung. Die der SPD und die Europas wäre die logische Konsequenz. 

Mehr dazu:
G. Blume in der ZEIT, 5.12.18

 in "Les Inrockuptibles" (deutsch in der ZEIT, 5.12.18)
"[...] Wer das Beschmieren von Denkmälern für etwas Schlimmeres hält als die Unmöglichkeit, sich selbst und die eigene Familie zu ernähren, in Gesundheit zu leben oder einfach nur zu überleben, der muss wirklich überhaupt keine Ahnung davon haben, was soziales Elend ist. [...]
Für die Herrschenden stellen die unteren Schichten, wie Pierre Bourdieu sagt, die perfekte "classe-objet" dar. Eine objektivierte Klasse, über die man von oben sprechen, die man durch die eigene Rede formen kann: Mal spricht man von ihr, als bestünde sie aus authentischen, guten Armen. Mal, als sei sie eine Ansammlung von Rassisten und Schwulenhassern. Die Intention ist in beiden Fällen gleich: Diese Klasse soll sich nicht selbst ausdrücken, soll nicht aus sich selbst heraus von sich selbst sprechen. [...]
Wir müssen einfach gewinnen. Wir sind viele. Wir wissen, dass die Linke, und mit ihr die Menschen, die leiden, eine weitere Niederlage nicht verkraften würden."

New York Times, 5.12.18

Mittwoch, 5. Dezember 2018

"Werk ohne Autor" und "Die Vereindeutigung der Welt" in Bezug gesetzt

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor (deutscher Spielfilm)
und
zu: Die Vereindeutigung derWelt (meine Notizen zum Gespräch)
Verlust an Mehrdeutigkeit und Ambiguität
Bauer spielt es an vielen Bereichen durch: Religion: Islam, der sehr tolerant war, wird jetzt auf Islamismus festgelegt

Gegensatz von Individuum und Authentizität
Bauer spricht von Authentizitätswahn

Authentizität dient der Vereindeutigung, weil Mehrdeutigkeit und Ambiguität so anstrengend ist.

Mangelnde Ambiguitätstoleranz

Religion sollte mehr Räume für Ambiguitätstoleranz schaffen.

Intoleranz:
eine Wahrheit
Geschichtsverweigerung
Schwarz/Weiß, keine Graustufen

Aber nicht Postmoderne "anything goes"

Bauer zu Sozialistischer Realismus Dem wollten die USA etwas entgegensetzen

CIA entschied sich für die abstrakte Kunst als Gegenmittel egen Realismus

Vorzug, dass die Werke "nichts bedeuteten".

abstrakter Expressionismus ohne Aussage, Wert der Bilder nur über den Markt

Sieh auch: 
Über intellektuelle Vielfalt in der muslimischen Tradition. Gespräch mit Thomas Bauer über sein Buch Die Kultur der Ambiguität vom 29. August 2011
Nicht alles „Islamische“ hat mit Religion zu tun. Interview von Ali Mete mit Thomas Bauer auf islamiq.de, 17. April 2017

Dienstag, 4. Dezember 2018

Ich wär so gern vertrauensselig








Wenn Genosse Olaf wenigstens einen Grund nennen könnte, weshalb ich einen Anlass haben könnte, ihm zu glauben.

5.12.18:
Was zu erwarten war, erfahre ich aus der Morgenzeitung: Finanztransaktionssteuer und Digitalsteuer sind gescheitert.
Kein gutes Ergebnis.
Ein weiterer Tweet, der das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierungen schwächt.