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Samstag, 30. November 2019

Klimaprognosen und Genauigkeit

Prognosen sind nur dann mit geringen Unsicherheiten verbunden, wenn bei einem Experiment alle Begleitumstände gleich gehalten werden können, die den naturgesetzlichen Ablauf eines Vorgangs stören könnten.
Deshalb sind sind Prognosen für das Weltklima äußerst unsicher, weil die beeinflussenden Faktoren und ihre Wechselwirkungen extrem hoch sind.

Dazu hat hat Hans Jonas in "Das Prinzip Verantwortung" schon 1979 formuliert:
  • "Eben diese Ungewißheit (..) muß selber in die ethische Theorie einbezogen und ihr zum Anlaß eines neuen Grundsatzes genommen werden (..). Es ist die Vorschrift, primitiv gesagt, daß der Unheilsprophezeiung mehr Gehör zu geben ist als der Heilsprophezeiung." S. 70
  • „'Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden'; oder negativ ausgedrückt: 'Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens'; oder einfach: 'Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit auf Erden';

Dabei hat er von den Kippelementen im Bereich der Klimaentwicklung noch gar nichts gewusst. 

Der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski weiß über Kippelemente Bescheid, dennoch ist er sich nicht zu gut, noch im Herbst 2019 Folgendes zu formulieren: "Dabei würde es nur eine genaue Kenntnis der Fakten der Bevölkerung ermöglichen, sich vernünftig auf den Klimawandel vorzubereiten." (Journalisten im Klimakrieg, S.38)

Dazu vgl. auch: Komplexe Wahrheiten - Die Homogenisierung der Klima-Berichterstattung ist ein Problem Kommentar Axel Bojanowski Übermedien 20. September 2019
Dort hatte er freilich noch deutlich vorsichtiger formuliert: "Nur wenn wissenschaftliche Daten weder verfälscht noch verleugnet werden, wird sich die Gesellschaft vernünftig auf den Klimawandel vorbereiten können."
Weshalb hat er sich jetzt für eine so viel fragwürdigere Formulierung entschlossen? Weil gegenwärtig die Bereitschaft, den menschengemachten Klimawandel abzubremsen zugenommen hat?

Dienstag, 16. Juni 2015

Hans Jonas im Interview zur Frage, weshalb die Menschheit sich ihren Problemen nicht stellt

Hans Jonas: "Der Geist hat ja eine ganz merkwürdige Doppelrolle gespielt. Einerseits hat er die Gefräßigkeit der Menschen ungeheuerlich erhöht. Ausgerechnet der Geist ist ja das Instrument dafür gewesen, daß wir so ungeheuer anspruchsvoll in den Bedürfnissen unserer Leiber geworden sind. Andererseits hat der Geist ein Reich der Werte geschaffen, das um seiner selbst willen gepflegt wird; wofür Menschen das Äußerste einsetzen in der Kunst, in der Erkenntnis, aber auch in der Pflege der Emotionen. [...]Man kann in abstracto einen Entwurf machen für eine Diktatur der Menschheitsretter. Aber wie stellt man sich vor, daß eine wirklich selbstlose Elite an die Macht kommen wird, daß diese selbstlos bleiben wird und in ihrer Selbstlosigkeit auch anerkannt wird? [...]Was ich mir viel eher vorstellen kann, ist das Hereinbrechen sehr schlimmer Zustände, die zu kompromißbereiten Abmachungen zwischen den ökonomischen, politischen und sozialen Machtgruppen führen; daß man sich auf einen Modus einigt, der sowohl den Menschen einigermaßen akzeptabel ist als auch der Natur. " (DER SPIEGEL 20/1992 - Hervorhebungen von Fontanefan)
Die gegenwärtigen Krisen zeigen dafür wenig überzeugende Beispiele. Insbesondere das Verhalten der EU in Flüchtlings-, Griechenland- und Ukrainekrise bieten sie nicht.
Aber in allen drei Krisen zeigen sich Ansätze zu Kompromissen.