Mittwoch, 17. Oktober 2018

Allmende, Kuh und Ethik

"Es war die 101. Kuh, die die Allmende zerstörte."

"In einem Dorf gibt es 100 Bauern, die vereinbart haben, dass jeder täglich eine Kuh auf die Allmend schicken darf. Das funktioniert sehr gut über einen längeren Zeitraum. Eines Tages jedoch sieht ein Bauer, wie sein Nachbar zwei Kühe in die vorbeiziehende Herde schiebt. ..."
(Wie eine Kuh die Ethik ins Wanken bringt)

Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Umweltschutz

Den "Exportweltmeister" Deutschland würde man bei Wettbewerbsfähigkeit an der Spitze vermuten, nein nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums stehen dort die USA, von denen Trump doch immer behauptet, sie würden künstlich klein gehalten.
Führend sein soll Deutschland bei der Innovation, wo doch immer betont wird, in Deutschland werde viel erfunden und wenig zur Marktreife entwickelt.
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wettbewerbsbericht-deutschland-ist-innovationsweltmeister-a-1233607.html)

Dass Deutschland in Sachen Plastikrecycling und Umweltschutz (die deutschen Kohlekraftwerke verhindern nicht nur, dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 erreicht, sondern stoßen auch ungeahnte Mengen Stickoxide aus, auch hier, weil vorhandene umweltfreundliche Technologien nicht eingesetzt werden) nicht nur durchaus nicht mehr so vorbildlich ist, wie es mal war, hat sich wohl inzwischen herumgesprochen.

Die Wirklichkeit verändert sich weit schneller als unser Bild von ihr: Factfulness!

Wer weiß, was das Weltwirtschaftsforum in zwei Jahren über die Innovationsfähigkeit Deutschlands berichtet?




Lieblingsbuch: Flora Thompson: Lark Rise to Candlefort


Dienstag, 16. Oktober 2018

"autoritärer Nationalradikalismus" unter Umständen ein politisches Wachstumsmodell

Heitmeyer:
"Der Begriff „Rechtspopulismus“, meint Heitmeyer, ist betreffs der AfD verharmlosend
Inzwischen, schränkte Prof. Dr. Heitmeyer ein, habe er sich von dem Begriff Rechtspopulismus im Zusammenhang mit der AfD völlig verabschiedet. Denn der Begriff für diesen neuen parteipolitischen Typ sei „nämlich völlig verharmlosend“. Und er erklärte: „Der Rechtspopulismus will nämlich mit einer ganz flachen Ideologie Lärm machen über die Medien.“ Gleichzeitig sei die AfD jetzt nicht eine rechtsextreme Partei. Denn der Rechtsextremismus operiere an vielen Stellen ja auch mit Gewalt. Damit jedoch AfD-Wähler nichts zu tun haben. Was etwas mit deren hoher Bürgerlichkeit zusammenhänge. Gerade in Dortmund könne man sehen, dass die Rechtsextremen vor allem Schrecken verbreiten wollten.
Neuer Typus: Autoritärer Nationalradikalismus
Für Heitmeyer sei die AfD deshalb ein neuer Typus. Der sei nicht vom Himmel gefallen, sondern deren Erfolgsgeschichte sei, dass sie einen autoritären Nationalradikalismus verträten. Die AfD arbeitet seiner Meinung nach betreffs des Autoritäten mit einem „Kontrollparadigma“ (Kontrolle über Lebensentwürfe, über Grenzen, in so gut wie allen Lebensbereichen). Das Nationale sei klar: Deutschsein sei eine Schlüsselideologie in Sachen Umformung dieser Gesellschaft. Erkennbar auch an einem stark geschichtsrevisionistischen Bild, mit dem die AfD arbeite. Das Radikale ergebe sich aus den ständigen Grenzüberschreitungen, die über all die bekannte Sprüche äußerten. Ein ganz, ganz wichtiger Punkt“, betonte Wilhelm Heitmeyer, sei, dass gegen die wahrgenommenen Kontrollverluste in der Bevölkerung jetzt ein anderes Kontrollparadigma gesetzt wird nach dem Muster „Wir holen uns unser Volk zurück, wir holen uns unser Land zurück“. Heitmeyer konzedierte, der Job könne einen verloren gehen, man habe Anerkennungsverluste, wird im politischen Bereich nicht wahrgenommen, hat moralische Anerkennungsverluste – all das könne einem abhanden kommen. „Was einem aber nicht genommen werden kann, das ist das Deutschsein.“ Dies bekäme plötzlich „das Gewicht eines ganz zentralen Identitätsankers“. Genau an dieser Stelle setze der neue autoritäre Nationalradikalismus an und arbeite an den sehr einsichtigen Weltbildern, dichotomischen Gesellschaftsbildern – Gegenüberstellungen und Begrifflichkeiten wie z. B. homogene Gesellschaften zu denen es zurück soll, gegen heterogene Gesellschaften. Gleichwertigkeit gegen Ungleichwertigkeit und die Kategorie: „Wir gegen die“ "
 (https://www.freitag.de/autoren/asansoerpress35/entsicherte-jahrzehnte-und-die-folgen)

Lieblingsbuch: Der Stechlin


Sonntag, 14. Oktober 2018

7 aus 49 - Lieblingsbücher


Germanisten beider Arbeit zusehen: Beispiel Goethes Faust

Eine faszinierende Vorstellung, wie Handschriften und Drucke in allen Variationen digital zugänglich gemacht werden können und wie eine kritische Edition zustande kommt:

Andererseits wird deutlich: Für eine konzentrierte und dennoch unangestrengte Lektüre ist das gedruckte Buch noch unübertroffen.
Aber welch eindrucksvolle Ergebnisse und Erkenntnisse liefert darüber hinaus diese Art der Edition!

Jan Assmann: Kulturelles Gedächtnis

Kulturelles Gedächtnis

Jan Assmann: Kollektives Gedächtnis und kulturelle Identität , 1988

Aleida Assmann: Erinnerungsräume: Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, 1999


http://www.fr.de/kultur/geschichte-deutschlands-holocaust-mahnmal-ist-eine-globale-ikone-a-1410087,0#artpager-1410087-1

http://www.fr.de/kultur/literatur/jan-assmann-exodus-die-gewalt-des-monotheismus-a-486986
Friedrich Wilhelm Graf, emeritierter Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München, lobt Jan Assmann dafür, wie aufgeschlossen er für Kritik an seiner These von der mosaischen Unterscheidung offenbar geblieben ist, denn in seinem Buch "Exodus" habe sich Assmann von der Grundunterscheidung zwischen wahr und falsch entfernt, die er in früheren Werken als den radikalen Umbruch zwischen Poly- und Monotheismus beschrieben und für die "Tendenz zum 'heiligen Krieg'" verantwortlich gemacht hatte, fasst der Rezensent zusammen. Die neue These gründet sich stärker auf den Bundesgedanken, auf den "Monotheismus der Treue", wie Assmann ihn nennt, so Graf. Dadurch fällt der Verdacht auf monotheistisch motivierte Gewaltbereitschaft allerdings nicht weg, weiß der Rezensent, Assmann verlagere ihre Begründung lediglich in das komplexere Verhältnis von Treue und Untreue. Nur dass Assmann sie immer noch als spezifisch monotheistisches Phänomen begreifen will, kritisiert Graf: auch in polytheistischen Religionen finde sich schließlich religiös motivierte Gewalt.
(https://www.perlentaucher.de/buch/jan-assmann/exodus.html)

http://www.fr.de/kultur/literatur/monotheismus-moerderisches-eifern-fuer-gott-a-456035

http://www.fr.de/kultur/literatur/jan-assmann-exodus-welthistorisch-einmalig-a-449450

http://www.fr.de/kultur/literatur/jan-assmann-die-totale-religion-a-742401

Jan Assmanns Bücher bei Perlentaucher:
https://www.perlentaucher.de/autor/jan-assmann.html

Marschleistungen des Militärs

So weit Truppen nicht motorisiert sind, haben sich die Marschleistungen im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert:
Tagesmarsch (Wikipedia)
Es ist erstaunlich, wie vielfältige Informationen man dazu auf gutefrage.net erhält.
Unter anderem versichert TreuerKamerad, dass für ihn jeder Soldat, "der seine Pflicht erledigte" "ein Held" war. Offenbar unabhängig davon, ob er bei Kriegsverbrechen mitgewirkt hat oder nicht.
Aber man erhält auch konkrete Informationen über die Märsche, die ein einzelner Soldat in der Zeit vom 11.4.-30.4.1941 absolviert hat.

Montag, 8. Oktober 2018

Bella Ciao

Den Hinweis auf dies Lied italienischer Reispflückerinnen (sieh: Wikipedia), das als Partisanenlied im Zweiten Weltkrieg bekannt wurde und 2018 offizieller Sommerhit, verdanke ich Herrn Rau.
Wie vielseitig es eingesetzt werden kann, zeigt m.E. dieses Youtube-Video recht gut.
Ich kann mich nicht entsinnen, es je zuvor gehört zu haben.

Es gehört - bei aller Vielverwendbarkeit - zu den politischen Liedern.


Die Menschheit hat lebensbedrohliches Fieber

Noch könnten die Selbstheilungskräfte ausreichen, die tödliche Krise zu überstehen. Noch.

"Um die 1,5 Grad halten zu können, müsste der weltweite Treibhausgas-Ausstoß laut dem Bericht allerdings rapide sinken – bereits bis 2030 müssten er – gegenüber den Level von 2010 – praktisch halbiert sein (minus 45 Prozent) und 2050 „netto null“ betragen. Das bedeutet: Nicht vermeidbare Emissionen, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, würden dann durch CO2-Entfernung aus der Atmosphäre wieder ausgeglichen (siehe Kasten zu negative Emission). Berechnet wurde von den Forschern auch die Möglichkeit, das 1,5-Grad-Limit zeitweise zu überschreiten („Overshoot“), die Temperatur dann aber durch deutlich mehr „negative Emissionen“ dann bis 2100 wieder zu senken. Sie warnen aber, dass die dafür nötigen Technologien zum Teil nicht im großen Stil erprobt sind und teilweise im Widerspruch zu anderen Zielen einer nachhaltigen Entwicklung stehen. Für das Zwei-Grad-Limit bliebe bis zur „Null-Emission“ deutlich länger Zeit – bis etwa zum Jahr 2075."
http://www.fr.de/wirtschaft/klimawandel-das-1-5-grad-limit-ist-machbar-a-1597055,0

Wenn die Selbstheilungskräfte nicht ausreichen, ist Gott der einzig mögliche Arzt.
Also: Handeln oder Gottvertrauen?
Aliens werden sich schwerlich die Mühe machen, die Menschheit zu retten.

Sieh auch:  euro|topics: Weltklimarat schlägt Alarm

Samstag, 6. Oktober 2018

Trump und wen er als Richter bestellt

http://www.fr.de/politik/meinung/kommentare/brett-kavanaugh-und-sie-waehlen-ihn-doch-a-1596227

Es musste ein Demokrat für Trumps Richter stimmen, damit der gewählt werden konnte.

Offenbar hat dieser Demokrat seinen persönlichen Wahlerfolg für wichtiger gehalten als die Verhinderung der Auslieferung des Obersten Gerichtes an einen unberechenbaren Präsidenten.

Mehrsprachigkeit

In der Familie von Karl Marx war, als sie in London lebten, wegen ihrer vorherigen Exilaufenthalte ein buntes Gemisch aus Englisch, Deutsch und Französisch üblich, weil man sicher sein konnte, dass jeder von ihnen alle drei Sprachen beherrschte und vieles sich in einer Sprache besser ausdrücken lässt als in einer anderen. 

Eine schöne Erläuterung zur Situation im Elsass gibt OlliBjoern:
"Im Elsass wird weiterhin (auch) Deutsch gesprochen. Dies betrifft zwar eher etwas ältere Leute, man kann aber nicht sagen, dass Deutsch dort selten wäre (so weit ich weiß, können ca. 40% Deutsch und/oder Elsässisch).
Ich habe im Elsass sowohl Leute getroffen, die nur Französisch sprechen (eine junge Kassiererin im Supermarkt würde ich z.B. immer auf Französisch ansprechen), als auch Leute, die (neben Französisch) auch Deutsch können.
Es kann einem auch passieren, dass man etwas auf Französisch bestellt, und eine Rückfrage auf Elsässisch bekommt. Nicht selten wird einem nach ein paar Sätzen Französisch auch Deutsch angeboten. Es gibt immer noch Leute dort, deren Muttersprache Elsässisch ist. Man kann es nur nicht auf alle Leute verallgemeinern, man muss (gerade bei jungen Leuten) damit rechnen, dass manche nur Französisch können (das sind ca. 60%).
Es gibt so manche nette Mischung aus Französisch und Elsässisch, Kindermenüs heißen in Frankreich üblicherweise "pour les enfants", dort aber "pour les kneckes" (das Wort haben wir auch in unserem Dialekt benutzt im Saarland).
Als Saarländer mag ich diese Mischung (aus beiden Ländern), und die Elsässer mögen (ebenso wie wir) den politischen "Stress" nicht so, wir versuchen, das Beste aus der Grenzlage zu machen, ohne zu "politisieren". Auch die Luxemburger gehören in diese Gemengelage, sie haben die Offenheit für das deutsche und das französische Kulturgut, sind aber auch eigen." (sieh hier)

Das ist etwas anderes als Mischsprachen wie Pidgin- und Kreolsprachen.

Dienstag, 25. September 2018

Erstmals öffentlich im Gespräch, dass Dieselkäufer nicht für den Betrug der Konzerne haften müssen

"[...] Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stellte am Dienstag klar, dass Dieselbesitzer nicht zur Kasse gebeten werden sollten. „Bei möglichen Hardware-Nachrüstungen für deutsche Diesel ist mein Ziel, die Selbstbeteiligung der Halter auf Null zu setzen“, sagte Scheuer. „Mein Ziel ist es auch, dass der Wertverlust für gebrauchte Diesel von den Autoherstellern ausgeglichen wird – entweder bei Rücknahme oder bei Tausch.“
Damit ist eine finanzielle Beteiligung von Dieselbesitzern an Umrüstungen möglicherweise wieder vom Tisch. Zuvor machten auch Überlegungen die Runde, dass die Kunden sich mit 20 Prozent beteiligen könnten – das wären dann zum Beispiel 600 Euro gemessen an Nachrüstungskosten von 3000 Euro. [...]"
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diesel-affaere/dieselfahrer-in-10-staedten-koennten-entschaedigt-werden-15806118.html

Wie es weitergeht, wird sich zeigen.

Eine Tagebuchnotiz aus dem Ersten Weltkrieg - "Fake News" vor 100 Jahren


Mittwoch 9.9.:
"Nichts Neues. Mit Ungeduld wird die Zeitung erwartet. Lügennachrichten der Franzosen und Engländer. (Das Wetter wird wieder wärmer. Etwas bewölkt.) Gewalttaten an Verwundeten und Gefangenen. Das sind ihre Heldentaten."

Optische Täuschung, visuelle Illusionen

Kippbilder

Wikipedia: Optische Täuschung


Sprachen

Sprachforscher gehen von weltweit rund 7100 lebenden Sprachen aus.
Etwa 5,4 Milliarden Menschen haben laut United Bible Societies Zugang zu allen Texten des Alten und Neuen Testaments in ihrer Muttersprache, denn die vollständige Bibel ist jetzt in 674 Sprachen übersetzt (Stand März 2018).  Das Neue Testament ist in weiteren 1515 Sprachen übersetzt, zumindest einzelne biblische Schriften sind in weitere 1135 Sprachen erschienen. Damit gibt es in 3324 Sprachen mindestens ein Buch der Bibel. 
Links:

Samstag, 22. September 2018

Was Wikipediaautoren wissen sollten

"Am Wochenende stand ich mal wieder mit am Wikipedia-Infostand auf Münchens größten Straßenfesten. Ich diskutierte gerade intensiv mit einem frustrierten Ex-Wikipedianer, der meinte, es gäbe keine positive Anerkennung für die Arbeit in Wikipedia – da stürzte ein Mädchen aus der Menschenmenge auf mich zu, als stünde ich vor ihrem Liebsten. Ehe ich mich versah, schüttelte sie mir kräftig die Hand und meinte „Danke, dass ihr mich durchs Abitur gebracht habt!“ – und bevor ich auch nur antworten konnte, war sie auch schon wieder in der Menschenmenge verschwunden. Da meinte mein Gesprächspartner „… Ja, also das ist eine positive Anerkennung … und eine schöne noch dazu.“
Hiermit möchte ich den Dank der jungen Frau einerseits an euch weitergeben und andererseits euch den Tipp geben: Wenn auch ihr manchmal frustriert seid und das Gefühl habt, eure Arbeit wird zu wenig anerkannt, geht raus in die Welt und redet mit den Leuten, für die wir diese Enzyklopädie schreiben. Es lohnt sich – es war zwar die schönste, aber nicht die einzige derartige Begegnung dieses Wochenendes. (M, 12.9)"
(Ein stürmischer Ausdruck von Dank, Wikipedia Kurier 22.9.18)

Freitag, 21. September 2018

300 000 Jahre Deutschland?

300 000 Jahre Deutschland überschreibt die ZEIT (20.9. 39/2018) ihren Artikel zur Berliner Archäologieausstellung im Gropiusbau 21.9.18-6.1.19
"Die größte deutsche Archäologieausstellung aller Zeiten präsentiert aktuelle Funde aus jedem Bundesland. Sie zeigt, wie lebendig die Vergangenheit wird, sobald man sie vom Zeitstrahl löst. Von "

Donnerstag, 20. September 2018

Was man tun kann, um die AfD zu unterstützen

Dass Seehofer auf diesem Gebiet sehr erfinderisch ist, ist bekannt.

Sollte auch Kramp-Karrenbauer auf diesem Gebiet tätig sein?

Die Absetzung des SPD-Staatssekretärs, der für Wohnungsbauförderung zuständig ist,
hätte eine enorme Wahlhilfe für die SPD in Hessen sein können, kann es aber nicht sein, weil die Spitze der Bundes-SPD sie selbst ausgehandelt hat.

Dass die Mitglieder der großen Koalition sich fortwährend ihre Wahlaussichten verderben, ist aber noch das kleinere Übel. 
Sie schaden dem Vertrauen in unsere Demokratie. 

Sonntag, 16. September 2018

Wer sind wir?

Wer bin ich?
Es ist schwer, darauf eine umfassende Antwort geben. Aber es gibt ein paar Antworten, bei denen die meisten von uns sicher sind. Eine einfache ist die nationale Zugehörigkeit.
Wenigstens die ist klar definiert, amtlich festgelegt, auch wenn wir zwei Nationen angehören.

Was halten Sie von diesem Film?
https://www.youtube.com/watch?v=6bV2IeYC3gI&feature=youtu.be

Wie würden Sie ihn kommentieren?

Das können Sie für sich tun, in ihren sozialen Netzwerken oder ausführlich in einem Blog erörtern.
Wie reagieren Sie gefühlsmäßig auf diesen Film?

Frauen glänzen nicht nur durch Schönheit

Laureen Gambino berichtet im Guardian von einem afrikanischen Wettbewerb, in dem sich Mädchen und Frauen von 13 bis 25 Jahren durch brillanten Einsatz von IT-Kenntnissen für Gemeinschaftsprojekte hervortun können.
Die Siegerin bekommt finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihres Projekts.

mehr dazu:
Zur Situation in Ruanda:
"[...] The government has set a target of achieving gender parity in the information communications technology sector by 2020, an ambitious goal in a worldwide industry notorious for its lack of diversity. But through educational campaigns, scholarships and mentorship programmes, Rwanda is determined to become a global leader for women in ICT.
“It’s a good place to be a woman in tech right now,” Kunda says of Rwanda.
Before the genocide of 1994, it was uncommon for women in Rwanda to own land, receive a formal education or hold jobs outside of the home. After the atrocity, the country’s surviving population was 60-70% female, according to contemporary accounts.
President Paul Kagame, who has led Rwanda with an iron fist since 2000, realised that advancing women was the only way forward and has championed their rights ever since.
Rwanda now leads the world in female representation in parliament, due in part to a quota system that reserves seats for women. Gender rights are enshrined in the national constitution and laws were changed to give women the right to inherit land and obtain credit.
As a child, Rosine Mwiseneza, who was orphaned during the genocide, recalls watching the women around her stepping into leadership roles in government and civil society. They became police officers, accountants, butchers, shop owners. Girls went to school and competed alongside boys for internships and scholarships.
Mwiseneza was studying business management at Kepler University in Kigali when she entered the Ms Geek contest in 2016. Her idea was for an automated irrigation system that would help farmers cultivate their fields year-round as opposed to just during the rainy season.
Mwiseneza says she was astounded when she won the competition. In that moment, she remembered her parents and all the hardships she had endured.
“It was very difficult to believe,” she says. “I started thinking of everything that had passed before that day and I began to cry.”
As well as rapid economic growth and rising standards of living, Rwanda is fast becoming a highly digitised society.
In 2013, the Akilah Institute, Rwanda’s first college exclusively for women, launched a diploma in information systems. The programme, which started off enrolling just 10 students each year, has expanded sixfold in the five years since it opened. [...]" (The Guardian 28.5.2018)

Miss Geek Africa (englische Wikipedia)

Stuttgart 21 Ausstieg jetzt

https://www.stuttgart21-ausstieg-jetzt.de/

Donnerstag, 13. September 2018

Briefe an eine Lehrerin (1898 und 1901)


Subkau, 30. Dezember 1898
Liebes Fräulein!
Die Weihnachtsfeiertage habe ich gesund und froh erlebt. Als Weihnachtsgeschenke habe ich einen Ankersteinbaukasten und ein Loterispiel [!], viele Nüsse Pfefferkuchen und Marzipan erhalten.
Auch für Sie liebes Fräulein habe ich etwas aufbewahrt, und wünsche Ihnen Fräulein ein frohes neues Jahr
Ihr treuer Schüler
Alexander N.

Subkau den 30. Dezember 1898.

Liebes Fräulein.
Die Weihnachtsfeiertage über befinde ich mich vergnügt bei meinen Verwandten in Subkau; von denselben bin ich zu Weihnachten mit verschiedenen Sachen beschert worden und zwar mit einem Pferd, Harmonika, Pfefferkuchen, Marzipan und vielen Nüssen, von welchen ich auch für Sie liebes Fräulein aufbewahrt habe. Zum bevorstehenden Neujahr wünsche ich Ihnen liebes Fräulein viel Glück und gute Gesundheit.
Ihr treuer Schüler
Alfons
B.


Münster den 12. Mai 1901.

Liebste Frau G.!
Nachdem wir erst einen Spaziergang zur Sportbahn gemacht haben und nun bei dem herrlichen Wetter im Garten sitzen, will ich die Zeit nutzen, um Ihnen, liebe Frau G., zu schreiben. Daß sie gut in Drolshagen angekommen sind [!] hat mich sehr gefreut. Ich hätte Luischen gar nicht so viel Verständnis für eine so kritische Sache zugetraut. Hier in Münster ist in letzter Zeit immer gutes Wetter; hoffentlich wird es in Drolshagen auch bald recht warm, so daß sie sich dann den ganzen Tag mit Luischen im Freien aufhalten können. Wie bekommt Ihnen und Luischen die Luft dort? Sie schrieben mir, daß es dort sehr ländlich und sehr klein wäre, ich glaube, liebe Frau G., Sie werden sich sehr bald darin finden, und können Sie sich dort ja auch ganz unbehindert der Pflege ihres Kindes widmen. Ich freue mich, dass sie dort so nette Leute angetroffen haben, denn gerade in der Fremde empfindet man es am meisten, wenn uns die Menschen nicht freundlich entgegenkommen. Ich vermisse sie jetzt sehr, da ich sie in der letzten Zeit so recht lieb gewonnen hatte. – – – – – – – – –
Da ich weiß, daß Sie sich noch für das münstrische Leben interessieren, so will ich Ihnen einige Neuigkeiten mitteilen. Gewiß werden sie schon von dem Trauerfall gehört haben, den die Stadt Münster getroffen hat. Am 9ten dieses Monats starb in Bad Ems der kommandierende General Freiherr von Bülow. Heute wurde die Leiche nach Münster geschafft. Morgen früh findet die Beerdigung statt, es soll eine so große Feier werden, wie Münster noch keine gesehen hat. Zu dem Begräbnis kommt wahrscheinlich der Kronprinz von Bonn herüber. Das wäre das Neuste von Münster. – – – –
Uns geht es allen gut, Willi macht auch kleine Fortschritte. Nun, liebe Frau G., will ich schließen, mit der Bitte, mich nicht ganz zu vergessen, und recht bald mal wieder etwas von sich hören zu lassen, bleibe ich mit vielen vielen herzlichen Grüßen an Sie und Ihren lieben Mann, Klein-Luischen nicht zu vergessen, in treuer Liebe
Ihre Cilly

EU-Urheberrechtsreform angenommen - dazu der Startup-Verband

Startup-Verband beklagt immensen Schaden für europäische Startups 


"[...] Das Europäische Parlament hat heute für den Entwurf zur EU-Urheberrechtsreform gestimmt. Ein breites Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, Journalisten, Kreativen- und Künstlervereinigungen, Wissenschaftlern, Rechtsexperten, Netzaktivisten und insbesondere europäische Startups, an dem sich auch der Bundesverband Deutsche Startups (Startup-Verband) beteiligt hat, hatten zuvor eindringlich davor gewarnt den Entwurf anzunehmen. Insbesondere die im Entwurf enthaltenen Regelungen für Uploadfilter, ein europäisches Leistungsschutzrecht und das Verbot von Text- and Data- Mining für kommerzielle Nutzungen stehen in der Kritik. Die EU-Urheberrechtsreform wird immensen Schaden für den Innovations- und Investitionsstandort Europa verursachen. [...]



Über den Startup-VerbandDer Bundesverband Deutsche Startups e.V. wurde im September 2012 in Berlin gegründet. Der Verein ist der Repräsentant und die Stimme der Startups in Deutschland. Er erläutert und vertritt die Interessen, Standpunkte und Belange von Startup-Unternehmen gegenüber Gesetzgebung, Verwaltung und Öffentlichkeit. Er wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Der Verein versteht sich als Netzwerk der Startups in Deutschland. (vollständige Pressemitteilung)

Mittwoch, 12. September 2018

Brand des brasilianischen Nationalmuseums in Rio des Janeiro

Zwanzig Millionen Objekte, darunter zahlreiche von welthistorischer Bedeutung, sind im Flammenmeer unwiederbringlich untergegangen.

Ein Interview mit Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
"Heute scheint es aufgrund von technischen Möglichkeiten kaum noch vorstellbar zu sein, dass eine Bibliothek, ein Archiv oder ein Museum komplett den Flammen oder anderen Katastrophen zum Opfer fallen kann. Und doch gibt es auch für die Gegenwart und die jüngere Vergangenheit immer noch zu viele Beispiele: der Brand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im September 2004 (auch in der Nacht vom 2. auf den 3. September) oder der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im Jahr 2009. [...]
Von Kollegen hörte ich jetzt, dass das Museum zuletzt nur mehr einen geradezu lächerlich geringen Etat gehabt haben soll. Da muss man sich nicht wundern, dass so etwas passiert, noch dazu in einem historischen Gebäude mit sehr viel Holz als Baumaterial. Ich will nicht voreilig urteilen, weil ich wie gesagt die Situation vor Ort nicht kenne. Wenn aber für die Sicherheit von musealen Sammlungen dieser Qualität und Dimension nicht Mindeststandards sichergestellt werden können, dann muss sich der Staat fragen lassen, ob er hier seiner Verantwortung noch nachgekommen ist."
Mehr dazu: hier

Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro (Wikipedia)

Über den Brand vom 2.-3.9.2018 (Wikipedia)

Webseite des Museums

Commons der Wikipedia zum Museum




Webseite des historischen Nationalmuseums

Dienstag, 11. September 2018

Leitfaden zur Sicherheit von Frauen im Internet

Dieser Leitfaden wurde von Frauen für Frauen geschrieben und bietet viele Informationen, wie sich Frauen im Internet schützen können.

"70 Prozent der Frauen sind der Meinung, dass Online-Belästigung ein großes Problem ist, aber nicht viele wissen, wie man sich dagegen wehrt.
Frauen sind oftmals ein Ziel, nur weil sie Frauen sind. Angriffe sind häufig sexueller oder frauenfeindlicher Art. Die Rhetorik scheint sich auf ihre Körper oder auf sexuelle Gewalt zu beziehen. Der Schaden ist sowohl physisch als auch seelisch. Dir Frauen werden oft eingeschüchtert, dass sie schweigen und tun das auch, weil sie sich nicht in Gefahr bringen wollen.
Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie wir uns schützen können.
Der Leitfaden ist mit der Intention entstanden, dass sich Frauen ohne Furcht im Internet bewegen können. Wir beschäftigen uns mit häufigen Fällen, wie Frauen im täglichen Leben belästigt werden. Dazu sehen wir uns die Bereiche soziale Medien, den Arbeitsplatz, Dating und so weiter an. Darüber hinaus geben wir Tipps und Ratschläge, wie Frauen die Kontrolle behalten." (https://de.vpnmentor.com/blog/der-umfassende-internet-sicherheitsleitfaden-fuer-frauen/)

Beispiel für einen Tipp:
"Erhältst Du einen missbräuchlichen Tweet, kannst Du die Person blockieren, die ihn geschickt hat.
Wie Du jemanden auf Twitter blockierst:
Klicke auf den Pfeil nach unten, den Du rechts oben im Tweet findest und dort kannst Du den Sender blockieren.
Es gibt ein Problem beim Blockieren von Anwendern. Sie haben sich sehr schnell ein neues Konto angelegt und das ist bisher natürlich noch nicht gesperrt worden.
Eine Möglichkeit, dem Problem Herr zu werden, ist die App Block Together. Block Together wird automatisch alle Konten blockieren, die Dir folgen wollen, aber weniger als 7 Tage aktiv sind und weniger als 15 Follower haben oder wenn Deine Follower den Nutzer gesperrt haben. Das ist sehr nützlich, wenn Du Dich vor einer Armee an Trollen schützen willst."

Sonntag, 9. September 2018

Mit wem reden wir?

"Wie aber entwickelt sich unsere Gesellschaft weiter, wenn wir nicht miteinander reden? Die gesellschaftliche Spaltung wird deutlich, wenn mir eine Frau in einer linksalternativen Kneipe erzählt, sie besuche ihre Mutter nicht mehr so häufig, seit diese und ihr Lebensgefährte die AfD wählen und gegen Flüchtlinge wettern. Die Fronten verhärten sich. Eine andere Frau sagt mir, sie träume davon, Kuschelkurse für Nazis anzubieten. Ganz so weit bin ich dann doch noch nicht. Doch diese Tage in Chemnitz sind entscheidend, da bin ich mir sicher."
(faz.net 9.9.18)
Soll ich einen entfernten Bekannten darauf ansprechen, weshalb er für die AfD Reklame macht? 
Ich denke, es wäre nicht unwichtig, wenn mehr Parteimitglieder noch zu dem stehen könnten, was für eine Politik ihre Partei  betreibt. Ganz zu schweigen davon, dass vielleicht neue Wähler von dem angesprochen werden könnten, wofür eine Partei sich einsetzt, statt nur davon, wogegen sie ist. 
Dass eine Partei gegen die AfD ist, reicht mir nicht aus, sie zu wählen. 

1966 reichten zwei Jahre Große Koalition, um eine Bewegung auszulösen, die die Bundesrepublik veränderte. 
Wie viele Jahre Alternativlosigkeit kann man sich heute noch leisten? 
Am Ende wählen alle nur noch, um zu verhindern. Das wäre das Ende der Demokratie und eindeutig die falsche Alternative. Dabei brauchte sie nicht einmal AfD zu heißen. 

Das schließt Reden nicht aus, aber ohne Handeln lösen wir die anstehenden Probleme mit Sicherheit nicht. 

Franz Müntefering

Zwar nicht im Gespräch mit Günter Gaus, aber beachtenswert.

Freitag, 7. September 2018

Information von Avaaz zu Monsanto-Gerichtstermin

Liebe Avaazerinnen und Avaazer, 
 unser Gerichtstermin war gestern -- und der Richter hat die Anordnung von Monsanto vollständig ABGELEHNT!!!  Er sagte, dass die gerichtliche Anordnung (sog. subpoena) eine "gewaltig abschreckende Wirkung" hätte, und erklärte: "Kein Mitglied möchte, dass seine Privatsphäre verletzt und seine Aktivitäten öffentlich gemacht werden".
Er hielt Monsanto einen Vortrag über Demokratie und freie Meinungsäußerung!!!! 

Mehr dazu:
 Die "gerichtliche Anordnung hatte uns einen richtigen Schrecken eingejagt. Es hätte uns Monate Arbeit und eine Unmenge an Geld gekostet, alles herauszusuchen und auszuhändigen, was unser Team JEMALS über Monsanto geschrieben oder gesagt hat -- einschließlich der E-Mail-Adressen und Identitäten unserer Mitglieder, die im Rahmen von Aktionen Nachrichten an Regierungsvertreterinnen zum Thema Monsanto geschrieben haben. 

Noch schlimmer: Anwälte haben uns mitgeteilt, dass Gerichte in New York solche Gesuche normalerweise AUTOMATISCH BEWILLIGEN. Weil oft angenommen wird, dass der Zugang zu mehr Informationen gleich mehr Gerechtigkeit bedeutet." 


Was Google fehlt

Die Tochter fragt ihre Mutter, wie man Kräuter trocknet. "Kannst du googeln." "Bei Google fehlt das Mutti-Gütesiegel."

In der Schlange steht ein Pfeifenraucher. Als er gehen will, sagt eine Frau zu ihm: "Bitte bleiben sie noch ein bisschen, Sie riechen so gut nach meinem verstorbenen Mann."

ZEIT-Kolumne "Was mein Leben reicher macht"

Sind unsere Brücken sicher?

Rund 50% aller deutschen Brücken wurden vor 1980 gebaut. "Seit 1980 hat sich der Gütertransport auf der Straße verfünffacht." (ADAC motorwelt 9/2018, S.19)
"Allein 2018 sind 1,4 Milliarden Euro für Brückenerhaltung eingeplant, Tendenz steigend. Zum Vergleich: 2001 bis 2011 wurden nur 360 Millionen pro Jahr investiert." (ADAC motorwelt 9/2018, S.20) - Da hat nie eine Investitionslücke existiert?
Wer finanziert das kostensparende Just in time?
Der „Just-in-time“-Gedanke wurde 1937 bei Toyota entwickelt. International bekannt wurde er 1973. Lagerkosten und Lagerrisiko werden dadurch gesenkt.
"Laut Ingenieursfaustformel verursacht ein einzelner 44-Tonner so viel Verschleiß wie 60.000 Pkw." (motorwelt 9/2018, S.19/20)

Dienstag, 4. September 2018

Schlaf in 2 Minuten

Freilich ist vorher etwas Training genauso nötig wie beim Autogenen Training
Hier die Hinweise.

Donnerstag, 30. August 2018

Facebook-"Freunde"

Daniel Hillig ist niedergestochen worden.
Ein Facebook-"Freund" twittwert: "Daniel war keiner von euch! Er hat Nationalismus, Rassismus und Faschismus IMMER aufs deutlichste abgelehnt und bekämpft. Dass gerade die, die ihm sein Leben schwer gemacht haben, jetzt seinen Tod heuchlerisch dazu benutzen, um Bürgerkrieg ähnliche Zustände zu erzeugen, ist unerträglich!"
Andere Facebook-"Freunde" teilen ein Plakat in Runenschrift: "Ruhe in Frieden Daniel Hillig. Der Tag wird kommen wo jeder das ernten wird, was er verdient hat!"
(Zitate übernommen aus: ZEIT Nr. 36/2018 30.8.18 "Regiert der Mob?", S. 2)

Ich kann mich nicht besinnen, das Wort Frieden und die Rede vom Jüngsten Gericht je so zynisch verwendet gesehen zu haben.

Die Warnungen, dass man Ungerechtigkeiten wie die weit überzogene Bezahlung von Spitzenmanagern, nicht über viele Jahre hin dulden dürfe und dass die Ungerechtigkeiten bei der "Abwicklung" der DDR sich rächen würden, waren offenbar nicht unberechtigt.
Aber nicht nachholende Gerechtigkeit - die ich mir weiterhin wünsche -, sondern ein Rückfall in nationalsozialistische Hetze ist die Folge geworden.

Zum anderen: Wie überlegt und sprachlich differenziert formuliert der eine "Freund" und wie unbedacht und gegen das Interesse des Opfers teilt der andere die Nachricht, die von "Frieden" spricht.
Wo Emotionen aufgerührt sind, ist es schwer mit differenzierten Argumentationen dagegen anzukommen. Da ist der Slogan "Keine Gewalt!" vielleicht das Einzige, was vor unbedachten Taten retten kann.
Daniel Hillig war farbig, sein Vater Kubaner. In diesem Fall wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, diese Tatsache früh zu erwähnen. Aber das hätte wohl auch nicht geholfen, sobald die Stimmung so aufgeheizt ist und die Nationalität eines Kriegsflüchtlings Hassgefühle wachruft.
Alexander Gauland findet alles nicht schlimm, nicht einmal ein Fliegenschiss. Aber das gehört in einen größeren Zusammenhang.

6 Lehren aus Chemnitz formuliert Holger Stark, Kommentator der ZEIT. Ich bin noch nicht so weit.
Vorerst zitiere ich nur einen Satz:
"Wer randalierenden Hooligans und Neonazis die Straße überlässt, wer Unbeteiligte nicht vor Gewalttätern schützen kann, der gibt den Rechtsstaat preis." (Hervorhebung von mir)
Hier wird in schneller Formulierung eine Unfähigkeit, Gewalt zu verhindern, als eine Handlung interpretiert. 
Wohin kämen wir, wenn man bei Terrorismus ähnlich argumentierte? Dann wäre jedes Selbstmordattentat ein Beweis, dass der Rechtsstaat preisgegeben wird. 
Aber vorerst verzichte ich auf meine eigenen Lehren und gestatte mir, nicht zu wissen,
was man aus dieser Gewaltdemonstration am dringendsten lernen sollte.

Eine Formulierung von H. Stark greife ich freilich gern auf: ein "Signal gegen den Kontrollverlust der Politik", mit meinen Worten: ein erkennbares Zeichen, dass politische Entscheidungen aufgrund demokratischer Meinungsbildung getroffen werden, das braucht es unbedingt. Die Vorstellung, dass Politiker keinen Gestaltungswillen mehr haben, sondern von außen gesetzten "Sachzwängen" folgen, ist Gift für die Demokratie und Nährboden für Radikalismus und Gewalt. 

Politische Bildung in Sachsen SPON 30.8.18

Focus meint, AfD und Regierung setzten gemeinsam den Rechtsstaat unter Spannung , genauer gesagt: , Focus 3.9.18
Wikipedia:
"Seit Juni 2018 gibt er das Steingarts Morning Briefing heraus. Es ist vom Handelsblatt Morning Briefing, das Steingart in seiner Zeit als Herausgeber des Handelsblatt selbst eingeführt und aufbaut hatte, zu unterscheiden.[12] Steingarts Morning Briefing erscheint jeden Werktag per E-Mail-Verteiler und ist auf seiner Website hinterlegt.[4] Zudem erscheint es gelegentlich als Gastbeitrag bei Focus Online.[5]
Der Starttermin wurde medial begleitet und Steingart mit den Worten zitiert: "Ich lasse Sie nicht mehr alleine aufwachen."[13][14]
Steingarts Morning Briefing wird häufig von anderen Medien aufgegriffen und zitiert.[15][16][17][18] Auch von unterschiedlichen Medienpersönlichkeiten wird es erwähnt.[19][20]
Seit August 2018 gibt es Steingarts Morning Briefing als Podcast, erweitert um Interviews zu den Themen der jeweiligen Ausgabe." (Steingarts Morning Briefing)

Freitag, 24. August 2018

Wie man Computerstandardprogrammen ausweicht

"[...] Die anderen Programme, die zusätzlich zum Standardprogramm installiert sind, kann man auswählen und dafür gibt es einen Trick. Klicken Sie die Datei, die Sie öffnen möchten, nicht mit einem Doppelklick an, sondern verwenden Sie den Rechtsklick. Es öffnet sich nun das Rechtsklick-Menü. Hier gibt es einen Menü-Punkt mit dem Namen “Öffnen mit”Wenn Sie hier mit dem Mauszeiger über “öffnen mit” fahren, so werden in einem neuen Menü alle verfügbaren Programme angezeigt, die diese Datei öffnen können. Hier wählt man nun einfach das gewünschte Programm aus (im Foto Punkt 1). Dieses Programm wird dann aber nur dieses eine Mal verwendet. Wenn man das Standardprogramm dauerhaft umstellen möchte, so ist dies auch möglich. Dafür klickt man ganz unten auf den Punkt “Standardprogramm auswählen” (im Foto Punkt 2). Bei Windows 10 heißt der gleiche Punkt “Andere App auswählen”. Es öffnet sich dann ein Fenster, in dem man ein neues Standardprogramm zum Öffnen dieses Dateityps auswählen kann. [...]"
https://levato.de/so-tricksen-sie-den-computer-aus/

Gudrun Krämer: Geschichte des Islam

Gudrun KrämerGeschichte des Islam

Einen Hinweis, dass es ein völliges Missverständnis ist, wenn man von einem islamischen Mittelalter spricht, "weil sich die Transformationsprozesse in der Spätantike in Europa und in Vorderasien auf ganz unterschiedliche und häufig gegensätzliche Weise vollzogen" und weil er "den Blick auf die wirklichen Epochengrenzen" verstelle, gibt Thomas Bauer hier. Man versteht nicht die Epochengrenzen, wenn man sich nicht klar macht, dass während des Aufstiegs des Islam zur Weltreligion für diesen Raum das römische Reich und damit die Verbindung zur Antike fortbestand und dass der Mittlere Osten (Middle East) eben nicht am östlichen Rand (Orient) des damals wichtigen Kulturraums war, sondern eher im Zentrum, wo die Seidenstraße "den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband" (Seidenstraße) und der kulturelle Austausch am intensivsten war. (Man bedenke, dass das mongolische Reich, das sich zu seinem Höhepunkt von Europa bis Ostasien erstreckte, rund 150 Jahre das größte Weltreich war und erst nach rund 500 Jahren ganz unterging. In den 150 Jahren lag Europa "am westlichen Rand".

Mehr zum Buch selbst soll noch folgen.

Über das islamische Opferfest, faz.net 24.8.18

Mittwoch, 22. August 2018

Paul Spiegel: Was ist koscher?

Paul Spiegel: Was ist koscher?

Spiegel "erzählt von jüdischer Religion und Geschichte, erklärt Riten und Festtage, die Rolle der Familie und des jüdischen Humors. Natürlich geht er auch auf aktuelle Fragen ein, auf jüdisches Leben nach dem Holocaust und die Bedeutung des Staates Israel für Juden in aller Welt." (Paul SpiegelWas ist koscher?, Rezension)

Wenn man bedenkt, dass es für einen erwachsenen Juden 613 Mitzwot (Gebote und Verbote) gibt, nach denen er sich ein Leben lang richten soll*, kann man sich kaum vorstellen, dass das vielen gelingt, zumal man ja nicht freiwillig Jude wird, sondern diese Vorschriften aufgrund seiner Geburt zu befolgen hat. Freilich, wenn man sie kennt, ist es fast noch erstaunlicher, dass erwachsene Personen sich freiwillig all diesen diesen Vorschriften unterwerfen und dass sie sich jahrelang bemühen, Jude werden zu dürfen. 
Juden betreiben keine Mission, vielmehr erschweren sie es, sich ihrer Religionsgemeinschaft anzuschließen, gerade weil es nicht einfach ist, sich diesen Vorschriften und den Anfeindungen, die Juden erleben, zu stellen. 

Zu  diesen Aussagen ist freilich zweierlei hinzuzufügen: Die Juden sind insofern "Erfinder" des "Rassismus", als sie die Sonderstellung einer Gruppe allein auf ihrer Abstammung über Jahrtausende propagiert haben. (Spiegel, S.17-33; dagegen aber Spiegel S.143 "Denn anders, als uns der Antisemitismus seit über 150 Jahren einzureden versucht: Wir Juden sind keine Rasse, sondern ein Volk." - Hervorhebung von Fontanefan) Und es gibt eine Ausnahme von dem Verzicht auf Mission. Unter den Makkabäern wurden besiegte Völker sogar zur Konversion zum Judentum gezwungen. (Spiegel, S.92)
"Das Lernen der Regeln für den Tempeldienst (und damit die Erinnerung daran) war nun das Äquivalent für die eigentlichen Handlungen im Tempel. So verfuhr man in allen Lebensbereichen, die den Glauben tangierten und die nun, nach der Zerstörung, nicht mehr praktiziert werden konnten." (S.100)*
Maimonides, "einer der wichtigsten jüdischen Gelehrten aller Zeiten" lebte von 1135 bis 1204 in einer Phase intensiven Austauschs zwischen arabischen und jüdischen Gelehrten.
Seine "herausragende Leistung lag unter anderem darin, dass er als Kenner der Werke des Aristoteles, dessen Gedankengebäude mit jüdischer Philosophie zu verbinden wusste, ebenso wie er durch die Kenntnis der Texte des berühmten muslimischen Philosophen Averroes auch arabisches Gedankengut verarbeitete. [...] seine Werke sind nicht etwa auf Hebräisch, sondern auf Arabisch geschrieben! " (S.109)

Über den Bund des Volkes Israels mit Gott:
"Der Rabbi von Kozk, einer der großen, gewaltigen spirituellen Führer des osteuropäischen, chaassidischen Judentums, hatte einst ein furchtbares Gebet an Gott gerichtet. Es war eine Zeit der Not, als er es sprach: "Herr der Welt, erbarme Dich unser. Rette uns. Zeige dich endlich. Denn sonst ... sonst werden wir nicht mehr dein auserwähltes Volk sein ... wir werden den Bund mit dir aufkündigen!"
Eine schreckliche Drohung, die für Nichtjuden verrückt erscheinen mag. Denn was ist der Mensch schon im Angesicht Gottes? Wie kann er sich erdreisten, den Herrscher der Welt so herauszufordern? Er kann es, besser: Der Jude kann es, denn der Bund ist ein Vertrag, den beide Seiten, Gott und Abraham, in völliger Gleichheit miteinander geschlossen haben, als Gleichberechtigte." (S.164)

Im KZ Theresienstadt stand auf einer Wand "ein denkwürdiger Satz: wir haben deinen Namen nie vergessen, Herr, vergiss auch du uns jetzt nicht! 

Dies heute, rund sechzig Jahre nach dem Holocaust, auf der Wand [...] zu lesen ist erschütternd. Zugleich ist es aber auch ein weiteres Zeugnis dieser gleichberechtigten Wechselbeziehung zwischen Gott und dem jüdischen Volk, die ohne Vergleich in der Religionsgeschichte ist." (S.164)

Eine Überlieferung besagt, dass der Messias – auf den wir Juden ja immer noch warten – erst dann kommen wird, wenn alle Juden zweimal hintereinander die Schabbatgebote einhalten, oder aber, wenn alle Juden zweimal hinter einander die Schabbatgebote nicht einhalten!
Beide Fälle beschreiben zwei völlig entgegengesetzte Möglichkeiten: Im ersten Fall geht die Überlieferung davon aus, dass alle Juden wirklich fromm geworden sind und die Gebote Gottes in all ihren komplexen Anforderungen erfüllen. Damit wäre das gesamte jüdische Volk wahrhaftig und wirklich gesetzestreu, es würde auf Gottes Wegen wandeln und hätte all die Niederungen der menschlichen Schwäche, der Niedertracht, des Bösen und des Gemeinen hinter sich gelassen. Dann käme, fast zwangsläufig, die Erlösung in Gestalt des Messias, der nach der Überlieferung nicht nur das jüdische Volk, sondern die gesamte Welt erlösen wird. Das ist dann die Zeit, wenn "Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet" werden.
Bei der zweiten Möglichkeit ist das genaue Gegenteil der Fall: Kein einziger Jude hält sich an die göttlichen Gebote. Das jüdische Volk ist also ein "abgefallenes" Volk, abtrünnig geworden von Gott, gottlos, es lebt auf allertiefstem Niveau, fern jeglicher Spiritualität, fern jeglicher Ethik, jeglicher Moral – dann muss der Messias ebenfalls kommen, denn dann steht es ganz schlimm um das auserwählte Volk. Es muss dringend gerettet werden, ebenso wie der Rest der Welt. 

(S. 199/200)

Über das Leben von Juden in Deutschland:
"Und wenn man bedenkt, dass die Jewish Agency noch Ende der vierziger Jahre gedroht hat, alle Juden, die nicht innerhalb von sechs Wochen Deutschland verlassen, später nicht mehr als Juden an zu erkennen und ihnen somit eine spätere Einwanderung nach Israel zu verwehren, mag das heute, wo Zehntausende Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, wie aus einer anderen Zeit erscheinen." S.299/300)
"Nur wenn sich Deutschland weiterhin als freier, pluralistischer und liberaler Staat bewährt, werden die Juden sich eines Tages in Deutschland wieder "daheim" fühlen können." (S.303)
* "Nach jüdischem Recht dürfen in Lebensgefahr bis auf drei (Mord, Götzendienst, Unzucht) sämtliche Gebote der Tora gebrochen werden" (Wikipedia)
* Eine Schulung in Abstraktion, die durchaus positiv gesehen werden kann, auch wenn solche Verfahren (wie etwa das Studium der toten Sprache Latein) mit dem Begriff "Säbelzahntigercurriculum" verspottet worden sind."

Zur Fortsetzung (Geschichte des Islam)