Freitag, 29. März 2024

HateAid

HateAid

HateAid sieht sich als gemeinnützige Organisation für Menschenrechte im Netz. Mit ihrer Betroffenenberatung und rechtlichen Unterstützung sowie mit der Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft für digitale Gewalt, will HateAid demokratische Grundwerte im Netz stärken. Die Organisation bietet Betroffenen von digitaler Gewalt[2][3][4] bei Hasskommentaren und anderen Formen digitaler Gewalt eine emotional-stabilisierende Erstberatung, aufbauende Beratungen sowie gegebenenfalls eine Prozesskostenfinanzierung an.[5] Über einen Fonds zur Prozesskostenfinanzierung führt sie Zivilprozesse gegen digitale Straftaten im Namen von Betroffenen. Durch die erstrittenen Schadensersatzansprüche sowie Spenden möchte sie weitere Prozesse finanzieren.[2]

(Wikipedia: HateAid)


 Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Menschenrechte schützen uns – eigentlich offline wie online. Sie garantieren unsere Würde und unsere gesellschaftliche Teilhabe. Doch leider sind wir im Internet schutzlos. Denn wer unsere Gesellschaft mitgestalten will, lebt gefährlich. Menschen, die Demokratie-Demos organisieren, werden im Netz angegriffen. Jene, die online ihre Meinung gegen Rassismus oder Menschenfeindlichkeit sagen, entblößt und vorgeführt. Statt Liebe geht der Hass viral.

Im Internet findet unsere öffentliche Debatte statt. Hier sollten Perspektiven diskutiert, Kultur geteilt und Demokratie gelebt werden. Doch aktuell steht genau das auf dem Spiel. Denn auf TikTok, Instagram und Co. geben die Hater*innen den Ton an. Hier werden Lügen zu News. Engagierte Stimmen werden mit Hass eingeschüchtert. Und mit gefälschten Nacktbildern werden Karrieren zerstört. Rechtsradikale und andere Demokratiefeind*innen vereinnahmen das Internet, und zerstören das, was es eigentlich sein sollte: ein Raum für alle.

Die Folgen sind jetzt schon sichtbar: Der ungehinderte Hass der Aggressiven hat bereits Tausende Menschen von X und anderen Plattformen vertrieben. Es droht ein Internet der wenigen Lauten. Ein Internet, in dem niemand mehr Vielfalt lebt und sich für Demokratie einsetzt. Ein Internet, in dem unser aller Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Mit einer Offensive für die Menschenrechte im Netz können Sie #UnserInternet wieder zu dem zu machen, was es sein sollte: Ein Ort, an dem Demokratie gelebt wird.

Bitte machen Sie sich stark für ein sicheres Netz. Holen wir uns gemeinsam #UnserInternet zurück. Denn Menschenrecht gilt auch digital.

Mit freundlichen Grüßen

Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin HateAid
Josephine Ballon, Geschäftsführerin HateAid

https://hateaid.org/offener-brief-unser-internet/

Donnerstag, 28. März 2024

Metropolis

 Roman (1925) VON Thea von Harbou 

Stummfilm VON Fritz Lang, (1927)    Filmhandlung


WIKIQUOTE ZU Thea von Harbou:

"Wenn die zwei Worte »Erste Liebe« das Gefühl umgrenzen, das ein junges Geschöpf zum erstenmal zu allen Höhen der Glückseligkeit und allen Tiefen der Verzweiflung schleudert, dann galt meine erste Liebe Winnetou, dem großen Häuptling der Apachen. Diese Liebe kam in mein Leben, als ich zwölf Jahre alt war; und ich bin ihr treu geblieben bis auf den heutigen Tag." - über Karl Mays Lebenswerk, Die Woche, Weihnachtsheft, Berlin 1926

Sonntag, 24. März 2024

Twittergespräche

Was man heute unter dem Hashtag #twitter findet.

Gespräche, wie sie vor dem Aufkauf durch einen bekannten Milliardär dort noch geführt wurden:

11.8.2009:

Filterraum#wissenschaftler "...teilweise erscheint ihnen die Realität lästig und störend" http://bit.ly/a0cUJ

Fischblog@Filterraum Kann man da antworten? Bei den Papers, die ich so lese, steht jedenfalls vorne immer dabei, was neu und relevant ist #abstract

Filterraum@Fischblog ich kann da nicht intern antworten da kein wissenschaftler, du ja weil wissenschaftler. einfach anmelden =)

berndweiss@Fischblog Hat mich auch schon gestört, aber @jeanpol schränkt es ja etwas ein: "Natürlich wird es meist getan, aber der...".

Fischblog@Filterraum Von der Wissenschaft die ich kenne ist das nicht einmal ein Zerrbild.[2]

Filterraum@Fischblog hehe, leider ist dort #wissenschaftler nicht klar definiert, aber wie ich dass seh bist du einer in diesem kontext

Filterraum@Fischblog geht mir bei den themen #bildung #kultur #politik #medien ähnlich wie dir

Fischblog.@Filterraum Vllt. sollten man sich darauf einigen, dass es "die" Wissenschaft nicht gibt, sondern nur einzelne Wissenschaften

Filterraum@Fischblog "Vllt. sollten man sich darauf einigen..." ich beobachte eher zunehmende #singularität

Fischblog@Filterraum Inwiefern? Methodisch driften Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften doch immer stärker auseinander.

berndweiss@Fischblog Nö, zumindest für Teile der Sozialwissenschaften gilt, dass sie sich immer stärker auf die Naturwissenschaften zubewegen.

zoonpolitikon@berndweiss @fischblog Woraus schliesst ihr das? Ich sehe keine eindeutigen Trends (zumindest in den Sozialwissenschaften).

zoonpolitikon@berndweiss Ev. in den Politikwissenschaften historisch etwas anders (Bauchgefühl). Höhepunkt des Quantitativen war in den 50er und in US.

zoonpolitikon@berndweiss Rational Choice schon lange dominant. Statistik und RAT meines Erachtens seit Jahrzehnten stabil. I guess that is where I sit.

zoonpolitikon@berndweiss Vielleicht einmal einen Blogeintrag wert, wie das in den Internationalen Beziehungen aussieht. Danke für die Idee.

Filterraum@Fischblog in dem sinne "dass die Menschen verstandesmäßig nicht mehr folgen können" http://bit.ly/c7VVD #singularität [aktuelle Tweets zu #singularität]

jeanpol@Fischblog @berndweiss @Filterraum ich verstehe, dass mein beitrag seltsam wirkt: http://wissenschaftler20.mi...

Fischblog@jeanpol Das ist einleuchtender, aber warum schreibst du von Wissenschaft, wenn nur der Anspruch von Wissenschaftlichkeit gemeint ist?

Fischblog@berndweiss Ich sehe als Naturwissenschaftler nicht, dass die sozialwissenschaftliche Methodik sich auf die Naturwissenschaften zubewegt.

Fischblog@berndweiss Ich habe den Eindruck, dass die S. sich von den Geisteswissenschaften emanzipieren und dafür ihre eigenen Methoden ausbauen.

Fischblog@berndweiss Es mag Parallelen zu den empirischen Naturwissenschaften geben, aber ich sehe das schon als eigenständige Entwicklung.

jeanpol@Fischblog deine überlegungen gerade sind sehr wichtig für mich geisteswissenschaften/natruwissenschaften/sozialwissenschaften

berndweiss@Fischblog Natürlich adaptieren die Soz.wiss nicht sklavisch alle natwiss Methoden., hängt ja auch von Fragestellung ab. Aber Dinge wie... Replizierbarkeit oder Mathematik/Statistik werden wichtiger.


Das [folgende] Gespräch [über Schulfinanzen und Schulbücher] wurde am 14.9.09 zwischen lisarosa, herr_larbig, scheppler und cspannagel geführt.

lisarosa@herr_larbig mehr Geld für digital inhabitants - Lehrer? Hm, ich glaub, weniger Unterrichtsverpflichtung wäre besser! = mehr Zeit f. Innovat

herr_larbig@lisarosa Zeit für Innovation = gut. Aber es muss auch die Frage gestellt werden, wie die gewollten PC-Aktivitäten der SuS finanziert werden

lisarosa@herr_larbig Finanzierungsfrage stellt sich ja immer. Solange wir mit unseren Bildungsausgaben nur knapp vor Mexico und Bulgarien liegen ...

scheppler uff, von 7 bis 17 Uhr Schule. Und das wird jeden Tag dieser Woche so sein. #Gehaltserhöhung beantragen?

herr_larbig@scheppler Und schon stellt sich die Frage, auf wessen Kosten eine Modellschule eine Modellschule ist…

cspannagel Jetzt Thema: Urheberrecht und Web 2.0 #bel09 #3el09

herr_larbig@lisarosa ganz genau. habe ich bislang das thema geld immer vermieden, tippe ich es jetzt doch hin und wieder mal an. Finanzierungsfrage würde weniger stellen, wenn wir nur Hefte und Bleistifte einsetzten ;-)

cspannagel Durch eigene Lizenzen wird die kollektive Freiheit eingeschränkt. #3el09 #bel09

lisarosa@herr_larbig und bist Du denn der Meinung, dass man mit Heften und Bleistiften heute die notwendigen Kompetenzen entwickeln kann? und wurde in Kalifornien nicht gerade aus Spargründen kindle statt Schulbuch eingeführt?

scheppler @lisarosa Ich staune auch, dass die Obrikeit noch nicht das Sparpotential digitaler Schulbücher entdeckt hat.

scheppler @herr_larbig so einfach ist die rechnung dann doch wieder nicht ;-) #Modellschule

herr_larbig@lisarosa das wurde aus Finanzierungsgründen auf den St. Nimmerleinstag verschoben.

cspannagel@scheppler @lisarosa Ich weiß nicht, ob das wirklich günstiger wäre. Die Verlage würden vermutlich Lizenzgebühren verlangen. #digibooks

herr_larbig@cspannagel Ein DigiBook, das hochwertige, von Lehrenden via Wiki erstellte Inhalte hätte. Ende der Schulbuchverlage. @scheppler @lisarosa

scheppler @cspannagel Ja, aber die wären sicher deutlich geringer als Printkosten. Länder sind ja einzige Kunden

cspannagel@scheppler @lisarosa @herr_larbig Müssen die Schulen eigentlich Schulbücher kaufen? Gibt es schulbuchfreie Schulen?

scheppler@cspannagel Es gibt Schulbuchfreiheit für Schüler. Welche/ob Bücher beschafft werden entscheidet meist Fachschaft.

cspannagel@scheppler Wäre Schulbuchverzicht nicht eine super Möglichkeit für Schulen, jede Menge Geld zu sparen und anders zu investieren? MIt einer Sammlung von Alternativmaterialien könnte das doch u,U. zumindest stellenweise funktionieren...

herr_larbig@cspannagel Da manche Fachschaften nicht viel Geld zur Verfügung haben… Ich arbeite in Religion teilw. ohne Bücher statt mit 30Jahre alten. Ein gutes Schulbuch ist allerdings eine echte Arbeitsunterstützung… (Arbeitszeiten!, die schon jetzt über dem Erträglichen sind)

scheppler @cspannagel Nutze Schulbücher kaum noch - selbst wenn wir welche haben. Potential ist da, muss genutzt werden. Verlage sind noch (zu) mächtig

lisarosa@cspannagel @herr_Larbig @scheppler in HH müssen die Schüler 80 bis 100 Euro pro SJ bezahlen, um Schulb. zu mieten, d. von Steuern bezahlt! und dann sind die Eltern natürlich sauer, wenn die Bücher nur selten genutzt werden und stattdessen Web


Gespräch über die Schwierigkeit, Deutsch zu lernen

In diesem Fall wurde ein Text auf mehrere Tweets aufgeteilt und so dargeboten, bis dazu immer mehr Kommentare angeregt wurden. Die Verzweigung in die Kommentare ist ohne die technischen Voraussetzungen nicht leicht nachzuvollziehen. (getwittert am 16.6.2018)

Hier der Text

Wisst ihr, was ein Problem sein könnte, warum Menschen irgendwann aufgeben, Deutsch zu lernen? Die Reaktionen auf "schlechtes" Deutsch. Wenn ich anfange, eine Sprache neu zu erlernen, mache ich Fehler. Ich dekliniere Verben falsch, werfe Tempi durcheinander, spreche mit Akzent.

Das ist vollkommen normal und lässt sich nicht vermeiden. Ging mir überall dort, wo ich selbst eine Sprache neu gelernt habe, genau so. In Spanien haben sich alle bemüht, mich irgendwie zu verstehen. Es war mir schon peinlich, beispielsweise "Du Telefon Taxi Bitte" zu sagen, weil ich es einfach nicht besser ausdrücken konnte. Mein Gegenüber zuckte ganz kurz mit dem Mundwinkel zu einem Grinsen, wiederholte dann meine Frage nochmal richtig um sicher zu gehen, ob er mich richtig verstanden hat und beantwortete sie dann. Niemand sprach mit mir wie mit einem Kleinkind. Jeder versuchte, mich zu verstehen und sprach einfach ganz normal mit mir. Erst, wenn ich wirklich nicht verstanden habe, was mein Gegenüber mir sagen will, wurde langsamer, deutlicher, ggf einfacher und mit Händen und Füßen gesprochen. Sobald in Deutschland jemand so spricht, redet der Großteil der Menschen mit dieser Person nur noch wie mit einem Idioten. Aber wie zum Henker soll ich denn die Sprache lernen, wenn die Umwelt nicht richtig mit mir spricht? Woher soll jemand Übung im Deklinieren bekommen, wenn man nie deklinierte Verben hört? Oder korrekte Satzstellung? Oder die "Sie" - Form? Wenn man von Deutschen sofort und ohne es wenigsten versucht zu haben immer nur ein Deutsch a la "Du drücken Taste hier wenn blinkt grün" oder "Du putzen Treppenhaus gestern?" zu hören bekommt KANN man es doch gar nicht besser lernen. Dass Menschen dann auch nach Jahrzehnten hier immer noch so sprechen ist kein Wunder. Sie reden doch GENAUSO wie die DEUTSCHEN. Und das zweite Problem sind die Reaktionen, wenn jemand es wenigstens versucht. Als ich angefangen habe, Indonesisch zu lernen, habe ich immer mit allen so viel Indonesisch gesprochen, wie ich es halt konnte. Anfangs waren das ein paar Worte. Aber die Reaktion war immer Freude bis hin zu Begeisterung. Ich konnte keinen vollständigen Satz bilden, aber mein Gegenüber half mir, die fehlenden Vokabeln zu ergänzen und strahlte bis über beide Ohren, dass ich es wenigstens versuchte. In der Folge war ich super motiviert, paukte Vokabeln und gab mein bestes, um nicht immer so schnell auf Englisch umsteigen zu müssen. Wer in Deutschland keinen ganzen Satz sagen kann, wird bestenfalls belächelt, aber meist mit einem genervten Augenrollen betrachtet. Dass man dann irgendwann keinen Bock mehr hat und es halt gar nicht mehr versucht, ist einfach verständlich. Ganz besonders auch noch wegen dem letzten Punkt: Sprachen lernen kann verdammt schwer sein! Ich habe Spanisch und Indonesisch jeweils binnen 6 Monaten halbwegs flüssig gesprochen. Ich habe 6 Jahre in China gelebt und gearbeitet und kann bis heute nur eine Hand voll Sätze und Wörter, die ich auswendig gelernt habe. Weil die Sprache denen, die ich bereits kann, absolut nicht ähnlich ist. Trotz Kurs und Alltag habe ich die Vokabeln einfach nie behalten können. Und wenn ich daran denke, wie schwer Deutsch als Fremdsprache ist (Grammatik, dasselbe Wort mit völlig unterschiedlichen Bedeutungen je nach Kontext, Dialekte) finde ich es wirklich nicht verwunderlich oder verwerflich, dass jemand Jahrzehnte braucht, um sich halbwegs ausdrücken zu können. (Fontyfan mit Links zu einigen der Tweets, 12.6.2018)

Dazu hat sich dann eifriges Gespräch mit über einem Dutzend Teilnehmern entwickelt, das weiterführte zu Babysprache und den folgenden Anmerkungen, die das Thema m.E. thematisch sinnvoll bereicherten:

florian v.: Na ja, ich interessiere mich selbst für Sprache(n), liebe Englisch, habe im Studium mal zwei Semester Schwedisch gelernt, spreche (etwas) Esperanto und habe mir neulich Toki Pona angeschaut Und ich finde es wichtig, sich selbst daran zu erinnern, wie schwierig die eigene ist.

Cat in Chief (((i))): Das ist der Grund, warum ich als Deutschlehrerin in der Erwachsenenbildung mich gerade durch Arabisch quäle. Der Anstrengung wegen - und um den SuS zu zeigen: es ist normal, wenns schwer fällt, wenn Fehler passieren. Und es ist jedes Wort schön, das verstanden wird :-)

(((emden)))‏: Ein wichtiger Nachteil d.Deutschen (z.B. IT-) Wirtschaft ist, dass viele Deutsche, Menschen mit schlechtem Deutsch für weniger Intelligent halten als sich selbst. In englischsprachigen Ländern existiert das Problem so nicht.Ergebnis:qualifizierte Fachkräfte zieht es eher dorthin.

IGloomy Juliet's Cup of Tea: Ideal für das Beispiel ist, dass du Tempi statt Tempora[3] verwendet hast. Meine Erfahrung ist: Wenn Franzosen, Amerikaner, ... eine Sprache lernen, ist der Akzent und die Fehler süß. Keiner verlangt ein höheres Niveau. Bei Syrern, Marrokanern, Türken ist es immer mangelnder Wille.

BLCKMLK™:‏ Aber ganz genau darum wurdest du als Deutsche auch mit rudimentären Sprachkenntnissen ernstgenommen. Einwanderer, eventuell sozial bedürftig/arbeitsuchend, etc, werden das in Spanien und Indonesien auch nicht. Es gibt immer gute und schlechte Ausländer.

Thomas Kopp‏: Ist in Schweden aber ähnlich. Da ist es sogar teilweise so, dass die Nordschweden die Südschweden nicht verstehen und man dann - wie mit anderen deren schwedisch man nicht versteht auf englisch antwortet*

Dass die Tweets weder sprachlich noch in der Rechtschreibung durchweg korrekt sind, passt zu Fledermamas Klage über deutschen Anspruch auf Perfektion.

Quelle: ZUM-Wiki Twittergespräche

Zu dem Hinweis auf "Wissenschaftsdebatte" in dem ZUM-Wiki-Artikel  hier ein Link zu der aktuellen Seite Wissenschaftsdebatte.de

*Die Fremdsprache, die in Schweden am häufigsten auf duolingo gelernt wird, ist Schwedisch. Englisch lernen Schweden anscheinend/scheinbar (?) nebenher und brauchen keine Unterstützung durch einen Sprachkurs. (Fontanefan)



Montag, 18. März 2024

Jorge González: "Ich bin alles, was die AfD hasst"

 Ein geistreicher Interviewpartner

Daraus:

"ZEITmagazin ONLINE: Wie haben 30 Jahre Deutschland Sie verändert?

González: Ich könnte jetzt sagen, dass ich zielorientierter, fleißiger und diszipliniert geworden bin. Vor allem habe ich aber spazieren gehen gelernt. Anfangs habe ich mich immer gefragt, wo die ganzen Leute hinlaufen und warum sie im Kreis gehen. Heute rufe ich meine Freunde an und frage, ob wir eine Runde im Park drehen."

https://www.zeit.de/zeit-magazin/unterhaltung/2024-03/jorge-gonzalez-heimat-migration-deutschland/komplettansicht

2022 betrug das jährliche Durchschnittsgehalt

 rund 50.700 Euro brutto

Monatlich entspricht dies einem Gehalt von um die 4.225 Euro brutto und einem Stundenlohn von etwa 26 EUR pro Stunde brutto

Ein Rückblick auf die Corona-Maßnahmen in der Pandemie

 Kanzlerin Angela Merkel erklärte den Deutschen am 18. März 2020, was in der Pandemie auf sie zukommen werde. [FR 17.3. 2024]

"Es war der Moment, als alle die Luft anhielten. Am Abend des 18. März 2020 trat die Bundeskanzlerin vor die Kameras. Angela Merkel hatte Bedeutendes zu sagen. Die Bilder aus der Tagesschau kannte man bereits: Lkws, die beladen mit vielen Toten die italienische Stadt Bergamo verließen. Alles in der Dunkelheit, möglichst wenige sollten aufmerksam werden, doch gesehen hatte es die ganze Welt. Und auch die Regierenden in Berlin.

„Es ist ernst“, sagte Kanzlerin Angela Merkel im Ersten, ZDF und anderen Fernsehsendern zu den Deutschen. „Nehmen Sie es auch ernst.“ Ein klitzekleines Virus hatte die Welt im Griff. Schon im Dezember hatte man aus China beunruhigende Nachrichten vernommen, dass dort eine Epidemie ausgebrochen sei. Einige warnten bereits eindringlich, hier gehe eine Gefahr für die ganze Welt aus. Meldungen über eine Corona-Epedimie die meisten Zeitungen auf ihren Panorama-Seiten. Erst einige Wochen später sollte es zu einem weltpolitischen Gegenstand werden – und auf die Politikstrecke und die Titelseiten vorrücken. Doch bis dahin herrschte fast überall Business as usual.

In Deutschland erwachte man erst am 9. März aus dem selbstgerechten Schlummer. In Heinsberg hatten sich in einer Karnevalssitzung einige Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. An dem Tag wurde der Tod von zwei Menschen gemeldet. Deutschland hatte die ersten Corona-Toten zu beklagen. Einige Teilnehmer hatten sich zuvor beim Skifahren in Österreich mit dem Virus infiziert. Zugleich gab es immer mehr Bilder aus Bergamo, wo gespenstische Verhältnisse herrschten. Viele fragten sich, wann reagiert die deutsche Regierung auf die bedrohliche Situation. Doch hierzulande herrschte eiserne Zuversicht. Man habe alles im Griff, hieß es. Bis Merkel im TV auftrat. Die Corona-Pandemie sei die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärte sie dem sichtlich erstaunten Publikum. „Wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten.“ Es sei „existenziell“, das öffentliche Leben so weit es geht herunterzufahren. [...]

Doch nun war konkrete Politik gefordert. Sie fordert Bürgerinnen und Bürger auf, sich an die Regeln und Einschränkungen zu halten, die der Staat ihnen auferlegt. Alles, was Menschen gefährden könnte, müsse reduziert werden, sagte sie. Es gehe darum, „Zeit zu gewinnen“. Die Ausbreitung des Virus müsse verlangsamt werden. Und das hänge maßgeblich davon ab, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolge und umsetze, betont Merkel. Disziplin, das Zauberwort der Deutschen. Merkel schob nach: „Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.“ Die Alternative lautete nun: entweder Lockdown oder eine hohe Zahl an Pandemieopfern. Letzteres war aus Sicht der Bundesregierung ausgeschlossen. Die Bilder aus Bergamo hatten ihre Wirkung gezeigt. Nun zeigte der Staat, zu was er in der Lage ist. Man wollte in der Regierung unbedingt verhindern, dass es zu sogenannten Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern kommt, dass Ärzte wählen müssten, wer am Leben bleibt und wer sterben müsse. [...]

Öffentliche Ängste sind immer eine Bedrohung für Institutionen. Sie erlauben es dem Staat, seinen Bürgern weitreichende Rechte aus Gründen der Sicherheit zu entziehen. Die ab dem 22. März 2020 in Deutschland praktizierte Form der sozialen Distanz und des Verbleibens in den eigenen vier Wänden erschien richtig. Doch es folgt ein großes Aber. Alle politischen Monster des 20. Jahrhunderts hebelten die Demokratie aus, weil sie sich auf die Furcht der Menschen stützen konnten. Solche Krisen erzeugen Tyrannen. Und auch dieses Mal war es die Angst vor dem unbekannten, das die entscheidende Rolle spielte. Müssen wir also nicht sehr achtsam sein? Das fragten sich einige. Sie gingen wenige Monate später auf die Straße, um für die Wiedereinsetzung ihrer Grundrechte zu demonstrieren. Die anderen hielten ihnen vor, Vernunftverzicht zu üben. Die Risse in der Gesellschaft waren unverkennbar.  [...]

Im Blick zurück wähnte sich der Wissenschaftler Armin Nassehi in einem soziologischen Hauptseminar. Der Modus der Ununterscheidbarkeit der Deutschen war nämlich schnell verloren. Man habe beim ersten Lockdown „zu drastischen Maßnahmen gegriffen, das war ja schon ein Durchregieren, wenn man so will“, sagte er der FR zwei Jahre später. Man habe die „Wahl zwischen Pest und Cholera“ gehabt. Nicht alles lief so glatt, wie es zunächst den Anschein hatte. Die Länder in der Europäischen Union schotteten sich ab. Es gab Lieferengpässe, Gereiztheiten, Verteilungskämpfe. Die Deutschen horteten Klopapier, die Franzosen Rotwein. Masseneinkäufe waren angesagt.

In den USA häuften sich indes die Todeszahlen. Das Land wurde von Donald Trump regiert, und der war sichtlich überfordert. Den staunenden Amerikanern erklärte er: „Das Virus wird einfach verschwinden, wie durch ein Wunder.“ Doch das ließ auf sich warten. Dafür trat es in Deutschland ein. Vor dem Sommer gab es erste Lockerungen des Lockdowns. Man war hervorragend durch die Zeit gekommen. So schien es zunächst. Und es gab neue öffentliche Intellektuelle, die den Menschen erklärten, wo es langgeht. Wofür früher Philosophen wie Jürgen Habermas oder Schriftsteller wie Günter Grass standen, da fanden sich nun Virologen wie Christian Drosten oder auch Ugur Sahin, dem Gründer von Biontech, der den Impfstoff gegen das Virus entwickelte.

Dem Rechtsphilosophen Reinhard Merkel schwante nichts Gutes: „Man muss sich bei der Abwägung ökonomischer und pandemischer Folgen darüber klar sein, dass auf beiden Seiten die Risiken exorbitant sind. Vielleicht kommen wir mit den ökonomischen Kollateralschäden halbwegs glimpflich davon“, er glaubte jedoch im Jahr 2020: „Das wird globale Erschütterungen und Verwerfungen nach sich ziehen“, sagte er in einem Interview mit der FR. Aber könnte es nicht sein, dass die Nach-Krisen-Gesellschaft solidarischer sein wird? „Manche Ethiker glauben das. Ich nicht. Ich halte das für blauäugig, um nicht zu sagen kindlich. Moralisch hochlobenswert, sicher, aber im realistischen Blick naiv. Wir werden harte Verteilungskämpfe kriegen nach dem Ende dieser Krise. Auch die AfD wird wieder aus ihrem eigenen politischen Lockdown herauskommen“, sagte Rechtsphilosoph Merkel. Er sollte recht behalten."

Sine ira et studio

Was ist bei der "Querdenker"-Demonstration geschehen?

Ich kann den Sachverhalt nicht beurteilen, aber wenn einerseits die Teilnahme von Rechtradikalen an Demonstrationen als Begründung gesehen wird, eine Demonstration als ungerechtfertigt erscheinen zu lassen, dann ist es problematisch, wenn Ordner der Demonstration schwer dafür bestraft werden, wenn sie versuchen, Rechtradikale an der Teilnahme zu hindern. - Da in der Darstellung nichts darüber gesagt wird, was die Folgen des Eingriffes waren (es könnte ja eine lebensgefährliche Verletzung mit Todesfolge gewesen sein), kann ich den Fall nicht beurteilen. Ich möchte aber auf die Problematik aufmerksam machen.

 "In Stuttgart werden seit Jahren vor allem antifaschistische Aktivist*innen zu Bewährungs- oder sogar zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Zu den bekanntesten Betroffenen gehört Jo: Gegen ihn wurde im so genannten Wasen-Verfahren eine Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verhängt, weil er an einer körperlichen Auseinandersetzung mit Rechten am Cannstatter Wasen beteiligt gewesen sein soll. Jo und weiteren Antifaschist*innen wird vorgeworfen, am 16. Mai 2020 Mitglieder der rechten Schein-Gewerkschaft „Zentrum“ an der Arena in Stuttgart-Cannstatt angegriffen und verletzt zu haben, als diese an einer Querdenken-Demonstration teilnehmen wollten. Es folgte eine große Offensive der baden-württembergischen Repressionsorgane gegen die antifaschistische Bewegung im Südwesten unter Federführung der eigens geschaffenen Ermittlungsgruppe „Arena“, die wegen Landfriedensbruchs und versuchten Totschlags ermittelte. Vor allem in der Landeshauptstadt reihten sich Anquatschversuche, offene Observationen und staatsanwaltschaftliche Zeug*innenvorladungen aneinander. Am 2. Juli 2020 kam es zu einer Razzia, bei der ein enormes Polizeiaufgebot neun Wohnungen von Antifaschist*innen in Stuttgart und anderen baden-württembergischen Städten durchsuchte und Jo in Untersuchungshaft nahm. Weitere Hausdurchsuchungen und die Verhaftung eines zweiten Genossen folgten am 4. November 2020. Für die Prozessbegleitung und Knastsolidarität gründete sich das Bündnis „Antifaschismus bleibt notwendig!“, das gemeinsam mit der Roten Hilfe OG Stuttgart praktische Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Solidaritätsaktionen organisiert. [...] An das Urteil schließt sich eine zivilrechtliche Schadensersatzforderung mit einem Streitwert von 140.000 Euro an. Um diese Kosten aufzubringen und die betroffenen Antifas und ihre Familien zu entlasten, haben die Solidaritätskampagne „Antifaschismus bleibt notwendig!“ und die Rote Hilfe einen Spendenaufruf gestartet. Durch Einzelspenden und Solidaritätsevents konnte schon ein Teil des Geldes gesammelt werden, aber um die enorme Summe zu erreichen, wird weiterhin viel finanzielle Unterstützung benötigt: 

• Rote Hilfe Stuttgart DE66 4306 0967 4007 2383 13 GENODEM1GLS Stichwort: Notwendig"

mehr dazu: https://rote-hilfe.de/sites/default/files/2024-03/Rote-Hilfe_18-3-2024_web.pdf

Rote Hilfe: "Mauern können uns nicht trennen"

 Ich möchte auf die Arbeit der Roten Hilfe aufmerksam machen, weil ci die Arbeit von Amnesty International für sehr wichtig halte. Die Arbeit der Roten Hilfe kenne ich zu wenig, um mir ein Urteil zu erlauben.

"Solidarität hat eine ungemeine Kraft. In der alltäglichen Antirepressionsarbeit gelingt es oft, einen gemeinsamen Umgang mit den Folgen staatlicher Kriminalisierung und Gewalt zu finden. Durch ihre Unterstützungspraxis kann die Rote Hilfe e. V.gewähren, dass im Falle von Geldstrafen keine*r im Regen stehen bleibt. Deutlich herausfordernder ist der Umgang mit Haftstrafen, da sich am Ende der gemeinsamen Vorbereitung die Knasttore hinter den Betroffenen schließen. Zwischen ihnen und der Bewegung liegen fortan schwere Mauern. Haft kann auf unterschiedliche Weise zustande kommen. Teils liegen Monate oder sogar Jahre zwischen der kriminalisierten politischen Betätigung und dem Haftantritt. Mitunter kann es auch sehr schnell gehen, beispielsweise wenn eine Festnahme aus der Aktion heraus erfolgt und Untersuchungshaft angeordnet wird. Entsprechend unterschiedlich sind die Möglichkeiten, sich mit dem bevorstehenden Szenario auseinanderzusetzen. In jedem Fall relevant sind die eigene inhaltliche Auseinandersetzung und die daraus resultierende Haltung, die sich die Betroffenen bereits vor dem Repressionsmomentum angeeignet haben und in der laufenden Auseinandersetzung ausbauen und festigen. Denn die Vorbereitung auf den Knast ist nur in nachgelagerter Weise eine technisch-organisatorische Angelegenheit. Erfahrungsgemäß macht es Sinn, die Diskussion über das politische Selbstverständnis voranzustellen. „Wofür gehe ich in den Knast“ und „was soll der Knast bezwecken“ – es sind oft die ganz elementaren Fragen, deren Antwort es sich zu vergewissern gilt. Es ist immer sinnvoll, diese kollektiv zu besprechen. Das gibt Sicherheit und Halt für die Momente alleine in der Zelle. Natürlich dürfen auch die ganz praktischen und organisatorischen Fragen nicht zu kurz kommen. Wie läuft das mit den Besuchen, der Kleidung, der medizinischen Versorgung, den Zeitungsabos, dem Essen? Dinge, die nicht im Vorhinein geklärt sind, sind um ein Vielfaches mühsamer zu klären, wenn die Kommunikation nur noch eingeschränkt möglich ist. Das betrifft insbesondere auch die Fragen der politischen Einbindung. Wie kann ich Teil der politischen Bewegung bleiben? Denn natürlich muss das Ziel sein, dass das politische Engagement nicht nach dem Haftantritt pausiert, sondern auch unter den geänderten Rahmenbedingungen fortgesetzt werden kann. Für die Antirepressionsbewegungen stellt die Solidarität über Knastmauern hinweg eine immer öfter anfallende Herausforderung dar. Nicht weniger herausfordernd ist der Umstand, dass sich zunehmend Aktivist*innen entscheiden, einen anderen Weg zu gehen, und sich einer Haftstrafe durch Untertauchen entziehen. Der Verfolgungseifer des Staates und der daraus resultierende Repressionsdruck auf das soziale und politische Umfeld erschweren eine Diskussion hierüber. Zumal eine praktische Unterstützung schnell eine eigene Kriminalisierung nach sich ziehen kann. Das schränkt auch die Handlungsmöglichkeiten der Roten Hilfe e. V. ein. Es hält uns aber ganz gewiss nicht davon ab, allen Untergetauchten Freiheit und Glück zu wünschen."

Unterbrechung

 "Unterbrechung ist die kürzeste Definition von Religion", so der Theologe Johann Baptist Metz.

Ein schwieriger Satz. Vielleicht helfen folgende Überlegungen: ein Kind oder ein anderes Familienmitglied verletzt sich. Hat Schmerzen. Mit einem Schlag wird klar, was wichtig ist. Der gewohnte Tagesablauf wird unterbrochen und es geht ins Krankenhaus. Warten, und dann die Nachricht: "alles nicht so schlimm".

Diese Unterbrechung zeigt den Beteiligten was wertvoll ist. Hier, die Unversehrtheit des Körpers und die Dankbarkeit für ein Leben ohne Schmerzen.

Unterbrechung ist also ein Hereinbrechen einer anderen Dimension – letztendlich das Aufblitzen des Himmelreiches. Werte von denen Jesu erzählt.

Ostern feiern wir seine Auferstehung als großes Fest. Eine schöne Unterbrechung im Ablauf des Jahres.

(https://www.fastenkalender-koeln.de)

Dienstag, 12. März 2024

Vorzüge und Risiken bei der Ernährung mit Fisch

 https://utopia.de/ratgeber/fisch-essen-gesund-oder-schadstoffe_536086/

Authorpedia

 AUTHORPEDIA is the publishing arm of WORDS RHYMES & RHYTHM LTD. (RC 1234112), a Nigerian book publishing company and educational institution. We offer customized publishing services and actively engage in promoting Nigerian literature and supporting young literary talents through our literary initiatives.

Operating from Ibadan, Lagos and Abuja, our strong social-service culture and active engagement of the Nigerian audience has seen us grow into a company that is rapidly changing the Nigerian literature landscape. We are committed to maintaining this culture.

AUTHORPEDIA ist der Verlagszweig von WORDS RHYMES & RHYTHM LTD. (RC 1234112), einem nigerianischen Buchverlag und einer Bildungseinrichtung. Wir bieten maßgeschneiderte Verlagsdienstleistungen an und engagieren uns aktiv für die Förderung der nigerianischen Literatur und die Unterstützung junger literarischer Talente durch unsere literarischen Initiativen.

Wir sind von Ibadan, Lagos und Abuja aus tätig und haben uns dank unserer ausgeprägten Kultur des sozialen Dienstes und unseres aktiven Engagements für das nigerianische Publikum zu einem Unternehmen entwickelt, das die nigerianische Literaturlandschaft rasch verändert. Wir sind entschlossen, diese Kultur beizubehalten. [Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)]

Von dieser Institution habe ich aus der Hausa-Version der Wikipedia erfahren, ohne dass ich ein Wort Hausa kännte. Inzwischen kann man sich bei genügend Lerneifer tatsächlich von der Wikipedia ausgehend den ganzen Tag weiterbilden.

Sonntag, 10. März 2024

Schreibschrift

Schreibschrift

Kurrentschrift Im deutschen Sprachraum sowie auch in benachbarten Gebieten mit nichtromanischen Sprachen, etwa in Dänemark, Norwegen oder im Tschechischen, bestanden lange Zeit zwei Schreibschriften parallel nebeneinander: die deutsche Kurrentschrift und die lateinische Schreibschrift. Außerhalb dieser Sprachräume beherrschten nur Wenige die deutsche Kurrentschrift. Im deutschen Sprachraum konnten die meisten Menschen beide Schreibschriften lesen und schreiben.

Unter den Nationalsozialisten wurde 1941 die deutsche Kurrentschrift verboten und die lateinische Schreibschrift zur neuen „Deutschen Normalschrift“ erklärt. Auch nach dem Ende des NS-Regimes kam es zu keiner Wiedereinführung der Kurrentschrift. Damit fiel die Notwendigkeit weg, begrifflich zwischen der „deutschen“ und der „lateinischen“ Schrift zu unterscheiden. Während sich die gebrochenen Satzschriften bis heute noch in typografischen Nischen erhalten haben, wird die Kurrentschrift kaum irgendwo mehr verwendet. Heute können sie die meisten Menschen nicht oder nur mühsam lesen.

Paläografisch gehört die deutsche Kurrentschrift zu den gebrochenen Schriften (Kanzleibastarda). Sie unterscheidet sich durch spitze Winkel („Spitzschrift“) von der runden, „lateinischen“ Schrift – wenngleich aber auch die Kurrent viele Rundungen aufweist. Mit geringen Abwandlungen wurde sie auch in Skandinavien – in Dänemark und Norwegen als „Gotisk skrift“ bezeichnet – bis 1875 verwendet.

Die deutsche Kurrentschrift wurde typischerweise ursprünglich mit einem Federkiel, später dann auch mit einer Bandzugfeder geschrieben, was zu richtungsabhängigen Änderungen der Strichstärke (Strichkontrast) im Schriftbild führte. Seit dem 19. Jahrhundert wurde sie auch mit einer Spitzfeder geschrieben, was druckabhängig an- und abschwellende Linien erzeugte.

Eine im 20. Jahrhundert als Ausgangsschrift für den Schulunterricht in Deutschland eingeführte Variante der deutschen Kurrentschrift ist die Sütterlinschrift, die zum Schreiben mit der Gleichzugfeder mit einer gleichmäßigen Strichstärke entwickelt wurde.

Sütterlin

Um den Kindern das Schreibenlernen zu erleichtern, ließ Sütterlin sie mit einer Kugelspitzfeder (Gleichzug) schreiben, vereinfachte die Buchstabenformen, verringerte die Ober- und Unterlängen (Lineatur im Verhältnis 1:1:1) und stellte die relativ breiten Buchstaben aufrecht. In allen diesen Merkmalen ist sie den heute verbreiteten Ausgangsschriften der lateinischen Schreibschrift ähnlich.

Die deutsche Sütterlinschrift wurde ab 1915 in Preußen eingeführt. Sie begann in den 1920er Jahren die bis dahin übliche Form der deutschen Kurrentschrift abzulösen und wurde 1935 in einer abgewandelten Form (leichte Schräglage, weniger Rundformen) als Deutsche Volksschrift Teil des offiziellen Lehrplans.

In der Folge des Normalschrifterlasses wurde mit einem Rundschreiben vom 1. September 1941 das Lehren von Kurrentschrift im Schulunterricht untersagt. Zuvor war bereits am 3. Januar 1941 die Verwendung gebrochener Druckschriften (Frakturtypen) untersagt worden. Als Ausgangsschrift wurde ab 1942 in den Schulen die lateinische Schrift in einer Variante, die Deutsche Normalschrift genannt wurde (Proportionen 2:3:2, Schrägstellung, Ovalformen), eingeführt.

Ausgangsschrift

Historisch gab es zuvor den älteren Ansatz, eine schöne, lesbare und effizient zu schreibende Schreibschrift als Normschrift den Schülern zum Erlernen vorzugeben. Die Schüler sollten ihre Schrift immer näher an die Perfektion dieser Vorgabe bringen. Diesen traditionellen Ansatz änderten Schriftpädagogen wie Rudolf von Larisch[1] und Ludwig Sütterlin[2] im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, indem sie anstatt einer Zielschrift eine Ausgangsschrift als Vorgabe setzten.

Die Ausgangsschrift stellt keine gewünschte Ziel-Handschrift dar. Sie muss deshalb nicht besonders schön oder effizient sein, sondern vor allem einfach und klar. Die Schüler sollen aus ihr eine individuelle Handschrift entwickeln. Dass dieses Ziel nicht immer erreicht wird, ändert nichts an der Popularität des Konzepts.

Der Schriftpädagoge Fritz Kuhlmann setzte 1916 auf einen noch weiter gehenden Ansatz: die Schüler sollen eine individuelle Schreibschrift nicht aus einer Ausgangs-Schreibschrift, sondern aus einer Druckschrift entwickeln. Der Drang zur Schnelligkeit solle den Schüler dazu bringen, Verbindungen der Buchstaben und flüssige, ununterbrochene Züge selbst zu erfinden.[3] Dieser Ansatz bewährte sich damals nicht, er wurde aber 2011 unter dem Namen Grundschrift wiederbelebt und wird seither erneut erprobt.


Die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) ist eine Lateinschrift. Sie wurde aus der 1953 eingeführten Lateinischen Ausgangsschrift (LA) entwickelt und umstrukturiert. Sie wurde 1969 entwickelt und seit 1972 erprobt. Die Schreibweise der Buchstaben wurde vereinfacht und die Formen sind den Druckbuchstaben angenähert.

Druckschrift

Im Deutschen etablierte sich seit dem 16. Jahrhundert die typografische Konvention, im Fraktursatz Deutsches in Frakturschrift und Fremdsprachiges in Antiqua zu setzen. Analog dazu wurde in handgeschriebenen Dokumenten für Deutsches die deutsche Kurrentschrift und für Fremdsprachiges die lateinische Schreibschrift verwendet. Daneben war die lateinische Schreibschrift auch beliebt zur Hervorhebung von Überschriften und Personennamen. Man schrieb also durchaus auch deutsch in der lateinischen Schreibschrift und daher gab es in der deutschen Ausprägung dieser Schrift auch die dafür benötigten deutschen Umlaute, das lange s und das ß. Das lange s (ſ) wurde außerdem auch in anderen Sprachen wie dem Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen verwendet.

Quelle:

Wikipedia Schreibschrift, deutsche KurrentschriftLateinische SchreibschriftSütterlinshrift, AusgangsschriftVereinfachte Ausgangsschrift

Samstag, 9. März 2024

Navid Kermani über die Nuba

 Navid Kermani : Am Rand der Welt (Eine Reise zu den Nuba) Zeit Magazin 7.3.2024 S.19/22 (im Sudan)

Das eigentliche Leben der Nuba spielt sich entlang der Hänge und in den Hochebenen des Gebirges ab, die nur zu Fuß zu erreichen sind. Mehr als 50 verschiedene Sprachen werden dort auf engstem Raum gesprochen, die oft nicht einmal ein Wort gemeinsam haben. Die Nuba erklären sich die Vielzahl ihrer Volksgruppen damit, dass sie als Schwarzafrikaner einst aus allen Richtungen vor den arabischen Kolonisatoren und Sklavenhändlern hierher geflohen sind.

Nicht nur konnten die Rebellen die Kontrolle über ihr Land behaupten; seit sich im Sudan die beiden Generäle gegenseitig bekämpfen, weitet die SPLM-N die Grenzen des quasi autonomen Gebietes Dorf um Dorf aus, während sie mit nichts in der Hand einen Staat aufbaut, Krankenhäuser, Verwaltung, Schulen, in denen Englisch statt Arabisch gelehrt wird, damit sich die nachfolgende Generation endgültig von der kolonialen Vergangenheit [der Herrschaft der Araber] löst.

Ich frage den Stammeschef der Lomon, Apanjo Mohammed, wann die moderne Zivilisation hier oben Einzug hielt, die Bekleidung, die ersten Schulen, Ärzte – kamen sie mit den Arabern oder zuvor schon mit den europäischen Missionaren? Nein, erst mit der SPLM-N, antwortet Apanjo mit Mudschahids Vater. Die Araber – weder die räuberische Nomaden noch die Beamten der sudanesischen Staats - seien nie bis in die Hochebene vorgedrungen. Und die Missionare? Die Missionare schon, sagt er, aber die Lomon hätten sie wegen ihrer helleren Holzfarbe für Araber / gehalten und sich deshalb vor ihnen versteckt. Aber die Rebellen sprachen doch ebenfalls Arabisch, sagte ich: wie haben Sie sich mit ihnen überhaupt verständigt?

Unter ihnen waren Lomon, die in die Städte gezogen waren; die kannten wir, und wir haben ihnen vertraut.

Und das Arabische haben sie ebenfalls von der SPLM-N? Ja, in deren Schulen gelernt.

Das heißt, die Welt der Lomon hat sich ausgerechnet mit denen verändert, die für ihren Erhalt kämpften? Ja, so könnte man es sagen. Aber wir finden die Veränderungen gut." (S. 19/22)

Freitag, 8. März 2024

Das Internet vergisst ständig

"Die Aussage, dass das Internet nicht vergisst, ist nicht ganz richtig. Viele Netzinhalte verschwinden, wenn sie nicht archiviert werden – gerade in sozialen Medien.

https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/521549/history-auf-tiktok-und-instagram/


Zitat daraus:

"werkstatt.bpb.de: Wie beeinträchtigt das Ihre Forschung?

Andrea Lorenz: Ich kann dann in einigen Jahren beispielsweise nur noch schlecht über die Präsidentschaft von Donald Trump schreiben, die ja viel auf Twitter stattgefunden hat. Oder über #BlackLivesMatter, den Krieg gegen die Ukraine oder die Proteste im Iran. Das ist ein Problem, mit dem wir uns im Projekt viel auseinandergesetzt haben. Wir haben allerdings noch keine Lösung gefunden. Uns geht es aber auch darum, diese Dringlichkeit zu thematisieren.

werkstatt.bpb.de: Auch wenn die bisherige Forschung erschwert wurde. Gibt es schon Erkenntnisse zu den Geschichtserzählungen auf Instagram/TikTok?

Andrea Lorenz: Die unbefriedigende Antwort lautet: Es gibt in den sozialen Medien alles an geschichtsbezogenen Inhalten.

Wenn man auf TikTok #History eingibt, wird man feststellen, dass der Hashtag insgesamt 82 Milliarden Aufrufe hat. Das ist einerseits cool, weil es offensichtlich viele Menschen und Inhalte gibt, die sich mit Geschichte auseinandersetzen. Und andererseits ist es sehr schwer, da einen Überblick zu bekommen. Vor allem als klassisch ausgebildete Historikerin, die ja nicht unbedingt technische Kompetenzen im Umgang mit Big Data besitzt."

Dagegen kämpfen Einrichtungen wie das Webarchive: https://archive.org/.

Aber natürlich kann da nur vergleichsweise wenig festgehalten werden.

Das Projekt Memory of Mankind (https://de.wikipedia.org/wiki/Memory_of_Mankind)

geht das Problem ganz grundsätzlich an.

Zum Beispiel um mit Keramiktafeln langfristig vor gelagertem Atommüll zu warnen.



92 Tage

 "Auf den Social-Media-Kanälen zahlreicher Thüringer Hochschulen stolpert man seit einigen Tagen über die flackernd animierte Botschaft »92 Tage«. Über den Hintergrund der genannten »92 Tage« erfuhr man jedoch erstmal nichts. Seit heute ist klar, was die Hochschulen und die Gestalter*innen der Kampagne bezwecken: 

Sie möchten die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass man sich rechtzeitig mit seinem Hauptwohnsitz in Thüringen anmelden muss, um wählen gehen und mitbestimmen zu können: Nämlich drei Monate oder bis zu 92 Tage vor dem jeweiligen Wahltermin. [...]

»Viele Studierende haben sich zwar bewusst für ein Studium in Thüringen entschieden, melden sich aber nie in ihrer Stadt oder Gemeinde an. Dieses unausgeschöpfte Stimmpotenzial haben wir erkannt und möchten es gezielt ansprechen«, beschreibt Burkhart von Scheven, Professor für »Bild-Text-Konzeption an der Bauhaus-Universität Weimar [...]"

https://www.uni-weimar.de/de/universitaet/aktuell/bauhausjournal-online/titel/92-tage-kampagne-aus-der-bauhaus-universitaet-weimar-moechte-studierende-fuer-die-wahlen-aktivieren-1/

Eine Reaktion darauf, dass die AFD mit primitiven Kurzbotschaften auf TikTok für die 14 - 19-Jährigen mit Abstand die größte Präsenz hat. Aufmerksamkeit wird durch den Algorithmus erreicht, bei dem jede Kritik an diesen Botschaften zur häufigeren Sendung der Botschaft führt. 

Ziviler Friedensdienst (ZFD)

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) ist ein Programm für Gewaltprävention und Friedensförderung in Krisen- und Konfliktregionen. Er setzt sich für eine Welt ein, in der Konflikte ohne Gewalt geregelt werden.(Wikipedia)

https://www.ziviler-friedensdienst.org/de

Die Trägerorganisationen des ZFD haben sich zum Konsortium Ziviler Friedensdienst zusammengeschlossen. Sie widmen sich unterschiedlichen Aufgaben und bringen vielfältige Erfahrungen, Kompetenzen und Methoden in die Arbeit ein. Die Organisationen verfügen über verschiedene Zugänge zu gesellschaftlichen Gruppen in den Partnerländern. Die Aufgaben des Konsortiums liegen in der inhaltlichen Fortentwicklung des ZFD, im Erfahrungsaustausch, in der Verbesserung administrativer Rahmenbedingungen und der Vertretung gemeinsamer Anliegen gegenüber dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Öffentlichkeit.

Zum Konsortium ZFD gehören:


Zur Arbeit in der Ukraine: Zu sich selbst kommen im Krieg die Voraussetzung für Empathie. Eine Teezeremonie als Einstieg (Anzeige in Der Freitag vom 22.2.24)