Samstag, 21. April 2018

Zur Flüchtlingsproblematik in den Jahren 2005 und 2006

Ich nehme hier nur ein paar Tagebuchnotizen aus der Zeit auf, die mir heute in die Hände gefallen sind. Hier finde ich sie leichter als anderswo, wenn ich sie in Kontext mit aktuellen Aussagen stellen möchte.
Die Probleme waren schon 2005 fast dieselben wie 2015. Der Unterschied ist freilich, dass Angela Merkel und der Mainstream der Medien sie wahrgenommen haben. Nur - 2018 hat sich an der katastrophalen Situation derer, die fliehen, gegenüber 2005 wenig verändert. Wenigstens nicht zum Besseren. 
Eine ganz persönliche Anmerkung: Am Tag der Tagebuchnotiz mit dem Hinweis auf den Film  "Der Marsch" von 1990 hatte ich den Wikipediaartikel  dazu erstellt, den zu "Fluchtabwehr" am 21.7.2005. (vgl. Matthias Claudius)


30.9.05
Inzwischen soll in Nordafrika auch die spanische Armee bei der Abwehr von Flüchtlingen helfen. Bei dem letzten Versuch einiger hundert Schwarzafrikaner, nach Ceutazu kommen, kamen fünf von ihnen ums Leben. Der Film  "Der Marsch" von 1990 gewinnt immer mehr Aktualität. 

8.10.05     In der Wüste
Von Spanien abgeschobene Flüchtlinge von Marokko in der Wüste ausgesetzt? 

13.10.05 Dominic Johnson: Die Mauer muss weg. Eine Argumentation zum Umgang mit den Flüchtlingen ganz in meinem Sinne.

5.11.05
Freilich, mit der Beobachtung dieser Tagespolitik gerät einem das Problem Dritte Welt und Versagen vor der Einwanderungproblematik, wie sie jetzt in mehreren französischen Großstädten zu Unruhen geführt hat, aus dem Blick. Die Fluchtabwehr in Nordafrika soll ja gerade solche Probleme in unseren Großstädten verhindern, weil wir wissen, dass wir für den Umgang mit den Flüchtlingen in unseren Ländern noch keine sinnvolle Strategie haben (auch hier denkt man schon wieder an PISA). 
(Nachtrag vom 9.2.06: Eine Untersuchung der Einwanderungsproblematik Spanien von einer deutschen Studentengruppe ist im Gange. Im März gibt es dort vielleicht schon die ersten Ergebnisse.)

31.12.05
Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten lasse ich unkommentiert [...] Mir selbst scheint bemerkenswert in diesem Jahr außer der Wahl und ihrem Ausgang besonders der Kampf gegen Flüchtlinge und die misslungene Integration von Ausländern. Dass in Ägypten mit 2 Millionen Flüchtlingen aus dem Sudan nicht besser umgegangen wird als bei uns und an den europäischen Grenzen [...] ist mir kein Trost. Politische Hoffnungen setze ich auf Attac mehr als auf andere Gruppierungen. 

18.3.06
Seit 1991 hat sich die Zahl der Asylanträge in Industrieländern von 655 100 laut Angaben des UNHCR 331 600 erniedrigt. Seit Asylanträge weitgehend aussichtslos geworden sind, versuchen Flüchtlinge illegal einzureisen. 
Allein seit Beginn dieses Jahres sind 1000 Menschen beim Versuch, die Kanarischen Inseln zu erreichen, umgekommen. So das spanische Rote Kreuz.
Spanien beteiligt sich an den Kosten (monatlich 230 000 Dollar), die Mauretanien für die Ausbildung von Grenzschützern und den Aufbau von Auffanglagern aufbringt. Damit hofft man, den neuen Ausweg zu verstopfen, den Flüchtlinge gefunden haben, seit Marokko "seine Grenzen besser gesichert hat", unter dem Druck der EU versteht sich. (dpa 18.3.06)

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