Mittwoch, 25. April 2018

Marc Aurel: Alles ist bald vollständig vergessen

„32. Denk einmal um der Klarheit willen an die Jahre unter Vespasian. Da wirst du folgendes sehen: Menschen, die heiraten, Kinder aufziehen, krank sind, sterben, Krieg führen, feiern, Handel treiben, den Acker bestellen, aber auch solche, die schmeicheln, sich aufspielen, argwöhnisch sind, Intrigen spinnen, einige auch, die dafür beten, sterben zu dürfen, die über die Verhältnisse jammern, lieben, Schätze anhäufen, höchste Stellungen und Königreiche haben wollen. Nicht wahr, eben jenes Leben dieser Menschen hat nirgendwo eine Spur hinterlassen. Geh nun weiter in Trajans Zeit. Wieder ist es ganz genauso. Tot ist auch jenes Leben. Schau dir ebenfalls die Etiketten anderer Epochen und ganzer Völker an und sieh, wieviele Menschen sich heftig anstrengten, nach kurzer Zeit fielen und sich wieder in ihre Grundbestandteile auflösten. Vor allem aber mußt du jene gründlich betrachten, die du selbst noch kennenlerntest, wie sie Sinnlosem nachjagten, es aber unterließen, das zu tun, was ihrem eigenen Wesen entsprach, zäh daran festzuhalten und damit zufrieden zu sein. Es ist aber notwendig, hier daran zu denken, daß auch die Sorgfalt, die man bei jeder Tätigkeit aufbringt, ihre besondere Würde und Angemessenheit hat. Denn so wirst du nicht mit Ärger aufhören, wenn du dich nicht länger, als es sich gehörte, mit weniger wertvollen Dingen beschäftigen kannst.
33. Die früher gebräuchlichen Begriffe sind jetzt veraltete Wörter. So sind also auch die Namen der früher hochberühmten Männer heute gewissermaßen veraltet: Camillus, Caeso, Volesus, Leonnatus, in Kürze aber auch Scipio und Cato, dann sogar Augustus, Hadrian und Antoninus. Denn alles ist vergänglich und wird bald zum Gegenstand der Sage. Bald aber ist es auch vollständig vergessen. Und das sage ich über die Menschen, die sich auf erstaunliche Weise vor anderen hervortaten. Denn die übrigen sind mit ihrem letzten Atemzug verschwunden, verschollen. Was ist auch überhaupt das „ewige Andenken“? Völlig nichtig. Was ist es also, worauf man Mühe verwenden sollte? Dieses eine: Ein von Gerechtigkeit bestimmtes Denken, Taten, die der Gemeinschaft nützen, Worte, die niemals lügen, und eine Einstellung, die alles, was geschieht, als notwendig willkommen heißt, als bekannt, als Wirkung einer entsprechenden Ursache und Quelle.“ (zitiert nach Albrecht von gutefrage.net)

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