Mittwoch, 7. März 2018

Stein des Anstoßes - gegen das Vergessen

In Herxheim am Berg wurde entdeckt, dass die Kirchenglocke eine Inschrift mit dem Namen Adolf Hitler trägt. Das führte zu Recht zu einer Diskussion, die weit über das Dorf hinaus Aufmerksamkeit erregte.  Darf die Glocke weiter verwendet werden oder sollte man sie einschmelzen?
Auch wenn ich an den guten Motiven beider Seiten nicht zweifle, scheint mir die richtige Lösung recht nahe liegend. 
Als nicht bekannt war, welche Inschrift die Glocke trug, hat sich niemand an ihr gestört. Jetzt, wo es bekannt geworden ist, wurde sie zum Stein des Anstoßes für eine Diskussion. 
Die Glocke hat also seit 1945 keinen Anlass mehr geboten,nazistische oder neonazistische Ideologie zu verbreiten. Auf dem Glockenstuhl hängend bietet sie auch wenig Gelegenheit dazu. Sie hat aber geholfen, der jetzigen Generation zu verdeutlichen, wie stark die NS-Herrschaft sich schon 1934  in Kirchen ausgewirkt hat. Sie ist zum Stein des Anstoßes geworden und hat dazu beigetragen, die Wirklichkeit von 1934 besser zu verstehen. 
Man sollte nicht ohne Not ein historisches Dokument zerstören und dafür CO2 produzieren, wenn es nicht der Förderung einer menschenverachtenden Ideologie dienen kann. Ihr Klang verändert sich nicht, er trägt jetzt aber dazu bei, Bewusstsein zu schärfen. Das wird nicht lange vorhalten, aber vielleicht wird man in 80 Jahren wieder auf die Inschrift aufmerksam. Dann wird noch mehr vergessen sein, was 1933 - 1945 in Deutschland geschah, und eine Anlass für eine Diskussion wird umso wichtiger geworden sein.
Seit 1992 erinnern die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an den Holocaust und seine Opfer an den Stellen, wo sie gelebt haben. Sie sind für rechte Ideologen der AfD zu Steinen des Anstoßes geworden. Wenn eine Kirchenglocke auch dazu beitragen kann, umso besser. 
Selbstverständlich war es richtig, nach 1945 die Symbole der NS-Herrschaft zu entfernen, um nicht der verbrecherischen Ideologie Anknüpfungspunkte zu bieten. 
Heute geht es darum, das Vergessen zu verhindern

Eine sehr begrüßenswerte Initiative ist Erinnerung sichtbar machen, die von Karl Fischbach initiiert und von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) propagiert "durch Wissenserwerb gegen rechte Propaganda immun" machen will. 

Gegen das Vergessen muss für den Holocaust und die Entwicklungen, die dazu geführt haben, die Devise bleiben.

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