Montag, 12. März 2018

Brechts Angebot einer Nationalhymne

"Und das Liebste mag's uns scheinen
So wie den andern Völkern ihrs."

Da kommt die "diskriminierungsfreie" Nationalhymnenparodie nicht ran.*

Ich bleibe gern bei vertrauten Texten und die wichtige Erinnerung, die die französische Nationalhymne bietet ("Abgrenzung führt zu Aggression und Terror frisst letzten Endes die eigene Gruppe schneller als die fremde") ginge bei politisch korrekten Hymnen verloren.
Aber "Heimatland" statt "Vaterland" wäre kein Verlust. Denn der Begriff "Mutterland" ist als Kolonialherrenland genauso verseucht wie "Vaterland" durch die vielen Millionen Opfer einer aggressiven Ausbeutungspolitik.
Freilich wenn Seehofer den Begriff  "Heimat" in Abschiebungsort für alle Neuankömmlinge, die nicht dringend für den Arbeitsmarkt gebraucht werden, umdeuten sollte, dann wäre auch der Begriff verseucht und eine neue Nationalhymne fällig.

Da bleiben wir vielleicht doch besser bei Vaterland, Weihnachtsmann, Osterhase und Jungfrauengeburt. Wir Menschen versuchen nicht nur unsere Umwelt, sondern auch uns selbst und unsere Sprache so schnell, dass kein Nachkommen ist.

* Inwiefern übertrumpft Brechts Hymne die Aintdiskriminierungsparodie?
Während diese den einzelnen noch Vorlieben gestattet, aus welchem Geschlecht der Liebespartner kommt, stellt Brecht klar, dass die Bevorzugung eines bestimmten Liebeobjektes zwar gestattet ist, aber nur, wenn klar ist, dass es nur eine scheinbare ist ("das Liebste mag's uns scheinen").

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