Donnerstag, 21. Mai 2015

Inwiefern war im Mittelalter die Krönung des Kaisers durch den Papst ein Problem?

1. Damit wird dem Papst ein Sonderstatus zugestanden, der zumindest in einer Weise über dem Kaiser steht (der sich doch als Herr der Christenheit versteht).

2. Der Weg ist weit. - Dazu kommt aber auch: Wer Kaiser werden wollte, musste den Weg nach Rom sichern können, d.h. er musste die regionalen Mächte unterwerfen oder zumindest ihrer wohlwollenden Neutralität sicher sein oder sich den Weg mit einem starken Heer freikämpfen. Insbesondere musste er sich mit den Herrschern Roms auseinandersetzen, die ihrerseits versuchten, den Papst zu kontrollieren.

Beim ersten Fall einer Kaiserkrönung im Mittelalter - bei der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 - bestand noch das Problem, dass Karl durch seine Krönung das Privileg des oströmischen Kaisers, der einzige Kaiser und damit der weltliche Herr der Christenheit  zu sein, beseitigte.
Zwar fanden die beiden Kaiser einen Weg, miteinander auszukommen. Otto II. heiratete dann sogar eine byzantinische Prinzessin (Theophanu), aber eine Kränkung für den oströmischen Kaiser blieb der westliche Kaiser dennoch.
Außerdem kam es wegen der zwei Kaiser auch zur Spaltung (Schisma) der Kirche in orthodoxe und römisch-katholische Kirche.
Diese Spaltung war die Voraussetzung dafür, dass christliche (römisch-katholische) 1203 Konstantinopel angriffen, es weitgehend zerstörten und ein lateinisches Kaiserreich auf oströmischem Boden begründeten. Obwohl das bald wieder bedeutungslos wurde, war die militärische Stellung Ostroms dadurch dauerhaft geschwächt.
Der Spezialist für Kreuzzüge und das Oströmische (oder byzantinische) Reich Steve Runciman hat in dieser Schwächung von 1203 die Hauptursache dafür gesehen, dass das oströmische Reich von den Osmanen erobert werden konnte.

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