Montag, 14. März 2016

Wohin ist sie entschwunden?

Christian Bommarius sieht Norbert Blüms Übernachtung in einem Zelt im Schlamm des Lagers Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze als hilflose, aber nicht sinnlose Geste an. Bei den Römerberggesprächen sind die Teilnehmer uneins, ob eher der Staat oder die Gesellschaft vor der als alternativlos inszenierten Politik und zunehmender Polarisierung retten könne. Nur die einzige Frau auf dem Podium, Mely Kiyak setzt noch auf die offenbar längst aus dem Gesichtsfeld Verschwundene: die Solidarität.
 Natürlich kann Blüm nicht dadurch, dass er kurze Zeit in Schlamm und Kälte des überfüllten Flüchtlingslagers aushält, das Dilemma der griechischen Flüchtlingspolitik auflösen, ohne Geld und bei geschlossenen Grenzen der benachbarten Balkanländer allein den Ansturm des Flüchtlingsstroms aushalten zu müssen.
Aber sein Appell an die Solidarität der EU-Staaten und an die Demokraten unter den Superreichen Europas gewinnt durch seine symbolische Handlung an Nachdruck.
Brandts Kniefall in Warschau konnte auch nicht gut machen, was während der Naziherrschaft an Verbrechen geschehen war, aber er konnte zeigen, wem seine Solidarität galt. "Hilflos" hätte ich seine Geste nicht genannt.

Unsere Solidarität sollte auch den Protestwählern unter den AfD-Wählern gelten, die das Vertrauen in die Solidarität der Gesellschaft verloren haben und sie jetzt - in verblendeter Hoffnung - bei Rassisten suchen.

Zu Idomeni vgl.auch:
Norbert Blüm: Ich will euch Nachricht geben,  ZEIT Nr.14, S.4
march of hope
https://amp.twimg.com/v/f90d9992-90ac-4b5f-a8dc-3f3bb5de9ae8
Mazedonische Armee nimmt Flüchtlinge fest SZ 14.3.16
"Beim Überqueren des knietiefen Flusses Suva Reka starben offenbar eine Frau und zwei Männer, drei weitere Menschen kamen ins Krankenhaus."

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