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Sonntag, 10. November 2019

Steinmeier über Demokratie, Lobo über Parteien

"Wenn in der Vergangenheit Weichen falsch gestellt wurden, dann biete die Demokratie die Möglichkeit, diese falschen Weichenstellungen zu korrigieren, rief der Bundespräsident in Erinnerung." (Tagesspiegel 7.11.19)
Sascha Lobo über die Krise der Parteien (sinngemäß):

"Parteien trugen im 20. Jahrhundert dazu bei, dass sich ganz gewöhnliche Menschen an der demokratischen Willensbildung beteiligen konnten. Mit der digitalen Vernetzung aber hat sich das Angebot für politische Partizipation völlig verändert. Wenn junge Idealisten vor 50 Jahren die Welt verändern wollten, ging sie zu den Jusos. Heute gehen Sie zu  Fridays for Future. 
Hier stehen sich zwei Organisationsformen gegenüber: die Institution und das Netzwerk. Beide haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile – institutionelle Organisationen sind meist hierarchisch geprägte, sie belohnen lange Zugehörigkeit, Loyalität und geschicktes Taktieren. Der noch so begeisterte Nachwuchs ernüchtert rasch, wenn brillante Ideen, große Energie oder kluge Projektarbeit weniger entscheidend sind als Sitzfleisch.
Das Prinzip Netzwerk dagegen belohnt die Fähigkeit, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Geschwindigkeit und plakatives Engagement. Auch diese Organisationsform bevorzugt strukturell einen bestimmten Typus, in Netzwerken sind zum Beispiel eher Menschen mit einem gewissen Selbstvermarktungstalent erfolgreich." *
"Gleichwohl fand der Bundespräsident auch lobende Worte für den von Schülerinnen und Schülern initiierten Protest: „Es hat wahrscheinlich keine gesellschaftliche Bewegung der vergangenen 20 Jahre so viel Aufmerksamkeit und Debatte erreicht wie Fridays for Future“, sagte Steinmeier. „Das ist ein großer Verdienst der engagierten jungen Leute und hilft, notwendige Maßnahmen auch tatsächlich anzuschieben.“ "  (Tagesspiegel 7.11.19)
Meine Meinung: Demokratie ist immer dann zu loben, wenn sie richtige Weichen stellt und falsche Weichenstellungen korrigiert. Aber nicht immer sind dabei Jahrzehnte Zeit dafür. Beim Klimaschutz hat man leider Jahrzehnte vertan. Die "notwendigen Maßnahmen" müssen jetzt ergriffen werden. 

* Zum Kontext bei Lobo:
https://rp-online.de/politik/deutschland/sascha-lobo-politische-parteien-sind-von-der-gegenwart-ueberfordert_aid-46235539

Mittwoch, 13. November 2019

Sascha Lobo zur Plattform-Ökonomie

Die Plattform-Ökonomie zieht herauf, und  Kylie Jenner zeigt, welche Marktmacht sich damit freisetzen lässt, welche Konsumkraft so entfaltet werden kann. Eine Plattform ist technisch gesehen eine digitale Infrastruktur, auf der zwei oder mehr Gruppen interagieren können. Man muss sie als neue Unternehmensform verstehen,  die überhaupt erst mit dem Internet möglich geworden ist. Dabei entstehen digitale Ökosysteme, das heißt, nicht nur die Plattform profitiert wirtschaftlich, sondern auch eine größere Zahl von Kooperationspartnern. [...] Uber funktioniert auch nach dem Plattform-Prinzip und attackiert seine Konkurrenten so aggressiv, als wolle es sie vernichten." (Sascha Lobo: Realitätsschock, S.338)
"Der Realitätsschock der Ökonomie hat mehrere Dimensionen. Digitale Plattformen erobern mit großer Radikalität einen Markt und eine Branche nach der anderen. Viele ökonomische und gesellschaftliche Probleme beruhen darauf, dass wir bis heute nicht herausgefunden haben, wie Plattformen richtig reguliert werden können." (S.340)
"Facebook hat 2017 in Großbritannien Einnahmen von etwa anderthalb Milliarden Euro erzielen können und davon rund neun Millionen  Euro  Steuern gezahlt. Das ist nicht einmal ein Prozent. Amazon hat 2018 auf über elf Milliarden Dollar Gewinn in den USA null Dollar 'federal taxes' gezahlt und 129 Millionen Dollar Erstattungen bekommen. Ähnliche Zahlen sind von fast allen großen Digitalunternehmen bekannt. Das Problem ist, dass solche Tricks zumeist legal sind. Das liegt neben politischen Versäumnissen auch daran, dass das Steuerrecht in seinen Grundzügen noch auf der alten Wirtschaft mit dinglichen Produkten und klassischen Dienstleistungen beruht." (S. 341)
Bei Plattformen greifen die klassischen Konsumtheorien von der Bedürfnisbefriedigung nicht mehr:
 "Digitale Plattformen haben eine katalytische Funktion, sie verwandeln ganze Märkte in Gefühlslandschaften. Drei Gefühle sind dabei ausschlaggebend:
  • Begeisterung
  • Ungeduld
  • Bequemlichkeit 
(S. 347)

Begeisterung: "Nutzungsfreude" tritt an die Stelle von Zweckmäßigkeit.
Ungeduld: "Wenn im Plattform–Kapitalismus das Ziel nur einen einzigen Klick oder Touch entfernt ist – dann ist der beste Weg dorthin, impulsive Gefühle der Verlockung zu erwecken." (S.352/53) Das gelingt den großen Plattformen vorzüglich. Was einmal das Kaufhaus Harrods in London war, ist jetzt Amazon. Und zwar zu Hause. Man kann sofort alles kaufen. (Bei Harrods hieß es: sogar Elefanten.) Das führt zum Aspekt:
Bequemlichkeit: "[...] die Beqemlichkeit des Menschen ist zuverlässiger und wirksamer als die Schwerkraft" (S.354) Interessanterweise gelingt es dabei trotzdem, dem Kunden jede Menge Arbeit anzuhängen, die früher der Verkäufer leistete: Beratung, Heraussuchen des Produkts aus der Fülle des Angebots, Zusammenstellung aller Daten für die Rechnung und Überweisung auf das Konto des Verkäufers. Auch wenn die Kunden dabei fluchen. Sie nehmen dem Verkäufer die Arbeit ab. Es treibt sie die Ungeduld (s.o.).*

"In anderthalb Jahren haben zwei große Plattformen den Werbemarkt halb leer gesaugt. Geld, das zuvor in der Regel bei Medienunternehmen ausgegeben wurde – nur dass Google und Facebook selbst keine Inhalte produzieren. Selbst die lange resistent scheinende Fernsehwerbung beginnt zu schwächeln. Wachstum im Werbemarkt findet etwa seit 2016 weitgehend auf Plattformen statt, alle anderen befinden sich entweder noch im Sink- oder schon im Sturzflug.
Diese Marktbeherrschung und das aggressive Gebaren der Plattformen haben eine merkwürdige Volte der Kapitalismuskritik hervorgebracht: Großkonzerne des 20. Jahrhunderts plädieren traurig-trotzig für Gerechtigkeit, vor allem ihnen selbst gegenüber. Sie fanden wenig regulierte Märkte so lange gut, wie sie davon profitierten. Nun schreien sie nach der Politik weil sie von Google, Facebook, Amazon selbst eine Lektion in neoliberaler Marktkunde erhalten haben.
Auf der anderen Seite findet man einen Teil der Zivilgesellschaft, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen bereit ist, Digitalkonzernen fast alles durchgehen zu lassen."

*(s.o.)
(Sascha Lobo: Realitätsschock, S.358/59)

Sieh auch:
Sascha Lobo über Kylie Jenner

Montag, 20. Januar 2014

Sascha Lobo: Die digitale Kränkung des Menschen

Abschied von der Utopie

Das Internet ist nicht das, wofür ich es so lange gehalten habe. Ich glaubte, es sei das perfekte Medium der Demokratie und der Selbstbefreiung. Der Spähskandal und der Kontrollwahn der Konzerne haben alles geändert.
Bei so viel klugen Analysen von Lobo erstaunt mich, dass er, ohne der Ideologie vom "Ende der Privatheit" anzuhängen, geglaubt haben will, es würde nur im Rahmen der Gesetze ausgespäht.

Wie sollte ihn das Internet enttäuscht haben? Die NSA vielleicht, eher doch wohl die demokratischen Regierungen in Rechtsstaat. Aber letztlich wurde er doch wohl dadurch enttäuscht, dass die Internetcommunity die Ausspähung nicht verhindern konnte. Aber die Möglichkeit ging doch bereits mit dem Eindringen der kommerziellen Nutzer verloren.

Mittwoch, 13. November 2019

Query-Realität

Michael Seemann hat herausgefunden, dass über das Internet eine neue Art von Öffentlichkeit entsteht:

"Eine dritte Form von Öffentlichkeit hat sich längst parallel gebildet. Nur war sie mit herkömmlichen Denkungsarten des Medienverständnisses nicht beobachtbar.

  • Die Öffentlichkeit der Google-Suche: Egal, ob ein Blog 3 oder 300.000 Leser am Tag hat. Wenn es über mich schreibt, wird derjenige, der nach meinem Namen sucht, den Eintrag finden. Denn die Kombination seiner Suchworte bestimmt diese Öffentlichkeit. 
  • Die Öffentlichkeit der eigenen Twitter-Timeline. Es lesen nicht viele Menschen, was ich twittere, das ist auch nicht nötig. Es abonnieren sich meinen Twitter-Stream nämlich nur diejenigen, die sich wirklich dafür interessieren, was ich schreibe. Die Öffentlichkeit meiner Twitter-Nachrichten strukturiert sich aus der Konfiguration ihrer Abonnemententscheidungen. 
  • Die Öffentlichkeit des Data-Minings. Auch das gehört dazu, dass die Daten, die ich preisgebe, nicht nur in der Weise genutzt werden, wie ich es mir im Vorhinein vorstelle. Sondern dass sie angereichert werden mit anderen Daten und dass darauf Anfragen getätigt werden, von denen ich heute keine Vorstellung habe. 

Die Öffentlichkeit meiner Daten bestimmt sich aus der Geschicklichkeit der verknüpfenden Algorithmen solcher Dienste. Kurz: Man muss im Internet die Öffentlichkeit von der anderen Seite, der Seite des Empfängers, aus neu denken. «Query» bezeichnet in der Datenbanktechnik eine Anfrage beliebiger Komplexität an einen Datensatz. Die neue Struktur von Öffentlichkeit nenne ich deswegen «Query-Öffentlichkeit»."
(Seemann: Vom Kontrollverlust zur Filtersouveränität In: #public_life: Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz Heinrich-Böll-Stiftung Berlin 2011. S. 74–79)

Dazu schreibt Sascha Lobo in "Realitätsschock":
"Das bedeutet, dass quer durch die sozialen Medien ein gigantischer Sturm der Empörung gehen kann – von dem die meisten Nutzer nichts mitbekommen. Bis sie auf ein Stichwort klicken oder zufällig jemanden abonniert haben, der sich an der Empörung beteiligt. Enge Kontakte und Freunde können in einem zerstörerischen Sturm der Empörung stehen, ohne dass man es zwingend bemerken muss, obwohl man zur gleichen Zeit auf demselben Netzwerk unterwegs ist." (S. 312/313)

Das mag bei Empörungsstürmen nicht einmal so problematisch zu sein. Ganz gefährlich wird es, wenn Netzteilnehmer bösartigen Pranks (sieh auch:  Pranknet) und Swatting ausgesetzt sind.*

Aber auch bei Empörungsstürmen, die sinnvoll und moralisch gerechtfertigt erscheinen, kann leicht eine Grenze überschritten werden denn "Zwischentöne funktionieren auf Twitter so gut wie Schwimmflügel bei einem Eisenbahnunfall." (Lobo in "Realitätsschock", S.315)

*Dabei ist zu beachten: 
"[...] für Erwachsene ist Datenschutz, Persönliches vor dem Staat und Unternehmen verbergen zu können. Für Kinder und Jugendliche aber bedeutet Datenschutz, Persönliches vor den Eltern verbergen zu können." (Sascha Lobo in "Realitätsschock", S.374)
Zum Beispiel, wenn man Social-Media-Verbot hat. Dann kann es passieren, dass das Kind Belastungen ausgesetzt ist, die die Eltern ihrem Kind unbedingt ersparen wollen. Aber sie erfahren nichts darüber.

Sonntag, 10. November 2019

Plastikmüllproblem seit 1969 bekannt

In der NYT im Juni 1969 "ein Artikel über die "Dritte Verschmutzung"/ nach der Luft- und Wasserverschmutzung, den feststofflichen Abfall" (Sascha Lobo: Der Realitätsschock, S.34/35)
Aber es geht weiter: 
"Nestlé verkauft im selben Jahr [2017] etwa eine Milliarde Produkte täglich, 98 Prozent davon verpackt in Einwegplastik."  (Sascha Lobo: Der Realitätsschock, S.34)

Mittwoch, 13. Februar 2013

Kapitalismus, Burnout und die Piraten

Schirrmacher über Kapitalismus: Ego (rezensiert von J. Augstein)

Burnout und die Piraten (von Sascha Lobo)
"Demnach wäre die Volksstörung Burnout nur der erste Ausläufer von den Folgen einer digitalen Gesellschaft, in denen sich die sozialen Mechanismen des Internets ungünstig kreuzen mit dem Krisenkrakenkapitalismus." (Lobo)

Sonntag, 10. November 2019

Sascha Lobo über Künstliche Intelligenz


"Das Fließband des frühen 21. Jahrhunderts ist die algorithmisch gesteuerte Dienstleistung, wie sie bei Paketboten die Regel ist." (S.227)
"Die eigene Arbeitskraft gerät in einen nicht zu gewinnenden Wettstreit mit der Produktivität der Maschine, lange bevor die menschliche Aufgabe völlig durch Maschinen übernommen werden kann." (S.234) (Sascha Lobo: Realitätsschock, 2019)

Wie man KI irreführt ZEIT 14.11.19

Mittwoch, 5. Februar 2020

Infodemie und Wirklichkeitsverlust

#infodemie und #ichbinkeinvirus : #Angst ist zwar kein #Rassismus und Menschen sind kein Virus, aber das Auseinanderhalten ist für viele nicht einfach. Deshalb #Klimaschutz , bevor vor Angst eine #Panik ausbricht.
Wirklichkeit zu verleugnen mag auf den einzelnen beruhigend wirken. Gesellschaften führt es mittelfristig in den Abgrund.
Über 40 Jahre - bezahlte - Verleugnung des menschengemachten Klimawandels und Panik bei minimalem Risiko, das zerstört die menschliche Solidarität, die wir so dringend brauchen wie vielleicht noch nie zuvor.

Ein wichtiger Grund für den Wirklichkeitsverlust ist, dass Regierungen und Medien immer häufiger Ersatzaufregungen präsentieren, um von den Problemen, die nicht zu bewältigen scheinen, abzulenken.
Eine gewisse Rechtfertigung dafür liegt in der Globalisierung, die von "der" Wirtschaft vorangetrieben wird und von "der" Politik nicht mehr kontrolliert wird (werden kann?).
Die Folge ist der Realitätsschock, der von Sascha Lobe eindrucksvoll beschrieben worden ist und der sachangemessenes Handeln weiter erschwert.

Zu den Entwicklungen im Internet
Zu Sascha Lobo auf diesen Blog

Dazu ein Eintrag vom 22.12.2014 zu Pegida:
"Pegida" hat vollkommen recht: Die Regierung hat das Volk belogen.
So schreibt Anetta Kahane  völlig zu recht in der FR vom 22.12.14 und fährt fort: "Seit JAHRZEHNTEN KAM JEDE REGIERUNG MIT DER LÜGE, dass sich die Gesellschaft weder verändern werde noch müsse. [...] Die Regierungen sagten stets, Deutschland sei kein Einwanderungsland."
Warum sagten sie das? Weil in Deutschland Veränderung "nicht Hoffnung, sondern Angst" macht.

So weit treffend beobachtet und erfreulich überzeugend argumentierend geht es weiter. 
Nur der letzte Gedanke ist unvollständig und deshalb falsch.
Veränderung macht nicht nur in Deutschland "nicht Hoffnung, sondern Angst", sondern überall. Jedenfalls bei den Menschen die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Veränderung macht aber auch Hoffnung. Den Gedanken verfolgt Kahane leider nicht weiter.
Hoffnung macht sie, wenn sie verspricht,dass der Grund für die Negativerfahrungen wegfallen wird. 
Jetzt kann man mit der Erzählung vom Rattenfänger kommen, man braucht es aber nicht.


Zum Corona-Virus FAZ 5.2.20
Zum Entdecker des Coronavirus SZ 6.2.20 (Er forderte eine Veränderung.)

Samstag, 19. Mai 2018

Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung?

Aktuelle Meldungen:

Tweets

Was der neue Datenschutz angerichtet hat VON PATRICK BERNAU, FAZ online 27.05.2018 

"Blogs schließen, Twitter sperrt Nutzerkonten, ein Vereinsvorstand tritt zurück. Nur Facebook kann die Daten seiner Nutzer besser verwerten. 
[...] Facebook beginnt jetzt auch in Deutschland, die Nutzerdaten von Whatsapp mit denen von Facebook zu kombinieren. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte hatte das bisher verboten – nach Inkrafttreten der DSGVO ist er allerdings nicht mehr zuständig. [...]"


Experten warnen vor gefälschten Datenschutz-Mails SPON 25.5.18

"Kriminelle nutzen die E-Mail-Welle zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und bitten unter diesem Vorwand um die "Bestätigung" von Nutzerdaten. Vorsicht!"

"Wir hätten die Menschen besser informieren können" ZEIT online Interview 25.5.18
"Kaum einer kennt die Datenschutz-Grundverordnung besser als Jan Philipp Albrecht. Der Europapolitiker glaubt an ihren Erfolg und nimmt die Bundesregierung in die Pflicht."


Frühere Meldungen und allgemeinere Überlegungen

Mindmap zur DSGVO (von Phil Marx)









EU-Kommissarin Věra Jourová über die europäische Datenschutzverordnung ZEIT 16.5.18

https://storageconsortium.de/content/content/blick-die-glaskugel-was-passiert-am-25-mai-wenn-das-%E2%80%9Emonster%E2%80%9C-dsgvo-losgelassen-wird

Auswirkungen der DSGVO auf kleine Vereine und Blogger
veranschaulicht (die datenschutzkonforme Webseite)

Zwar wird so leicht keine absolute Sicherheit für kleine Vereine und kleine Blogger geschaffen werden, aber die Richter werden sich hüten, der Justiz jede Menge Prozesse aufzuladen, die nicht im Sinne der Erfinder der DSGVO sind und die Kapazitäten von dringlichen Aufgaben abziehen.
Mehr dazu bei der Rechtsanwältin Diercks
Ausführliche Darstellung zur DGVO (zwar nicht brandaktuell, dafür aber solide) von Diercks
   [Zur Unterscheidung von DGVO und ePrivacy-Verordnung]

Weshalb Abmahnwellen unwahrscheinlich sind und wie man sich gegen Abmahnungen schützen kann

Auseinanderklaffen von beabsichtigtem Datenschutz (informationelle Selbstbestimmung) und allgemeiner Verunsicherung:
"Klar, die DSGVO reguliert auch die „Großen“. Aber wieviel ist eine Datenschutzreform wert, die Facebook gleich mal verwendet, um seinen Nutzern die automatische Gesichtserkennung unterzujubeln? Wie Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne schreibt, ist „Hier klicken, sonst können Sie Google nicht weiterverwenden“ schon fast eine Drohung, während „Hier klicken, sonst dürfen Sie die alternative Suchmaschine Findevogel nicht mehr nutzen“ ein Witz ist. Die DSGVO überzieht zahllose Menschen mit einem bürokratischen Irrsinn und treibt diejenigen, die das vermeiden wollen, zu den großen Plattformen, die sich unter dem Deckmantel der „Einwilligung“ dann allerlei erlauben können. Alternative Anbieter wie Diaspora oder Mastodon, die graswurzelartig von den Nutzern selbst betrieben werden, stehen vor kaum lösbaren Problemen: Wie etwa soll das in der DSGVO verankerte „Recht auf Vergessen“ auf derart verteilten Plattformen eigentlich umgesetzt werden? Einige sehen keine andere Wahl, als Nutzer aus der EU einfach auszusperren."
(Rant: Warum die DSGVO eine Datenschutz-Karikatur ist)

Ist das übertriebene Panikmache oder endlich die Bewusstmachung dessen, was Snowdon aufgedeckt hat?
Staaten und Konzerne kämpfen untereinander um die Nutzung der big data und das Internetproletariat stellt fest, dass sich nur die Arten der Überwachung/Unterdrückung und Ausbeutung gewandelt haben und allgemeine Solidarität in einer durch Zentrum und Peripherie, Klasse, und Identitäten (Rasse und Geschlecht/Gender) gespaltenen/flexibilisierten Weltgesellschaft nicht zu haben ist?
Oder ist auch das nur Schein?

Wer schützt wie welche Metadaten und welche bleiben offen zugänglich?

Mittwoch, 13. November 2019

Kylie Jenner, die jüngste Selfmade-Milliardärin

"Kylie Jenner ist nicht nur die jüngste Selfmade-Milliardärin, sondern auch, wie Forbes bemerkt, die erste Selfie-made-Milliardärin – im Wortsinn, denn Jenner ist selbst ihr häufigstes Bildmotiv auf Instagram." (Sascha Lobo: Realitätsschock, S.335)

"Ende 2016 hat Kylie Jenner nach nicht einmal einem Jahr über 300 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Sie eröffnet einige Pop-up-Stores, Kurzzeit-Läden, in Los Angeles, die in wenigen Tagen Zehntausende Kundinnen anziehen. Aber diese Form des Handels dient eher als Event denn als Marketingmaßnahme. Das Internet, die sozialen Medien bleiben Jenners Heimat." (S.337)

"Viele gewöhnliche Nutzer fühlen sich einer Plattform gegenüber regelrecht ausgeliefert, aber das gilt nicht mehr auf der Ebene von Kylie Jenner. Dort kann  sich das Machtverhältnis umdrehen. Als Jenner twittert, dass sie den Instagram-Konkurrenten Snapchat wegen eines Updates nicht mehr nutzen wolle, fällt der Aktienkurs des Unternehmens um acht Prozent. Und erholt sich wieder, als sie nachschiebt, dass sie Snapchat trotzdem nicht verlassen wollte. Das Update wird rasch angepasst." (S.338)

Freitag, 7. November 2014

Wen Drohnen töten sollen, wird anhand von Kommunikationsprofilen berechnet

Man braucht also nicht den Namen der Personen zu kennen. Es reicht aus, wenn die Metadaten eine zureichend große Wahrscheinlichkeit errechnen lassen, dass die betreffende Person Terrorist ist.
Es gibt schon Drohnenmodelle, die das automatisch anhand der Metadaten tun können. Bis jetzt muss aber noch ein Mensch die Entscheidung über die Tötung treffen.
Eine seriöse Schätzung besagt, dass jährlich 4 700 Personen durch Drohnen getötet werden, aufgrund von Metadaten.

No-Name Terrorists Now CIA Drone Targets, Wired 5.6.2010

Diese kurzen Hinweise basieren auf einem
Vortrag von Sascha Lobo über die digitale Sphäre
veröffentlicht am 6.11.14 auf Youtube


Julie Zeh: Wer rettet die Privatsphäre? FAZ  4.5.14

Sonntag, 25. Juli 2021

Sacha Lobo: mRNA-Technologie Die neue Weltmacht der Bio-Plattformen

 https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/mrna-technologie-die-neue-weltmacht-der-bio-plattformen-a-c87fa211-1897-47cf-8a1b-cd9ded973e6f

"[...] Das Plattform-Prinzip ist das machtvollste Modell des 21. Jahrhunderts, ökonomisch, in der Kommunikation, gesellschaftlich. Plattformen sind eine Mischung aus technischem Betriebssystem eines Marktes, kommunikativem Marktplatz und wirtschaftlichem Ökosystem. Zentral für Plattformen ist, dass sie mit hoher Geschwindigkeit oder sogar in Echtzeit Datenströme verarbeiten können, um ihre Leistung zu verbessern. Das Plattform-Prinzip führt damit zu einem lernfähigen, weil datengetriebenen System, weshalb seine Macht mit dem Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) noch zunehmen wird. Plattformen und KI sind füreinander geschaffen und sie sind, was den schieren Fortschritt angeht, ein unglaublicher Segen. Leider folgt insbesondere aus demokratischer Sicht ein großes »Aber«.

Donnerstag, 14. November 2019

Datenschutz

"[...] für Erwachsene ist Datenschutz, Persönliches vor dem Staat und Unternehmen verbergen zu können. Für Kinder und Jugendliche aber bedeutet Datenschutz, Persönliches vor den Eltern verbergen zu können. Während Apps wie WhatsApp bei vielen Kindern kontrolliert werden, bleibt der Chat im Comic-haften Spiel Clash of Clans vor den elterlichen Augen geschützt. 2019 ist bei vielen amerikanischen Teenagern der beliebteste Chat der von Google Docs, der Plattform für Textverarbeitung von Google. Der lässt sich nämlich auch vom Laptop aus ansteuern, zum Beispiel bei den Hausaufgaben oder im Unterricht. Oder wenn man Social-Media-Verbot hat." (Sascha Lobo: Realitätsschock, S.374/75) 

Ähnliches gibt es freilich auch bei Erwachsenen. Wie viele Eheschwierigkeiten haben sich dadurch ergeben, weil der Datenschutz gegenüber der PartnerIn nicht funktioniert hat?


Freitag, 28. August 2015

Was gegen Netzhassrede helfen könnte

Wie aus Netzhass Gewalt wird und was dagegen hilft Sascha Lobo 19.8.15

"Nachdem im Jahr vor den Wahlen 2013 in Kenya bereits wieder mehrere Hundert Menschen ermordet worden waren, bildete sich eine breite "Counter Speech"-Gegenbewegung. Die Führung fast aller gesellschaftlicher Gruppen rief unisono und in ständiger Wiederholung dazu auf, sich von jeder Gewalt fernzuhalten. Sehr viele kenianische Prominente, Sportler, Schauspieler, Musiker, stimmten in die "Friedenspropaganda" ein. Die Gewaltausbrüche gingen dramatisch zurück, die Wahlen selbst verliefen mehr oder weniger friedlich."

Montag, 11. November 2019

Software mit Einfühlungsvermögen?


Tess schafft offenbar, dass sich Menschen durch Interaktion mit ihr besser fühlen. Man kann das bei aller Skepsis als Erfolg betrachten, denn Tess kommt zum Einsatz, lange bevor jemand überhaupt einen Termin bei einem Psychotherapeuten bekommt. Tess ist immer verfügbar, und das im Smartphone, das alle mit sich herum tragen. Wenn die Leute sich nach dem, nun ja, Gespräch mit Test besser fühlen, ist das ein Erfolg. Und ein Hinweis darauf, dass selbst Empathie und Einfühlungsvermögen in Zukunft keine rein Menschen exklusiven Fähigkeiten mehr sein werden. (Sacha Lobo: Der Realitätsschock Seite 244)

Software mit scheinbarem Einfühlungsvermögen hat freilich  Joseph Weizenbaum schon 1966 entwickelt: ELIZA.
Tess ist eine neue Entwicklung mit weit größeren Fähigkeiten. Nur ist ELIZA ein Hinweis darauf, dass natürlich kein Chatbot empathisch sein kann. Aber offenbar lässt sich selbst Empathie, die Menschen oft nicht aufbringen können, mit künstlicher Intelligenz simulieren. (Fontanefan)

Vergleichsweise trivial:
Die Software Projectcortex , die das Taggen automatisch durchführt:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=343&v=DZteVE0QsqA&feature=emb_title

Montag, 5. November 2018

Rechtes Neusprech erläutert von Sascha Lobo

Sprachkritik: Deutsch-Rechts/Rechts-Deutsch
"[...] Sogar selbsterklärte Rechte wehren sich dagegen, "in die rechte Ecke" gestellt zu werden. Denn Rechte und Rechtsextreme haben den Trick entwickelt, sich selbst für die "politische Mitte" zu halten. Deshalb empfinden sie nicht "rechts" als beleidigend, sondern "Ecke". [...]"

Entsprechend erklärt sich, dass Verfassungsschutzpräsident Maaßen den Rechtsradikalismus, den er schützen will, für die Verfassung (genauer gesagt für die FDGO der Verfassung) hält und dementsprechend den traditionell sozialdemokratischen Flügel in der SPD für linksradikal. (sieh: Zu spät für ein Bauernopfer?)