Sonntag, 30. August 2026

Zur Kontrolle von Beiträgen in sozialen Medien

 In einem sozialen Medium wurde die Frage gestellt: Wie findet ihr ein Schild an einem Café: „Kein Zutritt für Schwuchte1“?

Der folgende Beitrag wurde von der Kontrolle abgelehnt:

Es hat sich herausgestellt, dass Rauchen in Gaststätten auf andere Besucher gesundheitsschädlich wirken kann, dass man während ansteckender Krankheiten möglichst vermeiden sollte, andere einer Ansteckungsgefahr auszusetzen usw.

Dass jemand von dem Kontakt mit einer Person, die irgend jemand "Schwuchtel" nennt, geschädigt wird, ist nicht anzunehmen.

Insofern wäre ein willkürlicher Ausschluss aus öffentlichen Räumen abzulehnen. Nicht zuletzt hat sich gezeigt, dass jede Art von Ausgrenzung, sei es aufgrund von äußeren Merkmalen, sei es aufgrund von rassistischen Vorurteilen wie bei der Apartheid, den Kern schwerer gesellschaftlicher Störungen bilden kann.

Ich finde es wünschenswert, wenn Soziale Medien auf Beleidigungen hin geprüft werden. Wenn das durch eine KI geschieht, kann es manchmal schief laufen.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, auf solche Fälle hinzuweisen

Freitag, 28. August 2026

Michelle Obama über den Abschied von ihren Töchtern

"[...] Während Barack Obama geweint haben soll, als seine Töchter aufs College gingen, dachte sich Michelle nur: „Tschüss, meine Kleinen …“ Die ehemalige First Lady spricht in ihrem Podcast überraschend offen darüber, wie erleichtert sie über den Auszug von Malia und Sasha war.

Sie liebe ihre heute 28- und 25-jährigen Töchter zwar, aber dass sie nicht mehr zu Hause leben würden, nehme ihr auch Sorgen. „Ich vermisse sie nicht“ – aber sie treffe die beiden „heute zum Abendessen“, sagte die 62-Jährige in der am Mittwoch erschienenen Folge.

Malia und Sasha waren zehn und sieben Jahre alt, als ihr Vater als erster Schwarzer US-Präsident 2009 ins Weiße Haus einzog. Sie verbrachten während seiner zwei Amtszeiten einen Großteil ihrer Kindheit in Washington. Bei ihrem Auszug 2017 waren sie bereits junge Erwachsene. Seither halten sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.

Noch im selben Jahr begann die ältere Schwester, Malia, ihr Studium an der Harvard-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts. Sasha begann ihr Studium zwei Jahre später an der University of Michigan – und wechselte später zur University of Southern California. „Barack hat geweint, als sie aufs College gegangen sind. Ich dachte mir nur: ‚Tschüss, ihr Kleinen …‘“, sagte Michelle nun.

Seitdem ihre Töchter auf die Uni gehen, seien „Freitagabende nicht mehr von Schrecken und Angst darüber überschattet“, wo sich die beiden aufhalten, sagte Obama in ihrem wöchentlichen Podcast „IMO with Michelle Obama & Craig Robinson“, den sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder moderiert. Sie liebe die Unabhängigkeit und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Töchter.

Podcastgast Jon Stewart, Komiker und Moderator, kann das nicht ganz nachvollziehen. Seine Kinder sind seinen Ausführungen zufolge erst kürzlich zu Hause ausgezogen. Der 63-Jährige hält sein Familienleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Als seine Kinder noch zur Schule gingen, hätte ihm das „einen Sinn und eine Struktur gegeben“. Doch Michelle Obama zeigt sich davon unbeeindruckt: „Mir geht es gut“, quittiert sie den Versuch, ihr doch noch sentimentale Worte über ihre Töchter zu entlocken.

Auch als ihr Bruder, dessen Kinder auf eine weiterführende Schule gehen, Jon Stewart zur Hilfe kommt, wiegelt die ehemalige First Lady ab: „Ich liebe meinen Zeitplan. Ich habe einen tollen Zeitplan, und er gehört ganz mir.“ Sie könne es aber verstehen, dass Väter, die oft nicht zu Hause waren, das anders sehen. Sie andererseits habe „so viel schöne Zeit mit meinen Kindern verbracht. So viel. Ich kenne sie in- und auswendig.“ "

(Tagesspiegel 28.8.26)

Obdachlosigkeit in Berlin

 Die gestiegene Zahl von Obdachlosen in Berlin wirft viele Fragen auf.

Da liegt ein Mann auf der Straße. Seitlich, mit dem Rücken Richtung Hauswand, die Hände unter den Kopf gelegt wie ein Kind, seine schmutzverkrusteten Füße in zerrissenen Gummilatschen zucken. Er lebt. Und die, die an ihm vorbeieilen, leben auch. Frauen mit Einkaufstrolleys, eine Kindergartengruppe mit Warnwesten, eine Mädchenclique in Shorts und Cowboystiefeln, ein Mann mit einem Baby im Tragetuch und zwei Rollstuhlfahrende – um nur einige zu nennen, die in der gleichen Minute wie ich an dieser Stelle in Berlin-Kreuzberg den Kottbusser Damm entlangströmen. 

Der Mann an der Hauswand ist nicht der einzige Gestrandete auf der kurzen Strecke zwischen der U-Bahn-Station Schönleinstraße und der Kottbusser Brücke. Auch auf der anderen Straßenseite, vor dem Eingang einer Drogerie-Filiale, liegt jemand, allerdings mitten auf dem Gehweg, wo er die Geschäftigen stört. Zwei Polizeibeamte beugen sich über ihn, als ich vorbeigehe. Noch ein Stück weiter, an der Brücke, lagert ebenfalls eine Person auf dem Boden und wiegt sich in einem unhörbaren Lied. Es muss Krieg sein, würde man wohl denken, wenn man aus einer anderen Sphäre hier landete. Die Menschen fliehen, wer nicht Schritt hält, bleibt zurück.  […]

Was tut man? Ich tue, wie die anderen, die hier arbeiten oder in einem der Restaurants vor einem Aperol Spritz sitzen, nichts. Neulich stand eine abgefackelte Vespa zwischen den Bänken am Ufer. Botschaften sind an den Mülleimern oder den Zäunen der Häuser: Suche Zimmer. Mein Freund wurde hier lebensgefährlich verletzt – wer hat etwas gesehen? 

Die Wohnungen sind teuer. Eine Dachgeschoss-Maisonette wird für 4.000 Euro Miete angeboten. Von dort aus blickt man auf die nächtlichen Feuerstellen am Ufer herab. Nach Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leben in Berlin bis zu 7.000 Menschen auf der Straße und 57.000 in Unterbringungen – zehnmal so viele wie 2012. […]

Sind es nur die anderen, die schuldhaft Gescheiterten, aus eigentlich zu gewinnenden Kämpfen des Daseins ins Aus Geschwemmten? Oder jene, die vielen von uns nur ein kleines Stück voraus sind? Eine Freundin, Künstlerin, Ende 50, muss seit der Mieterhöhung ein Zimmer ihrer Zwei-Raum-Wohnung untervermieten, um dort bleiben zu können. Ein Paar mit zwei Kindern, das ich kenne, wohnt, obwohl getrennt, weiter zusammen, weil eine zweite Wohnung nicht drin ist.

Das Eis ist dünn geworden, die Angst, dass es bricht, wenn man sich nach vorn beugt, um einem anderen die Hand zu reichen, groß.

Petra Kohse, Frankfurter Rundschau 28.8.2026

Rückblick auf 2020, als vom Staat gefordert wurde, Infizierte sollten in der Wohnung bleiben: Wohnungslosigkeit ist vermeidbar


Dienstag, 18. August 2026

Untersetzer zum Umdenken

 Umdrehen ⇒ Umdenken!

Die Idee ist so einfach wie wirksam: Auf der einen Seite steht ein Satz, der Veränderung eher verhindert. Auf der anderen Seite steht eine Wendung, die neue Möglichkeiten öffnet.

„Ja, aber …“ dreht sich zu „Ja und gleichzeitig …“. Aus „Erstmal abwarten!“ wird der kleine Schubs: „Erstmal anfangen!“ Und wenn der Satz „Dafür bräuchten wir andere Rahmenbedingungen“ auf dem Tisch liegt, lädt die Rückseite zur Frage ein: „Was ist das Stärkste, was wir uns unter den bestehenden Rahmenbedingungen vorstellen können?“

Hier gibt's die Grafikdateien und die zugrundeliegende Sprüche-Sammlung mit vielen weiteren Aussagen zum Download bereit. Lehrende, Teams und Veranstalter*innen können die Untersetzer nutzen, verändern, ergänzen und für eigene Veranstaltungen, Workshops oder Materialien weiterentwickeln.

Für die Texte und die Gestaltung der „OERcamp Untersetzer zum Umdenken“ wird kein urheberrechtlicher Schutz beansprucht. Die Materialien können im Sinne von CC0 frei genutzt, verändert und weitergegeben werden.

Sonntag, 16. August 2026

Grundwasser

 https://www.bergstraesser-anzeiger.de/region-bergstrasse_artikel,-bergstrasse-grundwasserstaende-an-der-bergstrasse-und-im-ried-auf-normalniveau-_arid,2393242.html

Chad und Stacy

 Chad: Wird im deutschen Netz-Slang (z. B. auf Reddit oder Social Media) Eins-zu-Eins als Lehnwort übernommen. Es bezeichnet einen selbstbewussten, attraktiven und erfolgreichen Mann ("Alpha-Mann").  "Er ist ein absoluter Chad."

Der Name Stacy (auch Stacey) hat zwei Hauptbedeutungen und Ursprünge:

  • „Die Wiederauferstandene“ / „Die Auferstandene“: Als weiblicher Name ist Stacy eine englische Kurzform des altgriechischen Namens Anastasia (von anástasis = Wiederauferstehung).

  • „Die Standhafte“: In manchen Herleitungen wird der Name auch mit dem altgriechischen Wort eustachys („fruchtbringend“, „reich an Ähren“) oder dem lateinischen Namen Eustachius („der Standhafte“) in Verbindung gebracht.

Bedeutung im modernen Slang

Im modernen Internet-Slang (besonders in Memes) bezeichnet eine „Stacy“ das Klischee einer sehr attraktiven, populären, aber oft als oberflächlich wahrgenommenen Frau — als weibliches Gegenstück zum Begriff „Chad“.

Incel

 "Der Begriff Incel (Kurzform für „Involuntary Celibate“, auf Deutsch: „unfreiwillig zölibatär“) beschreibt Personen – überwiegend junge Männer –, die sich unfreiwillig ohne sexuelle oder romantische Beziehung befinden. Im Kontext der Manosphere bildet die Incel-Subkultur eine der extremsten und strittigsten Strömungen.

Einordnung in die Manosphere

Die Manosphere bezeichnet ein lose zusammenhängendes Netzwerk von Webseiten, Foren und Social-Media-Kanälen, die sich mit Männer- und Männlichkeitsthemen befassen. Innerhalb dieses Spektrums lassen sich verschiedene Subkulturen unterscheiden:

SubkulturKernthema / PhilosophieVerhältnis zur Incel-KulturPick-Up Artists (PUA)Verführungstechniken und Beziehungsstrategien.Incels lehnen PUAs ab, da sie deren Techniken für wirkungslos halten.MGTOW (Men Going Their Own Way)Bewusste Abkehr von Beziehungen zu Frauen.Incels teilen oft die Frauenfeindlichkeit, wählen den Rückzug aber meist unfreiwillig.

Incels Fatalistische Weltsicht, Verzweiflung und teils extremer Frauenhass. Bilden den radikalsten und oft am stärksten isolierten Pol der Manosphere.

Zentrale Konzepte der Incel-Ideologie

  • „Blackpill“-Philosophie: Im Gegensatz zur „Redpill“ (die besagt, dass man durch Verständnis der Geschlechterdynamik Erfolg haben kann) besagt die „Blackpill“, dass der Erfolg bei Frauen rein von unbeeinflussbaren Faktoren abhängt (Genetik, Aussehen, Gesichtsstruktur, Körpergröße).
  • Determinismus und Fatalismus: Incels glauben, dass sie aufgrund biologischer Gegebenheiten niemals eine Partnerin finden werden. Dies führt oft zu Nihilismus, Depressionen und tief sitzendem Groll.
  • Misogynie und Feindbilder: Frauen werden häufig auf vereinfachte Klischees reduziert und für die eigene soziale Isolation verantwortlich gemacht.

Bedeutung im deutschsprachigen Raum

Obwohl die Sprache und Fachbegriffe (wie Chad, Stacy, Looksmaxxing) primär aus dem englischsprachigen Raum stammen, ist das Phänomen auch im deutschsprachigen Internet präsent. Sicherheitsbehörden und Soziologen beobachten die Szene aufmerksam, da die Kombination aus Ideologie, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Radikalisierung in Einzelfällen zu Gewalttaten geführt hat."

Samstag, 15. August 2026

The Abbey, Sutton Courtenay

 https://en.wikipedia.org/wiki/The_Abbey,_Sutton_Courtenay


Georg Cornelissen: Sprachgeschichte von NRW

  Georg Cornelissen (Wikipedia)

"Der historische Teil behandelt teilweise die Entwicklung der gesamten deutschen Sprache. Im systematischen Teil werden Dialekte und Regiolekte in NRW mit vielen Beispielen vorgestellt, dann aber auch der Schwund des Plattdeutschen und die Bedingungen des Sprachwandels erörtert."

 https://norberto42.wordpress.com/2026/08/14/g-cornelissen-kleine-sprachgeschichte-von-nordrhein-westfalen-2015-gelesen/

https://de.wikipedia.org/wiki/Dialekte_und_Sprachen_in_Nordrhein-Westfalen

Kleverländisch auch als Nordniederfränkisch bezeichnet, ist eine Dialektgruppe innerhalb des Niederfränkischen, die zum kontinentalen westgermanischen Dialektkontinuum gehört. Es befindet sich nördlich der Uerdinger Linie und ist innerhalb Deutschlands und der Niederlande mit dem Südniederfränkischen verbunden. Mitunter wird ihm auch Ostbergisch zugerechnet, was aus aktueller germanistischer Sicht nicht mehr als zutreffend angesehen wird. Dieses bildet vielmehr von Norden nach Süden eine Interferenzzone des Ripuarischen zu den benachbarten westfälischen Dialekten.

Seit 1997 sind die in der niederländischen Provinz Limburg gesprochenen nordniederfränkischen Dialekte nach der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen in den Niederlanden als Regionalsprache anerkannt.[1][2]

Donnerstag, 6. August 2026

Frühe Zivilisation in Amazonien entdeckt

[...] Im äußersten Westen des Amazonasbeckens haben Forschende Hunderte Überreste einer versunkenen Kultur entdeckt: Mit dem Laser-gestützten sogenannten Lidar-Verfahren stieß das internationale Forschungsteam bei mehreren Flügen über den brasilianischen Bundesstaat Acre auf mehr als 400 Strukturen – darunter Erdhügel sowie Gräben und Dämme in auffälligen geometrischen Mustern. Diese Geoglyphen sind meist zwischen 0,35 und 14 Hektar groß, eine misst fast 50 Hektar – also nahezu 500.000 Quadratmeter.

Errichtet wurden die Bauten demnach zwischen 600 vor und 850 nach Christus – also über einen Zeitraum von fast 1.500 Jahren. Aquiry nennt das Team diese verschwundene Zivilisation – nach dem indigenen Namen für den Rio Acre, einen Nebenfluss des Rio Purus, welcher wiederum in den Amazonas mündet. [...]

Sollten im Aquiry-Gebiet, das lediglich 3 Prozent des Amazonasregion stellt, vor grob 2.000 Jahren schon 1,25 bis 3 Millionen Menschen gelebt haben, könnte die damalige Bevölkerung Amazoniens Dutzende Millionen Menschen umfasst haben. "Unsere Resultate stürzen unser Verständnis zur Vergangenheit der Amazonasregion um", sagt Pärssinen. Warum die Aquiry-Kultur um das Jahr 850 zusammenbrach, ist nicht bekannt. " (dpa/bearbeitet von tar)

https://web.de/magazine/wissen/geschichte/fruehe-zivilisation-amazonien-entdeckt-42559470

sieh auch: FR 6.8.2026

Montag, 3. August 2026

Leihmutterschaft - ein schwieriges Kapitel

 Leihmutterschaft - deutsche Doppelmoral


Daraus: 

1) "Und hat jemals eine deutsche feministische Bewegung dagegen protestiert, oder haben etwa andere Verteidigerinnen der sexuellen Freiheit und Selbstbestimmung dieses Thema mal aufgegriffen? Wer ist denn da sonst noch so doppelmoralisch?"

2) "Weil es immer weniger ukrainische Soldaten gibt – Hunderttausende wurden getötet, Hunderttausende Wehrpflichtige sind ins Ausland geflüchtet –, müssen die verbleibenden Soldaten immer länger dienen, jahrelang. Deshalb nehmen auch allein lebende Soldatenfrauen diese Leihmutter-Dienste an. Auch der wirtschaftliche Niedergang wegen des Krieges, wegen Arbeitslosigkeit und Inflation zwingt Frauen, irgendeine (Neben)Beschäftigung zu finden. Das müssen sogar auch Frauen aus akademischen Berufen annehmen, etwa die schlecht bezahlten Lehrerinnen. Nicht wenige sind verheiratet.

Dazu gibt es in der Ukraine Kritik und Proteste. So erklärt eine Frauenrechtlerin nach Berichten der BBC: „Wegen des Krieges nimmt die Zahl der verzweifelten Frauen zu – und die Surrogat-Kliniken werben um sie, denn Paare aus dem Westen wollen billige Babys kaufen!“[7]"

3) "[...] dann muss auch in Deutschland gegen die exzessive, menschenrechtswidrige Leih„Mutter“-Praxis gerade in der Ukraine vorgegangen werden!"

zu 1): Die Parole der Feministinnen war "Mein Bauch gehört mir." Dieser Parole widerspricht Leihmutterschaft eben nicht. 

Die Mutter verkauft - entgegen dem der verzweifelten Elenden im Globalen Süden - nicht ihr Kind als zu adoptierendes oder zu prostituierendes, sondern sie "verpachtet" ihre inneren Geschlechtsorgane, ohne sie - wie Organspender - sie zu verkaufen.

zu 2): Sie nimmt freilich für diese Zeit ihrem Ehemann die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen und ihrem Staat die Möglichkeit, biologischen Nachwuchs für den Wiederaufbau - oder doch nur für die Selbstverteidigung? - zu bekommen.

Ist die Möglichkeit, ihre ehelichen Kinder besser versorgen zu können, eine Rechtfertigung für Leihmutterschaft?

Bisher stellt das deutsche Recht einen Versuch dar, dieses Dilemma einer Mutter zu ersparen. Ist es damit gerechtfertigt?

zu 3): Gibt es eine Verpflichtung, in die inneren Angelegenheiten eines Staates einzugreifen, weil man seine Verteidigung und das finanzielle Überleben des Staates zu finanzieren hilft?


Fluchtvereitelung

 Fluchtvereitelung wird seit Jahrzehnten betrieben. Dafür stehen die Stichworte Berliner Mauer, Grenzbefestigung, Liste befestigter Grenzen.

Diesmal war sie offenbar in mehreren zehntausend Fällen erfolgreich.

Ausführlicher berichtet darüber Die neue Odyssee. Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise.

Ein Zitat daraus: "Der Zustrom Tausender unregistrierter Menschen aus Griechenland erzeugt aus nachvollziehbaren Gründen ernstzunehmende Sicherheitsbedenken. [...] wenn man legale Einreisemöglichkeiten für den Großteil dieser Menschen geschaffen hätte [...] dadurch auch erleichtert, zu überwachen und zu kontrollieren, wer nach Europa einreiste." (S.17)

Ich möchte daran erinnern: Nicht nur die Einreise aus Griechenland scheitert immer wieder. Mehr über den Zusammenhang des Protestes gegen die Tragödie der Juden im Niemandsland 1938 mit den darauf folgenden Novemberpogromen 1938 findet man hier.

Das Problem ist alt.

Sonntag, 2. August 2026

Wenn heute Ihr letzter Tag wäre ...

 "Stellen Sie sich vor, heute ist Ihr letzter Tag. Nein, niemand hat Ihnen das vorher gesagt. Und jetzt ist es auch zu spät, den lange geplanten Jahrhundertroman anzufangen oder sich noch flott einen Flug in die Karibik zu buchen. Sie sind zu Hause und haben noch knappe 18 Stunden Zeit. Was machen Sie? [...]  Zerkratzen nochmal das Auto ihrer verhassten Nachbarn und zertrampeln deren Rosen? Oder versöhnen Sie sich auf den letzten Metern lieber mit allen, mit denen noch was querliegt? Was haben Sie sich Ihr Leben lang verkniffen und würden sich heute dafür gerne mal gönnen? Noch flott den Lieblingsfilm gucken, ins Theater oder in die Oper? Welche Gerüche, Geschmäcker und Gefühle wollen Sie nochmal erleben? Den Strand, die Berge, das Meer? Mit wem wollen Sie diesen Tag verbringen, wen sprechen, wen umarmen? [...]

Bleiben Sie nüchtern? Oder lassen Sie’s richtig krachen und ballern sich die Sinne weg? Verschenken Sie Ihr Hab und Gut? [...] Spenden Sie für Amnesty oder für den Obdachlosen in der Bahn? Sind Sie gereizt, wenn irgendwas nicht klappt? Sie gar zwei kostbare Lebensstunden lang im Stau stehen? Oder bleiben Sie ungewohnt entspannt? Vielleicht gibt’s ja noch ein Fußballspiel. Ein normalerweise unbezahlbares Konzert. Oder gar einen Bungeesprung? Schnell noch heiraten, wenigstens symbolisch? Und wie steht’s um letzte Worte? Wollen Sie noch was aufschreiben, für die Nachwelt hinterlegen? Haben Sie gar Handlungsanweisungen für die Hinterbliebenen parat? Wollen Sie heute jemand ganz anderes sein – und wer eigentlich? [...]

Und jetzt: Machen Sie all das. Jawohl, auch wenn es Sie gerade ängstigt. Naja, am besten vielleicht doch nur den legalen Part. Und das, was finanziell halbwegs verkraftbar scheint. Vielleicht tun Sie auch nichts davon. Aber bitte freuen Sie sich wenigstens für ein Momentchen wie verrückt, dass Sie das alles auch noch übermorgen und überübermorgen tun könnten." Frankfurter Rundschau, Post Mortem: Was, wenn heute Ihr letzter Tag wäre?, 31.7.2026

Samstag, 1. August 2026

Propheten und Wahrheiten

„Da es schwierig ist, echte Propheten von falschen zu unterscheiden, ist es das beste, allen Propheten zu mißtrauen, es ist besser, auf offenbarte Wahrheiten zu verzichten, auch wenn sie uns wegen ihrer Schlichtheit und ihres strahlenden Glanzes begeistern, auch wenn sie uns bequem erscheinen, weil sie gratis zu haben sind. Es ist besser, sich mit anderen, bescheideneren und weniger beschwingenden Wahrheiten zu begnügen, jenen, die man mühsam erwirbt, allmählich und nicht auf Abkürzungswegen, durch Studium, Diskussion und Überlegung, Wahrheiten, die sich überprüfen und nachweisen lassen.“ (Primo Levi)