Mittwoch, 15. Februar 2017

Ein neues Schulfach gegen Fake News?

Twitter-Facebook-Schwäche: Ein neues Schulfach gegen Fake News SPON 14.2.17

"Was tun gegen Fake News? Schon bei den Kindern in der Schule ansetzen, mahnte jetzt Apple-Boss Tim Cook. Dazu ist hierzulande ein Umdenken nötig: Computer sind kein Unterrichtsmaterial - sondern Lehrstoff."
"Ob und wie qualifiziert ein Kind in Sachen Netzrecherche unterrichtet wird, ist somit vom Zufall abhängig, moniert Wassilios Fthenakis, Erziehungswissenschaftler und Hausherr der didacta. "Heute ist die digitale Kompetenz neben den anderen Kompetenzen eine absolut notwendige Ergänzung für Kinder", sagt er - und wirbt für einen frühzeitigen Start: "Das kann und sollte von Anfang an erworben werden - bereits im vorschulischen Alter."
Eine Vorstellung, die Apple-Chef Cook gefallen dürfte."

Von einem neuen Schulfach ist im Text nicht mehr die Rede, wohl aber von einer Umgestaltung des Curriculums. Im Vertrauen, dass man den Unterschied nicht merkt, verfasst man für einen Artikel, der über Fake News handelt, schnell eine Falschmeldung. Bravo!
"Computer sind kein Unterrichtsmaterial - sondern Lehrstoff" ist die nächste Aussage, die nichts mit dem Artikelinhalt zu tun hat. Zwar kann die Funktionsweise kurz einmal Lehrstoff sein, aber an den konstatierten Mängeln der Medienkompetenz würde das nichts ändern.
Das einzig Gute an dem Artikel ist, dass er - wenn auch verfälschend - auf ein Problem aufmerksam macht und dass er - wenn auch nur vorsichtig - andeutet, dass es den Protagonisten der Computerlobby natürlich nicht um politische Bildung geht, sondern um größeren Absatz. 

"Wahrheit festzulegen ist gefährlich" - Interview mit Uwe Krüger über die Debatte um sogenannte Fake News (L.I.S.A. Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung)

Dr. Krüger: Früher kamen Falschnachrichten meist von Regierenden und wurden von Journalisten weitergereicht:
"Beispiele wären die Massenvernichtungswaffen, die die Bush-Administration 2003 dem irakischen Staatschef Saddam Hussein angedichtet hatte, oder der angebliche „Hufeisenplan“ des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevics, der im Bundesverteidigungsministerium 1999 zur Legitimierung des Kosovo-Einsatzes erfunden wurde. Heute sind Fake News „demokratisiert“, wie der Mainzer Kommunikationswissenschaftler Philipp Müller sagt. [...]
Ich halte die bestehenden Gesetze für ausreichend: Personen können sich gegen Falschaussagen wehren, die sie betreffen, Verleumdung und üble Nachrede ist justiziabel. Volksverhetzung auch.

Zusätzlich müssten verstärkte Anstrengungen auf dem Gebiet der Medienpädagogik gemacht werden, etwa ein Schulfach „Publizistik“. Darin müsste es dann aber nicht gehen, per ordre du mufti zu erzählen, dass alles, was in den etablierten Medien steht, stimmt, und alles was auf RT Deutsch kommt, Lüge ist. Sondern man müsste den nachwachsenden Generationen quasi journalistisches Rüstzeug geben und sie lehren zu recherchieren und zu unterscheiden etwa zwischen Sachverhalts- und Deutungsaussagen oder zwischen neutralen und interessengeleiteten Quellen – damit sie als aufgeklärte Subjekte kritisch sowohl mit dem Mainstream-Journalismus als auch mit Alternativmedien und Gegenöffentlichkeiten umgehen können."
L.I.S.A.: Wie verhält sich aus Ihrer Sicht ein Maßnahmenkatalog gegen Nachrichten, die als „Fake News“ klassifiziert und deren Urheber und Verbreiter deswegen juristisch belangt werden können, mit den Grundrechten auf Meinungs- und Pressefreiheit? Wie unterscheiden sich solche Maßnahmen von einer neuen Form der Zensur? Überspitzt formuliert: Droht ein Orwell’sches Wahrheitssprech, in der einige dazu Erwählte bestimmen, was wahr ist und was nicht?
Dr. Krüger: Ich finde Bestrebungen, Wahrheit staatlich festzulegen, sehr gefährlich für Demokratie und Meinungsvielfalt. Das würde die offene Gesellschaft, die durch Massenüberwachung schon heute gefährdet ist, noch stärker bedrohen. Wenn es erst einmal eine Instanz gibt, die darüber entscheidet, was Lüge, Einseitigkeit, Desinformation oder Propaganda ist, sind dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Dann wird es bald nicht mehr nur um das Aussortieren falscher Sachverhaltsaussagen gehen, sondern auch um „falsche“ Deutungen, Interpretationen oder Kausalzusammenhänge. Wenn uns aber auch das Framing und die Perspektive vorgeschrieben werden, dann ist die Demokratie tot – und wir werden eine gelenkte Demokratie bzw. ein autoritäres System wie das von Wladimir Putin, vor dem wir uns so sehr fürchten. [...]
Es geht sicherlich um Deutungshoheit. Zusätzlich fürchte ich, dass vielen Medienunternehmen und Journalisten nicht klar ist, auf welch schmalem Grat sie wandeln, wenn sie „Fake News“ ausmerzen wollen. Nicht selten basiert auch die Berichterstattung etablierter Medien auf Spekulation und ungesicherten Fakten – siehe Schlagzeilen wie „Russische Hacker beeinflussen Wahlen“. "

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