Samstag, 14. Januar 2017

Was hält Stadt und Gesellschaft zusammen?

„Populisten kontra Gemeinsinn – was hält Stadt und Gesellschaft zusammen?“ Festrede der FR-Chefredakteurin Bascha Mika beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt (Frankfurter Rundschau 14./15.1.17)

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Doch was sich 2016 an pauschalen Anfeindungen, Denunziation und bösartiger Häme öffentlich austobte, hat ein erschreckendes Niveau erreicht.
Wenn ganze gesellschaftliche Gruppen umstandslos als Parasiten, Kriminelle, gewissenlose Gesellen, Lügner oder Verräter beschimpft werden – seien es Politiker, Migranten, Journalisten oder schlicht Andersdenkende – wenn es so läuft, geht es nicht mehr um Streit.
Dann geht es um Ausgrenzung, Feindschaft und moralische Vernichtung des angeblichen Gegners. Dann wird ein Kultur- und Klassenkampf heraufbeschworen, der diese Gesellschaft gezielt auseinandertreiben und zum Zerreißen anspannen soll 
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Deshalb brauchen wir einen Gesellschaftsentwurf, der nicht darauf basiert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung schweigend abzuhängen. Teilhabe am System ist die Voraussetzung dafür, dass man dieses System auch verteidigt. Oder wie ein Autor der „Zeit“ sich fragte: „Kann man die freiheitliche Ordnung so neu justieren, dass sie nicht Massen aus Wütenden produziert, die diese lieber gegen etwas Härteres austauschen wollen?“
Vor allem müssen wir für Demokratie einstehen, aufstehen. Wegducken gilt nicht! 
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Frankfurt hat seine Schwächen. Aber es setzt deutlich Zeichen, wie Gemeinsinn und offene Gesellschaft auch in Zukunft funktionieren können.
Mit demokratischem Streit um die richtigen Konzepte und Lösungen. Mit Größe statt Kleinmut. Mit Wehrhaftigkeit und Haltung.
Mir macht das Mut. Denn unsere offene Gesellschaft ist auch ein Geschenk. Und niemand soll es uns wegnehmen dürfen!

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