Sonntag, 5. Juli 2015

Rassismus in der Sprache

Rassismus in der Sprache liegt vor, wenn ein Ausdruck oder eine Redeweise rassistische Nebenbedeutungen hat oder ganz auf Zeiten zurückgeführt werden kann, als die Gesellschaft in sich rassistisch war.
Wenn Michelle Obama sich beklagt, dass ihr uppity nachgesagt wird, dann bleibt ihre Empörung wenig verständlich, solange man daraus nur schließt, dass sie als hochnäsig bezeichnet wird. Die rassistische Konnotation von uppity ist nämlich, dass sie "doesn't know her place", dass sie also ihre Stellung als Schwarze im Verhältnis zu Weißen nicht kennt. Wenn der first lady nachgesagt wird, sie sei aufmüpfig, wenn sie für sich beansprucht, als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert zu werden, dann ist es mehr als verständlich, wenn sie das einem Rassismus zuschreibt.
Von daher wird verständlicher, weshalb viele gegen die Verwendung von Neger im Deutschen sind und sogar gegen das Kinderlied "Zehn kleine Negerlein" polemisieren. Man stelle sich vor, wir hätten einen schwarzen Kanzler und immer wenn er aufträte, würde das Lied "Zehn kleine Negerlein" gesungen, oder Angela Merkel würde, wenn sie im Kreise der europäischen Regierungschefs auftritt, von diesen mit "anerkennenden" Bauarbeiterpfiffen begrüßt.
Auch ist das Wort Indianer im Deutschen kaum von rassistischen Konnotationen begleitet, während für einen native american, der sich als Überlebenden eines Völkermordes begreift, die Bezeichnung als red Indian empören muss, weil darin immer das Wort "The best Indian is a dead Indian." mitschwingt.

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