Freitag, 4. September 2015

Sollen wir sie reinlassen?

  1. Gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu sein, hat in Deutschland eine lange Tradition. Es waren keine Nazis oder Neo-Nazis, die mit Zweidrittelmehrheit das Grundgesetz geändert haben, um mit dem Artikel 16a das Asylrecht gewaltig einzuschränken. (Asylkompromiss 1992/93)
    Aber die, die damals gesagt haben, wir müssen die Ursachen beseitigen, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen, haben in den vergangenen Jahrzehnten genau das nicht geschafft. Seitdem sind Zehntausende auf der Flucht umgekommen, weil ihnen der Zugang zu Europa versperrt wurde wie 1961 den DDR-Bürgern der Weg nach Westen.
    Nach dem Mauerbau hat es nur gut 18 Jahre gedauert, bis die DDR zusammengebrochen ist. Seit der Einführung des Art 16 sind über 22 Jahre vergangen. Sollen die Flüchtlinge darauf warten, dass die EU zusammenbricht? Soll die EU weiterhin in unserem Namen die Verantwortung dafür übernehmen, dass jährlich tausende Flüchtlinge umkommen, weil sie keine legale Einreisechance haben?
    Unangenehm ist die Situation, für den Tod Tausender verantwortlich zu sein. Dennoch können wir relativ unaufgeregt darüber diskutieren. In Aleppo im Geschützfeuer zu sterben oder im Mittelmeer zu ertrinken, ist sicherlich unangenehmer. – Freilich, wer das tut, ist wenigstens nicht schuld daran, dass andere für ihn sterben müssen, damit er ungestört die Segnungen eines freien und prosperierenden Landes genießen kann.
    Doch den Flüchtlingen zur Integration zu verhelfen, ist eine enorm schwere Aufgabe. Und wenn es nicht gelingt, die große Mehrheit dazu zu bringen, sich auch wirklich auf diese Aufgabe einzulassen, kann der Versuch in einer allzu großen Zahl von Fällen scheitern.
    Aber immerhin ist es nach 1945 gelungen, mehrere Millionen zu integrieren, und nach 1989 die Mehrheit der 17 Millionen Neubürger. Freilich nicht in einem Jahr und nicht alle. 
  2. Aber so etwas kann gelingen, auch wenn zwischenzeitlich vieles unruhiger und unsicherer wird für uns.

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