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Montag, 10. Januar 2022
Über den Thwaites-Gletscher und die Eisplatte, die seine Auflösung noch verlangsamt
Samstag, 8. Januar 2022
Zu den Coronaregeln für Schulen in Ecuador und Deutschland
Ecuador 8.1.22
Daniel Bernsen @eisenmed Hier mal ein Blick über den Tellerrand bzw. über den Atlantik: Wie sieht's mit der Corona-Schulpolitik im globalen Süden aus? Hier das Beispiel #Ecuador. In der ersten Woche nach den Ferien wird der Präsenzunterricht in allen Schulen komplett ausgesetzt. Alle Lehrer:innen werden unabhängig vom Alter spätestens nächste Woche geboostert, wenn die zweite Impfung mindestens 5 Monate zurückliegt (und damit zusammen mit Polizei und anderen Gruppen vorgezogen und priorisiert). In der zweiten Woche nach den Ferien dürfen die Schulen in Vollpräsenz zurückkehren, wenn mindestens 85% der Schüler:innen geimpft sind. Und natürlich gilt weiterhin in den Schulen durchgängig u.a. Maskenpflicht. Liegt die Impfquote der Schüler:innen unter 85% geht die Schule in den Wechselunterricht. Es dürfen nur maximal die Hälfte der Schüler:innen in Präsenz in der Schule sein. Die aktuelle Impfquote der 5-11jährigen liegt im Landesschnitt übrigens bei 50% - wobei eine "Impflicht" ab 5 Jahren gilt, die ab morgen u.a. durch Zugangsbeschränkungen für ungeimpfte Kinder zu Einkaufszentren, Restaurants, Sportanlagen etc. forciert werden soll.
Polilla @Polillaflaca Replying to @eisenmed Maximal die Hälfte der Schüler - gilt das auch für die Schulbusse?
Daniel Bernsen @eisenmed Das wäre gut und einzig sinnvoll - steht da aber nicht. An den Deutschen Schulen wird das meines Wissens auch so umgesetzt, aber die haben auch ganz andere Ressourcen als die staatlichen Schulen.
Deutschland:
Heribert Prantl: Womöglich ist eine gesetzliche Impfpflicht für alle nur der Notausgang aus den ewigen Kontaktsperren und Einschränkungen der Grundrechte. Aber immerhin. (Gesetzliche Impfung: Richtig falsch Süddeutsche Zeitung 8.1.22)
Freitag, 7. Januar 2022
Weshalb regt man sich über einen Computer mehr auf als über einen nicht funktionierenden Staubsauger?
Hartmut Rosa schreibt (in anderem Zusammenhang):
"Eine Erklärung liegt gewiss darin, dass die Erratik des Computers unsere Selbstwirksamkeit untergräbt: Wir fühlen uns dabei absolut ohnmächtig, was Resonanz per definitionem ausschließt. Aber dies ist nicht alles: wir erfahren in solchen Momenten das Handeln der Maschine als genuin nicht-responsiv, obwohl ihre Oberflächen auf Dialog und entgegenkommendes Verhalten hin angelegt sind. Computer simulieren Resonanz, folgen aber nur Algorithmen; sie stehen zwar in einem Ursache-Wirkung-Zusammenhang mit unserem eigenen Tun, / allerdings in keinem entgegenkommenden, sondern in einem mechanischen, der sich allerdings immer wieder als kontingent-erratische erweist. Das Missverhältnis zwischen Resonanzsimulation und "blinder" oder "stummer" Widersetzlichkeit scheint gesteigerten Frust und bisweilen blinde Wut hervorzurufen." (Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, 2018, S.55/56)
Nolde über das Verhältnis von Expressionismus und indigener Kunst
Ingeborg Ruthe: DIE BRÜCKE-KÜNSTLER Zwischen Inspiration und Aneignung, FR 7.1.2022
"Das Kolonialisieren ist eine brutale Angelegenheit - Wenn von den farbigen Eingeborenen aus einmal eine Kolonialgeschichte geschrieben wird, dann dürfen wir weißen Europäer uns verschämt in Höhlen verkriechen." (Emil Nolde)
Es wirkt, als hätte man Nolde diese Worte aus heutiger Sicht in den Mund gelegt. (Fontanefan)
"Berlins Brücke-Museum und das Kunsthaus Dahlem unterziehen die Motive der Expressionisten einer Vivisektion.
Expressionisten-Ausstellungen sind zu jeder Zeit gut für Publikumsrekorde. Gerade erst erzielten die Brücke-Expressionisten auf deutschen Winterauktionen wie in der Berliner Villa Grisebach immense Preise. Die Kunst des heftigen Ausdrucks für archaische Körperformen, des volkstümlichen Holzschnitts aus dem 15. Jahrhundert spricht ungebrochen Augensinn und Seelenlage an. Sie bietet Assoziationen für jede Lebenslage und Stimmung. Die harten Konturen und die „wilde“ ekstatische Farbgebung wirken bis heute ursprünglich.
Seit ihrem Entstehen vor 117 Jahren an den Moritzburger Teichen interpretiert die Kunstgeschichte den packenden, das Archaische feiernden Stil als Kulturkritik gegen die fortschreitende Anonymität und Naturferne der modernen Welt sowie die gesichtslosen Fratzen der Großstädte. Die Nazis stigmatisierten diese Kunst als „entartet“, sie zerstörten Werke und verfolgten Künstlerinnen und Künstler. Die Bilder der „Brücke“ wie die der später gegründeten Gruppe „Blauer Reiter“, auch die der „Rheinischen Expressionisten“ zählen zweifellos zu den bis heute inspirierenden Werken. Sie stehen für die aus der Akademismus-Starre der Kaiserzeit befreiten Kunst.
Berlin besitzt ein Schatzhaus dieser frühen Avantgarde. Das Brücke-Museum eröffnete 1967. Es wurde gegründet mit dem Bild-Nachlass und der exotischen Sammlung des Brücke-Malers Karl Schmidt-Rottluff. Das Haus am Rande des Grunewalds ist inzwischen Bewahrer und Erforscher einer der weltweit größten Expressionisten-Sammlungen.
Wer es besucht, findet in den Bildwerken das Brücke-Manifest wieder, welches Ernst Ludwig Kirchner, der wohl Berühmteste der Gruppe, einst in einen Holzschnitt fasste: Bei der „Brücke“-Kunst handele es sich „nicht allein um eine Abwendung von den überkommenden Kunstformen, sondern im gleichen Maße um die Vision einer freieren menschlichen Gesellschaft“. Es war also ein Aufbruch. [...]"
(Ingeborg Ruthe: DIE BRÜCKE-KÜNSTLER Zwischen Inspiration und Aneignung, FR 7.1.2022)