Er könnte keine einzige Milbe schaffen, aber Götter erschafft er dutzendweise. (Montaigne)
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Mittwoch, 11. Juni 2025
Der Mensch ist nicht ganz bei Troste ...
Aufklärung
Dienstag, 10. Juni 2025
Verschiedene Kulturen, ähnliche Probleme
Die Afroschweizerin Melara Mvogdobo wurde 1972 in Luzern geboren. Sie hat mehrere Jahre in Kamerun und in der Dominikanischen Republik gelebt. Während ihrer Jahre in der Schweiz hat sie als Lehrerin, Erwachsenenbildnerin und Trauma-Beraterin gearbeitet.
In ihrem Roman (Großmütter. Transit, Berlin 2025) berichtet sie über ihre - halb fiktiven - Großmütter:
Die Schweizer Großmutter wächst auf einem Bauernhof auf. Als sie am Ende ihres Lebens im Krankenhaus zurückdenkt, merkt sie, dass sie über ihre Tochter, die sie besuchen wird, im Grunde nicht viel weiß. "Wir sind nicht so eine Familie, in der man Gefühle offen zur Schau trägt. Auf jeden Fall nicht die Trauer und auch die Freude nicht. Den Zorn vielleicht. Zorn stand von jeher aber nur den Männern zu." (Zitat)
Die Kameruner Mutter hat sich nicht alles gefallen lassen, sondern sich gegen die übliche Polygamie gewehrt. Das war ein Stück Selbstbehauptung, doch ihr Ehemann war ihr deshalb ein Leben lang böse, denn er hatte den Eindruck, dass sie ihm etwas, was ihm zustand, weggenommen hatte.
Es wird gezeigt, wie sie jetzt ihren Mann auf seinen Wunsch hin ins Krankenhaus bringt. Nun wird sie ihn los sein, der sie ihr Leben lang gedemütigt und geschlagen hat. Aber obwohl er jetzt hilflos jammert und schreit, hat er noch die Kraft, seine Wut an ihr auszulassen. "Genug ist genug", denkt sie. "Ich glühe innerlich vor Zorn. Während vor all diesen Leuten im Wartesaal des Arztes ein weiteres Stück meiner Würde sich ins Nichts auflöst." (Zitat)
So unterschiedlich die Verhältnisse sind, so ähnlich ist die Unterdrückung, der die Frauen ausgesetzt sind. Das wird nicht ausführlich erläutert, sondern nur durch schwarze Schrift für die Schweizerin und rote für die Großmutter in Kamerun angezeigt.
Die Enkelin erinnert sich, wie stolz die erwachsenen Frauen um sie herum waren, als das Frauenwahlrecht 1946 in Kamerun eingeführt wurde. „Wir waren die ersten in ganz Afrika. Sogar die Frauen der ,Blancs‘, erklärten uns unsere Lehrer, dürfen in vielen Ländern bis heute noch nicht wählen.“ (In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht erst 1971 eingeführt, im Kanton Kanton Appenzell Innerrhoden sogar erst 1990. Weil nur die Männer wahlberechtigt waren und den Frauen kein Wahlrecht geben wollten, musste es per Gerichtsbeschluss gegen die Männer durchgesetzt werden. Das geschah erst im November 1990. Also erst nach der deutschen Wiedervereinigung, die am 3.10.1990 rechtskräftig wurde.)
Die Kamerunerin erinnert sich, dass ihre Mutter sich nicht über das Wahlrecht freute:
„Sie wusste es besser. Worte sind nichts als Worte. Auch wenn sie auf einem wichtigen Blatt Papier stehen. Sie haben keinerlei Bedeutung. Nicht für uns.“
Dazu eine Rezension des Romans aus der Frankfurter Rundschau, 9.6.2025:
"Es ist schon erstaunlich, von diesen beiden Lebensläufen in Kamerun und in der Schweiz so eng nebeneinander geführt zu erfahren. So unterschiedlich die Kulturen sind, so vergleichbar ist die herabwürdigende Art, wie mit Frauen umgegangen wird. Tragischerweise sind es in beiden Lebensgeschichten eben nicht nur Männer, sondern auch Frauen, die mit anderen Frauen in den Unterdrückungsmustern beider Gesellschaftssysteme verhaftet und nur selten zu liebevollen Gesten gegenüber einer anderen Frau fähig sind. Es gibt dagegen in beiden Lebensberichten auch schöne Momente. Erstaunlich ist, wie beide Frauen in sich einen unzerstörten Kern in ihren Herzen bewahrt haben und Kraft daraus schöpfen."
Sonntag, 8. Juni 2025
Pfingstgottesdienst: Mut
Die Gemeinde feiert mit Bischof Benno Elbs. Was bedeutet Mut? Darum geht es im Gottesdienst am Geburtsort des Seligen Carl Lampert, der 1944 sein Leben für seinen Glauben ließ: in Göfis. Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs leitet die Feier. Die Festpredigt hält Pfarrer Walter Juen. Zu hören ist die „Missa Simplex X“ des zeitgenössischen lettischen Komponisten Rihards Dubra, ein Werk, das das gesungene Glaubensbekenntnis in den Mittelpunkt stellt.
Es musiziert der Kirchenchor der Pfarrkirche Göfis St. Luzius unter der Leitung von Andreas Lampert. (Text: ORF)
Geschichte des Kirchenchores St. Luzius Göfis
Anspruchsdenken oder Freiheit?
"Wir sind nicht deine Mudda" Die Hecke von Glinde ZEIT 5.6.2025
Mangelnde (öffentliche) Parkplätze, LGBTQ, Meinungsfreiheit
"Wir sind nicht deine Mudda und räumen dir alles hinterher!" schreibt die Stadt in einem öffentlichen Apell.
Was steht dahinter? Müll, der auf die Straße geworfen und bei stärkerem Wind auch hunderte von Metern entfernt vom Supermarkt entfernt landet. Picknikabfall, der neben dem Papierkorb auf den Boden geworfen wird. Neunsitzige Sofas, die nachts vor einem Altenheim abgestellt werden, weil Sperrmüll nicht völlig kostenlos abgefahren wird und man zwar das Geld für eine neue Sofagarnitur hat, aber nicht das für die Entsorgungsgebühr.
Obdachlose werden daran gehindert, auf einer Parkbank zu übernachten, indem die Sitzfläche durch Armlehnen so aufgeteilt wird, dass allenfalls ein Kleinkind Platz zum Liegen fände.
SUVs verbrauchen mehr Parkplatz und notgedrungen stellt die Stadt größere Flächen bereit.
Ein Rentner lässt eine weit über 3 Meter hohe Hecke auf den öffentlichen Gehweg wachsen, so dass Ausweichräume knapp werden. Radfahrer sausen durch die Fußgängerzone und Elektroroller stehen auf Fußwegen und gefährden Sehbehinderte und Bürger mit Rollator.
Das Phänomen ist nicht ganz neu. In meiner Kindheit fiel mir auf, dass überall, wo in der Natur Müllhalden waren, "Müllabladen verboten" stand. Das war ein so vertrautes Bild, dass es einige Zeit brauchte, bis ich merkte, dass das mit dem Verbor eigentlich ernst gemeint war.
"Wir sind nicht deine Mudda" Wo findet der Übergriff statt? Wo Kleidervorschriftem Juden vorschrieben, spitze gelbe Hüte zu tragen oder wo man eine Person, die man als Mann kennengelernt hat, nicht mehr als Herr ansprechen darf? Schließlich soll man eine Frau mit 40 Jahren, die nicht verheiratet ist, ja auch nicht Fräulein nennen. 1000 € Geldstrafe für falsche Anrede? Hat jede(r) das Anrecht darauf, dass man über ihn/sie mit dem von ihr gewählten Pronomen spricht?
Freiheit hat ihre Grenze da, wo sie die Freiheit der anderen beschneidet.
Ich hoffe, es bleibt nicht unbemerkt, dass ich im Falle des Konflikts zwischen Kommunen und Obdachlosen auf der Seite der Obdachlosen stehe. (Freilich nur weil Obdachlose uns anderen nicht das Recht auf einen ungestörten Schlafplatz bestreiten. Warum bestreiten Kommunen den den Obdachlosen? Nur weil beim Segen urbi et orbi auf dem Petersplatz weniger Gläubige Platz fänden?)
Mittwoch, 28. Mai 2025
Wie funktionieren ChatGPT und andere Large Language Models?
Auch wenn die LLMs selbst für ihre Entwickler eine Black Box sind, kann es hilfreich sein, wenn man wenigstens eine Grobvorstellung von dem hat, was darin ist. In ChatGPT und den anderen LLM (Large Language Models)?
Dankenswerterweise hat Herr Rau eine ausführliche Erklärung verfasst. Er erklärt es Schritt für Schritt. Dann folgen mehr oder minder genaue (und mehr oder minder verständliche) Einzelerläuterungen
Ich beginne mit Herrn Raus Zusammenfassung:
- Ein LLM wird mit dem Äquivalent von 100 Millionen Büchern an Text trainiert. Das Training geschieht erst automatisch, dann durch menschliches Feedback.
- Ein LLM besteht aus 120 Decoder-Schichten.
- Am Anfang wird ein Eingangstext in Token zerlegt, und zwar maximal 8.000 bis 128.000 Token.
- Jedes Token wird in einen 10.000-dimensionalen Raum eingebettet, erhält also ein Embedding bestehend aus 10.000 Zahlen. [zu Herrn Raus Erklärung von Embedding]
- In jeder Decoder-Schicht wird jeder Eingangsvektor in beliebiger Reihenfolge verarbeitet.
- Bei der Verarbeitung werden die 7.999 Nachbartoken ebenfalls berücksichtigt. Wie sehr und wie, das entscheiden der Q- und der V-Vektor des aktuellen Tokens und die 7.999 K-Vektoren der Nachbartoken zusammen. Die werden anhand trainierter Tabellen ausgerechnet. Das ist das eigentliche Kern der Sache.
- Bei dieser Verarbeitung steht ein Neuronales Netz an letzter Stelle.
- Nach der Verarbeitung entsteht wieder für jedes der 8.000 Token ein neuer Vektor der gleichen Größe.
- Die Schritte 5 bis 8 wiederholen sich je Decoder-Schicht.
- Das letzte Embedding des letzten Token wird in ein Neuronales Netz eingegeben, das 100.000 Ausgangsneuronen hat: für jedes Token im Wortschatz eines. Deren Werte heißen Logits.
- Die Logits werden mit Softmax (normalisierte Exponentialfunktion) normalisiert, so dass man 100.000 Werte zwischen 0 und 1 hat, die für jedes Token im Wortschatz eine Wahrscheinlichkeit angeben.
- Ein Algorithmus wählt aus diesen Werten ein Token aus, das das nächste generierte Token bildet.
- Der Prozess beginnt von vorn.
Die Zahlen sind gerundet und geschätzt und gehen je nach Modell auch mal um den Faktoren zehn oder mehr nach unten, sind aktuell aber an der Obergrenze.
Jetzt zu den Einzelerläuterungen:
LLM Grundlagen, Teil 1: Über N-Gramme
Ein Computerprogramm hat eine Textmenge zur Verfügung und sucht die jeweils wahrscheinlichsten Textverknüpfungen heraus: mit 1, 2, 3 und n-Wörtern. (N-Gramme)
Statt Wörtern verwenden die Large Language Models Tokens, das sind charakteristische Schriftbestandteile (meist Silben in Verbindung mit Zeichen davor oder danach), die mehr Informationen enthalten als Buchstaben, aber nicht so zahlreich sind wie Wörter.
Diesmal folgt der vollständige Text von Herrn Rau:
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