Freitag, 19. November 2021

Vegetarier und Vegane retten Leben

 https://utopia.de/news/hirschhausen-pflanzenbasierte-ernaehrung-weniger-tote-deutschland/

Urbane Wälder statt Abholzen von Urwald

 "Urbane Wälder können Städten helfen, sich an den Klimawandel anzupassen", sagt Florian Mayer, Experte für Landschaftsplanung beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), das drei urbane Wälder in Leipzig gefördert hat. "Indem wir möglichst viele Flächen renaturieren, können wir die Folgen zunehmender Extreme wie Hitze, Starkregen, Dürren in Städten dämpfen." ("Nature-based Solutions": Im Naturheilverfahren ZEIT 18.11.2021)

Statt dessen wird Verdichtung betrieben und Urwälder werden abgeholzt, um mit Monokulturen rasch nachwachsend Holznachschub zu produzieren. Gift für das Klima. 

"Damit die Bäume rasch viel CO₂ aufnehmen, werden bei Aufforstungen vor allem schnell wachsende, oft gebietsfremde Monokulturen wie Eukalyptus oder Akazien angepflanzt. Manchmal müssen dafür sogar Urwaldflächen weichen – in Kambodscha etwa wurden 34.000 Hektar Urwald gerodet und überwiegend mit Akazien-Monokulturen wieder aufgeforstet. Um das Nutzungsrecht für das Land zu bekommen, führte die Firma ebenfalls das Argument der CO₂-Senke durch den zukünftigen Baumbestand an. Zwar konnte sie den Wald letztlich nicht als solche vermarkten, sondern nutzte ihn nur zur Holzgewinnung – dennoch hatte das Klima-Argument geholfen, den Urwald zu zerstören. Betroffen waren 19.000 Familien, die vom und mit dem Wald gelebt hatten." ("Nature-based Solutions": Im Naturheilverfahren ZEIT 18.11.2021)

Mittwoch, 10. November 2021

"Eifernde Züge eines Glaubenskampfes"

"Eifernde Züge eines Glaubenskampfes"  Verfassungsrechtler Udo di Fabio im Interview, Welt am Sonntag, 7.11.21

Bei der Hongkong-Grippe Ende der sechziger Jahre starben innerhalb eines Jahres 50.000 Menschen in der Bundesrepublik. Es gab keinen Lockdown. 

Udo di Fabio: "Wir sind sensibler geworden, was Gesundheitsrisiken angeht. Wer in Europa noch Krieg und Nachkriegszeit erlebt hatte, den Hunger und das Elend, der kam vor einem halben Jahrhundert zu anderen Risikobewertungen als die Gegenwart. Eine größere Sensibilität für den Rang des menschlichen Lebens ist durchaus etwas Gutes. [...]

Natürlich gibt es Grundsätze der Gefahrenabwehr, die Freiheitsrechte erheblich einschränken können. In der Pandemie geht es um die Abwägung, in welchem Verhältnis der Schutz von Leben und Gesundheit zu Freiheitsrechten und zum Schutz der Menschenwürde steht. [...]

Demokratien sind nie homogene Ordnungen. Der Streit gehört dazu. Doch es tauchen in neuem Gewand alte Muster wieder auf: Eifernde Züge eines Glaubenskampfes, der Andersdenkende nicht als nur mehr Gegner, sondern als Feind betrachtet und mit Hass verfolgt."


Dienstag, 9. November 2021

Wollen Twitterer andere aushorchen?

 "We all like to snoop just as much as big tech" schreibt James Marriott in der Times am 12.8.2021

Bei der Paketverfolgung erfahren wir nicht selten bis auf 5 Minuten genau, wann das Paket eintreffen wird. Und dann werden wir aufgefordert, die Anlieferung zu bewerten wie eine Äußerung bei Facebook oder Twitter. Marriott meint, damit fühlen wir uns berechtigt, eine Person zu bewerten wie eine vorher nur eine Meinung. (Ein Urteil hatten wir über Meinungen schon vor dem Internet, aber wir wurden nicht darauf getrimmt, sie allüberall durch "Likes" zu dokumentieren.)

Dabei fällt mir auf, bei Twitter lese ich alles mögliche an Gefühlsäußerungen von konkreten Personen, was ich über sie nicht wissen will. Nicht, dass ich ihnen das Recht beschneiden will, ihre Gefühle in der Öffentlichkeit auszubreiten. Es ist mir auch nicht uninteressant, dass jemand eine bestimmte hat und wie viele Personen sie teilen. Ich will es nur nicht über eine konkrete Person wissen, weil es meine Meinung über die Person beeinflussen könnte, ohne dass ich den Kontext beurteilen  kann, in dem die Äußerung steht.

Wenn ich die Person dann entfolge, könnte sie aber meinen, ich hätte etwas dagegen, dass sie eine bestimmte Meinung hat oder ein bestimmtes Gefühl äußert. - So gewöhne ich mich langsam daran, lauter private Informationen zu bekommen, die mich nichts angehen. 


Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen?

"Was waren die größten Unterschiede zwischen Ost und West?

Was mir aufgefallen ist und auffällt, bis heute, und was ich mag, ist die große Ernsthaftigkeit der Menschen in der DDR. Sie haben die Welt, die Kultur, die Politik ernst genommen und nehmen sie ernst und waren nach der Vereinigung von dem anderen Ton im Westen befremdet. Im Westen haben die Kulturszene und das Feuilleton einen spielerischen, ironischen, distanzierten Ton entwickelt und wurde und wird auch die Politik ein gutes Stück weit als taktisches Spiel inszeniert und zelebriert – das hat Fremdheit geschaffen.

Auf beiden Seiten?

Ja, den Wessis kamen die Ossis in ihrer Ernsthaftigkeit tölpelhaft vor, weil sie das Spiel nicht lässig mitspielten. Und die Ossis fanden die Westler unernst, und erlebten sich von ihnen auch nicht ernst genommen."

„Wir schreiben alle nicht nur über uns, Gott sei Dank“, Bernhard Schlink im Interview, FR 9.11.21