Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kinder forschen ohne Druck?

"An der Junior Uni Wuppertal forschen Kinder und Jugendliche ohne Druck, sondern mit Spaß." (Wie eine Uni in Wuppertal Kinder und Jugendliche zu Wissenschaftlern macht, Handelsblatt 11.12.18)

Das ist "bundesweit einzigartig".
Merkwürdig. Ich dachte, Nobelpreisträger entstünden nur durch Druck, und Kinder motivierte man zu Forschung nur, wenn man sie ihnen als anstrengend und uninteressant präsentierte.
Dann folgt die Erklärung: das Ganze passiert an einer Uni "privat finanziert".
An einer öffentlich finanzierten Uni käme man natürlich nicht auf so einzigartige Motivationsideen.

Es gibt mancherlei Möglichkeiten für Lobbyismus. Privat finanzierte Universitäten, an die man Schüler einlädt, sind eine davon.

Samstag, 8. Dezember 2018

Südafrika

Südafrika Wikiyoyage
Südafrika Wikipedia
Südafrika Commons

 Jacaranda
Motsi Mabuses Südafrikatipps 1
Motsi Mabuses Südafrikatipps 2

Wie wird ein gemeinsamer Weg nach dem Ende der Apartheid möglich?
Frontier in Südafrika

Gelungene Integration

ist kein Abschiebehindernis.

Wie ist dieser Satz fortzusetzen? Was folgt daraus?

Spurwechsel* ist nicht gewünscht, Integration also nur im Sonderfall.

* "Spurwechsel"-Debatte: Beifall für Daniel Günthers Vorstoß in der     Einwanderungspolitik, ZEIT 14.8.18:
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Günther hatte in der ARD gesagt: "Es ist wichtig, dass Menschen, wenn sie integriert sind, wenn sie eine Ausbildung schon abgeschlossen haben, die Möglichkeit haben, auch auf dem Arbeitsmarkt tätig zu sein, dass wir hier die Möglichkeit finden, einen sogenannten Spurwechsel zu machen, dass dann eben nicht mehr Asylrecht greift, sondern das neue Zuwanderungsgesetz." 
* Kompromiss zu Einwanderungsgesetz, FR 2.10.18


* Unsere Köchin bleibt, ZEIT 18.12.18:
[...] Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach sich schon vor längerer Zeit für einen "Spurwechsel" aus: Abgelehnte Asylbewerber sollen legal in Deutschland bleiben dürfen, wenn sie einen Job haben. Sie sollen dann nicht bloß geduldet sein, sondern ein Arbeitsvisum bekommen. In der Union ist der Vorschlag umstritten, Kritiker fürchten die "Pull-Faktoren", den massenhaften Zuzug von Ausländern, die keine Chance auf Asyl haben, in der Hoffnung auf ein Arbeitsvisum aber trotzdem kommen. Im Entwurf für das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, über den die Bundesregierung in dieser Woche berät, spielt der Spurwechsel keine Rolle mehr.[...]

Freitag, 7. Dezember 2018

Innsbrucker Hofkapelle

Der wohl bekannteste Komponist der Hofkapelle war Heinrich Isaac.
"Wo Isaac vor 1484 wirkte, ist nicht überliefert. Der früheste sichere Beleg ist der Beleg einer Zahlung vom 15. September 1484 an einen „Hainrichen ysaac Componisten“ am Innsbrucker Hof von Herzog Sigismund dem Münzreichen von Tirol, wo auch Paul Hofhaimer wirkte. [...]  Am 3. April 1497 unterschrieb Isaac in Innsbruck sein Dienstgelöbnis und war damit als „Componist und diener“ beim habsburgischen Hof angestellt. [...] Im September 1503 kam es zu dem bemerkenswerten Besuch der „Konkurrenz-Hofkapelle“ Philipps des Schönenaus Burgund in Innsbruck; zu diesem repräsentativen Anlass schrieb Isaac die sechsstimmige Messe „Virgo prudentissima“." (Wikipedia: Heinrich Isaac)

Die bekannteste Komposition Isaacs ist "Innsbruck, ich muss dich lassen". Ein zeitlich festzulegender biographischer Bezug ist freilich nicht herstellbar. 

Einer der großzügigsten Förderer war Erzherzog Ferdinand Karl von Tirol, der freilich damit sein Land ruinierte. Der bedeutendste Komponist, den er für seine Hofkapelle gewinnen konnte, war der Franziskanermönch Antonio Cesti, der trotz seines Standes schon früh im Theater auftrat.

Literatur:
W. Senn: Musik und Theater am Hofe zu Innsbruck: Geschichte der Hofkapelle vom 15. Jahrhundert bis zu deren Auflösung im Jahre 1748, Innsbruck 1954

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine Chance?

Ich will immer noch daran glauben, dass Rationalität sich in der Politik durchsetzt :

1. Dass CO2-Einsparung Priorität bekommt und CO2-Ausstoß nicht mehr subventioniert wird
2. Dass Milliardäre höher besteuert werden als Krankenschwestern, Altenpfleger ...
3. Dass die vorhandenen Instrumente zur nationalen und internationalen friedlichen Konfliktlösung gestärkt und nicht abgebaut werden.

Dass Macron in Frankreich ein Reformprogramm für Europa (sieh 3) mit Maßnahmen zur Verstärkung sozialer Ungleichheit (sieh 2) verband, fand ich daher erschreckend.

Die Entstehung der Gelbwestenbewegung in Frankreich weckt daher meine Hoffnung.
Nicht, dass ich daran glaube, dass, was im Arabischen Frühling zu Millionen von Toten und noch mehr Flüchtlingen geführt hat, das angemessene Instrument wäre, demokratisch legitimierte Regierungen einzusetzen.
Aber es könnte dazu beitragen, dass die politische Klasse sich bewusst macht, dass es nicht sinnvoll ist, dauerhaft die Bedürfnisse von 75% der Bevölkerung zu ignorieren und statt dessen  den Wünschen von Rechtsradikalen nachzugeben, die weniger als 20% der Bevölkerung ausmachen.

In diesem Sinne schreibt Georg Blume in der ZEIT vom 5.12.18:

Das "Urbild der Marianne [...] wurde zur Nationalfigur der Französischen Republik und schmückt heute jedes französische Rathaus.
Ganz ähnlich sind die Bilder, die der Fernsehsender TF1 am vergangenen Samstag von der 31-jährigen Krankenpflegerin Ingrid Levavasseur aus der Normandie zeigt: In gelber Weste steht sie auf dem Podest eines Elektrizitätsmastes nahe einer blockierten Autobahn. Neben ihr weht die Trikolore, ganz wie bei Delacroix, um sie herum das aufbegehrende, revoltierende Volk. In diesem Fall die Gelbwesten."

Diese Krankenpflegerin wird in Talkshows eingeladen, weil erkennbar ist, dass sie für die unzufriedene Mehrheit der Gesellschaft spricht:

"[...] mit langen roten Haaren und einem geflochtenen Zopf, mit viel Geduld und dem gütigen Lächeln einer Krankenpflegerin, argumentiert sie alle in Grund und Boden. Sie spricht für eine Massenbewegung auf den Barrikaden, die an diesem Sonntagabend erstmals eine Stimme vor der ganzen Nation hat.
[...] Levavasseur spricht anschaulich, sachlich und zugleich gefühlvoll vom "Leiden der Menschen um mich herum". Von den Geringverdienern, deren Geld am Monatsende nicht mehr für Benzin und Kinderkleidung reicht. Denen es Jahr um Jahr nicht besser geht. Von denen der Staat höhere Abgaben verlangt – der dann auch noch ankündigte, vom 1. Januar an eine neue Benzinsteuer zu erheben. "Das war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", sagt Levavasseur."


Forderung der Gelbwesten an die Nationalversammlung (pdf  - auf deutsch)

Da geht es nicht um Sozialneid gegenüber Milliardären oder um Neo-Faschismus, sondern um die zynische Missachtung der Bedürfnisse der Mehrheit.
Wenn das begriffen würde, dann wäre da eine Chance für eine demokratische Erneuerung. Die der SPD und die Europas wäre die logische Konsequenz. 

Mehr dazu:
G. Blume in der ZEIT, 5.12.18

 in "Les Inrockuptibles" (deutsch in der ZEIT, 5.12.18)
"[...] Wer das Beschmieren von Denkmälern für etwas Schlimmeres hält als die Unmöglichkeit, sich selbst und die eigene Familie zu ernähren, in Gesundheit zu leben oder einfach nur zu überleben, der muss wirklich überhaupt keine Ahnung davon haben, was soziales Elend ist. [...]
Für die Herrschenden stellen die unteren Schichten, wie Pierre Bourdieu sagt, die perfekte "classe-objet" dar. Eine objektivierte Klasse, über die man von oben sprechen, die man durch die eigene Rede formen kann: Mal spricht man von ihr, als bestünde sie aus authentischen, guten Armen. Mal, als sei sie eine Ansammlung von Rassisten und Schwulenhassern. Die Intention ist in beiden Fällen gleich: Diese Klasse soll sich nicht selbst ausdrücken, soll nicht aus sich selbst heraus von sich selbst sprechen. [...]
Wir müssen einfach gewinnen. Wir sind viele. Wir wissen, dass die Linke, und mit ihr die Menschen, die leiden, eine weitere Niederlage nicht verkraften würden."

New York Times, 5.12.18